- 116
tittHbter Skiläufer in hohem Maße bewundern, wie sie nach flotter Abfahrt im kurzen Bogen sich umdrehen oder wie sie von einer Schneeschanze aus in kühnem Sprunge durch: die Lust fliegen.
Eine» köstlichen Genuß gewahrt eine Fahrt im großen, von einem guten Pferde gezogenen Schlitten, mag man nun dm entzückenden Weg längs des Silvaplaner und Silser Sees bis zur Paßhöhe von Maloja wählen oder es versuchen, über Pout- resina und an dem malerischen Morteratsch-Gletscher vorüber die Höhe des Bernina-Passes zu erreichen, der mit seinen enormen winterlichen Schneemassen einen geradezu unheimlich öden Eindruck macht. Freilich wird nicht jeder Schlitten so leicht die Paßhöhe erreichen wie die Schweizer Alpeupost, die mit einer Reihe hintereinander lausender Schlitten Tag für Tag die Verbindung nach dem Veltlin austecht erhält, oder wie die Fuhrleute, die allwöchentlich den roten Veltliner Wein aus Italien Nach dem Engadin bringen.
Trotz des tiefen Thermometerstandes empfindet man die Kälte im Engadin durchaus nicht unangenehm infolge der intensiven Wirkung der Sonne auf der Schneefläche, der Trockenheit der Lust und der völligen Windstille, die meist im Tal herrscht, während oben an den scharfen Firsten hie und da leichte Schnee- massen vom Wind aufgewirbelt und wie in Wölkchen davongeführt werden, ins tiefe Blau des Himmels, in dem sie allmählich verschwinden.
Wenige Tage des Aufenthaltes genügen schon für den gesunden Menschen, ihn die Körper und Geist erstischende Wirkung des Hochgebirges verspüren und die Sorgen vergessen zu lassen, und ich bin überzeugt, daß auch die Gesunden immer mehr von Jahr zu Jahr djas Hochgebirge zu ihrer Erholung aufsuchen werden, wie es ja Nerven- und Lungenkranke zur Heilung schon seit langem tun.
Der Silvesterabend ist da. Eine einzelne Glocke läutet kurz vor Mitternacht das scheidende Jahr zu Grabe. Dann tiefe .Stille, bis wuchtige Glockenschläge die Jahreswende verkünden, und nun begrüßt das junge Jahr volles harmonisches Geläute aller Glocken im Tal, widerhallend von den majestätischen Bergriesen, deren weißes Gewand die strahlende Mondscheibe mit Silberglanz übergießt. Dr. H.
Wandenmgs« i» deutsche» Gaue».
Rominten.
Im äußersten Osten Ostpreußens, dem Zarenreiche benachbart, liegt auf dem uralisch-baltischen Höhenrücken, durchflossen von der Rominte und ihren zahlreichen Zuflüssen, das Jagdrevier des Kaisers. Mehr als 120 000 Morgen mißt der prächtige Wald. Hügel und Niederung, Lehm und Sand, trockene Flächen und Bruch, Hoch- und Niederwald wechseln miteinander in anmutiger Vielfältigkeit. Ein zahlreicher, wohlgepflegter und geschonter Wildstand bevölkert den riesigen Forst. Elche gibt es nicht, aber prächtiges Rot- und Damwild lockt den Jäger.
An einem bitterkalten Morgen trägt mich bet Schlitten, bespannt mit zwei leichten, munteren ostpreußischen Pferdchen, vom Bahnhof Goldap in den Forst. Mit furchtbarer Gewalt braust der eisige Ost aus den russischen Steppen über das kahle Hügelland, hier den Schnee ganz hinwegfegend, dort ihn zu mächtigen Dämmen zusammenwehend. Die kleinen Dörfer sind tief verschreit, kein Mensch ist auf der Straße zu sehen. Nur selten begegnet uns ein Fuhrwerk. Kutscher und Fahrgäste sind bis zur Stirn in Pelze in Decken gehüllt, das Haupt bedeckt eine große runde Pelzmütze. Bald fahren wir in den Forst ein. Die dichtgedrängten Barrmriesen brechen die Kraft des eisigen Windes: prächtig ziert den Weihnachtswald sein weißes Winterkleid. Häufig flüchten ganze Rudel Wildes, von dem Hufschlag unserer Pferde und den Glöckchen des Schlittens aufgescheucht, in die Tiefe des Forstes. Unendlich zieht sich der Wald hin. Immer neue Reihen seiner Waldriesen stellen sich uns entgegen. Bergauf, bergab geht die Fahrt, bald über Hügelrücken, bald über das Eis der weitgedehnten Brüche. Allenthalben zeigt der verräterische Schnee die Fußspuren des hungernden Wildes. Endlich, nachdem wir vom Waldrande aus 25 Kilometer zurückgelegt, haben wir die Mitte der Romintener Heide erreicht. Dort liegt in einer Waldlichtung auf beiden Ufern der Rominte das Dörfchen Teerbude.
Ein weltverlassenes Holzhauerdorf war .es bis vor. wenigen Jahren. Heute weisen seine dunkelrot gestrichenen zierlichen und sauberen norwegischen Blockhäuser und der am Eingang des Dorfes in demselben Stil errichtete kaiserliche Automobilschuppen den Ankömmling sogleich auf den fürstlichen Gast hin, der fett mehreren Jahren dem Orte das Gepräge feines persönlichen Ge- fchmacks aufgedrückt hat. Gar idyllisch lebt der Waldarbeiter in den sauberen Blockhäusern. Mit der Wohnung empfängt er das vollständige Mobiliar, ans Tannenholz, ebenfalls im nordischen Stil verfertigt. Zwei Zimmer, dazn die Küche und eine Dachkammer enthält jedes der niedlichen Häuschen. Und für diese ganze Herrlichkeit — einschließlich des Mobiliars — hat der glückliche Mieter
nur 40 Mark im Jahr zu zahlen. Da möchte ihn wohl mancher großstädtische Arbeiter und Beamte beneiden! Auch sonst hat der Kaiser gut für seine Rominter gesorgt: eine Kleinkinderschule verwahrt dem Waldarbeiter die Kleinen, wenn er, der Vater, im Walde, fern von seiner Wohnung, seinem Tagwerk nachgeht. Vom Rande der Lichtung, auf dem hohen Ufer der Rominte erbaut, von einem prächtigen Bestände mächtiger Baumriesen ein» geschlossen, schaut das kaiserliche Jagdschloß Rominten auf das Dorf hernieder. Norwegische Zimmerleute haben es im Stil der mittelalterlichen Bauten Norwegens aus den Stämmen der Romintenschen Heide zusammengefügt. Phantastische Drachen ragen über die Dachfirsten hinaus. Dem Abhang zunächst liegt das Blockhaus des Kaifers. Es hat die Abmessungen einer kleinen Villa. Ein überdachter Gang verbindet es mit dem nach der Waldseite gelegenen, etwas kleineren Hanse der Kaiserin. Grell heben sich die Gebäude in ihrem roten Anstrich und mit ihren zackigen Drachenköpfen ab von der weißen Schneedecke und dem tiefe» Dunkel des Waldes. Neben dem Schlößchen liegt die Kirche, eine getreue Nachbildung der altnordischen Holzkirchen. Ein hohes, spitzes Schindeldach und ein hölzerner Dachreiter krönen den merkwürdigen Bau. Das Innere macht mit seinen hölzernen, rotbraun gestrichenen Wänden, mit feinen romanifietenben Bauformen, den überall verwendeten Drachenmotiven und dem reichgeschnitzten Holzgestühl einen fremdartigen, aber doch warmen, behaglichen Eindruck. Vorn, links vom Altar, stehen die Stühle der kaiserlichen Familie, dicht neben den Bänken der Dörfler, von denen sie keine Schranke trennt. Das einfache Innere des Jagdschlosses schmücken stattliche Jagdtrophäen.
Hier hätt der Kaiser mehrmals im Jahre Einkehr. Ein reger Verkehr herrscht bann in diesem stillen Erdenwinkel. Zahlreiche Dienerschaft und ein großes Jagdgefolge begleiten den kaiserlichen Jäger. Eine Zeit angespanntester Tätigkeit hat der Förster zu bestehen. Jetzt nützt er die Beobachtung des Wildes seines Reviers, der er das ganze Jahr über abgelegen hat. Früh morgens um drei Uhr schon hat er an den Jagdtagen im Schloß den Rapport zn erstatten, wann und wo in seinem Revier der stolze Hirsch auf seinem Morgengang auf die Waldlichtung heraus- tritt, der Kugel des Jägers ein sicheres Ziel bietend. In aller Frühe bricht der Kaiser mit seinen Jagdgenossen auf. Ueber Stock und Stein geht es im rüstigen Marsch durch die Heide. Keine Rücksicht gibt es auf den alternden General oder Höfling. Hält er das rüstige Weibwerk nicht mehr aus, bann mag er sich zu- rückziehen. Prächtige Geweihe erbeutet der Kaiser hier in jedem Jahre. Reichliche Gnadenbeweife läßt das kaiserliche Jagdglück die Förster gewinnen. Aber wehe ihnen und dem Forstmeister, wenn der belauschte und angesagte Hirsch den Kaiser foppt, dann setzt es ein kräftiges Donnerwetter ab aus kaiserlichem Munde; „Glauben Sie, ich käme zu Ihnen zur Visite?"
Einen ansehnlichen Touristenverkehr hat das kaiserliche Jagdschloß dem stillen Dorfe gebracht. Ein geräumiges Gasthaus ist entstanden. Dort labt nur ein einfacher Imbiß nach der anstrengenden Fahrt. Aber auf unsere Frage nach Bier und Wein sehen wir verlegene Gesichter. Der Wirt hat sich durch Zwistigkeiten mit einem bei ihm einquartierten Hofbeamten die Ungnade des mächtigen Hofmarschallamts zugezogen. Bald darauf hat er die Konzession zum Ausschank geistiger Geträirke verloren- und nun müssen wir armen durchfrorenen Reifenden dafür büßen.
Wv die Frau die erste Geige spielt. Ist des Mannes Brummbaß oft vonnöten: Wo die Frau als Dirigent sich fühlt, Geht so gern das Glück des Hauses flöten.
DiaMEtriitfeil.
(Nachdruck verboten.)
In die Felber nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a beeeeiikkllll irr ss t t v derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Folgendes bedeuten :
1. Einen Consonanten.
-] 2. Möchte Niemand gern
5 werden.
8. Deutschen Fluß.
4, Ein Musikinstrument,
5. Ein Thier.
6. Babylonische Gottheit.
7. Einen Consonanten.
Die senkrechte und wagerecht« Mittelreihe ergeben das Gleich« in nächster Nummer.
Auflösung
Auflösung des Bilder-Nätsels in vorletzter Nummer r Anmut machet schön das Weib.
Redaktion: Traft Heß. — Rotationsdruck und Verlao der Brühl'icken UnwerktätS-Bueb» und Stetndruckeret, R. fcanae. Gieße»


