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bet, als viele von ihnen den Sinn für Zweckmäßigkeit und Heimfreudigkeit in den letzten 80 Jahren dank unserer Kul- turzerfahrenheit verloren haben. Freilich wird ein gesund empfindender Bauer für Parks, Wasserkünste und Statuen nur bedingt Sinn haben; sein Empfinden ist zu kräftig und aus der Natur herausgewachsen, als° daß er seinen und aus der Natur herausgewachsen, als daß er seine ländliche Umgebung durch diese städtischen Errungenschaften verschönern möchte. Das ganze Geheimnis der bäuerlichen Kultur beruht schließlich darauf, daß der Landmann die Natur nur soweit einschränkte und umformte, wie es sich mit seinen wirtschaftlichen Grundlagen einte. Lasse man nur die Natur gewähren und halte fern, was als lieber« fluß aus der Stadt aufs Land gedrungen ist, dann werden wir auch wieder malerische Dörfer und mit steigender Wohl­fahrt auch zufriedene und mit Recht stolze Landleute haben.

(X.) Das Frauenkreuz b ei Kinzenbach. Einer unserer Leser aus dem Biebertal schreibt uns: Wenn man dem einsamen Waldweg nachgeht, der von Rodheim über die Höhe nach Waldgirmes-Wetzlar führt, so kommt man an einen Stein, welcher den NamenFrauenkreuz" trägt. Der Stein steht genau auf der Grenze wo die Waldungen Rodheim, Heuchelheim und Kinzenbach Zusammentreffen und trägt die Bezeichnung N. W. 1771 Frauen f. Er steht vermutlich an Stelle eines älteren Kreuzes, das hier ge­standen haben muß, und dessen Errichtung folgenden Anlaß gehabt haben soll. Auf der Burg zu Nassau-Weilburg wohnte einst der reiche Graf Otto mit seiner Gemahlin Jutta, denen nichts am Erdeuglück zu fehlen schien. Läster­zungen aber trugen dem Grafen allerlei Reden von der Untreue feiner Gattin zu und der Graf lieh den Verleum­dern sein Ohr. Ein versprochener Besuch bei einem befreun­deten Nachbar int oberen Lahntal führte Graf und Gräfin allein diesen Waldweg, während die Diener dem Wunsche des Grafen gemäß, in einiger Entfernung folgten. Schwei­gend schreitet Graf Otto neben seiner Gemahlin. Dichter schließen sich die Bäume, öder und düsterer wird der Waldpfad. Jutta wagt nicht, das Schweigen ihres Gemahls zu unterbrechen. Plötzlich bleibt dieser stehen, herrscht sie an und spricht:Du kannst Dir eine Gnade verdienen, wenn Tu mir gestehst, wie schändlich Du mir die Treue brachst!" Mit diesen Worten setzte er den Dolch auf die Brust der Ahnungslosen. Bleich vor Entsetzen schweigt sie im Bewußtsein ihrer Unschuld. Ter argwöhnische Graf aber stößt ihr den Dolch ins Herz. Ein schwacher Schrei, ein milder Blick nach dem Mörder und ihr Leben ist davon. Durch höhere Schickung wird Juttas Unschuld offenbar. In Trauer und Schmerz verzehrt sich der Witwer. Durch Buße und Reue hofft er Beruhigung zu finden. Er pflanzt das heilige Zeichen des Kreuzes an der Stelle, wo seine Gemahlin ihr Leben aushauchte. Tann pilgert er im Büßer- gewand nach dem heiligen Grabe. In Weltentsagung brachte er sein Leben dahin, bis der Tod ihm Ruhe ge­währte. .Tie Stelle, wo die Leidenschaft ihr blutiges Opfer forderte, heißt §ur Erinnerung an jene sagenhafte Begeben­heit dasFrauenkreuz".

* Aus den Memoiren eines Musikers. In denSüddeutsch. Monatsheften" veröffentlichte Robert von Hornstein seine Memoiren. Sie sind reich an Anekdoten über große und kleine Geister, über tote und noch lebende Koryphäen der Literatur und Kunst. Alls der Züricher Zeit erzählt Hornstein:Von Schopenhauer wurde noch viel und oft gesprochen. Für den Philosophen hatte Wagner noch immer das gleiche Interesse. Ich bestellte bei unserer ersten Begegnung Schopenhauers Grüße, hütete mich aber, seine Aussprüche über Wagners Musik und seine soziale Stellung als Flüchtling ihm zur K'enntitis zu bringen. Er mußte aber in der Zwischenzeit von anderer Seite Wind bekommen haben. Wahrscheinlich von einem Züricher Demokraten, den Schopenhauer ziemlich schlecht bei einem Besuch in Frankfurt behandelt hatte. Kaum hatte ich die Grüße ausgerichtet, fiel er mir ins Wort: Ich habe seitdem ein Bild von ihm gesehen, er sieht ja aus

wie eine wilde Katze." Die Begeisterung für den Menschen hatte nachgelassen. Ich konnte das noch öfter bemerken. In der Beziehung sind die Herren alle kitzlig. Es ging ihm tote Hebbel. Der kam voller Enthusiasmus zu Schopenhauer nach Frankfurt. Er war gewiß, als kon­genialer Dichter empfangen zu werden. Wie ein begossener Pudel stand er da, als Schopenhauer ihn fragte, was er denn schon geschrieben habe! Hebbel kam nach Wien mit der Ueberzeugung zurück, Schopenhauer sei doch kein so großer Philosoph, tote er geglaubt habe. Nach München brachte Hornstein Empfehlungskarten von Wilhelm Hertz an Hermann Lingg, Geibel und Heyse mit.Den Hochdonnerer, tote wir Geibel nannten", so erzählt er, traf ich gerade in Gesellschaft Paul Heyses." Letzterer hatte soeben erzählt, daß sich Baron S ch a ck sehr unglücklich fühle, weil er Schopenhauer gelesen habe.Warum liest der Esel so etwas", fuhr Geibel polternd dazwischen.

*Die BakterienderEisenbahnfahrkarten. Man erzählt von einem Arzte, der auf einer Reise zehn Bahnfahrkarten sammelte und sie mit Substrat übergoß, in dem bald die verschiedensten Bakterien sich zeigten, Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken und noch andere Kokken. Der Mann der Wissenschaft impfte zehn weißen Mäusen und fünf Ratten die so gewonnene Bazillen­kultur ein, und siehe da, von den Mäusen blieben nur zwei am Leben und alle fünf Ratten unterlagen. Daraus schließt man, daß die Fahrkarten so gut wie die Banknoten und die Bücher der Leihbibliotheken allerlei erdenkliche Krankheiten ins Haus bringen können.

* Eine staatliche Heiratsagentur. In Siam, dem Lande, von dem infolge der Europareise seines Königs jetzt so viel gesprochen wird, gibt es eine Einrich­tung, die ohne Gleichen ist; nämlich eine staatlich organi­sierte Heiratsagentur. Dort kann jede Frau, die ein ge­wisses Alter erreicht, ohne einen Mann gesunden zu haben, auf Wunsch in die Zahl derköniglichen Prinzessinnen"' eingetragen werden. Das bedeutet mit anderen Worten, daß sie von nun ab unter den Schutz des Königs gestellt ist, der sich mit der Ausgabe besaßt, einen Mann für sie zu finden. Die Siamesen, die irgend ein Vergehen be­gangen haben, werden veranlaßt, sich -aus der Reihe dieser amtlichen Heiratskandidatinnen eine Lebensgefährtin zu suchen. Ist ihr Vergehen leicht, so behalten sie das Recht der freien Wahl, haben sie aber ein schweres Vergehen sich zu schulden kommen lassen, so wird ihnen einfach auf administrativem Wege" eine Fratt zugewiesen, und so kann in Siam jede Frau, und sei sie noch so wenig anziehend, sicher sein, einen Mann zu finden. Ein Gegen­stück zu dieser Einrichtung übrigens darf man die in Ben­galen herrschende Sitte nennen, daß die Mädchen un­mittelbar nach ihrer Geburt herheiratet werden. Die Folge ist, daß es dort zahlreiche weibliche Personen gibt, die. Witwen sind, ohne je Frauen gewesen zu sein.

Bilderrätsel.

Auslösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummer:

Jagd Gnkel Mnnb A(ba Rase RigerMlster 8and Lunst Mchel Faul Laub Lsche Babe; Johannes Kepler.

Redaktion: P« Witiko. Rotationsdruck und Werlau der B hl 'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R.,Lange, Gießeu.1