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hygienischer Hinsicht wichtige Gesetz hätte aber niemals erlassen werden können, wenn nicht schon vorher Liebig eine neue ungefährliche, technische Methode zum Belegen der Spiegel erfunden hätte. Ihr verdanken somit Tausende von Arbeitern die Erhaltung ihrer Gesundheit, und wenn man heutzutage einen Spiegel kauft, so leuchtet uns daraus nicht mehr, wie früher, der Vorwurf entgegen, daß er unter schweren gesundheitlichen Opfern fabriziert Worden ist. ' v V'T
VeNWischisA.
* Ein verwickelter Fall. 'Drei Viehhändler in Südhannover kommen in die Stabt, itm Vieh zn kaufen, tmb übergeben hier dem sie beherbergenden Gastwirt eine größere Barschaft zur Aufbewahrung mit dem Bedeuten, daß er das Geld nur herausgeven dürfe, tvenn sie zu Dreien miederläinen. Nach einer Weile kommt eitler der Händler zurück und bittet bett Wirt, ihm das Geld sogleich z» übergeben, da er gerade eilte» vorteilhaften Bieheinkanf machen könne, der ihm bei einer Verzögerung entginge. Der Wirt läßt sich überreden und willfahrt seinem Wunsche. Nach zwei Stunden finden sich die beiden anderen Viehhändler wieder ein, und während sie sich das Mittag schmecken lassen, sprechen sie ihre Verwunderung über das Ausbleibetr des Kollegen aus. Der Gastwirt teilt ihnen nun mit, das; er jenem auf sein Verlangen das hinterlegte Geld übergeben habe. Die Sache komntt vor'S Gericht, und der Wirt wird zunt Schadenersatz verurteilt, weil er der Abinachltng entgegen die ihm anvertraute Summe einem einzelnen aus- gezahit hat. Der Wirt nimmt sich darauf einen anderen Rechtsanwalt und dieser macht bei der Verhandlung in Zweiter Instanz folgendes geltend : „Die Summe ist jetzt vom Gastwirt beim Gericht hinterlegt. Da das Gew aber nur an die drei Händler gleichzeitig ausgezahlt werden darf, so ist es jetzt Sache der beiden Kläger, den Dritten beizubringen, worauf das Geld ausaezahlt werden wird." Der Dritte war aber trotz aller Nachforschungen nicht auffindbar und der Gastwirt erhielt nach einer gewissen Frist sein Geld zurück.
* Studentenstre iche. Der alte Jenaer, von dem neulich hier der Streich mit den Siwesterkarpfen berichtet wurde, hatte einmal eine drollige Begegnung mit dem verstorbenen Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar, der es mit seiner akademischen Würde als Rector Magnificentissimus sehr genau nahm. Wenn dem Großherzog, der öfters auch in Jena in den Vorlesungen einzelner Professoren hospitierte, ein Musensohn zufällig in den Weg trat, so konnte er zumeist sicher sein, von ihm als Rektor über allerlei akademisch« Interna befragt zu werden. Unser obengenannter Bruder Studio unternahm am Morgen »ach einem Stiftungsfest einen Frühbnmnrcl und trug dabei um den Hals an einem breiten, roten Bande den tellergroßen „Orden des St. Gambrinus", der ihm am Abend vorher mit einem in Jena üblichen Ulk während des Kommerses verliehen worden war. Bei einer Biegung des Weges erblickten die beiden Freunde plötzlich den Großherzog, ein Entrinnen war nicht mehr möglich, denn der hochgestellte Rector Magnificentissimus stand bereits unmittelbar war den beiden Studenten und erkundigte sich nach der Bedeutung der großen Dekorativ'» ant Halse des alten Burschenschafters, der kurz entschlossen bemerkte: „Königliche -Hoheit, das ist ein interner Orden." „Ach so", meinte der Großherzog, indem er schelmisch lächelnd eine sehr bezeichnende Handbewegung nach dem Munde machte, „wohl für interne Verdienste! Tüchtige Kraft wie?" Und damit verabschiedete sich der Großherzog von den beiden verdutzten MusensLhnen. Auch in der Ausübung der akademischen Gerichtsbarkeit bezeigte Karl Alexander den Jenaer Studenten großes Wohlwollen. Das in Jena auf dem Markte stehende Standbild Johann Friedrichs des. Großen wird dort der „Hanfried" genannt. Einmal hatten nachts Jenaer Studenten dem „Hanfried" das breite Schwert aus der Faust gelöst und verkehrt, mit der Spitze nach unten, wieder eingeschraubt. Die Missetäter, einige übermütige Burschenschafter, tvaren dafür. zu einer strengen Karzerhaft verurteilt! worden, wandten sich aber vor Abbüßung der Strafe an den Großherzog als Rector Magnificentissrmus mit einer entschuldigenden Darlegung. Sie wurden von Karl Alexander zur Audienz berufen und stellten hier vor, daß sie aus einem ästhetischen Gesichtspunkte den Stretch verübt hätten, es fei ein peinliches Gefühl, den erhobene» Arm jahraus, jahrein mit dem schweren Eisenschwert belastet zu sehen. Der „Haistried" müsse sich doch dann und wann auch einmal in ruhender Stellung, auf das Schwert gestützt, zeigen. Dem Großherzog bereitete diese mit Humor vorgebrachte Darlegung so viel Vergnügen, daß er tatsächlich die Aufhebung der über die beide» Studenten verhängten Straft .verfügte.
* Ein. elfjähriger Knabe üls Greis'. Ein elfjähriger Knabe, James Anderson, verstarb vorgestern im städtischen Krankenhause in Minneapolis an greisenhafter Altersschwäche. Seine sämtlichen Organe glichen bei der vorgenommenen Sektion jenen eines sechZigjähriaen Greises. Anderson ergraute schon mit sechs Jahren, erblindete bald darauf und war blödsinnig. ,' r "v'!v <\ v t
LLtevar'^ches.
■ Recht abwechslungsreich präsentiert sich wiederum' das' neueste Heft (10, Januar) der Arena, illustrierte Monatshefte für modernes Leben (herausgegeben von Rudolf Presber, Verlag Dr. Otto Eysler, Berlin), In der Umschlagzeichnung zunächst bietet Walther Caspari eilte» int dichten Schneegestöber dahin ziehend en Pvstschlitten. dem in der Nähe das behaglich« Städtlein winkt. 'Der Inhalt zeichnet sich wiederum ans durch Novellen, Aufsätze über Gegenstände von unmittelbarem Interesse, Betrachtungen über Gegenwartsleben, über Politik, Kunst, Schönheit usw. Dazu ist eine Menge von Illustrationen vorhanden, Boll- und Textbilder. Wir finden folgende Sachen: Frauenfchönheit (16 Vollbilder): Die Maler der Frauenschönheit', von Friedrich Fuchs: Aus dem aufgelösten Reichstag, von Richard Bahr: Erlösung, Novelle von Gräfin L. Uxkull: E. Harburger, von Paul Kraemer: Haschisch, von Rudolf Presber; Kartengrüße zum neuen Jahre, von Julins Stcttenheim: Die Geburt des Humors, von Karlernst Knatz: Erlöschende Herrschergeschlechter,, von Stephan Keknl« v. Stradonitz: Billiers de l'Jsle-Adam, von Maurice Maeterlinck: Vera, Novelle von Billiers de l'Jsle-Adam: Unsere Zukunftsmusiker, von P. Belker: Verstaubte Schätze: Vont Geschlecht der Safsaniden (Berliner Premieren), von Rudolf Presber: Sekt, von Engen Zabel. Die Arena versteht es, im besten Sinne „aktuell" und zugleich künstlerisch zu sein, vor allem: ohne der Photographie anheimzufallen.
— Die Dorfgeschichte in der modernen Lite-, rat«r. Von Lulu von Strauß und Torney. 40 S. Beitrüge zur Literaturgeschichte. Herausgeber Hermann Graes. Hest 7. Leipzig 1906. Verlag für Literatur, Kunst und Musik. — Die in eine zweiteilige Disposition nach süd- und norddeutschen Erzählern gegliederte Besprechung der Auwreu bringt eine allgemeine, oft auf die Hauptwerke allein Bezug nehmende Charakteristik, die meist auf eine Untersuchung der literarischen Vorlagen, der Technik usw. verzichtet, auch nicht ganz objektiv Gotthelf, G. Keller, Adolf Pichler, Rosegger, Ganghofer, Thoma, Bä G. Conrad, Auerbach, Hansjakob behandelt, Jmmermann, Reuter, Groth, Frensfen, Voigt-Diderichs, Thusnelde Kühl, Geißler, Storm, Sohnrey und Friedrich Freudenthal in ihr Bereich zieht. Leider fehlen ganz die Hessen: Bock, Holzamer und Karillon, fehlen Klara Viebig, fehlt Melchior Mehr u. a. Betrachtet man die Einführung eines größeren Publikums in die Dorfgeschichte als Zweck des Schriftchens und wird die Literaturgeschichte zu einer etwas breiteren Behandlung des Themas angeregt, so ist seine Aufgabe erfüllt, sobald die Lücken entsprechend ergänzt sein werden.
— Anna Plothow, Die Begründerinnen der' d en ts ch eit Frauenb ew eg ung. Mit 24 Bildern. (Friedr. Rothbarth, Leipzig.) Broschiert Mk. 3.—. Anna Pwthow hat sich mit Hingabe und Sachkenntnis der Aufgabe unterzogen, dieses Buch zu schreiben, das den einzelnen hervorragenden Frauen, der Bewegung ihr Recht werden läßt. i
— Vierbaum, Otto Julius. Der neu bestellte Irrgarten der Liebe, um etliche Gänge und Lauben vermehrt. 1.—6. Tausend, des „Irrgartens" 35.—40. Tausend. Mit Buchschmuck von Heinrich Vogeler. Leipzig Insel-Verlag. Mk. 2.—. Keinem Lyriker unserer Tage ist auch nur annähernd ein solcher Erfolg beschieden gewesen, wie Otto Julius Bierbaum. In 34 000 Exemplaren ist sein „Irrgarten der Liebe" verbreitet, manche seiner Lieder sind gesprochen oder gesungen in aller Munde. Dem Dichter schien es nun an der Zeit zu sein, den „Irrgarten der Liebe", der sein gesamtes lyrisches Schaffen („verliebte, launenhafte, moralische und andere Lieder, Gedichte- und Sprüche") enthalten soll, neu zu bestellen. Der Preis des sehr apart aus- gestatten, fast 500 Seiten starken Bandes darf M erstaunlich niedrig bezeichnet lverden. < < 3
Ergiinzmrgsrätsel.
(Nachdruck verboten.
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Auflösung in nächster Nummer. ' '
Auflösung dec Altägyptischen Hieroglyphe» in voriger Nununer r Mensch bezahle deine Schulden,
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'icben Univcrsttäjs-Buch- und Stetndruckerei, R» Lange, Dieben.


