— 760
zeiuberheft der „Deutschen Kunst und Dekoration" (Verlagsanstalt Alexander Koch-Darmstadt) enthält iueiter: Plastiken, Modelle zu einem Krematorium mit Urnen-Friedhof, Musterungen für Gelvebe und Papier, Schmucksachen, Stickerei-Entwürfe, Lederpressungen, Kleinplastik in Porzellan und einen Bericht über die Ausstellung von Kleidern in der Kölner Flora, der mit einigen trefflichen Abbildungen illustriert ist. Das Heft enthält 95 meist ganzseitige Abbildungen.
Wsihuachtsliteratttr.
— Der Arzt seiner Ehre. Ein Drpma in vier Akten oon Calderon de la Barca. Für die deutsche Bühne übersetzt und bearbeitet von Rudolf Presber. (Concordia Deutsche Verlags-Anstalt, Hermann Ehbock, Berlin W. 30.) — Presber hat in einem lesenswerten Vorwort zu seiner Bearbeitung des Cal- dervn'schcn Dramas auseinandergesetzt, woher es kommt, daß dieses an poetischen und dramatischen Schönheiten reiche Werk sich bis heute' nicht die deutsche Bühne erobern konnte. „Cal- deron", so schreibt Presber, „war Katholik, Zeitgenosse eines der verwegensten Bühneiiarchitektcn, Hofmann und Günstling eines überaus prunkliebenden spanischen Königs. Ter zum Hof- kaplan aufgerückte Jesuitenschüler füllte seine Dramen mit brünstigem Glauben. Ter Lieblingspoet Philipps IV. jagte nach ungewöhnlichen Bnhneneffektcn, die dem erfindungsreichen Maschinenbauer Cosimo Loti, einem Architekten der Szene von unerhörter Kühnheit, den Vorwand zu immer neuen Wundern der Technik geben sollten. Der geschmeidige Hofmann spielte allzu gern mit schillernden Phrasen einer glatten höfischen Beredsamkeit. Das starre Dogma, der verwirrende Prunk, die über- schweugliche Phrase erdrücken für unser deutsches und modernes Empfinden die theoretisch immer wieder gerühmte, praktisch so selten erprobte Schönheit der Calderonschen Dramen, bereit der Fruchtbare über hundert mehr improvisiert, als in behutsamer Arbeit ersonnen hat". Von diesen Fehlern hat nun Presber das in der Erfindung so starke Drama behntfam gesäubert. Er hat die Trochäen Calderons in deutsche Blankverse gewandelt, hat eine dürftige, komische Figur getilgt und eine andere ernstere, frei erfundene dafür eingeführt, hat szenisch Unausführbares in die Erzählung gelegt, einige Nebenrollen kräftig gekürzt, und das Charakterbild anderer verstärkt, hat einige im Original nur angedeutete wertvolle Motive unterstrichen und das für unser modernes Gefühl unannehmbare Ende der Tragödie neu und versöhnend gewendet. Er hat damit ein wertvolles Stück, sowohl dramatischer wie poetischer Arbeit geleistet und das Drama zweifellos nicht nur dem modernen Scjcr als abgerundetes Kunstwerk nah gebracht, sondern auch für die Wirkung auf der Bühne gewonnen. Daß die Verse, wo sie Calderon nachbilden aber auch wo sie Eigenes geben, klangschön und formvollendet sind, braucht für Alle, die Presbers Gedichte kennen, nicht erwähnt zu werden.
— David, König von Israel. Schauspiel in vier Auszügen von H u g o G r e i u e r. Wischan u. Burkhardt in Halle. Der eigentliche Wert dieser Dichtung liegt in der Hereinziehung andrer biblischer Geschichten und Gestalten zur Veranschaulichung der Davidsgeschichte, — und ganz besonders in der psychologischen Motivierung. Nach Greiner ist Bathseüa dem David bereits früher begegnet; die beiden jungen Herzen waren damals einander zu- geflogen, aber der Mund hatte geschwiegen. Nun lodert die Liebe zu Heller Flarüme auf, als Uria seine Gattin dem König vorstellt. Nicht Sinnengier, . sondern Eifersucht veranlasst den König, den von einem Ränkeschmied am Hofe entworfenen Bluk- befehl auszufertigen. — Und als endlich dem David das Gewissen erwacht ist, besteht er mitsamt Bathfeba die höchste Probe auf die Echtheit ihrer Liebe, — David in offenem Bekenntnis und Bereitschaft zum Verzicht auf die geliebte Gattin, Bathfeba in dem Entschluß, dem Könige, auch wenn er zum Bettler würde, die Treue zu halten. Nathan verkündigt die Barmherzigkeit Gottes, “ Volke um jubelt, durch einen Regenbogen als Gnaden- Zelchen Gottes gegrüßt, zieht der König, nach Niederwerfung des durch Absalom erregten Aufruhrs, geläutert in seine Burg. — Sie Sprache ist kraftvoll, schlicht und wohlklingend.
— Die Union. Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart legt auf der Kinder Weihnachtstisch „Ottilie Wilder mut Hs A us gew ählte Ingend erzählnngen". Die besten Kmdergeschichten Ottilie Wilderimiths, ausgewäylt von ihrer Tochter Adelheid Wildermnth. Mit zahlreichen Bildern', kart. 3 Mk.) Turch die Herausgabe einer billigen Auswahl der Jugend-Erzählungen unserer besten Jugendschriftstelleriir kommt die Verlags- Handlung den Wünschen weitester Kreise entgegen. Tie gemüt- volleu Kindergeschichten von Ottilie Wildermnth sind in der deutschen Kinderstube längst heimisch geworden, und cs darf daher auch der neue Band einer freundlichen Aufnahme sicher sein, o r. 6Jemann’S Kunstkalender ist seit mehreren Zähren vielen Kunstfreunden ein lieber und willkommener Freund, dessen regelmäßige Wiederkehr zum Weihnachtsfeste bestimmt er»
/virh. Aich) diesmal hat er sich wieder eingestellt, für chchaltfahr 1908, und an feinen Tagesbildern, dem unendlichen Lterche der Universalgeschichte der Künste entnommen, werden sich
i viele auch im neuen Jahve alltäglich ergötzen. Nur eines sek endlich einmal rückhaltlos festgestellt: das Titelbild ist leider das alte süßliche; es ist seit Jahnen das am wenigsten erfreuliche des ganzeil Kalenders.
Rätsel.
Hört man eins, so beugt das Haupt, Wer in Erhrsurcht daran glaubt.
Klingt uns aber das zweite Wort, Sehnst du aus der Stub' dich fort;
Und das ganze zeigt dem Geist Bilder schönster, reiner Freude;
Jedes Kind sich glücklich preist, Tönt des Ganzen Festgeläute. E, R.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Specht, Pech.
Unser Weihnachts-Preisrätsel.
ElivaS metjr als anderthalb Hundert richtige Lösungen unseres Weih- uachts-Preisräljels sind uns bis Sainsiag mittag zugegangen, aber auch en. ein Dutzend falscher Lösungen. So meinten einige das Richtige getroffen zu haben mit „Schlittschuhen", andere mit „Christ- baum und Neujahr" oder mit „Schnee und Eis", wieder andere mit „Schneeschlittenbahn", mit „Eisschuhen", „Weilmachtsbilder- buch", „Weihnachtsbaum", „Fastnachtsball" rind „Weihnachtsball". Einer schreibt als Lösung: „Ein schönes Eis aufs neue Jahr". Einzelue dieser Einsender nähern sich ja ziemlich der richtigen Lösung, diese aber ist allein
„Schneeball".
Zwei Mädchen aus Allcndors a. d. Lumda, Oltilie und Marie E i m e r, brachten das ganz nett in folgende Verse:
Es tanzt in der Lust der „S ch n e e", Die Jugend aus den: „B a l l".
Der „S ch u e e b a l l" fliegt in die Höh', Doch trifft er nicht überall.
Hübscher' noch reimte der Vater eines kranken Gießener Bübchens:
Mein Iunge und der erste Schnee.
Die Engeleiu schütleku die Bettchen mtS, Die Federn stieben im Wind;
Sie säuseln zur Erde, und: Ei, der Taus', Cchncestocken sind es fürs Kind.
Verzuckern die Straße, den Garten, das Dach, Die Fensterbank, alles int Nu.
Mein Heinzchen öffnet das Fenster, und: „Ach, Lieb' Mutier, 's liegt Schnee hier, siehst Du?"
Die Händchen, die kleinen, sie formen gewandt Und geschwind den rundlichen Ball,
Schon fliegt er, geschleudert mit sicherer Hand, Hinüber an Nachbars Stall.
lind Schneeball aus Schneeball fliegt tueiler die
Bahn,
Bis leer von Flocken der Stellt.
Mit letichienden Augen schattis Bübchen mich an: „Gelt, Vater, das war aber sein!"
Und obendrein hat noch der kleine Kranke, Fritz Kneipp in Gießen, Steinstr. 88, im Bett die Lösung niedergeschrieben. Dalür soll er einen Preis bekommen. Er erhält:
Rübezahl, ausgeivählte Sagen mtb Schwänke, mit reichem Bildschmuck,
Auch die beiden Allendorfer Mädchen sollen bedacht werben. Sie erhalten:
Gute Bekannte aus b e m Tierreiche. (Tierbilber),
Ferner fallen Preise zu:
Gg. Bellos, Gießen, In Löbers Hof 6: Hans Tunichtgut.
Ilse v. Dewitz, Gießen, Süd-Anlage 4: Kindersang — Heimat- klang.
Mathilde Erle, Gießen, Steinstraße: Kindersnng — Heimatklang. Karl Fabel, Kroidors: DaS macht Spaß.
Hedwig Räder, Clintbach: Gute Bekannte aus deut Tierreich. Ludwig S ch m i b t II., Steinberg: Deutscher Kinbersreund.
Liddy Sievers, Gießen, Gartenstraße: Schlimme Streich' von
Hans unb Grete, Liese, Fritz unb Ernst mtb Käthe.
Anna Storck, Rockenberg: Der SBunbergcirten. Kalender für dis Jugend.
Karl Strack, Leihgestertt: Aus fertten Zoi>eit. Originalberichte berühmter Forscher.
Karl Wiener, Gießen, Bergftr. II: Künstler-Postkarten zum Attsmalett.
Die Bücher ligen in unserer Geschäftsstelle zum A b» holen bereit. Nach entfernter liegenden Orten tuerbcit die Preisbücher gesandt werdeti.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck mtb Verlag der Brühl 'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


