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Hanna fnft mit Ijcifi fdiimmcrttben, tvicl)cnt)cii klugen tut Sattel. Sie gab sich ganz der Wonne dieses ersten ungestörten Znsmnmcnseins hin. Herzbetörend war sie in ihrem Glücksraulch.
Joachim hatte in der ersten halben Stunde nicht den Mut, mit r»:her Hand in ihre Seligkeit zu fahren. . Auch er kostete blutenden Herzens in dieser kurzen Frist noch jeden Retz ihrer Persönlichkeit aus. Er fand noch einmal all die süßen Worte für sie, welche nur die Liebe ersinnt und nur die Liebe versteht.
Erst als sie in den Wald einbogen und das melancholische Düster der Baumschatten sich über sie senkte, kroch das schwarze Gespenst seines heroischen Entschlusses mahnend an den jungen Offizier heran, ©ein Gesicht wurde ernst, beinah finster. Nur mühsam folgte er ihrem Plaudern.
In dem Bestreben, ihm recht vrel Ltebes und Angenehmes zn berichten, erzählte sie ihm von seinem einstigen Schützling aus der Weihnachtszeit und daß sie es seither übernommen habe, völlig für den Knaben zu sorgen.
„Wie gut du bist, Liebes!" murmelte er weich
Sie schüttelte freimütig den schönen Kops.
„Ich bin nicht gut! Nein, schlecht, sehr schlecht sogar. Ich betrüge eigentlich alle Menschen, selbst die Menschen, die mich lieben, ich bin niemals wahr gewesen. Was ich Gutes tue, tue ich nur aus Egoismus. So schleckst bin ich."
Ihr sorgloses Lachen drang als Mißklang in seine kämpfende Seele. , .
„Warum ziehst du dich selbst gewaltsam herab? fragte er.
Sie riß die Augen aus wie ein erstauntes Kind.
„Aber wenn ich nun doch so bin!" lächelte sie. Dann sprunghaft, wie sie oft Thematas zu wechseln pflegte, sagte sie interessiert: „Da hat sich ja dein Bruder verlobt, ^zch las es gestern in der Schlesischen. Warum erzählst du mir so was nicht? Kannst bu mir nichts Näheres davon sagen?"
Da ist nicht viel zu sagen. Seine Braut ist schwer reich, alles andere ist für ihn Nebensache. Er hatte sich ordentlich tn die Tinte geritten, wie er mir wörtlich schreibt, und hat es satt sich mit dem Alten in Loßwitz rumzuärgern, da nahm er die erste beste ,gute Partie'. Tochter eines adligen Großindustriellen, nicht mehr jung, weder hübsch noch geistreich, aber er hofft, eine sehr bequeme Frau an ihr zu bekommen. Was rhr an Reiz abgeht, dafür könne er sich ja außerhalb seiner Ehe ent- scküdigen. Außerdem habe er gerade schon genug gelebt. Nun siehst du, Lieb, das ist der Musterknabe, der mir zu Hause immer als Beispiel vor Augen geführt wird."
Eine maßlose höhnische Bitterkeit rang sich aus fernen Worten ans Licht. Und diese Bitterkeit quälte einen Schmerz in ihm wach, einen großen, schreienden Schmerz. Er dachte an sein verpfuschtes Leben. Ein Granen kam ihm vor dem Schloß seiner Väter, von dem aus ihm nur Unglück geworden. Ohne das Erstaunen der jungen Frau über seine jähe Veränderung zu beachten, brach er los: .
„Weißt du, daß ich es hasse, dieses ,zn Hause, oaß ich nur vorgenommen habe, Schloß Loßwitz nie mehr zu betreten? All die Meinen sind mir entfremdet. Nun auch Marga, der ich den Geliebten tötete. Ich mag sie nicht Wiedersehen, meine arme, kleine Schwester."
Hanna war es siedend heiß in den Schläfen gestregen, bet dieser unerwarteten Eröffnung.
(Fortsetzung folgt.)
Iinsett in Rußland und Westasten Während der Revolutionszeit.
Bericht über den Vortrag in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.
Wen hätte es nicht gelockt, von einem Augenzeugen einen Einblick in die Wirren zu erhalten, die zurzeit unser östliches Nachbarreich erschüttern? Zumal, wenn ein Redner angekunorgt ist, der so gut zu schildern weiß, als der Asienretseude Rudolf nabel (Dresden), dessen Bericht über Japan und Korea wahrend des japanisch-russischen Krieges bet den Mitgliedern der.„Geiell- schast für Erd- und Völkerkunde" noch tn bester, Erinnerung steht. Allerdings mußten die zahlreich Erschienenen Mosern eine Enttäuschung erleben, als der Vortragende über bte revolutto- näre Bewegung nur wenig Schreckhaftes zu bertajicn hatte. Ware der mit seinem Lübecker Dampfer beförderte Goldtransport tn Petersburg nicht unter starker militärischer Bedeckung zur Bank gebracht worden, und hätte er nicht Gelegenhett gehabt, den Schauplatz des Attentats auf den Ministerpräsidenten Stolypin aus der photographischen Platte sestzuhalten, in der Hauptstadt des Landes wäre von einer Unsicherheit des Verkehrs mcht das geringste wahrznnehmen gewesen. In Moskau dagegen fielen schon, die getroffenen Vorsichtsmaßregeln der Bewohner unanangenehm aus, und in Baku gaben Leichenfelder Zeugnis von bett wütenbett Rassenkämpsen, die zwischen bett muhamebamschen Tataren und den christlichen Armeniern geführt worden waren. Am schlimmsten sah es in Warschau aus, das den Eindruck einer soeben vom Feinde eroberten Stadt machte. Die täglichen spaltenlangen Berichte der russischen Zeitungen über Verorechen und Attentate zeigen jedoch in der überzeugendsten Weise, daß «s in Rußland keineswegs so „bombensichett ist, wie es den Reisen- bett auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mochte.
Nachdem Herr Zabel schon int Jahre 1901 mit der sibirischen Bahn Asien durchquert hatte, verließ er diesmal tu toamara biete Strecke, um aus der transkaspischen Strecke über Orenburg bett Ural zu überschreiten und die südöstlichste Ecke des astatischen Rußlands zn besuchen. Da der Ural im südlichen Bette durchaus Mittelgebirgschqrakter trägt und vielfach dem Thüringer Wald ähnelt, so überschreitet die Bahnlinie tn bequemen Serpentinen dieses Grenzgebirge zwischen Europa und Asten. Zufolge des „Geists der Unterschlagung, der tm Ehrenkodex des russischen Beamten steht", ist die Bahn tm Vergleich zu den aufqewandteu Mitteln unzureichend ausgefallen, so daß der wöchentlich dreimal verkehrende Luxuszug mtt etnei Geschwindigkeit von 25 Kilometern „dahinrast", während der benutzte Postzug es gar nur auf 20 Kilometer bringt. Die Bahn burchschnetdet vorerst die Kirgisensteppe, deren Einförmigkeit nur bter unb ba durch den Anblick der Jurten (Zelte) kirgisischer Auls unterbrochen wird. Die Bewohner, wetterharte, braune, untersetzte Gestalten, sind nomadisierende Viehzüchter und. untersiyeiden sich in Karakirgisen (schwarze, wilde Kirgisin) und »ta Nach Süden geht die Steppe unmerklich in Smzwuste über, bte außer einigen grauweißen Salzpflanzen hauptsächlich den ©oraut iiinb Kaiagalniksträucher hervorzubrtngen vermag, Tte russische Bahn Verwaltung ist, allerdings bis setzt nut geringem Ersolg, bemuhtt diese kümmerliche einheimische Flora zur Besestigung des Bahn bamnis nutzbar zu machen. Ueberhaupt wirken die entlang des Bahnkörpers entstehenden Stationshäuser als erste Kulturstätten in lenen trostlosen Gebieten. Mit dem Erreichen der Station Kasalinsk am Syr Darja (dem Jaxartes der Alten) tritt bte Bahn in das eigentliche Wüstengebiet ein, das als mss. Gouvernement Turkestan den größten Teil des turamschen . Tieflandes ein- nimmt Es ist ein zentrales abflußloses Gebiet, das versch-te- bene Wasserbecken enthält, die im Laufe der ^ahre ihre Lage andern. Hier war von altersher der Zug der großm Handelsstraße zwischen dem mittleren und östlichen Asien und Europa, hier der politische und merkantile Berührungspunkt der umliegenden Staaten, so daß das kaiserliche Wort: „Meere trennen utcht.son- bern verbinden", auch sür die Wüste Gültigkeit Hot- Das jßuften# gkbsitbestehtaüs der'nördlichen Kisil-Kunt (rote Wüste) un » bet südlichen Kara-Knm (schwarze Wüste). Ber Äauptort Turkestans ist heute Taschkent am Syr Dana. Er besteht aus zwei voll ständig getrennten Stadtteilen: der asiattsckwn und der russischen | Stadt. Während die erstere ein typisches Bild orientalischer Ban weise bietet, ist letztere, mehrere Kilometer von der alten ©tobt I entfernt, in durchaus moderner Art gebaut. Die handeltreibende sartische Bevölkerung, eine Mischrasse, gewahrt m ihrer bunten Kleidung ein anmutendes Bild morgenlanbischer.Ucanntg fattigfeit. Die Hauptbedeutung der Stadt liegt tn der Beherr- schuug des Getreidemarktes. Der alte Basar btetet bem Reisenden Gelegenheit, Pelzwerk, Teppiche unb fetbene Stoffe »» erstaunlich hohen Preisen einzukausen. Durch uralte künstliche^ Bewässerungsanlagen ist das Wasser des Syr Dana über die ganze Gegend geleitet worden, wodurch aus der vorhandenen ^AwW erde Wunder von Fruchtbarkeit hervorgelockt werden. Putsch von doppelter Faustgroße, Weintrauben, deren Beeren d e Dicke von Pflaumen erreichen, sowie Tomaten Arbusm (Mel ) werden hier in Menge auf Ren Markt ^brackft. Die S-oß Fortschritte in der Kultur hat das südlich von Taschkent gele-
Natürlich sagte er zu. So befahl sie gleich um drei Uhr ihr Reitpferd und daß Franz sie begleiten solle.
Zur bestimmten Stimde mar der Freiherr zur Stelle. Von Franz gefolgt, ritten sie zur Stadt hinaus, in der Richtung nach dem Walde zu, der im Besitz des Fürsten von P. sich meilenweit hinter St. ausdehnte. Der Tag war wundervoll. Wie ein- Riesen kuppel wölbte sich der tiefblaue Himmel über der herbstlichen Landschaft. Nicht das kleinste Wölkchen unterbrach die Einförmigkeit seiner Färbung. Nur die öonne breitete Goldglauz über das südliche Blau unb fiel in unzähligen Glorieu- strahlen zur Erde nieder. Die Luft zeigte jene Klarheit, wie sie nur schönen Herbsttagen eigen ist, alle Farben schienen satter, ausgeprägter, alle Konturen kräftiger, als im Dunstschleier heißer Sommerluft. Langsam schwebten die weißen ©ommertäben durch die fast unnatürlich warme Luft. Sie wehten wie lustige Wimpel an den Stämmen des Hochwaldes, verfingen sich zu dichtem Gespinst im Geäst niedrigen Strauchwerks und woben ein seines schimmerndes Netz über die braunen Ackerschollen.
Auch um die Gestalten der Reiter schmiegten sich bte zarten gäben als herbstliche Mahnung. Doch wer denkt an bett Herbst, wenn der Himmel blaut unb die Sonne lacht, wenn das bunte Laub so farbenfrenbig leuchtet, die Luft so schmeichlerisch lau


