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' Viele besichtigten noch das' 'interessante Bauwerk- 'Es birgt int unteren Stock einen geräumigen Saal von 75 Quadratmeter rind einen Nebenraum von ca- 10 Quadratmeter: daneben noch ausreichende Abort-Anlagen- Im Dachgeschoß finden sich zwei geräumige und freundliche Wohnungen für die Kinder-Schwester und eine Kranken-Schwester, die hoffentlich über kurz oder lang in das Haus ihren Einzug hält- Außer für den Aufenthalt der Kinder soll der Saal auch noch dienen für Veranstaltung von Gemeinde- oder Fnmilien-Abenden, etwa in der Art, tote sie in Nr. 122 dec „Gießener Familienblätter" als wünschenswert bezeichnet werden- Es entspricht das auch dem! Wunsche einer der Patronats-Inhaberinnen der Pfarrei- Frau Alice Fühndrich hat einen größeren Beitrag für den Neubau gegeben mit der Bedingung, daß der Saal geräumig genug werde,. nm zur Veranstaltung von Familien-Wenden zu dienen- In diesem Sinne sprach sich auch die Predigt des Orts-Geistlichen in der Kirche aus- Auf'Grund von Sprüche Salomonis 16, V- 9 derbreitete er sich über „das Ziel der Arbeit in dem neuen Haus und den Grund für die Hoffnung, daß das Ziel auch erreicht wird". Das Ziel ist die Wohlfahrtspflege für Leib und Seele der Gemeindeglieder in dem Sinne, wie sie H- Schurey in Berlin und der Verein für Heimat-Pflege in Hessen betreibt- Unsere Hoffnung aber, daß wir dies Ziel auch erreichen, beruht auf der Erfahrung, daß uns Gott seither wider Erwarten schnell weiter geholfen hat, unb daß noch immer jede Arbeit gesegnet ivorben ist, die sich in den Dienst uneigennütziger Nächstenliebe stellt-
Außer der genannten Geberin, die auch für die ersten Jähre Uns ihre Hilfe zugesagt hat, haben dem Werke'noch ihre Unterstützung . geliehen die beiden übrigen Inhaber! des' Patronates, ferner einige durch ihre Wohltätigkeit bekannte Bürger der Stadt Gießen und sonstige Wohltäter des Hesseulandes. Namentliche erwähnt sei die Bezirkssparkasse Gießen, die schon 1891 auf Betreiben von dem Hierselbst 'verstorbenen Pfarrer Windecker 500 Mk- beisteucrte, die mit Zins und Zinseszins sich in der Zwischenzeit auf etwa 800 Mk- angesammelt hatten. Auch fernerhin dürfen wir wohl auf die Mithülf e dieser Kasse hoffen- Leider konnte Direktor Döring unser Fest nicht mitfeiern- Pfarrer Windecker hat auch persönlich Opfer für die Sache gebracht- Auch S- K. H. der Großherzvg hat int vorigen Jähre eine Uamhafte Summe aus der Priuzessin Elisabeth-Gedächtnis-Spende bewilligt- Der Gemeinderat hat für die ersten drei Jähre dem Werke seine Unterstützung zugesagt, auch sonst ist uns aus der Gemeinde. manche Förderung bei dem Bau zuteil geworden- Tie fehlenden Geldmittel hat uns Großh. Oberkonsistorium zu günstigen Bedingungen geliehen, zu dem Feste selber hatte diese Behörde auch einen freundlichen Glückwunsch übersandt- Tie Kleinkinderschule wird bereits von einer zahlreichen Kinderschar besucht, und geivtß wird sich das geschaffene Werk auch sonst Mehr und mehr als ein Segen für die Gemeinde erweisen.'
: Tie Bauarbeiten wurden in der Hauptsache durch hiesige Handwerker ausgeführt: die Maurerarbeiten durch Louis Wächter, die Zimmerarbeiten durch Philipp DM I-, die Schreiner- ärbeiten durch Philipp Arnold und Georg! Mandler ufw- Und alle haben durchweg schön gearbeitet, sodaß das Werk nun die Meister lobt- _ Was Baumeister und Handwerker da geschaffen haben, ist wirklich «ne Zierde für unser Dorf- ' ■
Vermischtes.
* Warum sollen Pflanzen nicht in der vollen Sonne begossen werden? Diese jeden Gartenfreund interessierende Frage finden wir im „Kosmos", der bekannten naturwissenschaftlichen Monatsschrift, beantwortet wie folgt: Einmal, weil die Abkühlung der Pflanzen zu groß ist. Tas zum Begießen dienende Wasser hat in allen Fällen eine bedeutende niedere Temperatur als die von der Sonne bestrahlte Pflanze. Noch mehr wird letzterer durch die im Sonnenschein rasch vor sich gehende Verdunstung des benetzendeu Wassers Wärme entzogen. Sodann verdunstet in der vollen Sonne auch das Wasser an der Oberfläche des Bodens sehr schnell, und es bildet sich, zumal auf lehmiger Erde, eine zusammenhängende Stufte, welche den Zutritt von Luft und Wasser zu den unterirdischen Pflanzen- teilen hemmt. Tas Begießen der Pflanze mit zu kaltem Wasser ist aus dem zuerst angeführten Grunde schädlich, besonders aber auch deshalb, weil kaltes Wasser schwer und nur in geringen Mengen von den Wurzeln aufgesogen werden kann. Wir sehen daher manche tut ersten Frühling blühende Pflanze, welche ihr Wasser einem kalten, zeitweise sogar gefrorenen Boden entnehmen Müssen, mit Einrichtungen gegen zu starke Wasserabgabechurch Verdunstung geschützt, um nicht zu vertrocknen. Hierher gehören z. B. die blaugrünen Wachsüberzüge an den Blättern des Schneeglöckchens (Galanthus nivalis), der Narzissen und Tulpen, die starke Behaarung der Kuhschelle (Pulsatilia vulgaris und pratensis). Daß die Temperatur des Gießwassers diejenige der Umgebung um einige Grad übersteigen soll, ist bei wärmerem Wetter Mcht nötig.
* Eiu eigenartiges' Ko ch r ez epk, angeblich englischen Ursprungs, finden wir im Fremden-Blatt. Es lautet: Man nimmt einen juitgen Herrn und eine junge Dame. Der junge Herr ist am besten roh, die junge Dame muß aber ganz zart sein. Man bringt den Herrn an die Mittagstafel und begießt ihn langsam mit einem Glas Portwein, und will man das Gericht sehr fein haben, fügt man etwas Champagner hinzu. Wird er rot, so setzt man ihn ins Gesellschaftszimmer, ist es im Winter, ans Kaminfeuer neben die Tame, tut eine Handvoll grünen Tee dazu, etwa drei Tassen für eine Person, und läßt sie leicht austvallen. Ist es Sommer, so stellt man sie an die freie Lust, etwas ans Fenster, jedenfalls möglichst weit weg, besteckt die Dame mit Blumen, setzt sie dann an das Klavier und rüttelt, bis sie singt. Man nimmt sie alsdann wieder weg, fetzt sie in eine Ecke ans Schachbrett und erhält sie den Abend über in gelinder Wallung. Man wiederholt dies' zwei- bis dreimal, und die Hauptsache ist, daß das Feuer stets unterhalten wird: ist es zu.stark, so läuft es über, ist es zu schwach, so gerinnen sie oder werden eiskalt. Wie lange sie am Feuer sein müssen, richtet sich ganz nach den Umständen: tut man viel Goldstücke hinein, so geht es rasch, mit Banknoten garniert nimmt sich die Schüssel besonders gut aus. Man richtet an —■ eine wahre Delikatesse für zwei Personen. Essig barf. nie dazu genommen werden, weil das Gericht ohnehin sehr leicht sauer wird.
* „S i e b e n s ch l ä f e r". Eine heitere Geschichte hat sich' unlängst in Warschau zugetragen. In einer dortigen Institution besteht die Verwaltung aus sieben Personen. Eines Tages erschien frühmorgens im Bureau dieser Institution ein unbekannter junger Mann und überreichte dem Bureaudiener 7 Kuverts, die an die 7 Berwultungsmitglieder adressiert waren. Tie Kuverts waren nicht geschlossen, so datz der neugierige Bureaudiener, nachdem der Unbekannte das Bureau verlassen, nach dem Inhalt der Schreiben forschte. Er erblickte Gratulationskarten zum Namenstage. Der Bureaudiener hatte nichts eiligeres zu tun, als in einen! Laden zu gehen und ebenfalls Glückwunschkarten zu kaufen. Er adressierte diese an die 7 Verwaltungsmitglieder und legte jedem Verwaltungsmitgliede zwei Kuverts hin. Diese waren nicht wenig erstaunt, als sie die Glückwünsche lasen. Keiner feierte von ihnen an diesem Tage seinen Namenstag, daher die Bestürzung. Eins der Mitglieder ließ den Kalender holen und sah nach dem eigentlichen Heiligen dieses Tages. Auf dem Kalender standen die „Siebenschläfer" verzeichnet. Nun leuchtete den ehrwürdigen Männern ein, daß sie geuzt wurden. Man gab ihnen zu verstehen, daß' sie mehr passiv als aktiv in der Institution tvirken. Sie wurden zornig und kühlten ihr Mütchen an dem unschuldigen Bureaudiener. Die erzürnten „Gewaltigen" wollten anfangs den Bureaudiener entlassen, beruhigten sich jedoch später und ließen ihn weiter in seinem Amte. Der unglückliche „Gratulant" schwur aber, nie mehr seinen Vorgesetzten Glücks- Wünsche zu überreichen.
Der Esel mit den Büchern.
Eine Fabel.
Ein simples, graues Eselein, Das trottete zur Stadt herein Mit Büchern schwer beladeit.
Sein Herr schritt langsant nebenher, Ter war bepackt mit Weisheit schwer.
Seltsame Kameraden!
Ter Esel dünkte sich sehr klng, Weil er die vieleri Bücher trug, War stolz ob solcher Würde.
Her ritt von seiner Ahnen Schloß
Der Grai; unb dessen stolzes Roß Erblickt des Esels Bürde.
Es blickte um und ries ihm zu:
„Mein lieber Freund, was machst denn du?
Welch albern Wesen treibst bu ?
Trag' nur die Bücher stolz herum!
Am Ende bist du grad so dumm!
Ein Esel bist und bleibst du!"
So geht es Liters. — Manchem Mann Kommt es nicht ans das Wissen ait, Es liegt ihm an den Bänden.
Ist zwar sein Schädel hohl und leer, Er prahlt und rühmt sich um so mehr Mit bnchgeschmückten Wänden I
Gießen. Robert Rosenthal,
'.Redaktion: P. W i t t ko. — Rotationsdruck sind Verlag der ü h l 'schen Universitäts-Wuch-'nnb Steindruckerei, R. Lange,,- Gr eßen.,'


