Ausgabe 
21.12.1907
 
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der ge-

Wie Wer Palmen einst

Den irrenden Weisen strahlend, Winkt er Verheißung auch uns Durch das Geheimnis Unendlicher Liebe."

(Schluß folgt.)

Hörst du?" rief die Tanne triumphierend.Er preist das Fest, und dennoch ist er allein."

Merkst du nicht," entgegnete der Rauhreif,daß seine Seele traurig ist? Laß uns weiter lauschen."

j Wie der Mter feine K-cker verkaufen wollte.

Humor im Dorflebeu der Ob er he ff en.

(Nachdruck verboten.)

Von der Stemmühle an der Wetter kam der mit dicken Eichenbohlen schwcrbeladcue Wagen des Bauern und Wagners im Nebenamt Peter Werner aus Bergheim nach Thaldoif ge­fahren. Thaldvrf war Werners Geburtsort, aber nicht lieblich waren seine Erinnerungen an die hier verbrachte Jugendzeit. Von der Natur mit einer starken Dosis Dummheit, innig ver­mengt mit ebensoviel Selbstüberhebung er besaß ein für Thal- dorfer Verhältnisse großes Vermögen begabt, hatte er es nie zu einem guten Kameraden, geschweige zu einem Freunde gebracht. So war die Zeit der Heirat für ihn gekommen, aber e8 war, als sich die ganze,Jugend von Thaldorf gegen ihn verschworen, kein Mädchen hielt (eine eifrigen Werbungen für ernst. Mehrer« und zwar recht ausgewachsene Körbe nannte er schon sein eigen, oon häi kriegt der kaa Fraa", hieß es im Dorfe,dann wer den kennt, der nimmt ihn mut, un wer ihn nimmt, der kennt ihn näit."

Endlich empfahl ihn ein Verwandter nach dem etwa HA' Stunden entfernten Bergheim, und weil PeterSach" (Ver­mögen) hatte, geriet der Handel. Der in seiner Heimat Ver­kannte rückte bald als der Mann der einzigen Tochter des Bergheimer Gemeinderechners in seiner neuen Heimat ein. Aber schon nach einem Vierteljahr wäre ihn der Schwiegervater gern los gewesen, Wenns zu machen gewesen wäre. So mußte er sich in-it ihm vertragen, so gut es geheii wollte.

Nach Thaldvrf kam Peter nur noch selten, ja er würde auch heute auf der Durchfahrt nach Bergheim nicht angehalten haben, wenn ihm nicht int Vorbeifahren amKaffilorenz", der be- lrebtesten Wirtschaft des Ortes, ein früherer Schulkamerad von der Wirtsstube aus zugewiukt hätte.

Peter kam ein Gedanke; dies geschah selten genug, wenn es aber geschah, setzte er ihn gewöhnlich auch gleich in die Tat um. Eilfertig stieg er ab, nickte dem Winkenden zu, hängte die eine Zugkette des Pferdes ab und warf dem, Tiere den gefüllten Heusack vor. Dami trat er in das Haus ein. Drei ihm bekannte Thaldorfer begrüßten ihir, er dankte.

Peter gedachte ein Geschäft zu machen. Sein Thaldorfer Gut war iwch größtenteils unverkauft, weil die dortigen Bauern sich jetzt ebensosehr gegen seine hohen Forderuiigen sträubten, als dies früher die Mädchen seinen Umarmungsversucheu gegenüber getan hatten. Dem geröteten Antlitz des winkenden Wirts- I Hausbesuchers hatte Werner, angemerkt, daß sein Besitzer schon weidlich gerecht hatte, und darauf baute er seinen Plan.

Gun Tag Willem!" rief er ihm zu,wäi schauts!"Gout, Peter, immer noch aus zwaa Llage", !var die Antwort,wäi kimmst Ton dann wirrer emol nach Dhaldorf? Mr sieht Dich so sealle (selten) Hai (hier). Tein Aeckerpoocht hvalt Dein Schwiegervoater immer, warim kimmste näit sealbst? Tein Schwiegerovater eaß e Geizkroage, Dou behst aain (einem) doch eher eabbes zoum Beste geawe."

,Dodriwer (darüber s. v. w. deshalb) sein eich alle­weil pabgestije, Willem", sagte Peter und rief dem Wirte zu:Lorenz, e Vertelche Frichtschnaps vom Goure (vom Guten)!"

Ein Biertelchen gab's andere, und bald rückte der Neuange­kommene mit seinem Plane heraus, den drei Anwesenden, die er durch sein Traktieren willfährig genug glaubte, einige seiner Aecker aufzuschwatzen. Er meinte, recht klug zu Werke gegangen zu sein. . Aber seine Tischgetiossen hatten denSchnobbe" (Schnup­fen (Absicht)) gemerkt und gingen nicht auf seine Anerbietungen ein, obgleich er immer und immer wieder versicherte, so guten Freunden wie den Anwesenden würde er seine Stecker billiger, viel billiger geben als jedem andern Thaldorfer.

Tein Frichtschnaps batt (nützt) Dich bei uns nant, Peter", erklärte ihm einer,mir sein off Schnaps geeicht."

Peter mußte eiidlich einsehen, daß er Zeit imd Geld ver­geblich opferte, und wurde grob.

Ja, wann Ihr Geald (Geld) hätt', dann deht Ihr gern kaafe, oawer (aber) Ihr hott naut. Ean (in) Bergh'm, do eaß Geald dehaam,. wann eich mein Aecker do hätt', dann deht eich Nch (Euch) all auslache."

Einer der Zuhörer wollte erregt auffahren,, Willem aber. begütigte ihn:He hott so väil Schnaps fir naut un wirrer naut (für nichts und wieder nichts) bezoahlt, nun derf he aach emol refonniern", und zu Peter gewandt, meinte er:Lost Dr doch Tein Aecker nooch (nach) Bergh'm soahrn, wann se do so deuer fern."

Peter sagte spöttisch:Ei no, Ihr drei Lon-uks Foahrn ja rwernemme, Ihr hott ja doch d's ganz Johr weirer (weiter) naut se dauhn (tun), als se (zu) faulenze, oawer ean» Wertshaus

1 fe setze. Foahrt se enitver (hiniiber), eich bezoahls Ich gant."

Der Mann trat hinter der Tanite in den Eingang Grotte. Dort stand er lange, dicht in seinen Mantel hüllt, und blickte hinaus tu die Nacht

In seiner Seele aber klang es leise:

Holde Weihnacht!

Warum mir.

Mir verbirgst du das Glück, Mir der Liebsten Lächelndes, süßes Antlitz? Uns versagst du Freundlicher Gäbet!

Freien Tausch, Bon Äug' zu Auge Den Dankesblick Unter der häuslichen Tanne?

Ach, unsre Tannen

Stehen draußen im weißen Nebel Der winterlichen Mondnacht Im Rauhreif schimmernd. Und nur durch ihrer Schatten kalte Stille Menschenfern und einsam

Flammt zu unfern Häupter» Der Stern der Liebe.

Doch tief im Herzen, Misse, mein Lieb, Erricht' ich heimlich, Der Welt verborgen, Für dich allein Den Weihnachtsbaum.

In meiner Seele Tiefinnerstem Grunde Steht er gewurzelt Mit treuen Gedanken, Und fest und sicher Empor zum Lichte Hebt sich der Stamm Hoffnungsfroher Liebe,

Leise schwankt Sein grünes Gezweig Im Hauche der Sehnsucht, Geliebter Nähe Entgegenstrebend.

Schimmernder Blüten Zierlichen Schmuck, Süßeste Gaben, Hast du mit tausend Küssen, Tausend zärtlichen, lieben Worten Angeheftet an seine Zweige, Goldne Früchte

Leuchten dazwischen: Klingende Lieder, Durch deine Huld Hervorgezaubert aus meiner Seele. _ Und alles durchstrahlt Ein himmlischer Schein Vom Glanze der Kerzen, Den deiner Augen Wonnige Blicke, Wohin sie treffen, Mühend entzünden!

Mein Lieb!

Freundlich empfange Den festlichen Baum, Den bit bereitet Mit eigner Seele, Empfang ihn wieder Von deinem Freunde, Der dein gedenkt.

Menschenfern und einsam Flammt zu unfern Häupten Der Stern der Liebe. Doch tief im Herzen, Mindersam und groß.