Ausgabe 
23.1.1907
 
Einzelbild herunterladen

SL­

IM Lichtbild« wurden typische Vertreter dieses ärmlichen Köller letzen s nebst ihren Wohnstätten vorgesührt. Phonographische Vorführungen von Liedern mtb Zauberformeln der Kubes ver­vollständigten weiterhin den interessanten Vortrag.

Veeinksch-ss.

* Die Geburt von Zw illingskindern wird auch ini zivilisierten Europa von manchem ohnehin mit Nachkommen- schast reich gesegneten Familienvater nicht gerade mit stürmischer Freude begrüßt; es dürste aber wenig bekannt sein, wie übel sie bei einzelnen Völkerschaften anderer Erdteile ausgenommen wird. Bei den wilden Stämmen Afrikas gilt sie als ein großes Unglück. In Loango an der Westküste sucht man den Zorn der Götter zu versöhnen, indem man Mutter mtb Kinder opfert. In Old Calaba gelten Zwillinge als Ungeheuer, und die Mutter selbst ist es, die als erste ihren Tod verlangt. Sie packt sie in einen irdenen Topf und setzt sie in diesem im Walde aus. Die Apono-Neger betrachten die Zwillingsgeburt gleichfalls als eine Unheildrohung. Die Kinder werden zwar nicht getötet, müssen aber mit der Mutter zusammeil eine gesonderte Hütte bewohnen und werden wie diese selbst von allen gemieden. Erst nach sechs Jahren gilt der Zauber für gebrochen, und Mutter und Kinder kehren zum Stamme zurück. Die Wazaramo-Neger verkaufen die Zwillinge oder setzen sie in den Dschungeln aus; die Mukälaka werfen tvenigstens eius der Kinder den Hyänen vor. An der Sklavenküste und am oberen Nil gilt die Zwillingsgebnrt hingegen wieder für ein großes Glück und wird mit Musik und prächtigen Gastmählern gefeiert. An der Goldküste in der Landschaft Fetu werden Zwillinge von einerlei Geschlecht großgezogen, bei verschie­denem Geschlecht muß ein Kind sterbett. Die Hottenwtten be- grüßen die Zwillütge mit vieler Freude, besonders wemt es Knaben sind. Die Guyana-Indianer halten die Zwillingsgeburt für eine große Schande, und die unglückliche Mutter tötet oft das eine Kind, um dem öffentlichen Hohn und der Aus­peitschung zu entgehen. Auch am Orinoco huldigt man dieser Ansicht. Bei den Antis-Jndianern in Peru wird das jüngere Zwillingskind lebendig begraben, weil eS nach allge­meiner Ansicht einKind des Teufels" ist. Auch in Neuholland in Australien wird das eine von den Kindern dem Tode ge­weiht, und zwar bei verschiedenem Geschlecht der Knabe. Die alten Mexikaner glaubten, daß eines der Kinder, wenn beide am Leben blieben, einmal die Eltern töten müßte, daher wurde eines sofort nach der Geburt den Göttern geopfert.

* Frauenleistungen an der Schreibmaschine sind, Jüte man aus einer interessanteti Zusamtttenstellung in einem englischen Blatte erfährt, geradezu erstaunlich. So brachte es ein Fräulein Mary Pretty aus Washington fertig, in einer Sitzung von sechs Stunden 20 400 Worte, zutippen". Diese Leistung ist um so bemerkenswerter, wenn matt hört, daß die juttge Dame ein ihr ganz unbekanntes mtb schwer leserliches Manuskript abge­schrieben hat. Beinahe noch größer war die Leistung von Fräulein James Wright in Newcastle, die in sieben Stunden 28 944 Worte schrieb, ohne auch nur eine. Pause zu machen ober eine Erfrischung jit sich zu nehmen. Ihr wurde das Manuskript in die Maschine diktiert. Erstamtlich war die Arbeit einer Miß Sherman aus Liverpool, die einen Roman von 80 000 Worten mit solcher Akkuratesse und Genauigkeit abgeschrieben hat, daß sie nur drei Fehler machte, und zwar einen orthographischen Fehler, einen falschen Akzent und ein förnnma an unrichtiger Stelle. Den Gipfelpunkt aber hat entschieden Fräuleitt Gladys Walker aus London erreicht. Die junge Dame ist nämlich vollständig er­blindet und schreibt trotzdem, nach Diktat natürlich, 5000 Worte in einer Stunde und vierzig Minuten ohne, jeden Fehler. Sie selbst unterhält ein großes Sehreibmaschinenburernt und kamt zu gleicher Zeit fünf ihrer Angestellten in die Maschine diktieren. Demgegenüber muß allerdings festgestellt werden, daß es auch unter ben Männern Virtuosen auf der Schreibmaschine gibt. Die höchste Leistung mit 119 Worten tu der Minute tturrbe. von einem geivissen Stnbfe(t' in London erreicht.

* Der Wert des gründlichen Kauens der Speis e n ist durch Experimente, die in der letzten Zeit mit den Studenten der Universität Aale an gestellt worden sind, aufs schla­gendste ertoiefen worden. In den Vereinigten Staaten ist es tn letzter Zeit Mode geworden, Menschen als Versuchskaninchen zu benutzen mtb an ihnen die Bekömmlichkeit von Speisen und Ge­tränken festzustellen, und so Ivar es naheliegend, auch die Frage des Kauens auf gleiche Weise zu ergründen. Das Resultat hat ergeben, daß Gladstone, Englands großer Staatsmann, recht hatte, als er es sich zur Lebensregel tuachte, jeden Bissen 36mal ,herum" zu innen. Unter Aufsicht von Professor Irving Fisher be- ledigten sch neun Studenten zwanzig Wochen lang an dieser

Probe aufs Gxempel. Es stand den Studenten völlig frei, von der reichbesetzten Tafel zu essen, was und soviel sie wollten, nur mußten sie sich zum Langsamessen und gründlichen Kauen ver­pflichten, eilt Experiment, das jeder an sich selbst ohne die ge­ringste Unbequemlichkeit erproben kann. Im Laufe der Zeit wurden sorgfältige Messungen bezüglich des Gewichtes, der Stärke und Ausdauer der Beteiligten vorgenommen, und am Ende der ersten zehn Wochen ergab sich, daß acht der jungen Leute an Aus­dauer um die Hälfte zugenommen hatten. Ihre geistige Leistungs­fähigkeit war in gleicher Weise erhöht. Der neunte hatte die Vor­schriften nicht befolgt, war körperlich und geistig auf gleicher Stufe wie anfangs geblieben und lieferte ebenfalls den Beweis für die Richtigkeit der Boraussetzungen. Am Ende der zwanzig Wochen war die Leistungsfähigkeit jener acht genau auf das Doppelte ge­stiegen, ebenso hatten sie an Stärke mtb Gewicht bedeutend zuge­nommen. Ihre übrige Tageseinteilimg und Beschäftigung war genau dieselbe geblieben, sie hatten ihren Studien obgelegen und keine anderen als die üblichen Leibesübungen vorgenommen. Man darf also nach dem in Aale erzielten Resultate behaupten, daß der Mensch bei langsamem Essen und gründlichem Kauen an Körper- unb Geisteskraft zunimmt. Außerdem machten alle acht Stu­denten die Erfahrung, daß ihre Freude am Essen täglich zunahm, was an -und für sich schon von Wichtigkeit ist, da der Mensch nicht nur essen soll, um sich am Leben zu erhalten, sondern er soll es auch gern tun.

Cmgegangcne Bücher.

(Besprechung erfolgt nach Auswahl. Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eingesandter Bücher wird nicht übernommen.)

Darwin, Charles,Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein". Nach der Nebersetzung von I. V. Carus und der letzten englischen Ausgabe bearbeitet von Dr. Heinr. Schmidt. Volksausgabe. Preis kart. 1 Mk. Stuttgart, Alfred Körner.

Beiträge zur Literaturgeschichte. Heraus­geber: Hermaim Graes. Heft 7: Strauß und Torney, Lulu von. Die Dorfgeschichte in der ntobenten Literatur. 40. S. Heft 8: Busse, Karl, Dr. Konrad Ferdinand Meyer als Lyriker. 32 S. Heft 9: Graef, Hermann. Nikolaus Lenau. 40 S. Heft 10: Degen, Richard, Dr. Der lutherische Charakter in Goethes Faust". 32. S. Heft 11: Engelhard, Karl. Karl Ernst Knodt. 32 S. Heft 12; PlatteUsteiner, Richard, Dr. Peter Rosegger. 35 S. Heft 13: Burggraf, Julius. Das Erwachen und Werden des Dichters in Schiller. 48 S. Heft 14: Graef, Hermann. Annette von Droste-Hülshoff. 48 S. Heft 15: Bieder, Theobald. Friedrich Hebbel. 40 S. Heft 17: Eschen, M. von. Parcival und Faust. 56 S. Heft 18: Wilbrandt, Adolf. Ulrich Braeker, der arme Mann im Tockenburg. 26 S. Heft 19: Graef, Hermann. Wilhelm Hauff. 32 S. Heft 21; Pompecki, Bruno. Robert Reinick. 44 S. Heft 22: griedrich, Paul. Friedrich Nietzsche als Lyriker. 36 S. (Leipzig, erlag für Literatur, Kunst und Musik.)

SttbenEfel.

Nachdruck verboten.-.

a, be, bei, ben, bert, bo, d, da, c, er, go, Iia. li, ne, pel, m«a, se, st, re, z, ze.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Aniangs- bnchstabeu von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein geflügeltes Wort ergeben. ES bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach Folgendes:

1. Männlichen Vornamen.

2. Frauenfigur aus einem Schitter'schen Drama.

3. Kulturpflanze.

4. Kostbares Kleidungsstück,

5. Eine Blume.

6. Ein Nagetier.

7. Astronomische Bezeichnung.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzttngsrätsels in voriger Nummert

Laß, Pilger, Sorge ans dem Spiel, Sie mache dich mcht bang;

Htenieden braucht der Mensch nicht viel. Dies Wen'ge attch nicht lang.

iRebuttioni Ernst Heß. Notattousdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts-Buch- «nd Sietnbruderet. R. Lange, Dietz«.