Ausgabe 
23.11.1907
 
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vorführen lassen, Herr Witte, um Ihre

besorgte mir noch nicht einmal einen ja noch schlimmer wie bei uns in

hallten unverhört. Man Rechtsbeistand. Das ist

Rußland."

Ich habe Sie nicht

Auf der (igensn Spur.

Kriminalroman von Otto Hoecke r- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.,

Mit festen Schritten trat er an das Pult des Bcmuten.

Man hat mir eine unwürdige Behandlung angedeihen lassen!" begann er sofort unwillig.Alle meine Proteste ver-

Kritik über unsere deutschen Einrichtungen anzuhören", unter­brach ihn Hansemann voll kühler Höflichkeit.Mir ist es leid genug, daß mein« Amtspflicht mich zwingt, in Form Rechtens mit Ihnen zu verfahren. Daß es überhaupt so weit kommen konnte, haben Sie nur Ihrem nutzlosen Leugnen zuzuschreiben.

Ich habe Ihnen amtlich zu eröffnen", begann der Rat in merklich förmlicheren Tone wieder,daß gestern Abend in Ihrer Wohnung Haussuchung stattgefuwden hat."

Natürlich! Ich kann mir das Aufsehen denken, das dies gemacht haben muß. . . man hat mir die Siebensachen durch­wühlt und meine Socken abgezählt, denn etwas Verdächtigeres dürften Sie in meiner harmlosen Klause doch kaum gefunden haben ... es sei denn ein Stoß unbezahlter Rechnungen. Ob dabei mein guter Ruf zum Teufel gegangen ist, darauf wird natürlich keine Rücksicht genommen.

Sie irren, Herr Witte, versetzte der Rat rasch, indem er eine Pultschublade öffnete und dieser ein Banknotenbündel ent­nahm.Wohlversteckt fanden wir in Ihrem Atelier diesen Geld­betrag. Es sind genau 34 000 Mark. . . und hier ist auch der Farbkasten, in dessen Ziimtuben wir die Scheine künstlich genug versteckt vorfanden."

.Ach nein, machen Sie doch keine schlechten Witze!" gab Witte ganz gemütlich zurück, indem er den Rat mit weit offenen Äugen betrachtete.Geld fanden Sie in meiner Bude? Und gleich 34 OuO Mark auf einmal? Gott, wie schade, daß nicht ich der ehrliche Finder war. Lassen Sie mal den Mammon sehen." Er war aufgestanden und an den Tisch herangetreten: lächelnd nlustcrte er das in der Hand des Rats befindliche Banknotenbündel.Also so sehe» die. Schätze, des heiligen Krösus aus." Er verneigte sich ironisch.Freut mich sehr, deren Bekanntschaft gemacht zu haben. . . eigentlich nett von den Banknötchen, sich in meiner Behausnng zu verkrümeln. . . nur jammerschade, daß ich nicht der ehrliche Finder war!"

Hansemann bekam einen roten Kops: bei ihm das sicherste .Anzeichen von gereizter Stiminung.

Sie würben wirklich gut tun, diesen hochtrabenden, humo­ristisch sein sollenden Ton sich abzugewöhnen!" bemerkte er gallig.Diese, wie Sie selbst durchblicken lassen, für Ihre Ver­hältnisse ganz außerordentliche Summe wurde von mir persönlich in Ihrem Atelier, versteckt unter altem Gerümpel, ausgefunden. Sie werden zugeben, daß es schon auffällig erscheint, einen der­artigen Wcrtbetrag in solcher Weise versteckt zu finden."

Am auffälligsten erscheint mir, daß Sie ihn überhaupt bei mir gefunden haben," bemerkte der Maler seelenruhig.Wäre ich Kriminalbeamter, so hielte ich einen Maler, der 34 000 Mk. besitzt und obendrein auch uoch versteckt, statt den Mammon schleunigst wieder unter die Leute zu bringen, zumindest für einen vertappten Raubmörder."

Was in diesem Fall vielleicht zutreffen dürfte," parierte der Rat den Hohn äußerlich ruhig, während es in ihm kochte.Ich muß gestehen, Herr Witte, Ihr Benehmen erstaunt mich. Auf alles war ich eher gefaßt, als auf diese Witzeleien, die Sie doch unmöglich über den furchtbaren Ernst Ihrer Lage hinwegtäuschen können. In Ihrem allereigentsten Interesse liegt es, uns den genauen Nachweis des ehrlichen Erwerbes dieses bedeutenden mögens zu liefern. Ich ziehe nicht gern Privatverhältnisse in meine amtlichen Funktionen. In diesem Falle wird es durch die Erinnerung an eine Mitteilung meiner Tochter, wonach Sie erst vor einer Woche sich über ihre mißlichen Finanzverhältnisse bitter beklagt haben sollen, für mich zur unabweisbaren Pflicht."

Wieder lächelte der Maler. Ich stimme mit Ihnen überein, Privatbeziehungen gänzlich außer acht zu lassen. Dagegen er­kläre ich Ihnen freimütig, daß ich bis zum Halse im Hochwasser der Schulden stehe. Es kann Ihnen nicht entgangen sein, daß auf den meisten Möbeln in meiner Bude der mit Recht so un­beliebte blaue Bogel des Gerichtsvollziehers klebt. Um noch deutlicher zu sein: von dem Geld da weiß ich nichts und noch weniger Ahnung habe ich, wie es in meiner Klause gekommen sein kann. Leider ist's so und damit holla!"

Sie über die Folgen dieser unsinnigen Ableugnungspoli- tik noch weiter aufzuklüren, dürfte die Sache des Untersuchungs­richters sein", meinte der Rat in dem dünnen Aktenheft vor ihm auf dem Tische blätternd.Wollen Sie mir erklären, wie eine halbaufgerauchte Zigarette mit dem von Ihnen persönlich entworfenen, an dritte Personen garnicht gelieferten Monogramm in die Droschke kommen konnte, in welcher nachweislich Ihr früherer Zimmerwirt Schuhmacher ermordet worden ist?"

Was soll das wieder heißen?" fragte der Maler achsel­zuckend. So viele Worte, so viele unverständliche Rätsel."

Finden Sie doch wenigstens den Mut zur Wahrheit!" un­terbrach ihn der Rat.Ich dachte, eilt Mann wie Sie, der so schön über die Vergangenheit sprechen und für uns Alltags­menschen unverständilche hehre Vorbilder schwärmen kann, sollte in Fragen der Gegenwart wenigstens leidlich wahrhastig sein."

Herr Rat, Sie haben kein Recht, meine Ehre in Frage zu ziehen!" .

Ihr entschiedener Ton imponiert mir gar nicht. Anmaßung nichts weiter, mein Lieber! Ich kann cs Ihnen übrigens ruhig sagen, daß Herr Walden bei einer genauen Nachinspcktion der. Droschke diesen Zigarrcnrest hier" er hatte wieder die Schreibtischschublade aufgeschlossen und den fraglichen Gegenstand hervorgeholtvorgefunden hat. Daraufhin dürfte jedes Ge­schworenengericht Ihre Anwesenheit in der Droschke als crlviesen erachten: die weiteren Folgen mögen Sie sich selbst ausmalen."

Hat Herr Walden vorgegeben, einen derartigen Rest in dev Droschke gefunden zu haben, so hat er Sie wissentlich getäuscht.