IksiLag den 21. Juni
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Jun Ken unter der Mche.
Romän von M. Pro kn iß (M. Nörmberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. ^Fortsetzung.)
Als hätten die Perlen die Erinnerung ntit doppelter Macht herauf beschworen, so stürmten jetzt die Gedanken auf die Baroneß eilt.
O wie schwer tvar es ihr anfänglich geworden, sich deut steifen Hofzeremoniell zu fügen und wie ungeduldig hatten sie oft die kleinen Eigenheiten der Herzogin gemacht!
Verzweiflungsvoll rang sie dann wohl heimlich die Hände in dem bitteren Gedanken: Warum muß ich dies alles erdulden, weshalb überhaupt noch leben? Niemand zur Freude, mir selber zur Last. Ohne Vertrauen auf eine bessere Zukunft, ohne Hoffnung auf Glück!
Tenn das wär ja das Schlimmste von allem, diese heiße Sehnsucht nach Uchdorf, an den sie noch immer wie an etwas Unerreichbares und Schönes dachte.
„Das harte, unerbittliche Schicksal reißt euch voneinander, Wein Kind, nicht sein eigner Wille." Sv hatte der Vater sie damals zu beruhigen versucht. „Er war der Sieger, indem er ohne Zagen das Band löste, was euch beide in Not und Sorgen gezerrt haben würde. Glaub mir, er handelte wie ein Ehrenmann, und laß dir das zum Trost gereichen."
Ta hatte sie bitter gelächelt. Nein! das würde sie nicht verwinden, nie im Leben! Tie Bitte sprach Uchdorf in seinem .Abschiedsbrief ebenfalls vergeblich aus.
Törichtes Ting welches sie damäls' war! Die Zeit heilt alles — auch die tiefsten Wunden, freilich — manch eine ver- harrscht schwer — und — schlecht. —
Mit festem Willen hatte Dagmar endlich gesucht, sich in ihr Geschick zu finden, die neue Stellung auszufüllen. Daß ihr diese vornehmlich durch die gütige Fürstin erleichtert wurde, hatte sie zuerst kaum gemerkt, wie sie denn auch den offenkundigen Huldigungen der Herren eine sonderbar stille Gelassenheit entgegenzusetzen verstand, die ihr gar bald den Beinamen '„frappierter Sekt" eintrug. Daß sie trotz alledem, oder vielleicht grade deshalb, bald zu den beliebtesten Erscheinungen der Hofgesellschaft gehörte, lag nicht zum geringsten Teil an der ruhigen, gleichmäßigen Höflichkeit, welche sie den Damen gegenüber, auch dann noch klug festhielt, als sie längst der unbestrittene Liebling bei Hose geworden war.
Von der Herzogin-Witwe ersichtlich bevorzugt und von dem Regierenden stets mit Auszeichnung behandelt, was schon wiederholt zu müßigem Geschwätz Anlaß gab, nahm Dagntar seit Jahren eilte bevorzugte, viel beneidete Stellung ein. Ah, und doch fühlte sie sich oft so müde, so grenzenlos daseinsmüde!
Ach, sie glaubte schon ganz genau zu wissen, wie ihr Leben sich abspielen würde. Ein Weilchen blieb sie vielleicht noch Hofdame, dann gab sie ivohl den Bewerbungen irgend eines alteren gutgesiellten Mannes Gehör. Ewig in so abhängiger Stellung wie jetzt, war doch gar zu schrecklich. Und eigentlich konnte sie doch mit gutem Gewissen eine Ehe eingehen, wenn
der Mann mit ihrer Hjand zufrieden war. Ein Herz konnte sie ihm freilich nicht geben. Das. lag still und tot in ihrer! Brust.
Sie schauerte zusammen. Huh, wie kalt es war! Unwillkürlich griff sie nach dem mit Holz gefüllten Kvrb und warf ein paar Stücke in den Kamin. Umsonst — sie brannten nicht an. Ungeduldig stocherte sie mit dem Feuerhaken in der Asche herum. War denn kein Funke tnehr darunter verborgen, bet da zündete? !"' !
Ta trat die Jungfer leise in das Zimmer. Sie brachte einen großen Strauß köstlich duftender Teerosen. Mit leichtem Lächeln betrachtete Dagmar die herrlichen Blumen, wahrend sie die Karte des Absenders achtlos zwischen den Fingern drehte. Sie kannte sie ja zur Genüge, diese zierlichen Lithographien, die da in den Nwdernsten Buchstabenformen den Namen des Kammerherrn Sr. Hoheit, Magnus Baron von Veltlingen trugen, der seit der Erkrankung des Oberhofmeisters Grafen Kliehm gleichzeitig dessen Ressort versah. Ah und sie wußte auch ebenso genau was diese neuerlichen Blumensendungen besagen wollten. Tiefe Blumen des. eichen Kammerherrn, die sie gerade so gleichmütig hinnahm wie seine sonstigen Huldigungen, Huldigungen, ivelche den schlecht verhehlten Neid ihrer Kvllegin, der Gräfin Lindstrom, erregten.
Mit einer elastischen Bewegung erhob Dagmar sich jetzt, in unbewußtem Behagen ihre Glieder dehnend. Ein höchst angenehmes Gefühl war der Besitz eines , reichen, heiratslustigen Anbeters doch! Sie hob den Strauß empor. Die arme Gräfin, wie würde die sich wieder über den ärgern! —
Zu derselben Zeit saß Gräfin Fredine Lindström in ihrem Ankleidezimmer vor dem breiten hohen Kristallspiegel. Ihre großen, hellblauen Augen folgten aufmerksam den flinken Fingern ihrer Jungfer, die ihr mit vielem Geschick die Ueberfülle des rotblonden HaareS kronenartig zu befestigen wußte.
„Tie Agraffe muß noch etwas mehr in die Mitte."
Gehorsam, wenngleich mit heimlichen Seufzen, schob bfe! Zofe den Brillantstern tiefer in beit lockigen Scheitel. Befriedigt nickte die Gräfin ihrem Spiegelbild zu, während ein trium- phierendes Lächeln ihre vollen Lippen umspielte. Wie hatte doch der Herr von Borgwardt heute während der Präsentation! des. neu ins Regiment versetzten Rittmeisters mit einem bezeichnenden Augenwiuk auf diesen, ihr scherzend zugeflüstert? „Achtung, Gräfin! Wahren Sie Ihr Herz. Ter Uchdorf ist nicht nur eines riesigen Majorates, sondern auch ein feiner Schönheitskenner.
Mit ihrem berückendsten Augenaufschlag hatte sie dem Warner zugenickt. O die kluge Hofdame spendete ihr sinnbetörendes!. Lächeln nicht nur den unverheirateten Kavalieren. Ter Himmel behüte! Wer würde so einseitig sein. Schien nicht auch die liebe Sonne über Gerechte und Ungerechte? Und der gewandte Adjutant hatte unleugbar großen Einfluß auf Seine Hoheit. . .
Nachdenklich blickte die Gräfin vor sich nieder, während die Jungfer ihr vorsichtig das schwere blaßgrüne Seidenkleid überstreifte, dessen tiefer Ausschnitt die vollen, runden Schultern kaum! verhüllte. Nicht ohne Ueberlegung hatte sie dies mattschimmernde


