Ausgabe 
21.10.1907
 
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Monkag den 21. Oktober

1907

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Mf der eigenen Spur.

Kriminalroman von Otto Hoccker-

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Nur Hermine stimmte frisch in sein Lachen ein. Ihr Vater dagegen schien die Worte nicht gehört zu haben, sondern blickte abwechselnd die beiden Monogramme mit gefurchter Stirne an.

Das Monogramm auf der Papyrostasche habe ich selbst entivorfen", glaubte Witte, dem die Aufmerksamkeit des Rats nicht entging, erläutern zu sollen.Die Kunst geht nach Brot. Einem hiesigen Juwelier zeichnete ich, ehe mein Sternlein auf­zugehen geruhte, hunderte solcher Dinger um ein Butterbrot; zum Dank fertigte er mir umsonst eins für den eigenen Bedarf . . . nein", fuhr er lachend fort, die prüfenden Blicke des anderen, welche zwischen Etui und Tuch zu pendeln schienen, gewahrend.Die Taschentuchinitialen belasten mein künstlerisches Gewissen nicht. Das ist billige, schablonenhafte Dutzendware!"

Und wo kauften Sie diese Taschentücher?" fragte Hanse­mann, immer noch beharrlich den Wick auf das Monogramm gerichtet.

Belustigt lachte der Maler wieder, während Herminens Be­fremden wuchs. Sie kannte ihres Vaters Art zu genau, um nicht zu gewahren, dass hinter seiner Frage sich eine ganz bestimmte Absicht verbarg.

Ja, da fragen sie mich beinahe zu viel, Herr Rat. Doch im Vertrauen sei ihnen mitgeteilt, daß mir die Taschentücher von einer früheren Zimmerwirtin aufgeredet wurden. Die gute Frau stickte für irgend ein großes Warenhaus natürlich um einen Hunger lohn . . . und das nur, um das nötigste Brot her­zuschaffen, da der saubere Herr Gemahl sich für ein verkapptes Genie hält. Ich nahm ihr ein paar Dutzend ab."

Ach, das ist wohl die junge Frau, von der sie uns schon neulich erzäUten?" fragte Hermine dazwischen.Herr Walden wohnte auch bei ihr, dadurch lernten sie ihn überhaupt kennen?"

Ich weiß nicht einmal, ob er dort gewohnt hat. Jedenfalls war er häufig bei Schuhmachers anzutreffen. Am letzten Fünf­zehnen bin ich ausgezoen. Ich könne das Treiben mich Ito er mit ansehen, denn der Mann ist wirklich ein . . . nun sagen wir ein sonderbarer Herr, der sich nichts daraus macht, seinen Kindern das von der Mutter sauer verdiente Geld wegzu­essen . . ."

Pfui, wie gemein!" entrüstete" sich das Mädchen.

Witte lachte.Der Wackere ist Schauspieler und schwärmt von einem Engagement an der hiesigen Hofbühne; bis dahin erlaubt er seiner Frau, sich für seine Ernährung zu bemühen . . . er huldigt auch, wohl einem ausgeprägten Kommunismus. Ich kam dahinter, daß er meine Sachen mehr, als diesen er­forderlich, mitgebrauchte ... das erinnert mich übrigens daran, daß ich bei den Leuten noch einen Koffer stehen habe!" unter­brach er sich und machte sich eine Stotiz auf die Manschette.

Hansemann hatte mit gebeugtem Köpf gesessen; nun wendete er sich rasch an den Besucher:Sagen sie mal, wie unterhielten sie sich gestern bei Geheimrat Selkenbach?"

Ei, waren sie dort?" rief Hermine überrascht, und in leiserem, ireckischem Tone setzte siei hinzu:Das müssen sie mir erzählen . . . wie sah Fräulein Leonie aus? Trug sie das von ihnen entworfene S'ofrüm?"

Wie eine Göttin!" gab der Maler zurlick, sich ebenfalls nur aii sie wendend.Als Diana erregte sie Furore. Sie war natürlich beit ganzen Wend umschwärmt, ich konnte ihr kaum einige Worte sagen."

Sie Aermster! Dann haben Sie sich sicherlich nicht gut unterhalten!"

Nein! Gewiß nicht!" erividerte Witte mit unmutigem Stirnrunzeln, das Wort auch an den Rat richtend,zu schaffen hatte ich wie ein Helote. Es wurden die bewußten, lebenden Bilder gestellt . . . meistens nach Wagnerschen Motiven-. . . und da mir fast ausschließlich nur stark orientalisch angehauchte Schönheiten zu Gebote standen, war es eine Heidenarbeit, eine leidliche Wirkung herauszubekommen."

Die beiden jungen Leute lachten wieder; dann wendete sich der Maler fragend an den Rat.

Woher wissen sie denn, daß ich dort war?" erkundigte er sich.Ich hatte gewisser Verhältnisse wegen fernbleiben wollen und entschloß mich erst in letzter Stunde zum Hingehen."

Gewisse Verhältnisse ist gut!" amüsierte sich Hermine. Sie wendete sich lachend zu ihrem Vater.Vorgestern abend war ich doch mit Herrn Witte zusammen eingeladen. Der Zufall machte mich zu seiner Tischnachbarin. Ein ungeschickter Kellner goß ihm Bratensauce über den Frack . . . sehr zu ihrem Entsetzen", richtete sie lachend das Wort wieder an den jungen Maler.

Es war auch keine Kleinigkeit. Mein guter Frackanzug, den ich mir erst vor wenigen Monaten vom ersten Pariser Schneider komponieren ließ, ist mir auf unerklärlicher Weise Weise fortgekommen. So bin ich nun auf diese Aushilfs- garmtur hier angewiesen . . . nun denken Sie sich das Mal­heur. Ich war gestern auch den ganzen Tag damit beschäftigt, die Flecken zu vertilgen."

Was Ihnen glänzend gelungen ist," bemerkte das Mädchen mit einem Blick auf die eine Frackplatte.

So, Sie lassen in Paris arbeiten?" erkundigte sich der Rat.

Fast ausschließlich. Ich hielt mich früher jahrelang dort auf und Meister Jean Bonjour hat mein Maß und er purnvt auch!" schloß der Maler lachend. ,

Jean Bonjour . . . richtig, das war die Firma, welcye auch im Futter des von dem ermordeten Einbrecher getragenen Fracks eingenäht war. Der Rat räusperte sich und wendett sich hastig mit neuer Frage wieder au den Besucher, den Maler Witte. Auf die Gefahr hin, von Ihnen für Neugierig gehalten zu werden, möchte ich Sie noch etwas fragen!

Selbstverständlich stehe ich gerne zu Ihren Diensten . .. um was handelt cs sich?" Er hatte zugleich eine» Blick auf faie Uhr geworfen und setzte nun einschränkend hinzu:Fünf Minuten kann ich immerhin noch verweilen. Dann muß ich allerdings fort."

Niin, die Frage ist ja bald beantwortet. Konneii Si«