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Selbstbestimmung; denn nur dadurch erhebt er sich über die Schranken seiner sinnlichen, psychischen, individuellen Endlichkeit zur Totalität des Lebens. Der bloße individuelle Mensch, auch der Uebermensch, bleibt immer ein Sklave — ein Sklave der Natur, ein Sklave der anderen, ein Sklave zum mindesten seiner eigenen Begrenztheit. Frei ist nur der geistige Mensch, der durch die Idee der sittlichen Vergesellschaftung zugleich sich und alle zur Totalität erhebt. Die Gesellschaft ist die Verwirklichung der Freiheit. Das zeigt sich auch an den großen Pfadfindern der Menschheit, die uns durch Nacht und Dunkel den Tag zum Lichte weisen; denn gerade dadurch vermögen sie ihr Erlösungs- Werk zu vollenden, daß sie ganz und gar über die engen Grenzen ihrer individuellen' Beschränktheit hinausgreifen, indem sie Bürger des Ideenreiches sind. Diese Totalität einer rein geistigen Lebensauffassung, die aber nicht etwa weltfremd ist, sondern in unmittelbarer Fühlung mit der menschlichen Entwickelung steht, wird nun auf die verschiedensten Gebiete geistiger Tätigkeit bezogen, um sich gleichsam als immanentes Gesetz zu erweisen, also auf die Religion und Theologie, auf die Philosophie und ihre etwaige Wiedererweckung auf den letzten Stufen unserer höheren Lehranstalten (wofür Schmidt ausdrücklich eintritt), auf Dichtkunst, auf die Bibel uswl Uieberall tritt uns reifes Denken, vertiefte Erfahrung und warmherziges Gefühl entgegen, das der Darstellung einen eigenen Reiz verleiht. Auch die Soziologie und Nationalökonomie kommen mit der Geschichtschreibung zu ihrem Recht; überall betont Schmidt das Ausschlaggebende der Ideen, denen gegenüber alles andere, selbst die Individuen, nur Mittel, nur Vorbereitung sind. Im einzelnen kann man anderer Meinung sein; so in manchem, was Schmidt über die Dichtkunst sagt. Und ob für die Prima der Unterricht in der Geschichte der Philosophie das rechte Lockmittel ist, um tieferes philosophisches Verständnis zu erwecken, will uns zweifelhaft erscheinen, — mindestens erfordert es einen sehr geschickten Lehrer, iveil sonst nur der reine Ballast des Details den Blick für das relevante Allgemeine beirrt.
Das Buch kann allen tiefer blickenden Menschen warm empfohlen werden. Th. A.
Ver«,Achtes.
* Fast vier Milliarden Mitgift. Die Amerikaner in ihrer Geldkrisis suchen jetzt 'ihren Trost darin, den Europäern immer ivieder vorzurechnen, ivie viel köstliche Millionen mitsamt den edelsten Töchtern ihres Landes den unwiderstehlichen, neun-, sieben- und anch fünfzackigen Freiern der alten Welt in die Arme gesunken. Nach vorliegenden Berechnungen sind es angeblich nicht weniger als 3780 Millionen Mark, die die noblen amerikanischen Väter ihren europäischen Schwiegersöhnen als Barangebinde überreicht haben. Dazu kommen nach den amerikanischen Blättern noch die Millionen, die viele amerikanische Väter ohne Klage aufwenden, um den künftigen Schwiegersohn erst zu sanieren. In einer Liste führen die Amerikaner jetzt nicht weniger als 356 einstige american girls an, die in der europäischen Aristokratie ihr Eheglück gesucht haben. May Goulet, spätere Herzogin von Roxburghe, entführte ihrem Vaterland 160 000 000 Mark, Pauline Astor, nachmalige Mrs. Spender Clay, <80 000 000 Mark, Anna Gould brachte dem fanrosen Grafen Boni de Castellane 68 000 000 Mark, Sarah Phelps Stokes, spätere Baronin Halkett, verfügte über eine Barmitgift von vierzig Millionen Mark, ebenso Consuelo Vanderbilt, Herzogin von Marlborough, Mary, Nancy und Margaret Leiter. Belle Wilton und Karoline Astor brachten je 20 Millionen in die Ehe und Marie Sattcrfield, spätere Gräfin Larisch von Moentch, 16 Millionen Mark. Neben altangesehenen britischen Aristokratenfamilien und klangvollen italienischen Fürstennamen figurierte auf der Liste auch eine lange Reihe bekannter deutscher Adelsfamilien. Wir finden die siegreichen Amerikanerinnen im Fürstenhause Auersperg, als Gräfin Blücher, Gräfin Beroldingen, Gräfin A. v. Bulow, als Baronin Debrowski-Donnersmark, Gräfin Goetzen, Baronin Graffenried, Gräfin Moltke-Huitfeld, Fürstin Hatzfeldt, -Gräfin Hatzfeldt, Prinzessin Isenburg, Gräfin Kranenberg- Wittgenstein, Baronesse Ketteler, Gräfin Koessel, Gräfin Lerchenfeld, Fürstin Lynar, Gräfin Raben-Levetzow, Gräfin Linden, Gräfin Moltke, Baronin Mallzahn, Gräfin Pappen
heim, Gräfin Bernhard Pourtalss, Gräfin Jacques Pour» talßs, Gräfin Otto Pourtales, Baronin Rothenberg, Prinzessin Radziwill, Baronin Stnmm, Prinzessin Salm-Salm, Baronin Schweinitz, Baronin Schwartzenburg, Gräfin Franken Sierstorpf, Gräfin Trackenberg, Gräfin Wartensleben und Gräfin Waldersee.
Juristisch. Anwalt (mit seiner jungen Frau das Standesamt verlassend): „So, mein Herz, nun ist unsere Liebe rechtskräftig."
Enfant tcrrible. Frau A. zur Frau B.: „Ich möchte »teilt seidenes Kleid gern färben lassen, weist aber nicht wie." — Söhnchen: „Mama, kannst du es nicht mit derselben Farbe färben, mit der du deine Backen färbst?"
Literarisches.
— Gedanken über Geschlechts-Probleme. Bon Otto Weininger, herausgegeben und eingeleitet von Robert Saudek. (Concordia Deutsche Verlags-Anstalt, Hermann Ehbock, Berlin W. 30). Preis geh. Mk. 1,20. — Der Name Otto Weininger gehört zu den heißumstrittenen der letzten Jahre. Leidenschaftlich und heftig ist die Lehre des früh durch Selbstmord geschiedenen jungen Forschers bekänipft und angegriffen worden. Andererseits hat der große Weiberhasser und vier- oder fünffache Ehegatte August Strindberg seine eigenen literarischen Schöpfungen als ein ahnendes Stammeln bezeichnet, neben dem Meiningers „Tat" als „befreiendes, bewußtes Erkennen" stehe. W.'s Ideen beschäftigen sich bekanntlich zumeist mit dem psychischen Wesen des Weibes. Was der Leser, dem fach- psychologische Kenntnisse mangeln, nur mit Mühe dem W.'scheu Hauptwerke. „Geschlecht und Charakter" entnehmen könnte, das findet er hier übersichtlich geordnet in der Diktion einer klaren, allgemein verständlichen Prägung. Gedanken über den „Genius", das „Weib", das Verhältnis der Geschlechter, die Liebe und die Urwurzeln der Frauenfrage sind in dein kleinen Büchlein, neben tieftrcffenden Apcrcas über das Wesen des Verbrechers und über psychologische und ethische Probleme enthalten. Das Geleitwort stammt von Robert Saudek.
Goldene Worte.
Hoheit, wenn sie auch wie anders irrt, trägt eins Art vo!t Heilkraft in sich, die Fehl und Wunden schließt.
* Shakespeare.
Die kleinste Sache kannst dir gut verrichten, Die kleinste schlecht. Aus lauter kleinen Dingen Besteht der Tag, bestehen alle Tage, Besteht das Leben. Darum ivarte nicht 2)iit deiner Weisheit, deiner Redlichkeit, Bis große Dinge mit Posaunen kommen.
An jedes ivende du dem ganz' Geinüt, Die ganze Seele, alle Lieb' imb Treu'.
* L. S ch e f e r.
Ten besten Beiveis von Weisheit lieiert eine stäiidig gule Geistesstimmung. * Montaigne.
Gleich entfernt uont Geiz und vom Verschwenden, Floß, was du gabst, Natur, aits sparsam fingen Händen.
--------------- Lessing.
Köttigspromenade.
Man dari die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise mit einander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht.
Auslösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Man soll bei gutem Winde ait den Sturm denken.
Redaktion: P. Wit tko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu llniversiiätS-Buch- und Steindrlickerei, R. Lange, Gießen.


