Ausgabe 
22.4.1907
 
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1807

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Dem Irrlicht nach.

Roman von Alexander Römer.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Roderich sie hvb unch-am seinen Brief irom Boden auf und überlas ihn noch einmal. Ihre kleinen weihen Zähne preßten sich fest in ihre Unterlippe. Roderich behandelte sie wie ein Kind er dachte sehr gering von ihr. , Er eilte seinem Vergnügen entgegen und lachte vielleicht M stillen über ihre stürmische Hingabe. Ein flammendes Not stieg in ihre blassen Wangen; nein, lachen sollte er nicht über sie, er brauchte sie nicht so wiederholt auf ihr geschwisterliches Ver­hältnis zurüüzuweisen. Er lolltc erfahren, daß er sie falsch verstanden habe.

Tie Jungfer trat ins Zimmer. .

Ach, sind das gnädige Fräulein schon ausgestanden," rief sie überrascht,und den Brief von dem jungen Herrn haben Sie schwu gefunden! Ich sollte viele Grüße bestellen, und Frau Kommerzienrat läßt fragen, wie das Befinden sei."

Ist Mama schon zu sprechen?" fragte Sylvia rasch

Frau Kvmmcrzienrütin sind bei der Morgentoilette, werden sich ja aber sehr freuen, Fräulein Sylvia wieder wohlauf zu sehen." , , . ,

So ging denn Sylvia hinunter, und unten rm Schla§- zimmer der lieben, weichmütigen Mama, wo die Sonnenstrahlen abgesperrt und es sehr dämmerig war, da brachen die Tränen aus dem übervollen Herzeir. Nur ganz, in allen seinen Falten, öffnete sie dieses Herz nicht mehr es gab jetzt Dinge, welche auch die liebe, immer teilnahmsvolle Mama nicht mehr erfahren durste. , , ,,

Als Erna jetzt bei Sylvia emtrat, fand sie sie gefaßt und rilhig, so ruhig, daß ihr die Schwester einen ganz fremden Eindruck machte. Sie saß vor ihrem zierlichen Schreibtisch und hatte eineil rvsafarbcneii Briefbogen vor sich liegen, auf dem sie aber noch nicht weiter als bis zur Anrede gekommen war.

Erna war blaß rind ihre Stimme zitterte leicht, als sie fragte: , , ,

Wie geht es dir, Sylvia? Besser, wie ich sehe, und was bist du denn jetzt im Begriff zu tun?"

Sylvia errötete und wich dem forschenden Blick der Schwester aus. Es blitzte durch ihren Kops:Hat sie Roderich gesprochen? Weiß sie, was zwischen uns vvrgefallen ist?" Dec Stolz bäumte sich in ihr als Trotz aiif.

Duhast doch gewißerfahren, daß Doktor Billatte um meine Hand angehalten hat wir sprachen uns noch gar nicht seit- deni sie quälten mich ja gestern von allen Seiten halbtot ich will ihm jetzt antworten."

Erna sank in den Stuhl neben, dem Schreibtisch, es ivar wie ein Nebel vor ihren Augen, Sylvia war ja luie ausgetauscht.

Was was willst du ihm antworten?" fragte sie tonlos.

Nun das, was dein Vater von mir erwartet, mein Jawort."

Sylvia, wie kannst int so sprechen! In diesem Falle bist du allein diejenige, welche die Entscheidung zu treffen hat"

Nun ja, ich treffe sie ja anch. Willst du mich.etwa heute morgen auch noch quälen? Ich habe eine Zeit lang geglaubt, daß Doktor Villattes häufige Besuche dir gälten, ihr paßtet auch eigentlich besser zusammen, aber er wählt ja nun doch mich und"

Sylvia, liebst du ihn denn?"

Lieben? Ach Gott, Erna, die Eindrücke des gestrigen Tages, meiner Mutier Schicksal, deines Vaters Reden haben mir die Einsicht gegeben, daß das, was wir Mädchen uns so von Liebe vvrschwärmen, wohl ein recht phantastisches Ding ist. Ich mag übrigens Doktor Billatte gern leiden, er ist ein netter Mensch, ich werde tun, was ich vermag, um ihm zu genügen. Er hat mir heute morgen noch geschrieben, ich fand den Brief hier oben, als ich von Manra yeraufkam. Willst du ihn lesen? Er schreibt, er könne nie glücklich werden ohne mich."

Sylvia hielt Erna das geöffnete Schreiben hin. Das waren Villattes feste, klare Schriftzüge, diese Worte, welche er aus dem heiligsten Winkel seines Herzens heraus, einzig für das Mädchen, das er liebte, geschrieben, die bot sie,, ohne em Ge­fühl für die Prvfanativn ihras Tuns, einer andern zum ttt

Mit" einer heftigen Bewegung wies Erna das Blatt zurück.

Sylvia, um keinen Preis möchte ich lesen, was er nur für dein Auge bestimmte."

Wie du willst," entgegnete Sylvia ruhig.Er will nur eine Heimat geben, mir alles Schwere ans dem Wege räumen, und für mich würde in der Zukunft manches schwer. Ich bin ja äu dumm und kindis .resen bisher, um es mir richtig vorzustellen, was es heißt, oaß ich nicht eure Schwester, nicht das Kind dieses Hauses bin. Du bist ein reiches Mädchen, Erna, ich bin arm wie eine Kirchenmaus. Meine arme Mutter hat, wie sie mir gestern sagte, auch blitzwmig, hat schon hie und da Pretiosen versetzt, und sieh, das finde ich schrecklich, in ein Leihhaus zu gehen. Ermuerst du dich noch, wenn wir in Romanen von solchen Szenen lasen? oder zu hungern, zu frieren ?/z

Sylvia, was für absurde Reden führst du da! Du weißt es recht gut, wie Papa seine Rede zu dir gemeint hat,, und wenn du aus solchen Gründen einen edlen Mann nun, wie soll ich sagen belügen und betragen willst, so"

Erna, die sich selten von Heftigkeit fortrerßen ließ, war so erregt, daß ihr die Stimme versagte. Sie harte den Eindruck, als sei Sylvia schon bei ihrer unseligen Mutter in die Lehre gegangen und führe auch eine Komödienszene auf.. Was sollten diese albernen Tiraden vom Hungern und Frieren und deut Leihhaus. , , , . . ,

Sylvia aber hatte sich erhoben und stand rn einer stolzen, kalten Haltung da, welche sie völlig verwandelt erscheinen ließ. Wie schön, !vie überraschend Achtln war sie. Der Eindruck über­wältigte Erna völlig ja, das war es, was die Männer berückte. | 'Du. wählst harte Worte," sagte Sylvia stolz,ich denk«