Ausgabe 
22.11.1907
 
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Avs der u'genen Spur.

Kriminalroman von Otto H o e ck e r-

(Nachdruck verboten.) i Fortsetzung, i

So mag der Präsident selbst entscheiden, vor den wir morgen zusammen hintreten werden!" sagte der Rat fast feierlich.Ms dahin nehme ichs auf meine Kappe ... und haben Sie nnch trotzdeni belogen, dann ekelt mich vor meinem Amt und dann mögen sie mich zum Teufel jagen! Die Hand her! ^ch glaube Ihnen, damit basta! Was Sie angerichtet, werden Sre aus- löffcln müssen ... es war verd . . . gewagt und ich weiß nicht, wies der Präsident auffaßt. Zum Glück ist kein Schaden weiter daraus erwachsen. Doch darüber unterhalten wir uns noch spater. Jetzt wollen wir. dienstlich sprechen, wenns beliebt. Sw haben in den Aurorasälen zu schaffen, ich schließe mich ^hnen an. Haben Sie Ihren Revolver bei sich?"

Den trage ich immer bei mir, Herr Rat.

Gut so. Ich will so'n Ding auch auf alle Fälle berstecken. Nun" noch eins. Der Besitz größerer Geldmittel macht den Kundt unter allen Umständen verdächtig. Wir wollen ferne Spur auf­nehmen und ihn womöglich in seiner Wohnung zu verhaften suchen Ta er mich genau kennt, wird das Ihre Aufgabe sem. Ich werde mir den jungen Menschen, den Eilenburg, oor- knöpfen Notabene, wenn wir die Burschen noch beieinander finden . . . und nun voran. Es geht auf Mitternacht und wir haben noch eine ganze Reisetasche voll zu tun!" ,

In wortloser Bewegung schlug Walden in die dargebotenc Hand ein. Erst nach einer Weile vermochte er sich zu sammeln: Sie sollen Ihr Vertrauen keinem Unwürdigen geschenkt haben und die Wahrheit muß an den Tag," setzte er rn wilder Energie hinzu,und sollte es mein Leben rosten!

Der Rat hatte alle Mühe, sich der stürmischen Umarmung seiner Tochter zu erwehren.So'n verrücktes Huhn!" knurrte er anscheinend ärgerlich.Was ist denn da groß dabei? , werde doch hinter dir nicht zurückstehen, Wenns gilt, einem Menschen aus der Patsche zu helfen wir kennen ihn ja schon seit Jahr und Tag und nun voran!"

Die Blicke der jungen Leute brannten ineinander und ihre Spänbe fcuibcn fid). tut mir ift, Fräulein Vermute, fofi herhalten, um die Wahrheit an den Tag zu bringen", flüsterte ihr Walden zu.Das bin ich Ihnen und mir imd unserem Glücke schuldig! Vielen herzlichen Dank und Gutenacht, Fräulein $0 ewtine \u

Damit wendete er sich und ging hinter seinem Vorgesetzten eilig aus dem Zimmer.

16. Kapitel.

Nächtliche Schießerei und Verhaftung in einem Ballokal.

Wie wir soeben erfahren, spielte sich in der ersten heutigen Morgenstunde in den Aurorasälen, einem bekannten hiesigen Ballokal und Tummelplatz derWelt, in welcher man sich mcht langweilt", ein hochsensationeller Auftritt ab, dessen mutmaß­liche Folgen sich znr Stunde nicht Voraussagen lassen, immerhin

aber verhängnisvoll genug für mehrere in die Affäre verwickelte Personen sein dürften. Zu den Habitues des genannten Lo­kals zählt ein Privatier Kundt, eine jener dunklen Großstadt­existenzen, welche immer elegant auftreten, sich in den besten Kreisen bewegen, und von denen doch niemand weiß, woher sie eigentlich die Mittel zu einer solchen Lebensführung nehmen. Wie so viele seinesgleichen soll auch K. schon wiederholt mit den auf der Nachtseite einer Riesenstadt unvermeidlichen High­life-Piraten eng liiert gewesen sein; man will von ihm wissen, daß er anrüchige Häuser geleitet oder diesen Opfer zuge­schleppt habe; er soll einem Ring berüchtigter Schauspieler angehören, auch vor der Begehung eines Gelegenheitsverbrechens nicht znrückgeschreckt sein. Auch mit dem alle Gemüter lebhaft beschäftigenden, seiner Lösung noch harrenden Mord in der Droschke (an anderer Stelle berichten wir über eine im Laufe des gestrigen Tages bewirkte hochsensationelle Verhaftung) bringt man jetzt seinen. Namen in Verbindung. Wie dem auch sein mag; jedenfalls konnte K. bisher noch niemals einer gesetz­widrigen Tat überführt werden; so oft man auch polizeilicher­seits gegen ihn vorgcgangen ist. Kur znach Mitternacht wollte K. heute früh in Begleitung einerSchönen" die Anrorasäle verlassen, als er von einem höheren Polizeibeamten, man spricht sogar von Polizeirat H., dem Leiter unserer Kriminalabteilung, angesprochen wurde. War es nun böses Gewissen, und die Furcht vor drohender Verhaftung, was K. seine sonstige Kalt­blütigkeit vergessen ließ, ließ sich bisher noch nicht ermittel,r. Kurzum, ehe der Beamte sich dessen noch versehen konnte, hatte K. einen Revolver gezogen und auf den anderen in An­schlag gebracht. Um dessen Leben würde es wohl geschehen sein, wäre nicht im gleichen Augenblick ein jüngerer Begleiter des Beamten zwischen die beiden gesprungen. Im selben Mo­mente krachte ein Schuß. Der junge Detektiv brach im Feuer zu- sanunen, hatte aber die Geistesgegenwart, die eigene schnell gezogene Waffe noch auf den Verbrecher abzufeuern, der gleich­falls niederbrach. Tie Aufregung in den Sälen war eine kolossale und spottet jeder Beschreibung. Glücklicherweise war genügend Sicherheitspolizei vorhanden, so daß wenigstens eine Panik ver­hütet wurde. Nach den bisherigen Ermittlungen ist K's. Zustand ein äußerst prekärer; auch der Zustand des jungen Beamten soll zu Besorgnissen girechtfertigten Anlaß geben. Beide wurden nach der Charitee, K. natürlich an die Gcfangenenabte:l,mg> verbracht. Näheres war nicht in Erfahrung zu bringen. Wir müssen unsere Leser auf das Abendblatt verweisen.

Fast sämtliche Berliner Blätter hatten, in ihrer Morgen-- nummer denselben gleichlautenden, augenscheinlich aus einer Re­porterquelle stammenden Artikel.

War Hermine schon nach schlaflos verbrachter Nacht äußerst beunruhigt gewesen, als sie sich davon hatte überzeugen müssen, daß ihr Vater von seinem nächtlichen Dienstgange noch immer nicht zurückgekehrt war, so hatte sie der Zeitungsartikel geradezu fassungslos bestürzt. Als darum die Klingel ertönte und ste in dem Eintretenden ihren Vater erkannte, stürzte sie ihm mit einem Jnbelruf um den Hals und die nervöse Ueberreizung ihres Indern löste sich in Tränen auf.