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Mu dH Fritz. Und während die Kindler angekleidet wurden, gerieten sie das fernere Schicksal des Mänschcns und beschlossen, die Falle in der Nahe des Mauseloches Zn öffnen und rings um dasselbe eine Wand von Süßigkeiten yi bauen, die sich das Mäuschen holen sollte.
Und so geschah cs.
Während Fritz und Lottchen! die Herrlichkeiten „vor dem Mauseloch ansbanten und warteten, daß die Mäuse sich daran gütlich tun Werben, feierte Knabberchen mit ihrem Mütterchen, Samifellchen und Langschwänzel ein seliges Wiedersehen! Tabei erzählte es die tzauzen Erlebnisse und Pries das mitleidige Lottchen.
Lauge noch saß die wiedervereinte, glückliche Maussamilie eng aneinander geschmiegt beisammen, bis der Hunger die Mausmama zum Ausgehen zwang.
Wer aber beschreibt ihr freudiges Erstaunen, als sw, draußen «ngelangt, sich dem Berge von Süßigkeiten gegenüber sah. Sie wähnte sich zuerst im Schlaraffenland. Dann rief sie ihre Kinderchen herbei, und vereint mit diesen wurde alles ins Mauseloch geschleppt, auch nicht ein Krümchen vergessen.
Das war ein vergnügtes WeihNachtsscst! Sie sangen und sprangen und aßen sich so dick, daß sie beinahe geplatzt wären!!------
Nachher sind sie in das Schlafzimmer zu den Kindern gegangen und wollten sich bei Lottchen und Fritz bedanken. Aber die schliefen wie die Murmeltiere und hörten nichts davon.
Weihnacht.
Weihnachten, Weihnacht! Hochheiliger Klang!
Auf, armes Herz, sei nimmer bang!
Selig lausche der Himmelsknnd:
Christ ist geboren in nächtlicher Stund!
Ehre sei Gott in der Höhe!
Wach auf, o Seele, wach auf, hab Bedacht Palmen zu streuen in heiliger Nacht.
Die Wege bereite! Voll jubelnder Freud' Den Herrn einpfange! Er kommt ja heut, Zn segnen die Menschheit. Hosianna!
Läutet, ihr Glocken, die Weihnacht ein!
O läutet allen in's Herz hinein,
Ein Echo weckend gleich himmlischem Sang.
Weihnachten, Weihnacht! Hochheiliger Klang!
Hosianna! Friede auf Erden!
Gießen. Anna Wiedefeld.
VssinZschtes.
* Das goldene Vlies gilt seit dem grauen Alter- 1U!N als das Sinnbild eines wunderbaren Preises für schwere Ilbcnteuer als das ersehnte Ziel aller Glücksritter. An Jasons Mrgonautenzng, wie an einen Vorläufer seiner eigenen geplanten Orient- und Kreuzfahrt dachte daher wohl auch Herzog Philipp der Gute von Burgund, als er 1429 den Orden vom Goldenen Vlies 'lüftete als einen! Lohn für christliche Rittertugend. Jn- lolge der burgundisch-habsburgischen Verschwägerung hat sich der Orden in einen österreichischen und einen spanischen Zweig Keteilt, und dem spanischen Wappen ist 'seitdem als Zierde die Kette des Ordens mit daran hängendem goldenem Widdcrfell beigefügt. Tas Widderfell ist mit einem mitten um den Leib gehenden goldenen KNoten au der Kette befestigt. Bon diesen Wappen scr Krone Spaniens befindet sich in Rone, ganz nahe bei dem Sitze der spanischen Botschaft, eine eigentümliche Wiedergabe. Tort liegt eine Apotheke, die als Lieferantin der genannten Botschaft an ihrer Schau-Auslage das spanische Wappen prächtig in Glasschmelzmalerei angebracht hat. Leuchtend heben sich die bunten Farben von dem schwarzen Grund, und am Fuß des Wappens glänzt an goldener Kette daS goldene Blies — doch nein, das ist ja gar kein Widderfell mit krauser Wolle, krummen Hörnern und dichtem Wollenschwanz, das ist ja unverkennbar, .glich ohne genaueres Zusehen, ein leibhaftiges Schwein! Man verzeihe das harte Wort, aber es entspricht der Wahrheit. Ein fettes, rundes Schwein mit glatter Spcckharit, lustig gedrehtem Riugelschwänzchen, dielen Schinken, spitzen Oehrehen und breitem Rüssel. So hängt es fröhlich au, der goldenen Kette zum Schmuck des spanischen Wappens seit Jahren, und niemand scheint bis jetzt Anstoß daran genommen zu haben, selbst der nebenan wohnende Botschafter nicht. Wie kam der geschickte Glasmaler zu diesent Quiek-pro-quo? Denn geschickt war er und hat sich nicht etwa unabsichtlich in ben Tierformen vergriffen, sondern hat zweifellos' mit vollem Bewußtsein ein Schwein malen wollen, so ähnlich und lebenswahr, nne je eines in den Fliegenden Blattern oder von Wilhelm Busch gezeichnet worden. Hat er einen grausamen Simplizissimuswitz machen wollen, oder hat er ben Wlbder seiner Vorlage nicht verstanden oder endlich das fette S.chwM W würdiger gehalten als den dummen
Schafbock? Wer weiß? Vielleicht ist aber der Maler ein den- kender moderner Mensch, der die Heraldik zeitgemäß verbessern wollte, und da heutzutage niemand mehr ans goldene Blies glaubt, wohl aber viele eilt goldenes oder silbernes Glücks- schveinchen an der llhrkette oder am Armband tragen, so hat er, kurz entschlossen das spanische Wappen mit diesent allgemein verständlichen Symbol geschmückt und damit der Krone Spaniens in künstlerischer Form seine Glückwünsche dargebracht.
— Nichtheiß essen. Ein großer Fehler ist der, daß man zu heiß ißtmnd oft auch schnell heiß und kalt durcheinander ißt und trinkt. Wenn man bedenkt, daß der Magen mit einer seinen Haut ansgekleibet ist, die ebensowohl ihre EmPfindungsnerveit hat !vie unsere äußere gröbere Haut, und wenn man sich vergegenwärtigt, welche unangenehmen Folgen sich einstellen, sobald man nur einen Löffel voll heißer Suppe ans die äußere Haut, zum Beispiel die Hand- oberfläche schüttet, mag man wohl schnell darüber ins Klare koinmen, daß das allzu heiße Essen üitb Trinken ebensowohl tote das schnelle Durcheinandergießen von heißen und kalten Speisen und Getränken den Magenwänden mit der Zeit schweren Schaden bringen muß.
* Egoist. „Sie sind auf der Hochzeitsreise? Wo ist beim Ihre Frau?" — „Ja für zwei hat's nicht gelangt, da bin ich allein gefahren."
Kindermund.
Der gehürute Siegfried. Bruder Fritz erzählt beim Mittagessen voller Begeisterung von Jung-Siegfried, von dem sie heute in der Schule „gehabt" haben; der vierjährige „Bubi" hört mit vsseuem Mäulchen eifrig zu. — Als die Mutter ihn zu Schlafengehzeit vergebens in der ganzen Wohnung sucht, entdeckt sie ihn schließlich in der Speisekammer, aber in welchem Zustande! Seine Kleiduttgsstücke liegen nn der Tür, und der kleine Kerl steht im Adamskostüm vor dem Steintopf voll Sutter und streicht mit den glänzenden Häudett über Hals und Brust, die auch tote lackiert ausseheu. — „Ihre Himmels willen, Bubi, was machst du da?" — „Ach, Mammi, ich wollte bloß so unbesiegbar werden wie der Siegfried. Und der war doch so, weil er sich mit Tracheusett einschmierte. Nu wollt' ich seh'n, vb so'n Fett auch hilft!" —
Der Schutzmann. Hans geht feit einigen Tagen zur Schule und berichtet getreulich zu Hanse seine Erlebnisse. In der Panse hat er „nur gefrühstückt". Mutter: „Hast du nicht' auch init den Jungen gespielt?" Hans: „Nein, ich bin nur allein herumgegaugen, ich mußte doch erst aufessen". (Er ist nicht gern' beim Essen gestört.) Mutter: „Es ist doch hübscher, wenn du auch mit den anderen Kindern spielst." Am nächsten Tage: Hans: „Mutter, ich habe heute in der Panse ein Spiel erfunden, bei dem man auch essen kann." Mutter: „Was denn?" Hans: „Schutzmnuu." Mutter: „Ta mußtest du wohl unartige Junge« einfangen?" Haus: „Nein." Mutter: „Oder hast du vielleM durchgehende Pferde aufgchalten?" Haus: „Auch nicht. Ich bin nur herumgegaugen und habe auf alle acht gegeben und habe ruhig dabei gegessen." Mutter: „Und die anderen Buben? Sind die von dir sortgelaufen oder was?" Haus (triumphierend): „Bewahre! Tie haben ja gar nicht gewußt, daß ich Schutzmann bin.--"
Kunst.
— Ein Hauptwerk moderner Knnst-Bergla- s u 11 g. Anfang Oktober d. Js. wurde die nach Entwurf von Prof. Otto Wagner erbaute Kirche der uieberösterreichischeu Landes- Heil- und Pslegeanstalt bei Wien eröffnet. Ihr Haupischmuck sind die nach ganz neuen Prinzipien in Kunst-Berglasung aus- gesührten Fensterdekorationeu. Einer der Modernsten, Prof. Koloman Moser-Wien, ist der Autor derselben. Er hat damit gezeigt, daß auch fü£ teilt kirchliche Zwecke man nicht notwendig an der alten leeren Schablone sestznhalten braucht. Ter Kirchen- verwaltung, die e§, „zuließ", daß nach den Pläueu eines der größten Neuerer die Kirche erbaut und von Koloman Moser geschmückt wurde, gebührt alle Auerkeunuug. Man müßte sie sogar bewundern, wenn nicht doch zum Schluß eilte andere Gesinnung bei ihr durchgekommen und die Beziehungen zn Koloman Moser, dem auch die Ausführung des Altarbildes und verschiedener Mosaik-Dekorationen übertragen war, nicht abgebrochen worden wären, lieber den Lauf der llnterhaubluugeu und die Schwierigkeiten, die sich bet Ausführung seiner Pläne eittgegcn- stellten, berichtet Koloman Moser in beut Dezemberheft bcr Darm- stäbier Kunstzeitschrift ,Deutsche Kunst und Dekoration". Tas Heft ist zum größten Teil mit ganz vortrefflichen Wiedergaben her ausgeführten Fenster uub bcr später abgelehnten Altarbilder und Mosaiken belegt. Da die Fenster, sowohl auf der Außen- wie auch auf der Innenseite günstig wirken sollten, waren dem .Künstler mancherlei Beschtänlüngen auferlegt. Auf jede Art von Malerei mußte er verzichten; lediglich durch charakteristffche Führung der Bleilinien und passend ausgewählte GlaSsorten sind alle Details und die reiche Wirkung erzielt. Wenn man auch nicht zu jeder Lösung „Amen" sagen kann, muß man doch zugeben, daß hier ein durchaus selbständiger Künstler ein kraftvolles Werf geschaffen, das alle Beachtung verdient. Das Tb-


