— 294
ihrem Auge, das; seine Verstimmung nachließ, er sah nur äußerst verwundert drein.
Sie senkte den Blick und schwieg, es1 entstand eine peinliche Panse.
Sie standen in einer der tiesen Fensternischen und Erna lehnte den Kbps an den Vorhang von dunkclrvtem Velours, ihr LlcicheS, von Gemütsbewegungen verheertes Gesicht hob sich scharf ab von dem dunklen.Hintergrund.
„Erna!" sagte der Oberst in leidenschaftlich bewegtem Ton, „ich glaubte Ihnen sehr nahe zu stehen, ich hoffe —"
Sie unterbrach ihn durch eine abwehrende Bewegung. Sie schüttelte mit Ausbietung aller ihrer Kraft die Schwäche ab, die sie noch einmal zu überwältigen drohte.
„Sie sind ein edler Mann., dem noch ein schönes Glück erblühen sollte," sagte sie und griff krampfhaft in die Falten des Vorhangs, als sollten sie ihr eine Stütze geben. „Ich — ich träumte einmal einen vermessenen Traum — ich — ich hatte die Liebe meiner ersten Jugend begraben, und bildete mir ein, mail könne auf den Trümmern des Zusammengestürzten noch wieder ein Glück aufbauen."
Sie machte eine Pause und atmete schivcr, während er in peinlicher Spannung ihrer seltsamen Rede lauschte.
„Ein Zufall," fuhr sie fort, „oder nennen wir cs lieber Gottes Fügung — zeigte mir zu rechter Zeit, wie sehr ich mich in mir selbst getäuscht. Ich kann keinem Manne mehr Gefährtin feilt, denn ich kann ihm nicht das Herz geben, das znnr ehelichen Bunde gehört."
„Erna! Noch gestern warm Sie eine andere — wer — wer trat zwischen uns?"
„Keiner, Herr Oberst — klagen Sie niemand an, als mich allein. Ich war nie anders, als ich heute bin, ich kannte Mich nur nicht bis auf den Grund, und darum gab ich mich, wie ich nicht sollte. Ich weiß, das ist schwere Schuld. Ich lud sie auf mich, unter dem Einfluß einer Täuschung, nicht wissentlich. Jetzt aber muß ich innehalten, und darf nicht das Geschick eines andern mit in mein Verhängnis ziehen."
Der Oberst starrte sie eine Weile sprachlos an. Das war ja unerklärlich, und mit ihrem sonstigen klaren und zielbewußten Wesen gar nicht in Einklang zu bringen.
„Sie sehen krank aus, Erna — irgend etwas hat Sic verstört," sagte er weich und milde; „wenn eine, so tvaren Sie solchen verblendenden Täuschungen unzugänglich. Gerade dieses Kare, Denkende, Bewußte in Ihrer ganzen Art hat mich ja zu Ihnen gezogen, ich werde Ihnen Ruhe lassen, bis Sie sich erholt haben."
„Nein — nein," Erna rief cs beinahe heftig — „lassen Sie uns zum Ende kommen. O! Könnten Sie mein Freund bleiben — wie sehr ich eines solchen bedarf, können Sie nicht ermessen — aber ich weiß, es geht nicht — Sie werden mir zürnen, mit vollem Recht — die Welt wird reden — v, mein Gott! Und doch — Gott allein weiß es — es ist gut, daß ich zu rechter Zeit hellsehcnd ward, und heute so spreche und Nicht anders."
Ihre Wangen hatten sich gerötet, ihre Augen glanzten in fieberischem Licht, man sah cs ihr an, daß sie am Ende ihrer Kräfte war. In solcher Erregung hatte der Oberst sie nie gesehen, er hatte solche Leidenschaft in ihr nie vermutet.
Ihn war sehr weh und verstört zu Mut, tausend fatale Gedanken kreuzten sich auch in seinem Kopf. Daß er sich hier einen Körb holen könne, war ihm wahrhaftig nicht eingefallen. Wen liebte sie denn? Wer war ihm ins Gehege gekommen, dieser Professor etwa, der mit ihrer Pflegeschwester verlobt gewesen dachte sie etwa bett ab gesetzten Bräutigam noch zu erhören? Aber die verkleinernden Gedanken verflogen rasch, sic stand da vor ihm so ehrlich, so rein, so erschüttert — begehrensl, werter als je. Das Herz ward ihm weit in Schmerz und Sehnen. War sie um keinen Preis zu erringen?
Er beugte sich tief über ihre Hand und küßte sie ehrfurchtsvoll.
„Ich weiß, daß Sie lauter und wahr sind, Erna — und ich liebe Sic mehr, als ich je meinte noch ein Weib lieben zu können. Sollte ich Ihnen nicht ersetzen können, was Sie verloren ?"
Sie schüttelte das Haupt.
, --"^in -- Sie verdienen Besseres. Es wäre ein Unglück für ' 2111^ wich, wenn ich jetzt nicht fest bliebe."
Er sah ihr traurig ins Gesicht, verneigte sich stumm! imb; ging.
wstk wie Vernichtet in einen Stuhl. Wie aus weiter Ferne schwrrrte das Stimmengewirr der noch anwesenden Gäste Ms ihr hr, sie fühlte sich einer Ohnmacht nahe. „Grüßen Sie mir den Walter," hatte sie ihm noch Nachrufen wollen, die
Stimme hatte ihr versagt, und Nun !var er gegangen, sie sah ihn wohl nie ivieder, und auch nicht den süßen Knaben, an den sie ihr Herz gehängt.
Wie lange sie so dagesessen, wußte sie nicht. Des' Vaters Anrede weckte sie.
„Erna! Was bedeutet das?" sagte der Kommerzienrat sehr aufgeregt. „Der Freiherr bricht plötzlich auf, verabschiedet sich von mir in auffallender Kühle, und sagt mir, daß er in der nächsten Zeit verreisen wolle. Hast dn etwas mit ihm gehabt? Hat er —?"
Ter alte Herr stockte in höchstem Schrecken, als er in seiner Tochter Antlitz blickte.
„Ich fürchte, ich trage die Schuld daran, lieber Papa," sagte sie, „ich — ich — ach! Es ist so furchtbar traurig, daß ich auch dir diesen Schmerz machen muß, aber — ich kann den Freiherrn nicht heiraten, ich — ich mußte es ihm sagen."
„Erna! Bist du von Sinnen? Uebersiehst du, was du getan hast?"
Der Kommerzienrat war ganz bleich und starr.
„Vollkommen, Papa," entgegnete Erna etwas gefaßter. „Ich konnte nicht anders."
„Du konntest nicht anders? Warum nicht? Seit Monaten mußtest du wissen, daß er um dich warb — und — solch ein Freier sindet sich für dich nicht wieder — du bist rein toll, Mädchen!"
Sie schwieg, sie war nicht imstande, noch etwas zu sagen. Ihr Leben war bisher eben, ohne schwere Versuchungen verlaufen, sie hatte immer das Bewußtsein haben dürfen, korrekt gehandelt, ihre Wichten erfüllt zu haben. Nun hatte sie schweres Unrecht begangen, es eingestehen, sich demütigen müssen, und das tmr ihr eine ungewohnte Last. Dazu des Vaters KNmmer; sie lehnte ihre Wange an seine Schulter und streichelte leise seinen Arm.
Der Kommerzienrat war in einer Bestürzung ohne Grenzen, sein aufbrausender Zorn ward gedämpst durch Ernas Aussehen und Gebaren. War das Mädchen krank? Um Gottes willen — sein Liebling, sein Alles, deren Zukunft er so goldig gesehen', der liebe Herrgott konnte ihm das nicht auch zertrümmern.
Aber Erna richtete sich jetzt straff auf.
„Wir müssen uns zusammennehmen, Vater, da sind so viele Augen heut. Ich gebe dir später Aufklärung, habe ein wenig Geduld."
Ihre Stimme zitterte schon Ivieder, man sah es, welche Anstrengung es sie kostete, sich aufrecht zu erhalten. Aber sie ging mit festen Schritten voran und zur Gesellschaft zurück. Verstört, vollständig verwirrt folgte ihr der Vater. Hatte seine vernünftige Erna in einem Anfall von Geistesstörung einest nie wieder gut zu machenden Streich gemacht?
(Fortsetzung folgt.)
Die Akustik von Gebäude«.
Nachdruck verbotest.
Erzeugen wir irgendwo im Raume Töne oder Ge-- rausche, so breiten sich bekanntlich von der Schallquelle Wellen kugelförmig nach allen Seiten aus. Treffen sie nirgends auf ein Hindernis, verlieren sie sich schließlich im Weltall, klingen im Unendlichen ab. Stoßen sie in ihrem Zuge auf irgend einen festen Gegenstand, den sie nicht zu durchdringen vermögen, werden sie zurückgeworfcn und laufen nun in der Richtung, die ihnen die reflektierende Fläche gab, so lange fort, bis sie auf ein neues Hindernis stoßen. Bekanntlich ist dies ja auch die Entstehungsweise des Echos. Spricht man au einer Stelle, wo sich ein Echo befindet, Worte aus, werden sich die ihnen entsprechenden Schallwellen bis zu einer Wand fortpflanzen, dort zurückgeworfen werden und endlich wieder in unser Ohr gelangen. Dies wird so viel Zeit dauern, als der Schall zur Fortpflanzung von uns bis zur Wand und wieder zurück braucht. Ist die Wand also weit genug von uns entfernt, werden wir in der Zwischenzeit mehrere Silben aussprechen können und also ein mehrftlbiges Echo haben.
Ganz anders werden aber nun die Verhältnisse, wenn uns die reflektierende Wand so nahe ist und also der zurückgeworfene Schall sobald wiederkommt, daß man in der Zwischenzeit auch nicht eine Silbe mehr amssprecheu kann. Das ist nun aber sehr häufig der Fall, so natürlich in jedem geschlossenen Raum. In den doch immerhin kleinen Dimensionen unserer Wohnräume macht sich noch nichts besonderes bemerkbar. So wie wir aber in große Hallen, etwa Kirchen, Konzertsäle usw. kommen, treten Plötzlich allerlei Störungen der normalen Schallbewegung auf.
In einer großen Kirche z. B. einer mit ganz kahlen Wandmigen wird der Schall von der Kanzel zu einem Zuhörer auf mehreren ganz verschieden langen Wegen kommen können. Außer in der graden Lime kann er auch erst nach ein- oder mehrmaliger Reslektion an unser Ohr gelangen. Auf dem zweiten Wege kommt er etwas später an, vermischt sich mit dem direkten Schall und es entsteht


