Ausgabe 
23.12.1907
 
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U 758 -

eilt großer Weihuachtsbaum?" quiekte

Mutter, was ist Wvänzel.

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ein Weihuachtsen'gel?" fragte Samt- Lebkuchen und Marzipan?" rief Lang-

Nun aber endlich Ruhe," inahute die eintretende Mutter, sonst tragen die Weihnachtsengel alles wieder fort und ihr Habt daS Nachsehen."

Gehorsam legten sich Friß und Lottchen' in ihre Kissen zurück. .Aber noch einmal rief Lottchen den schon halb schlafenden Bruder an:Tu, Friß, ich glaube. Per im Zimmer ist auch ein Weih- Nachtsengel. Es rauschte eben." Fritz erimmterte sich sofort, Hielt den Atem au und flüsterte leise und ehrfurchtsvoll:Ja, ich hörte es auch, wir wollen schnell noch einmal beten." An- ddchtig sprachen sie ihr Abendgebet und lauschten dann, sich fest an den Händen haltend, auf das vermeintliche Flügelranschen, vis der Sandmamk endlich die müden Augen der Kleinen schloß.

Jedoch nicht ein Weihnachtsengel verursachte das Geräusch, sondern- drei allerliebste junge Mäuse, die eiligst zur Mutter fort» liefen. Bei dieser, einer alten, fetten Maus, angelangt, fetzten sich alle drei auf ihre Hintersüstchen, fuchtelten' wild mit den Vorder- plötchen, schlugen mit den schon hübsch langen Schwänzlein erregt auf den Erdboden, und mit den piependen, quiekenden Sümmchen schrieen sie laut durcheinander.

Mutter, was ist ' " '

fellchen.

Mutter, was ist daS kleine Knabberchen'.

Die alte Mailsmama hielt sich lachend die Ohren zu.

Meine lieben Kinder, das sind viele Fragen ans einmal. Ich will sie euch aber beantworten. Mitten im Winter, wenn es recht kalt ist und draußen friert und schneit, so daß wir armen Mause kein Körnchen finden, dann feiern die Menschen ein Fest, das neunen sie Weihnachten. Dann Ivird ein grüner Tanneu- baum genommen, ihr wißt doch, die Taute Waldmaus wohnt unter einem solchen' großen, großen Baume, der wird bunt ausgeputzt, mit Zuckerzeug behängt und mit brennenden Kerzen be­steckt. Eine Kdrze ist das, !vas ihr heute zu Abend gegessen habt."

Und das ich gar nicht gern esst, ich will Zuckerzeug!" rief weinerlich das kleine Knabberchen.

Sei ruhig, mein Kind, du erhältst auch solches; nur nb- warteir und brav feitt", tröstete die Mutter ihr Jüngstes. Tann fuhr sie fort:Unter diesem Baum steht ein langer Tisch mit vielen, meist leider nicht eßbaren Dingen, die sich die Menschen gegenseitig zum Geschenk machen. Auf jedem Platze jedoch be­findet sich ein Teller"----dabei schnalzte sie mit

der Zunge, wedelte mit dem laugen Schwanz-e, so daß die Kinder nnt ihren runden, kleinen Augen erschreckt die verzückte Mutter anstaunten, bis Mabbercheu, das ein wenig vorlaut und verzogen War, vor Aufregung schrie:Mutter,was für ein Teller?!"

,-Fch mochte so einen Teller haben", jammerie das Jüngste, pnd Samtfellchen und Langschwänzel stimmten bittend ein.

vi", meine Lieblinge, ihr sollt alles haben', toemt ihr ver­sprecht, recht brav zu sein", versprach die Mausmama.

Ate Mauslern konnten nachher gleich Fritz und Lottchen

lange vor Aufregung nicht eiuschlasen und träumten wie diese von ben kommenden Herrlichkeiten.-----

Endlich war der Weihuachtstag angebrochen.

Als nun völlige Stille im Haust herrschte, so daß man au- nehmen konnte, Haß alle schliefen, filhrte die Mausmama die drei Geschwister bis M das Loch.Nun loartet hier ganz still, bis ich wiederLuume", sagte sie.Ich werde, erst unter­suchen, ob die Lust rein ist." Damit huschte sie fort.

Erwartungsvoll harrten die Kleinen. Nein, wie lange nur die Mutter ausbleibt! Schon ganz verzappeln wollten sie vor Ungeduld, besonders Knabberchen.

Als sich aber die Nücksthr der Mutter länger und länger verzögerte, konnte es Knabberchen nicht mehr aushalten, und irwtz der Bitten der Geschwister husch, da war es zum Loche hinaus, um der Mama ein Stück enigegenzulausen.

Es blieb aber gar nicht weit vom Loche plötzlich stehen. Ha! Welch köstlicher Geruch entströmte dort dem Gittcrhäus- chen! Knabberchen ging mit erhobenem Näschen näher heran. Wenn ich doch nur ein ganz kleines Stückchen hätte von dem, was da so gut riecht", dachte es.Tas allerliebste Häuschen haben gewiß die zwei Kinder Fritz und Lottchen heute geschenkt bekommen, mit etwas sehr Wohlschmeckenden darin; weshalb soll ich nicht auch Listen?"

Gedacht getan! Plötzlich gab es einen Knall! Knabberchen war gefangen!

Durch das Geräusch erschreckt, sprang mit einem grossen Satze die bicFe Mausmama vom Tische und lstf wie aus der Pistole geschossen, ohne sich umzusthen, gleich bis hinein in das Loch. Sie hatte die Leckerbissen erst auf ihre Güte geprüft und war so emsig, bei dieser angenehmen Arbeit gewesen, dass ihr die AnwesenheitKnabberchens vollständig entgangen sah, sie sich erstaunt nach ihrem Jüngsten um, als Langschwänzel fragte:Knabberchen ist wohl gleich im Weih- nachtszimMer geblieben?" Ta dämmerte eine schreckliche Ahnung iw. der armen Mäusemutter auf, und ganz entsetzt sprach sie: Kinder, Kinder, ich glaube, unser Knabberchen ist verloren! Jetzt^kommt nur mit."

Schleunigst liefen alle dem Unglücksorte zu.

Da faß nun das ungehorsame kleine Geschöpf, dicht bei dem, köstlichen, noch unberührten Speck, und weinte dicke Tränen.

Liebe Mama, ich ivill es nie loiedertun! Ach, liebe Mama, hilf mir heraus!" schluchzte es und steckte die Pfötchen bittend durch das Trahtgitter.

Mein Knabberchen, ich kann dir ja nicht helfen", weh­klagte die Mutter und rang verzweifelt die Borderpsoten. Samt-- fellchen und Lang schwänzet weinten bitterlich mit.

Tas waren traurige Weihnachten! Die ganze Nacht saßen sie um KNabberchens Gefängnis herum und waren ganz trost­los. Als der Morgen, dämmerte, nahmen sie Wschied. Gar nicht trennen konnten sie sich, bis plötzlich kleine, trippelnde Schritte hörbar wurden. Mit einem letzten Jammerblick entfloh die Miiusemutter mit den ihr noch gebliebenen zwei Kindern.

Lottchen, nur mif dem Nachtröckchen bekleidet, war ins Zimmer getreten. Tie Kleine, die beim Morgengrauen aus- gewacht war, hatte es im Bett nicht länger gelitten, sie mußte unbedingt Nachsehen, ob auch noch alle Herrlichkeiten da waren.

Ach zn schon war alles.

Gerade wollte sie leise das neue Püppchen aus der Wege heben,, als sie das Manschen in der Falle erblickte.Nein, wie lieb!" sagte sie für sich und trat näher, um den kleinen Gefangenen genauer zu betrachten. Me scheu und ängstlich sich das Tierchen in die Ecke drückte. Lottchens Herz quoll vor Mitleid über, und schnell eilte sie an den Tisch, nm für das Geschöpfcheu ein Stückchen Lebkuchen zn holen.

Aha, da hat sich ja was gefangen! Na warte, Spitzbube, deine, letzte Stunde hat geschlagen!" rief eine harte Stimme, nämlich die Stimme von Jette, dem Dienstmädchen, das eben erst erschien, um Feuer zu machen. Und schon kam sie herzu und griff nach der Falle.

Was willst du mit dem Mäuschen machen?" fragte die Kleine, argwöhnisch.

Na, ertränkt wird das Mausetier. Wozu habe ich beim die Falle aufgestellt!"

Jette! Nein, das darfst du nicht tun!" fchrie Lottchen ganz außer sich, .und blitzschnell rannte sie in das elterliche Schlafzimmer, obwohl dort wahrscheinlich noch niemand wach war.Mama, hör doch nur, die böse Jette will das arme Mäuschen umbringen", schluchzte Lottchen,sag ihr, sie darf es nicht! Nicht wahr, nein', Mama! Tas Christkindchen hat auch die Aiere lieb und wäre gewiß sehr ööfe, wenn das Mäuschen sterben sollte! Ich will auch etwas von meinen Spielfachen geben. Nur laßt das Mäuschen leben!"

Tie Mutterwar m-unter geworden und hörte lächelnd zu, dann Nahm sie das aufgeregte Kind gerührt in die Arme und streichelte die tränenfeuchten, heißen Bäckchen und fagte: n. ,,Mein gutes Kind, eigentlich müßte man alle die kleinen Naschmäulchen wegfangeu. Weil aber Weihnachten ist nud du gar fo sehr für das Mäuschen bittest, sei ihm diesmal das' Leben geschenkt. Erhalte dich uuK, lieber Gwtt, mit deinem Herzchen voll Erbarmen."

Hochbeglückt eilte Lottchen erst zu Jette und dann zu ihrem

scheu. Denn sich, das gerade ist das tiefe Geheimnis ber heiligen Nacht: Was zu verstehen fo groß ist, daß es der Menschen selbst nur wenige erfassen, das ist so einfach zu erleben, daß es in jedem Kinder herzen auf» leuchtet. Willst du's verstehen, so brauchst du Gründe. Aber die Liebe braucht sie nicht. Der Glaube braucht sie nicht. Sie sind durch sich selbst und tragen die Freude in sich selbst. Und um der Freude willen strahlen deine Schwestern im Lichterschmuck."

Sie mögen strahlen. Ich bin eine Tanne im Park. Ich freue mich des Lichts, das nun kommen ivird. Mögen vie Menschen sich dessen freuen, das sie haben."

Und doch," sprach der Rauhveif,wenn morgen die erstell Sonnenstrahlen durch''Die Nebel brechen, ivirst auch du leuchten im Festesschmuck. Die Eisuadeln krönen dein Haupt mit Demantglanz. Denn nicht umsonst streift mein Atem durch Meuschenherzen ivie durch Winterfluren. Auch du gehörst zu der großen Einheit, die lebt und webt im rastlosen Wandel der Zeit, auch du bist gewachfen, damit das werde und bestehe auf Erden, dem alle Wesen dienen: Liebe!"

Wie dis Wänskeir; Weihnachten feierten.

Bon Tru de Klg ußuvanN.

Nachdruck verboten.

Fritz und Lottchen wollten Tjfeuie gar nicht eiuschlasen. Immer wieder fingen sie an zu sagen:Einmal werden wir noch wach, heissa, dann ist's Weihnachtstag!" Und daun plauder­ten erregt die lebhaften Sümmchen und malten sich in prächtigen Farven die morgen zu erwartenden Weihiiachtsherrlichkeiten aus.

Tu, Lotte," sagte Fritz,im Eßzimmer, im Büfett riecht's Mächtig fein nach Lebkuchen' und Marzipan."

-.»Ja, und im Salon habe ich schon einen großen, großen Weihuachtsbaum gesehen und sogar die golduen Flügel der Weihnachtsengel rascheln gehört, glanbe ich."