Ausgabe 
21.10.1907
 
Einzelbild herunterladen

624

rungen dahin dar, daß die Industrie so gut wie immer bereit sei einzugreifen, wenn es ihr möglich gemacht werde, Mittel zu bekommen zur Verbesserung des Wohnungswesens für ihre Arbeiter, während die Landwirtschaft nach dieser Richtung so gut wie gar nichts getan habe,

VsVmrZetzßKA«

* Von den Parfüm-Moden. Die Vorliebe für Parfüms und Wohlgerüche aller Art nimmt in der feinen Gesellschaft immer mehr zu. Besonders aus London wird berichtet, welch eine Leidenschaft für wundervoll duftende Essenzen und für reich parfümierte Bäder die Modedamen ergriffen hat. Dieser ausgedehnte Gebrauch von Wohl­gerüchen hat sich erst allmählich in England eingebürgert und ist nicht älter als fünf bis sechs Jahre. Früher war nur Frankreich das Land der exotischen Parfüme gewesen, die britischen Schönen hatten sich gegen dieses unnatürliche Toilettenmittel bis zu einem gewissen Grade noch immer gewehrt. Auch heute macht sich dieser Unterschied noch dahin bemerkbar, daß in London die natürlichen, aus Blumen und Blüten gewonnenen Parfüms vorherrschend bleiben, während Paris die Heimat der künstlich verfertigten Duftessenzen ist und bleibt. Der mondänen Londoner Dame ist das Parfümieren des täglichen Bades, das Pflegen der Haut durch die verschiedenartigsten Oele und Seifen zur unbedingten Notwendigkeit geworden, denn das Londoner Wasser ist an und für sich hart und der Haut schädlich, ohne einen Zusatz von Borax überhaupt für die Körper­kultur nicht brauchbar und in dieser schädigenden Eigen­schaft jetzt mehr und mehr erkannt. Nun aber hat eine wahre Parfümmanie die Frauen Englands ergriffen; die großen Londoner Parfümfirmen machen mit Badeparfüms und Badepuder die besten Geschäfte und wissen merkwürdige Geschichten zu erzählen von dem Luxus und dem Raffine­ment, die damit getrieben werden. Die Mode hat sich natürlich auch dieses Gebietes in ihrem weiten Bereich mit Eifer angenommen, und die Parfüms wechseln ebenso schnell wie Hüte und Kleider. Auch die Fabrikation der duftenden Essenzen nimmt bei der großen Nachfrage einen neuen Aufschwung und führt eine nicht unbeträchtliche Steigerung der Preise herbei. Auf die Herstellung eines feinen Parfünls wird die größte Sorgfalt verwandt; zwölf bis fünfzehn verschiedene Nuancen des Duftes werden mit­einander vermischt oder einem gleichsam den Grundakkord bildenden dominierenden Geruch beigefügt. Die moderne Chemie muß für die auf künstlichem Wege gewonnenen Essenzen besondere Präparate, so z. B. auch Steinkohlen­teer herstellen, und das Mären und Mischen der Flüssig­keiten, das Tingieren des Ganzen mit einer letzten voll­endenden Nuance erfordert hohe Kunst und eine besondere Ausbildung des Geruchsinnes. Am frischesten und zar­testen wirken noch immer die Blumengerüche, die auch selbst bei höchster Verfeinerung des Künstparfüms nicht verdrängt werden können, so lange noch Menschen den Duft der Blumen, die heimliche Stimmung blühender Sommergärten und den unverwelklichen Glanz der Natur lieben. Die Stadt Grasse in Frankreich ist mit ihren reichen Blumen­feldern noch immer das Zentrum für diese Parfüms, da­neben tritt Sizilien immer mehr in den Vordergrund. Die Zahl der Parfüms steigt von Tag zu Tag. Denn es wird immer mehr für eine elegante Dame zur Notwendig­keit, ihr eigenes Parfüm zu haben, das der Fabrikant nur für sie und für niemand anderes herstellen darf. Damen, die sich den sehr teuren Luxus eines eigenen persönlichen Originaldustes nicht gestatten können, wechseln wenigstens in jeder Saison ein oder mehrere Male mit dem Parfüm. Je exotischer und intensiver die Wohlgerüche sein sollen, desto weniger können sie durch ein Blumenparfüm befrie­digt werden. Künstliche Wohlgerüche haben daher für Mode­damen einen starken Anreiz, und besonders werden zwei neueste Kreationen, süßlich schwere, schwül berauschende

Düfte, die unter dem Namen Cynthia und Cefiro in den Handel kommen, viel benutzt. Unter den Blumendüften, von denen man sich umwogen läßt, ist der Geruch der spanischen Wicke sehr modern, denn diese schöne Blume hat sich iu den modernen Gärten einen beliebten Platz er­rungen und damit vielen zugleich ihren Dust so stark eingeprägt, daß sie bei dem trauten Geruch wieder in ver­gangene Sommerfreuden sich zurückträumen müsse. Auch der Duft der Teerose, den das alles andere zurückdrängende Patchouli einst übertrumpft hatte, kehrt wieder zurück, und er vermählt sich mit dem stärkeren Hauch der Malmaison- Rose zu einem zärtlich müden Geruch. Veilchen, Maiglöck­chen, Flieder, Narzissen werden nie ganz aus der all­gemeinen Liebe verschwinden können, wenngleich sie jetzt vielfach in ihren reinen Düften durch fremde Nuancen abgeschwächt werden. Eine elegante Dame benutzt selbst­verständlich nur ein einziges Parfüm, das ihre ganze Er­scheinung begleitet und akzentuiert; es müssen daher von einer bestimmten Parfümnuance Toiletten- und Mund-! wasser, Seife und Badepuder, Puder für das Gesicht und Sachets zum Einlegen in Haare und Kleider angefertigt sein.

Hnusinschrifterr ams Ortschaften des Kreises Kirchhain.

(Originalbeitrag des Gieß. An;.)

6. (An einem Haus, das neu verputzt ist.) Man schaut mich an und tut es lesen, Ein altes Haus bin ich geweseit, Und wen« man mich genau betracht, So bin ich ivieder neu geinacht.

7, Die Wahrheit ist gen Himmel gefahren, Die Freiheit ist über das Meer geflogen, Die Gerechtigkeit tut hier zu Schanden werden Weil Unrecht ist geblieben aus Erden.

8. Wer will reden von mir und den Meinigen, Der gehe nach HauS und betracht' sich und die ©einige«,

Findet er an. sich und den Seinigen kein Verbrechen, Dann mag er auch von mir und den Meinige« _____ sprechen.

Goldene Worte.

Menschenseele, Menschenliebe, Spielgenossen, selig Paar, Werdet je des alte« Spiels ihr Müde werden? Nimmerdar!

Ob Jahrtausend nach Jahrtausend Durch die Welten wandeln mag, Jminer, wo die Liebe auisteht, Ist der erste Schöpsungstag!

Ernst v. Wildeitbrtich.

Rätsel.

Das Erste wohnt un rauhen Norde«

Und auch bei uns zur Winterszeit,

Wenn stumm ist die Naltir geworben, Geschwunden Sommers Herrlichkeit.

Starr breitet sich die weite Fläche

Und weiß erglänzt der Berge Kamin; Es ruhen in ihrem Laut die Bäche, Wo fröhlich sonst das Fischlein schwamm.

Der Süden nnb der Sommer zeigen

Dir deutlich Silbe zwei und drei;

Wie strahlen sie in bunten Reigen

Und iu Gestalte« mancherlei I

Im Ganzen schauest du verbtmde«

Den Sommer tmd den kalte« Nord;

Jir Frcttndschast haben sich verbtmden

Sie so in einem holden Wort. A. Ainmaitn. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Diamanträtsels W B i 1 Ster

W i eia brau Enz d

in voriger Nummer:

n

n d n

RedaktionP. Wittka. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverfiiLlS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.