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Durch solches gegenseitiges Geben und Nehmen werden alle Gutgesinnten zusammengeführt, sie lernen sich dadurch besser verstehen, die Trennung durch die Verschiedenartigkeit der Stände und Lebensbedingungen, die in manchen deutschen Dörfern zu Klagen Veranlassung gibt, wird überbrückt, die Kameradschaft in ihrer wahren Bedeutung des gegenseitigen Verstehens, Helfens und Tragens tritt hell hervor, sowie es in den stadtcschen Verhältnissen nicht möglich ist.
So geleitete Kriegervereine gleichen dem Sauerteig, sie haben werbende und bewährende Kraft, alle.anständigen ehemaligen Soldaten heranzuziehen und zusammenzuhalten, sie beleben den Heimat sinn, ist der angeregt, die Heimat f r en d e, die sich zum Heimat stolz entwickeln darf und naturgemäß zur Heimat liebe führt. Solche Heimatliebe in die Kinderherzen gepflanzt und tveiter gepflegt bis in die Jahre, Ido das ewig Weibliche die Herzen der jungen Männer hinanzieht, und um solche doppelte Liebe die Treue zu unserem himmlischen und irdischen Herrn gerankt, das wäre ein Zukunftsbild, das allerdings wohl der genialste Künstler nicht auszumalen vermag, dessen Verwirklichung wir aber dennoch erstreben müssen — wir alten Soldaten. Tun wir das, dann sind wir die festesten Stützen unseres Vaterlandes.
Bor dem Feste.
Tas tvar eine Reihe von häßichcn, ungelmütlichen Tagen. Der Himmel dicht mit Wolken umflort. Man merkte überhaupt kaum, daß es Tag ward. Und die dumpfe, unheimliche Stim- mung, die über der Natur lag, machte ihre Wirkung auch auf das Gemüt der Menschen geltend. Dazu fitst vom Himmel fast tagaus tagein trübseliger Regen. Und die Straßen überwog eine dichte, zähe Schlammschicht. Und dazu ging der Wind nicht ganz gelinde. An der Küste, auf den Meeren ward er zum Orkan und forderte manches brave Seemannsleben znm Opfer. Ja, cs waren häßliche, ungemütliche Tage. Und sie hatten eure böse Gefolgschaft! Schnupfen, Husten, Erkältungen aller Art und sonstige Krankheiten. Und die Seele, die nach Licht und Luft verlangt, hoffte an jedem Abend, daß der nächste Morgen ein fröhlicheres Gesicht zeigen, daß ans Dunst und Wolkenflor endlich die liebe Sonne sich sieghaft emporringen und man wenigstens auf ein paar Stunden den blauen Himmel sehen möge.
Und so kams denn auch. Jetzt haben wir prächtiges, klares, leichtes Frostwetter, Sonnenschein und damit auch die alte Lebens- und Schaffenslust wieder. Ter Schnee läßt freilich noch auf sich warten, und ein Weihnachtsfest ohne Schnee ist nun doch einmal nicht das richtige.
Wie viel schöner aber machen sich jetzt die Weihnachts- eiukäufe, als in dem greulichen Schlackerwetter, unter dem wir so lange zu leiden hatten. Bereitwilliger greift jetzt selbst die Hand ins. Portemonnaie, wenn sie nicht dazwischen immer wieder das Taschentuch zu der vom Schnupfen geplagten Nase führen muß. Und wie gemütlich kann man sich jetzl etwas recht Hübsches für alle seine Lieben besorgen, ohne Furcht vor Katarrhen und ähnlichen Scheußlichkeiten. Es gibt für unsere Frauen doch nichts Schöneres, als so recht con amore Weihnachtseinkäufe zu machen. Eins natürlich vorausgesetzt: daß das nötige Geld im Portemonnaie ist. „Tu' Geld in deinen Beutel!" Dieser Rat des zwar niederträchtigen, aber welterfahrenen Jago behält seine volle Gültigkeit. Was gibt es doch für entzückende Dinge in, den Auslagen unserer Kaufleute. Und was für reizende Sachen drinnen in den Läden. Aber es ist bekanntlich int Leben häßlich eingerichtet, daß bei den Rosen gleich die Dornen steh'n. Und die Dornen dieser Rosen sind, daß sie nicht umsonst zn haben sind. Im Gegenteil, es ist merkwürdig: je hübscher sie sind, desto, mehr kosten sie. llttb man glaubt gar iticht, mit welcher unheimlichen Geschwindigkeit so eine Banknote klein gemacht ist, die doch zu verdienen weiß Gott Zeit und Mühe genug kostet. Indessen, Geben ist seliger dem: Nehmen. Und gerade zur Weihnachtszeit gibt mau das Geld doppelt gern aus, weiß man doch, daß man durch die Geschenke geliebte Herzen fröhlicher schlagen und teure Augen heller blitzen macht. Also frisch ans Werk! Wer noch nicht vorgesorgt hat, für den bleibt nur noch wenig Zeit.
Weihnachts-Literatur.
— Von Otto Julius B i e r b a u m , dem Dichter zahlreicher verliebter und launenhafter Gedichte und köstlicher Lieder, die er unter dem Titel »Irrgarten der Liebe" znsammengeiaßt hat, sowie manches geistreichen, kecken, saft- und kraftstrotzenden Liebesromans, liegt zum Weihnachtsfcste eine recht niedlich anSgestatlele Studentenkomodie für die Opernbühne vor, betitelt „Der 'ilitfcit'- fiten", herauSgegeben von einem neuen Berliner Verlag, Karl LurtmS, der besonderen Wert ans gefällige Buchkunst zu legen scheint. Diese neueste Dichtung Bicrbaums ist ganz durchtränkt von dem prächtigen germanisch Scbeffelschen Bierhumor. Flüssig und anmutig zugleich sind die munteren Verse, tanzsroh hüpsen die Versinke durch alle vier Akte und es wirbelt und prickelt und kribbelt m Unten, wie die Schaumperlen int Sektglase. Durch und durch mustkalisch sind sie, ganz int Genre von Oskar Strauß, dem
glücklichen Komponisten von Bierbaums „Lustigem Ehemann", so sangbar, daß man bei lauter Lektüre unwillkürlich in den Gesangston des Lahrer Reichskommersbuches gerät. Tie Vertonnng wird darum fraglos nicht lange auf sich warten lassen, und die Komödie wird dann gewiß ihren SiegeSzug über die deutschen Opernbühnen antreten. Und ebenso flüssig und anmutig und echt obendrein ist hier wieder Bierbaums Humor, wie nur in seinen besten Schöpfungen, und dabei erhebt er sich doch ivesentlich über den Bierwitz. Und auch der alte liebe und heitige, hier aber in neckisch frohes Gewand gehüllte, gar nicht boshaft-bissige Bierbaum'sche Zorn gegen Phi- listrosilät und pedantische Federiuchserei, gegen hergebrachte falsche Scham und pimplig spröde „Wohlerzogenheit" lmd üble „Korrektheit", seine köstliche Verhöhnung steifer „Gesellschastlichkeit" blitzt hier aus jedwedem feuchtfrohen Verse, Und was das erfreulichste ist, sein trotziger Spott vermählt sich^nicht mehr mit orgiastischer Keckheit. Er ist der alte heitere Kumpan, aber lachend ist er ein wenig weiser geworden und maßvoller in seinem Auibegehren gegen prosaische Ledernheit, gegen stumpfes Banausentum und trockene Leidenschaftslosigkeit. Tie ganze Dichtung ist von bezwingender Liebensivürdigkeit. Sie schildert den Befreiungskampf der Leipziger flotten Burschen des Jahres 1767 gegen die Unterdrückungs- und öden Schuhriegelungsversuche der „Meisen", der Leipziger Stadtpolizei, und lüän ergötzt sich immer an!s neue an den ausgelassenen Stretchen jener liebes- und ktmstfrohen jungen Studiosen und ihrer niedlichen und lieblichen „Scharmanten". Tas hübsche Bückelchen wird zum Weihnachtsfeste asten der Duckmäuserei abholden fidelen deutschen Bundkappen eine willkommene Gabe sein. -o
— Heinrich von Kleists' sämtliche Werke. Mit einer biographisch-literarischen Einleitung von Fritz Baader. Gebunden 3 Mk. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). — Die ein«- bändigen Klassiker-Ausgaben der Deutschen Verlags-Anstalt haben viel Verbreitung gefunden. Kann doch auch der weniger Bemittelte mit diesen Bände>l sich eine wohlfeile nnb einheitlich ausgestattete Ktassikcrbibliothek nach und nach anschaffen. Es ist freudig zu begrüßen, daß «tun auch Heinrich von Kleists Werke in der gleichen Publikation veröffentlicht sind. Haben wir doch immer mehr gelernt, aus' ben inneren Widersprüchen nnb äußeren Konflikten dieses Dichterlebens das Unvergängliche, wahrhaft Klassische seines Schaffens herauszulösen nnb den kostbarsten Gütern unserer Literatur anzureihen. Was den Wert dieser einbändigen Kleist-Ausgabe erhöht, ist die ausführliche biographisch- literarische Einleitung von Fritz Baader, die das „Problematische^ im Wesen des Dichters zu entwirren, die Kraft nnb Tiefe seiner künstlerischen Begabung auszndrücken versteht.
— Frauen no Vellen („Hausbüchevei" Band 22 — Novellenbuch Baud 5). Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtms- Stiftung in Hamburg-Großborstel. 198 Seiten. Preis gebunden 1 Mk. — In diesem Buch kommen vier unserer besten deutschen Tichterinneit zu Worte. In grundverschiedener Weise, abwechslungsreich in Stimmung nnb Gehalt, behandeln doch alle vier Novellen den gleichen Gedanken: die Frauenseele zu öffenbaren, sie uns menschlich nahe zn bringen in ihrer höchsten Macht, der Liebe. Die Liebe geht als Grnndton durch das ganze Buch; die Mutterliebe, kraftvoll verkörpert in Cl ara Vieb ig s großzügiger Novelle „Brennende Liebe", in der die Mutter zur Brandstifterin wird üus Liebe zu ihrem Sohn: die Liebe zur heimatlichen Scholle, wie sie stark und wahr aus der Erzählung „Um den Hof" von Lulu von Stranß und Torney, der Schöpferin echter Baue rüge st alten, zu uns spricht; die Liebe und Zuversicht zum- Leben, die das wunderbar feine Seeleir- gemälde „Eine Nacht" von L o u Andreas Salomo in lebensvoller Darstellung wiederspiegelt. Und wie mtfft-ntig und gemütvoll erzählt endlich Marthe Renate Fischer, wie sich zwei reine, brave Menschenkinder „Auf dem Wege zum Paradies" befinden. Sonniger Humor, strahlende Lebensfrende, aber auch ernster Kampf um Lebensglück nnb Frieden durchzieht dies Buch.
— Das Interesse an unserer Riesenbergwelt fördert in sehr hübscher und anregender Weise Spemanns Alpen-Kalender, der für das Jahr 1908 nun zum drittenmal erscheint. (Preis 2 Mk.) Mit der gleichen Liebe nnb Sorgfalt tute bei seinen beiden Vorgängern ist auch in dem vorliegenden Jahrgang die Auswahl von Bildern und Text getroffen worden, und es wird gewiß jedem Freunde der schönetr Berge das Herz attfgehett, der ihn durchblättert.
Magisches Quadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben EEEEFFHHNNRRT U U Z derart einzutragen, daß die wagerecbten uitb senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:
1. Eine Stadt.
2. Braucht der Bäcker
3. Geographische Bezeichnung.
4. Tier mit wertvollem Pelz.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätZ-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


