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wicht in unserem Verein. Mr würden einseitig sein, wollten wir das DerTcnncn.
Ich Litte Sie alle aus Stadt und Land, die sich heute so überaus zahlreich hier versammelt haben, namens des Vereins, feien Sie nicht nur seine Mitglieder, sondern auch seine Mitarbeiter, und ich darf Sie auch bitten, seine eifrigen Werber.
Wir bedürfen der werbenden. Kräfte, sie sind für unser Wachstum Lebeusbedingung.
S. K. H. der Groß Herzog bringt unserem Vereine das wärmste Interesse entgegen. Allerhöchstderselbe hat auf die Meldung von Gründung des Vereins im vorigen Jahre folgende Depesche an den Bereinsvorstand gerichtet:
„Bin sehr erfreut über Gründung eines Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Kunstpflege in Hessen. Werde diesem Verein stets mit größtem Interesse folgen. Möge Gottes reichster Segen auf demselben ruhen. Ernst Ludwig."
Beherzigen ivir diese Worte unseres Landesherrn.
Alle Freunde unserer ländlichen Sache und alle die bei ihr beteiligt sind, bitten wir, bei unserer Vereinssache mitzugehen rmd nicht am Wege stehen zu bleiben und zu deuten: die tverdens schon machen. Stillstand am Wege, wo eine beachtens- werte Bewegung, zu der man naturgemäß als Mitglied gehören sollte, entsetzt, ist 'Zurückbleiben, ist Schaden für die Sache.
Wirken wir darum alle mit, daß unsere Äereinstätigkeit der ländlichen Bevölkerung in Hessen zum Segen gereiche.
Mag auch unsere Arbeit vielfach nicht richtig erkannt, vielleicht verkannt werden, so soll uns dies nicht beirren, nicht allein an der Vereinssache fefijiirxatten, sondern auch mit Begeisterung für sie einzutreteu.
Darum schließe ich mit der Bitte: Werden Sie nicht »rüde int Werben und Wirken für die Vereiussache!"
Die Frrtimeu des Kaisers.
Unter diesem Titel veröfseittlicht die „Zeit am Montag" einen längeren Artikel, dem!vir Nachstehendes entnehmen:
Zu den Intimen des 'Kaisers gehören nicht nur Militärs!, sondern auch Gelehrte, Techniker und Künstler. Wenn er sich mit diesen Auserwählten auf einer Nordlandfahrt an Bord seiner Yacht „Hohenzolleru" befand, fühlte Wilhelm II. sich ganz in feinem Elemente. Sein Behagen erreicht bann den Gipfelpunkt, und auch seine Umgebung ging gelegentlich ein ganz klein wenig heraus aus der unterwürfigen Art, die sie sonst zur Schau trug.
, Ter Kaiser hat eine sogenannte Karussel-Tischorduung ein» geführt, die es jedem der Teilnehmer a;t den Nordlandfahrten, ermöglichen soll, einmal zu seiner Rechten zn sitzen. Heute dem Chef des Marinekabinetts und morgen dem Marinemaler, einem früheren Zeichenlehrer, der es iich vor dreißig Jahren in seiner vierten Etage mir Tenrpelhoser Ufer nicht träumen ließ, daß er zu dem Herrscher des deutschen Reiches in ein Onkelverhältnis! treten würde. Er steht nämlich als „Onkel Hermann" dem Monarchen sehr nahe, hütet sich aber, ebenso indiskret zu sein, tvie Onkel Chlodwig es war, der jeden Tag in seinem Tagebüch notierte, was er [im Tratsch und Matsch auffing. Mr die Intimen des Kaisers herrscht vielmehr das ungeschriebene Gesetz, im Ge- gensatz zur Eidesformel, alles zu verschweigen, was! sie wissen, und nach außen hin nichts von dem verlautbaren zu lassen, was sie zu hören und zu sehen bekommen. Sie dürfeit trotz ihrer Vertrauensstellung nie vergessen, was sie dem Respekt vor einem gekrönten Haupte schuldig sind. Die Hoheuzollent lieben es, kräftige Witze zu machen, verzeihen es aber selten, wenn einer diese Wrtze schlagfertig erwidert.
So will es die Zeremoitialvorschrift, mtd die wird trotz der -„Intimitat", die nnterivegs herrscht, voit ihnen weitigstens nicht durchbrochen. Trotzdem geht es manchmal auf diesen Reisen recht lustig zu. Die Lustigkeit, versteigt sich gelegentlich bis zum „Bierulk" — bis zu leibhaftigen Bierzeitungen altgewohiiter Art, dte mit Zeichnungen und Verseil sehr hoher Persönlichkeiten Versehen sind. In der Fidelitas tut sich der Sprößlinq eines alten Adelsge,chlechtes, in dessen Familie das Amt des Theaterleiters Uit fünfzig Jahren mit einem „von Sachkenntnis ungetrübten «lia'7 verwaltet wird, besonders hervor. Er ist ein geschickter Prestioigltateur, der reine Belachmi oder BoSco und Bierzeitungsredakteur — ohne Examen — und amüsiert „König Artus' Tafelrunde" auf das köstlichste. Gehört er doch zu der heiligen Zahl der Drei, die cs wagen dürfen, „Majestät" auch Mikdschwitzchett zu erzähleii. Die anderen Zivei sind „Pod", der größte Schweine-- züchter Neu-Deutschlands, und Generaldirekwr Ballin, der im Leben auch ein „Schweineglück" gehabt hat. Er genießt das beneidenswerte Privileg, frei von der Leber reden und gelegentlich auch hie manchmal pikant gewürzte» Scherzcheu von der Hamburger Börse vortragen zu dürfen. Und Majestät, alle die Eigen- miten der Vorfahren in sich vereinend, auch die des Präses des Taba^Kvllegiums Friedrich Wilhelm I., klopft sich dann auf die und ist vergnügt. Die Umgebung ist es in solchem Falle pflichtschuldtgst auch
< . kursieren viele Geschichtchen, die zu erzählen ivissen, ioie schwierig es ist, die Grenze zwischen der Vertraulichkeit zu ziehen, mit der ein Herrscher einen feiner Intimen begnadet,
Redaktion t Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der V r
und der Möglichkeit, feilte Persönlichkeit durchzusetzen. Ist Norwegen wars. Eül herrlicher Sommertag, wie ihn nur der Norden kennt, nicht zu heiß. Klar, freundlich, anmutig, „taufrisch" — wie es die moderne Lyrik nennt. Die „Hobenzollern" dampft lustig vorwärts, der Wunsch von oben lautet „anlegen" — damit man den Dag im Freien zubriugen könne. Es wird ein kaltes Tejeunerchen zurecht gemacht („Otto Bellmann" bemerkt ein echter Berliner in der Umgebung des Herrschers, der das Berlinerische, wenigstens int Dialekt liebich' nt(an bootet aus, der köstlichen Landschaft entgegen. Majestät gibt die Order ans, sich zu lagern. Wer so groß ist der Respekt vor beut Hofzeremoniell selbst unter den Intimen, daß es keiner wagt, unaufgefordert sich zur Seite des doch so jovialen und lebensfrohen Herrschers niederzulassen. Endlich bestimmt Majestät selber den dazu geeigneten „Onkel", den er seit seiner Jugendzeit kennt, und so fröhlich ist feine Stimmung, daß er feem „Onkel", feer sein kahles Haupt entblößt, seinen Hut, einen Sommerstpohhut,' mit feen Worten aufstülpt: „Na nu, Onkelchen, tragen Sie mal inzwischen feie Krone." Bon diesem gottlosen Geiste beeinflußt, zwirbelte der begnadete Reisegenosse seinen „Schnurr" in die Höhe und wagte feen Scherz: „Es ist erreicht." „Na, na, na, machen Sie es nur nicht. zn toll, Onkelchen," ertönte prompt die Antivort hierauf, begleitet von einem merkbaren Seitenpuff.
VersMeHKes.
* Erinnerungen feer ältesten deutschen Aerz--- t in. Dr. Med. Franziska Tiburtius, die erste deutsche Aerztin, die, wie wir jüngst berichteten, im Begriffe steht, von ihreü Praxis zurückzutreten, veröffentlicht in der Monatsschrift „Die Frau" persönliche Erinnerungen aus „den Jugendtagen des Fraueiistufeiums". Es handelt sich dabei um feie 70er Jahre fees vorigen Jahrhunderts. Wie weit doch diese Zeit schon hinter uns liegt! Damals war von Frauenstudinul noch herzlich wenig die Rede, und Franziska Tiburtius Mußte allerdings das Gefühl eines vollständigen Sprunges ins Tunkte haben, als sie int Herbste 1871, 27 Jahre alt, nach Zürich ging. Es studierte dort nur noch eine Deutsche, die spätere Dr. Emilie Lehiins; sonst bestand feie Kolonie studierender Frauen ausschließlich aus Russinnen, und über diese Kolonie weiß Fran Tiburtius eine Menge interessanter Sachen mitzuteilen. Ter Professor Olivier übernahm nach anfänglichem Zögern ihren mathematischen Unterricht, sagte aber offen, et könne sich nicht allzuviel davon versprechen, und' sie dürfe cs ihm nicht übel nehmen, ivenit er feie Stunden als aussichtslos! jaufgäbe. Sie 'ging feen Pakt ein und — wurde nicht wieder weggeschickt. ?lls feie „Jungfer Dr." später an feer Poliklinik des Professors Whß tätig war, war sie int ganzen bei feen Kranken wohl gelitten und ihre Besuche waren erwünscht. Minder angenehm waren feie Kollegien bei Johannes Scherr, feer es vortrefflich verstand, feie Frauen durch feie Art seines Vortrages „herauszugraulen". In Deutschland stand man damals dem medizinischen Studium der Frauen noch 'fast durchweg ablehnend gegenüber, und der damals in Dresden, dann in München tätige Professor Winckel handelte gegen feie Anschauungen seiner sämtlichen deutschen Berussgenossen, 'als et feie junge Aerztin zur Wirksamkeit an seiner Entbindungsanstalt zuließ.
Musik.
— Die lustigen Weiber. Das zum Preise von 50 Pfg. im Verlage von Ullstein u. Co., Berlin, erschienene Heft 8 feer „Musik für Alle" ist 'ganz feem Meisterwerk Nicolais gewidmet. Ans "dieser lustigen, von Uebetmut überschäutnenden Oper sind feie schönsten und inelodischsten Stücke ausgewählt. Gleich feie erste Szene, das Komplott feer beiden Frauen gegen feen liebe» durstigeit Falstaff kennzeichnet feie kecke Stimmung des ganzen Werkes. Mehr noch kommt der Humor in feer folgenden Szene, Falstaff int Äaschkvrb, zu seinem Recht, feer Eintritt Falstaffs, feine Unterhaltung mit den Frauen, seine Angst vor der eifer» fuchtigen Gattin und feilte endliche Beförderung in feen Waschkorb bieten launiger Charakteristik eine Menge Stoff. Ebenbürtig reiht sich hier das famose Trinklied Falstaffs an, weiter der parodistische Trauermarsch und das feie besten italienischen erreichende Bussodnett zwischen Falstaff und Fluth. Zarte lyrische Töne werden in bett Szenen Anna und ihre Freier angeschlagen. Die Schlußpartien schildern in bisher unübertroffener Weise den Zauber um feen Spuk fees 'mitternächtlichen Waldes. Falstaff wird für seine Liebesabenteuer bestraft ttnb muß Besserung geloben. _____________
Rätsel.
An eines Stromes schönem Strande
Liegt die Stadt, feie ich jetzt mein'.
Zwei Zeichen tausch'; ich ivar int Stande
Und bäte gleich: „Schenkt davon ein!" oi.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummerr Morgenstunde hat Gold int Munde.
l'schon Universttats-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


