Ausgabe 
22.3.1907
 
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des' namhaften Kanzelredners', näher gebracht. Mch der Gießener Professor Hopfner ist burd) Manuskripte vertreten.

An die späteren Frankfurter Besuche im Jahre 1797 und 18141815 bringen ein Brief seiner Suleika vom Stift Nenbnrg bei Heidelberg, weiter Briese der Sophie von La­roche, des unglücklichen Hölderlin re. lebhafte Erinnerungen wieder. Hier ist auch eine höchst wertvolle Sammlung, A l b u rn- blätterzurSäkularfeiervonl849 eingereiht. Fichte, G e r v i n u s und vor allem Schopenhauer sind hierbei mit Manuskripten vertreten.Nicht bekränzte Monumente, noch Ka- nonensalvcn, noch! Glockengeläute, geschweige Festmahle mit Reden, reichen hin, das schwere und ernpörende Unrecht zu sühnen, welches Goethe erleidet in Betvefs seiner Farbenlehre," so beginnt der Philosoph seine überzeugende Verteidigungsrede für den Natur- imsfenschaftler Goethe. Uebrigens hat anno 1849 bereits ein jetzt verschollenerGo ethev crein" existiert, wie cs das Siegel dieser Bereinigung zur Genüge dartut.

Aiis der Weinrarer Zeit ist besonders ein Miniaturbild Wielands zu erwähnen, ein Kunstwerk, das den sinnlichen Zug irr des alternden Wielands Gesicht vorzüglich wiedergibt. Ter Naturwissenschaftler Goethe bringt Manuskripte von den beiden Humboldts, von dem Makrobiotiker H u f c l a n d, von S ö m- mering u. a. Die Knust ist stark vertreten. Aas Theater, dem Goethe sein vollstes Interesse zuwandte, ist durch ein Porträt der C o r v n a S ch r ö t e r, der schönen und liebenswürdigen Schau­spielerin und Sängerin, die Goethe bereits von Leipzig her kannte und andichtcte, am Platze: Manuskripte von Goethes Haus- kapelliileister Eberwein, dem Berliner Musiker Zelter und dem Liedcrkomponisten Reichardt vervollständigen die Samm- lung. Tie angewandte Kunst bringt ebenfalls viel Material in die neue Sammlung. Tischbein, Rauchs der Kupferstecher Schwerdt- geburth, der Bildhauer Tieck, Bettina von Arnim, die das Rauchsche später von Marches ausgeführte Modell bekanntlich als ihre Idee in Anspruch nahm, sind hier vertreten. Ein vergilbtes Blättchen, das gleich im ersten Schrank liegt, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Es ist ein Schuldschreiben Goethes aus der Wei­marer Zeit, Als er sich in einer finanziellen Krise befand. Man sieht den Schriftzügen an, sie sind im Affekt hingewvrfen. Die Krise war offenbar durch das wenig haushälterische Gebaren seiner Schwiegertochter Ottilie veranlaßt. Und es ging ihm eben, wie so vielen. Der Schwiegervater hatte das nötige Klei»>oe-d nicht flüssig. Auf jeden Fall ist aber dieser Zettel ungemein interessant und wertvoll.

Auch die großartige Kleistsammlung ist mit diesen Goethestücken erworben worden. Es ist dies ein kostbarer hand­schriftlicher Schatz des genialen, unglücklichen Dichters. Die Briefe sind innerhalb eines Zeitraumes von mehr als zwei Jahren an seine ebenso unglückliche Braut Wilhelmine von Zengen gerichtet. Liebes Mädchen! Schreibe mir nicht mehr! Ich habe keinen anderen Wunsch!, als bald zu sterben." so hebt der letztdatterbe Brief vom 20. Mai 1802 in bangem Todesahnen an. Diese 34 Briefe sind von unschätzbarem Werte und ein bedeutender Schatz in dem nun so reichen Gocthemnseum. Dieses selbst leidet unter den Raumverhältnissen. Bald werden die Manuskripte wieder in den Laden und Truhen der Sammlung verschwinden, nur für wenige besonders Interessierte noch erreichbar.

Josef M. Jurinek, Frankfurt a. M.

vermSsrhSes.

* Die S chul e der Verlobten. Aus New-Uork wird berichtet: Die Universität in Chikago, aus welcher schon verschiedene merkwürdige Vorschläge über wichtige Fragen des praktischen Lebens hervorgcgangcn sind, hat diesmal sich selbst übertroffen: Professor Henderson will au dieser fidelen Hochschule eine Schule für Verlobte einrichten. Sein Vorhaben hat in der ganzen Bürger­schaft lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Der Professor hält es für notwendig, jungen Verlobten beizubringen, wie sie sichra­tionell" zu lieben haben, auf daß man endlich einmal aus dem Zustande der Barbarei herauskomme, in welchem man sich gegen­wärtig in der sentimentalen Periode, die der Eheschließung voran- geht, noch befindet. Für abschaffungswürdig hält der originelle Professor vor allem den Flirt und die Geschenke, die er einen seltsamen Braucht und einunserer Zivilisation nicht ange­paßtes Etwas" nennt. Die Frauen von Chikago haben sichwie ein Mann" gegen Henderson erhoben. Eine Frauenzeitung be­merkt bissig, daß von allen Einwohnern Chikagos nur ein einziger noch Unterricht in der Liebe nötig hätte, und dieser eine sei besagter Henderson! Ein Mensch:, der den Flirt abschaffen wolle, könne nicht als ganz normal bezeichnet werden ein Leben ohne Flirt sei ebenso wertlos wie ein« Hochschule mit einem Henderson. Ob nun den so gebrandmarkte Professor in sich gehen wird?

Mode.

In heiterem, farbenfrohem Frühlingsumschlage liegt uns das erste Märzheft derMode vo n heute" (Frankfurt a. M.)

von, schon in seiner äußeren Form den gewttinendsten Einhruch machend. Aber auch 'der Inhalt entspricht den weitestgehenden Forderungen, die man an eine erste Bdodezeitschrift stellen kann, Tie neuesten deutschen Modeströmungen sind eingehend in Mort und Bild berücksichtigt worden, nicht minder die jüngsten Schöpfun-i gen auf dem Gebiete der Pariser und Wiener Mode, Handarbeiten,! Wüsche, Sportnwden rc. kamen gleichfalls nicht zu kurz, wie ferner die ständigen Rubriken Küche und Haushalt, Schönheits^ und Gesundheitspflege, Kinderpflege, Hygienischer Ratgeber, Haus-, garten, Erergnisse und Erlebnisse aus der Frauenwelt über ciu« Fülle interessanten und wissenswerten Materials enthalten. Inh literarischen Teil erzählt Carmen Sylva Königin Elisabeth von Rumänien aus das anziehendste aus ihrer Jugend an« Rhein, vor uns ernste und heitere Bilder ihrer Kindheit entrollend. Georges de Tnbor, der hervorragende französische Schriftsteller, dessen letzter spannender Roman aus dem Altertum soeben inA deutsche übersetzt ward, plaudert in liebenswürdiger Form über das weibliche Personal der Pariser Oper", viele Anregungen geben Agnes Harder in ihrem Essay:Ein Sttauß Ranunkeln mohn"' >umd L. Malten in ihrerErziehung zur Schönheit"/ Kunst und Musik, Gesellschastsleben, Literatur, der Interessen- kreis des Kindes müssen dann noch erwähnt werden neben dem! spannenden Roman von Georg Wasner und den weiteren Ver- öffentlichnngeu des Preisausschreibens:Welches ist die schätzens^ werteste Eigenschaft des Mannes."

©in verschollenesGedichtHebbels veröffentlich Dr. Maxim Kobn. Er sand das Gedicht durch Zutoll in der kurz- lebigen ZeitschriftBraga, Organ <üv Wissenschaft und Kunst, redi­giert von einem Kreise deutscher Jünglinge". Tie Redaktion hatte sich an den gefeierten Dichter in Wien gewandt, der für das Januarheft 1862mit der liebenswürdigsten Bereitwilligkeit dis Jugendarbeit zur Verfügung gestellt hat". Tas Gedicht tontet:

Sonett.

Was ist ein Hauch? Ein Nichts, wird mancher sagen, Ntaii fühlt ihn kauin, wenn er vorüberschwebt;

Und was geheim »ind glühend in ihm ivebt, Ob man es spürt, man kann es nicht erjagen.

Was ist ein Hauch? Ich wist den Kranken fragen,

Der zweifelt, ob er noch den Lenz erlebt,

Und dessen Herz in dttnkler Sehnsucht strebt, In eine letzte Blüte aiiszuschlagen.

Ihm küßt ein kühler Hauch die heißei» Wangen, Da träumt er still, der Frühling sei gekominen Und jedes Blütenleben aufgegangen.

In dieser Wonne ivird er fortgenommeil Und hat vielleicht ein größeres Entzücken Als alle, die die Blumen wirklich pflücken.

Rösselsprung.

(Nachdruck verboten.)

Auflösung in nächster Nummer

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Auflösung des Logogriphs in voriger Nummerr Most, Post, Rost, Frost, Trost, Ost.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'icben Univertttäts-Buch» und Stetndruckeret. R» Lange, Gieße»