Ausgabe 
21.12.1907
 
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Woas gebst De, Peter?" fragte Willen» rasch.

Fir jeden Woage (Wagen) voll von meine Aecker an Mark, bei so eure Verdienst kennt Ihr keawe (leben), iuiii die Ferschte (Mrsten). Daut Uch oawer ivait so wih (weh) debei, jeden Doag Aag) Je dritt »an Waage voll, mihu (mehr) werd Ihr Faulenzer doch näit sesomme fr je."

Wütend erhob einer der Tisehgenvssen die Faust, Willen!« aber legte sich in§ Mittel:Nur kaan Streit, wann mirsch (wir cs) em Gourre ausmache kenne. Peter, e Mann, e Woart, gebst Ton 1 Mark fir jeden Woage voll, den mir Dir Breiige?"

Fix jeden Woage voll 1 Mark", war die Antwort,woas eich vexspreache, doäs haatt (halte) eich aach."

East (ist) Tirsch (Dir es) aanerla, wann mir komme?"

Tvas eaß mir ganz gleich: Ihr werd so Baal (Bald) näit komme, Ihr Faulenzer, 's mißt dann sein, deaß (das;) Ihr aach gvar kaa Schnajiskreuzer mih nnnerscht (anderswo) vfsdreiwe (anf- tteiben) kennt."

Mit diesen Worten wollte sich Peter empfehlen'. Aber der, der vorhin schon einmal mit der Faust gedroht hatte, packte ihn derb am Arm und rief:Werf irscht (erst) noch eabbes (etwas) ean hie Oarmebichs' (Armenbüchse), däi yäi stiht, sost (sonst) giht Tirsch näit gont!"

Peter riß sich los, holte einen Pfennig aus der Tasche und warf ihn aus den Tisch, indem er höhnisch äußerte:Hai, Kasper, eaßn Pfennig für die Oarme, haagt (haut) Uch oawer näit drimm founnic [um das Gelds), wann's Geald verdaalt (verteilt) werd; Ihr daalt doch sicher alle 3 met, wann's inner (unter) die Oarme finnnt."

Damit Verschivaud er rasch; es war aber auch die höchste Zeit, denn nur mit größter Mühe gelang es Willem, dem ruhigsten unter ihnen, seine Trinkgenossen an» Tisch festzuhalten.Mir kriegen 'n, mir fr regemn, verlosch Uch off meich; eich hnn 'n alleweil can dr Hand!"

*

Es war einige Wochen spater an einemi Mittwockmbend zwischen 10 und 11 Uhr; da knarrten durch die Hmiptstvaße von Bergheim drei schlverbeladene Wagen. Tie meisten Einwohner des Fleckens waren schon zur Ruhe gegangen. Der mit schweren Wolken verhängte Himmel lief; kein Licht zur Erde. In der Nebengasse, in welcher Peter Werner auch schon längst in seinem schwiegerväterlicksen Heim die Bettdecke über die Ohren gezogen hatte, wars stichdunkel. Und gerade in diese Gasse bogen die drei Lastwagen ein.

Ein Peitschenknall ertönte, der Zug hielt. An das Fenster von Peter Werners Wohnzimmer, das gleichzeitig auch Schlafstube war, pochte der Peitschenstiel des Fuhrmanns vom vordersten Wagen. Ohne Erfolg. Wieder klirrte die Scheibe; keineBewegung im Inneren des Hauses. Der dritte, etwas verstärkte Angriff «ns das Fensterglas hatte endlich die gewünschte Wirkung. Eine weiße Gestalt erschien am Fenster, ein Flügel wurde halb geöffnet:

Wer eaß dans (draußen)?"

fDZit"?"_

Deaß Jhrsch seid, doas hier» (höre) eich, wer eaß oawer der Mir?"

Eich sein der Dhaldorser Willem, hinner (hinter) mir häält (hält) der HanupWiPpS Kasper, tm hinner deam or Scholtheße Karl."

Woas wollt Ihr dann?" fragte Peter.

Mir hnnn Taal (Teil) von Deine Aecker metgebroocht (mit- gebracht), drei Woage voll, stih off un weis (zeige) uns, wuh mir oabloare (abladen) solle."

Ihr seid narrig'" erscholl's vom Fenster her, und klirrend flog dieses zu.

Einige Minuten Stille, drinnen wie draußen.

Willem, klopp iwch emol!" riefs jetzt vom zweiten Wagen her.

Mehrmaliges Pochen ließ den erbosten' Bergheimer wieder MU> Fenster erscheinen.

Peter, etz mach kaa Flause, saa (sag) uns, wuh mir oabloare (abladen) solle, bezoahl uns die Foahrt (Fahrt), nachher leg Dich wirrer (wieder) ean Dein Bett, solang De willst,'mir oarde (warten) naut mih lang. Wann's uns se lang dauert, schmeiße mir Dir d ganze Dreack (Dreck) der (Vor) Denn Haus, häi off die Gasse un soahrn fort; mach also e Bessi (bißchen) schwinn."

Peter, der endlich begriff, daß die Sache ernst zu sein schien, fing an zu unterhandeln:Kreisch doch näit so laut, Willem, es eaß näit nihrig (nötig), deaß die ganz Gemaan (Ge­meinde) ean mein Schwiegervoater wacker wern. Foahrt haam, ich halt jo neulich nur Späsf genwacht!"

Späsf hin, Späsf her! Mir fein Hai met drei Woage voll, Wär Tons bestellt host, bezoahl uns, uw'dann beaft (bist) Don uns ins slos), wann mr oabloare htm (haben).

Eich wern Uch (Euch) Au (Euere) Dommheit aach iwch be- zoahle", rief Peter, wütend Mrnck; da horte er zu feinem Ent- seheu auch schon die ersten Brocken auf die Straße rollen.

Ei, hiert (hört) doch off", rief er erschrocken hinab,mir ivvlle sich aanige, (einigen). Wann's mei Schwiegervoater hiert, gebt's Ungleck; woas wollt Ihr dann hun, wann Ihr den Dreack Wirrer mitneammt."

An Mark fir jeden Woage voll hin«, an Mark her", war die Antwort,macht (macht) zwo Marl fir die Foabrt. mir fein

Kvn dreatt (dritt), macht 6 Mark, geab's Geald, un mir soahvni vab (ab), eil Dich oawev e bessi, bei Deim Schwiegervoater vu-e (oben ean seiner Stuwe rompelt's schunt (schon)."

Gern hätte Peter noch Einwände gemacht, die letzte Be­merkung Willems aber scheuchte ihn rasch ins Zimmer zurück. So viel man von der Straße aus hören' konnte, entstand dort ein kurzer, erregter Disput zwischen den Ehegatten. Die Bäuerin hatte natürlich vom Bett ans die ganze Berhandlung anaehört und kannte die Veranlassung gut genug. Ihr Mann hatte ihr nämlich am Abend nach jener Fahrt nach und von der Sleinmühle brühwarm erzählt, wie er den Wirtshausbrüdern in Thaldors ein­mal heimgeleuchtet habe.

Zwei- ober dreimal flammte jetzt ein Streichholz in der Stube auf, Geldstücke klangen, ein Arm stieß das Fenster zum drittenmal aus und reichte etwas hinunter.

Meres!" riefs in dumpfem Tone als Quittung herauf, nachdem die tastende Hand die. harten Taler befühlt, bcis vor­sichtige Auge dieselben beim unsicheren Scheine der tief unter dem Wagen hängenden Laterne geprüft hatte.

Gun Noacht (Gute Nacht), Peter, wann solle mir Dir die nechst Loaring (Ladung) Breiige ?"

Haal Dein Maul! Brengt mich näit ean's llugleck: aamol hun eich bezoahlt int näit wirrer, eich neamme (nehme) mein Woart von neulich ferecE (zurück)!"

Zum drittenmal schloß sich das Fenster. Zuerst langsam, daun immer rascher rollten die Wagen die Gasse hinunter, auf Umwegen zur Hauptstraße zurück, zum Torfe hinaus, Thaldorf zu.

Am andern Morgen fragte Peters Schwiegervater nach der Ursache der nächtlichen Ruhestörung. Peter erzählte mit ver- Bissenem Gesicht, mehrere Lastftihrlente ansGäiße" seien in der Dunkelheit von der Straße abgekommen und hätten sich Bei ihm erkundigt nach der einznschlagenden Richtung.

Tein Auslejimg (Auslegung) heint Noacht hott oawer e bessi lang gedauert", knurrte der Alte.

Se wollde mirsch irscht näit glaawe, wäi eichsn beschriwe hun, wäi se foahrn solide", war des Andern Antwort.

Täi Gäißcr wvarn scheints ean Draas-Horloff (Treis- Horloff) geweast," fing der Alte nochmals an.

Wäiso?" lautete Peters Gegenfrage.

Gih nur bei's /Feauster, ean guck eiwititer off die Gasse, do laje e poar ganze Draaser Briwtts un' aach Stecker. Eich maane, eich hütt's heint Noacht aach bollern hier», bfii wer» se vcrloarn hun, wäi se met Dir geschwätzt hun."

Ter Schwiegersohn machte ein eigentümliches Gesicht zu dieser Entdeckung des alten Rechners. Ein Blick auf die «Lasse aber belehrte ihn über die Richtigkeit der eben gehörten Behauptung. Trotz seines schweren Begriffsvermögens kam ihm doch eine Ahnung, daß er noch viel mehr hereingefallen war, als er schon geglaubt hatte. Ein inhaltschwerer Bries zwei blanke Tale«. lagen darin, den Peter am folgenden Tage zugestellt bekam, bestätigte die Folgerung, die er schon gleich nach der Entdeckung der Briketts vor seinem Fenster zu ziehen gewagt hatte. Sein Freund Willem von Thaldorf, der lleberfenber des Briefes, schriebt

Lieber Peter!

Gelt, wann Du vorgestern Abend gewißt hältst, was Du jetzt gleich erfahrn wirst, dann hältst Du uns die 12 Mark itit geben. Wie mir gestern Morgen zuhaus den Dreck aus unsere Wage bedracht habe, den mir von Bergheim Widder mit hierhcr- gebracht hatte, da warns lauter Treffer Briketts. Hatte mir zu bene paar vor Deim Haus die 3 Wage voll abgelade, Sa hast Tu lache kenne. So aber lache mir. Nix für ungut. Deine 6 Mark liege in diesem Brief. Mir wolle sie nicht, dann mir sinn von dem Spaß genug bezahlt. Wann mir im nechste Herbst Widder Briketts in Treis hole, kloppe mir Dich Widder heraus. Zu bezahle brauchst Du uns aber dann nix Mir. Nochmals nix für ungut! Es war wirklich gern geschehe.

Wir grüßen Dich herzlich

Deine Freunde

Wilhelm Bernhard. Kaspar Best.

Karl Schultheiß."

Für den Spott brauchte der gute Peter in der nächsten Zeit nicht zu sorgen, dafür sorgten andere mehr, als ihm Heb war, ei

vermischte».

* Eine Unsitte in Raueherkreisen wird von Dr. E. Saalfeld in derMedizinischen Klinik" gegeißelt. Viele Männer haben die Angewohnheit, die Zigarren vor dem Abschneiden der Spitze mit Speichel zu befeuehten. Benutzen sie ihren eigenen Zigarrenabschiieider, so läßt sich dagegen nichts sagen. Anders liegen aber die Verhältnisse, wenn nach dem Einspcicheln ein Instrument benutzt wird, das für den allgemeinen Gebrauch bestimmt ist. Dies ist in den meisten Zigarrenläden der Fall, in denen die bekannten guillotinenartigen Apparate zur Verwendung kommen, die wie es in der Natur der Sacke liegt und der Wirklichkeit