Ausgabe 
21.9.1907
 
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bcs Beamten, noch dessen mit wenig freundlichem Ausdruck dem jungen Detektiv zugetvandten Seitenblick, sondern fuhr in seiner Fragestellung fort:Haben Sie sich den Kutscher genau angesehen? oder kennen Sie ihn etwa persönlich?"

Nein- Ich Bin, in Berlin N. fast gar nicht bekannt. Ich schrreb ihn doch auf, weil er sich mit seiner leeren Droschke stundenlang auf dem Potsdamer Platz herumtrieb, da mußte er mir seinen Namen nennen- Ich sah übrigens den im Wagen hängenden Tarif nach, da waren Namen und Adresse ebenfalls vermerkt-"

Also ein junger, kräftiger Mensch", erkundigte sich Hanse­mann.Wie sieht er aus?"

Das kann ich nicht sagen, denn er hatte den breiten Kntschev- kragen aufgeschlagcn- Er machte nur einen solchen Eindruck, weil er so ne helle, piepsige. Stinrme hat - . . und dann hat er Kräfte wie n Junger-"

,silm nochmals darauf zurückzukommen- Ten Begleiter wür­den Sie eher wiedererkennen?"

Ich denke wohl, Herr Rat - . . vielleicht sogar beide", setzte er, 'wie geärgert, mit starker Betonung hinzu, als er ein spöttisches Lächeln in den bleichen Zügen des Detektivs wahrzunehmen glaubte.Wenn ich auch nur Straßendienst verrichte, Herr Rat, Augen habe ich darum doch im Kopf - . . und den Mann von heute nacht greife ich aus Tausenden heraus, ich brauche ihn nur sprechen zu hören - . besonders dasr" schnarrte er immer herunter-

Um so besser- Jedenfalls war dieser Begleiter auch nach seiner Wiederkehr auf den Trunkenen nicht gut zu sprechen?"

Wütend war er auf ihn- Er stellte ihn als Lumpen hin. Er will friihcr bei ihm gewohnt haben-"

In der Turmstraße 128?" fragte Hansemann dazwischen-

Das sagte er nicht- Jedenfalls aber gab er dem Kutscher diese Adresse an-"

Sie können nachher gleich einmal dort vorsprechen," wen­dete der Rat sich an Walden-Wahrscheinlich ist die Adresse indessen nur fingiert-"

Ganz meine Meinung," pflichtete der Detektiv bei-Ich habe das. zuständige Polizeirevier bereits in Kenntnis gesetzt, um Nachfrage nach einer in dem gedachten Hause etwa ab­gängigen Person zu halten-"

Vortrefflich", anerkannte der Rat- Er wendete sich Rokohl

. wieder zu-Was sagte der Mann sonst mich?"

Sie waren zusammen in einer Gesellschaft- Dann will er den Trunkenen auf dem Nachhauseweg in der Tiergartenstraße aufgelesen haben."

Tie ist lang," brummte Hansemann-Genauer drückte cr sich nicht aus?"

Nein, Herr Rat- Letzte Nacht war übrigens großer Ball bei einem Finanzmann, der ein großes Haus in der Tiergarten- straße macht ich glaube, er heißt Selkenbach-"

Kommerzienrat Selkenbach, der bekannte Generaldirektor der Kölnischen Bank", fiel Hansemann bestätigend ein,den kenne ich sogar persönlich".

^Jch kenne ihn auch, wenn auch nicht gerade vom Sehen," warf Walden trocken ein-

Sein Vorgesetzter tauschte mit ihm einen bedeutsamen Blick; dann ließ der Rat ein leises Pfeifen hören; er schlug dem Tetektiv aufs Knie:Na, sagen Sie mal. Sie Nimmermüder, haben Sie wirklich schon Erfolg in der Ihnen vom Kollegen Kneift aufgebürdeten Maulwurssarbeit erzielt?"

, Hsiß glomm es in den stolzen, kühnen Augen des jungen Tetektives auf.Wir werden Ueberraschungen erleben, Herr Rat", wisperte er,es braut sich da eine Skandalaffaire aller­ersten Ranges zusamrnen."

Und Sie meinen auch. . . der Bewußte . . ."

Ter zuerst", stimmte Walden lächelnd bei-Ich hoffe ihn demnächst schon zur Strecke zu bringen."

Hansemann blickte kopfschüttelnd durchs Wagenfenster.Das wird Sensation machen- Wenn das am grünen Holz des Gift­baumes geschieht, was soll am dürren werden? Tas setzt Wehklagen, wenn die Geschworenen ihren Verlust merken-"

In den Augen Waldens blitzte es wieder bedeutsam auf. Es wird Heulen und Zähneklappem in den Reihen gar Hoch­stehender setzen," deutete er an- Er beugte sich dicht zum Ohr seines Vorgesetzten-Tie Sache wächst sich zu einem richtigen Hofskandal aus-"

Alle Wetter!" entführ es dem Rat; er schlug dem anderen auf die Schulter-Sie sind doch n Tausendsasa, Walden. Na, ich halte Ihnen den Daumen- Glückts Ihnen da, kommen vre n gutes Ende vorwärts, das meinte auch Kollege Kneift". Er drückte dem eben fast fanatisch Blickenden die Hand und kehrte

sich Rokohl wieder zu.Doch um auf den besagten Handel zu- rückzukommen. Im Selkenbachschen Hause fand also Gesellschaft

Ja, ich sprach mit Kollege Martin darüber- Ter hatte in jenem Revier Nachtdienst- An die zweihundert Wagen fuhren vor; es dauerte bis zum ftühen Morgen- Kommerzienrat Selkenbach wohnt oberhalb der Hitzigstraße, da nahmen die meisten Wagm den Weg über die Brücke durch die Lützowstraße-"

Höchstwahrscheinlich- Bis^ zu ihrem Standorte von heute nacht ist es eine gute halbe Stunde- Da will es mir nicht ein­leuchten, daß der Trunkene, sollte er sich wirklich unter den Geladenen befunden haben, in seinem Zustande nicht schon eine frühere Fahrgelegenheit benutzt haben sollte- Es befinden sich eine ganze Anzahl Droschkenplätze an der Tiergartenstraße."

Tie mögen in verwichener Nacht von den Festgästen stark in Anspruch genommen worden fein," warf Detektiv Nix ein, der bis dahin einen aufmerksamen Zuhörer abgegeben hatte-

Das glaube ich nicht- Im Selkenbachschen Hause verkehren zumeist Leute, die auf eigenen Gummirädern durchs Leben fahren-"

Ganz recht, Herr Rat," fiel Walden ein-Uebrigens dürste kaum ein Droschkenkutscher den Betrunkenen angenommen haben-" Er wandte sich an Rokohl.Sie erzählten uns ja selbst, daß es Ihrer Intervention bedurfte, um den Kutscher zur Fahrt zu beivegen-"

Schließlich ist des nebensächlich," meinte Hansemann auf das Kopfnicken Rokohls hin.Wir müssen vor allem in Er­fahrung bringen, wo unser Mann seinen Rausch abbekommen, also sich zuvor aufgehalten hat- Von dr^an können wir weiter schließen-"

Vielleicht setzt man sich am besten mit Selkenbach in Ver­bindung?" schlug Nix vor-

Das könnte man tun; es bedürfte nur einer vorsichtigen Nachfrage"

Tie von dem Kommerzienrat vielleicht übel ausgenommen werden könnte," siel Walden rasch ein-Ich möchte Vorschlägen, vorderhand von derartigen Seitensprüngen abzusehen.

Hansemann nickre-Sie haben Recht wie immer, lieber Walden. Ich denke, es wird .ohnehin nicht schwer fallen, die Identität unseres Toten festzustellen. Im Notfall bleibt uns der Auslveg einer direkten Erkundigung noch immer- Uebrigens dürste die Gesellschaft bei Selkenbach in verwichener Nacht im Tiergartenviertel nicht die einzige gewesen fein- Auch in dieser Hinsicht muß man vorsichtige Fühler ausstrecken."

Er brach ab, da die Droschke eben durch den düsteren Tor­bogen des Leichenschauhauses fuhr und nun vor dessen Portal anhielt-

(Sortierung folgt.)

Itt' Krhaltmrg d.s Iorfrs.

Vortrag, gehalten auf der 2. Jahresversammlung des Bundes Heimatschutz von Robert Mielke.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Allerdings ist hier noch eine andere Frage von Wich­tigkeit zu erörtern. Wie weit sollen wir an Stelle der verminderten Bodenschätze Ersatz aus anderen Ländern zu- lassen? Auch hier steht die Holzfrage obenan. An unseren alten Bauernhäusern bewundern wir die außerordentlich dicken Eichenbalken, die dem Bau erst Charakter geben. Bei den stark verminderten Eichenwaldungen in Deutsch­land hat man darum zur Kiefer greifen müssen nicht nur in jüngster Zeit. Abgesehen davon, daß die Be­nutzung starker Stämme durch den Verbrauch als Gruben­holz sehr eingeengt ist, bleibt auch die künstlerische Wirkung des verhältnismäßig dünnen kiefernen Fachwerkes sehr hinter dem Eichenholz zurück. Auch die leichte Vergänglich­keit, Rissigkeit und die Notwendigkeit eines häufigeren Anstreichens legen die Frage nach einem Ersatz durch ein­geführtes Eichenholz nahe. Sollen wir dieses zurückweisen, weil die heimatliche Bauweise nur mit heimischen Baustoffen arbeiten darf? Wenn man diesen Grundsatz bis zu seinen letzten Folgerungen festhalten wollte, dann würden wir uns eine ganz unnötige Beschränkung auf­erlegen, die auch von unseren Vorfahren nicht anerkannt wurde. Das Nächstliegende ist gewiß das billigste; aber dadurch, daß es durch jahrhundertelangen uneinge­schränkten Gebrauch auch eine gewisse stetige Einheit