Ausgabe 
20.11.1907
 
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und Jugendspiele, für diese Frage interessiert wurde. Es besteht dort ein Spielausschuß, dem der Rektor und von jeder Fakultät ein für ein Jahr gewähltes Mitglied angehören. Dieser Spielausschuß überwacht die Tätigkeit des Turn­lehrers und die Benutzung des Universitätsspielplaßes.

Nach diesem Muster sollte man an jeder Hochschule eilten Ausschuß für die Pflege der Leibesübungen unter der Stu­dentenschaft schaffen. Bon ihm hängen alle hierfür in Be­tracht kommenden Anstalten ab: Turnlehrer und Turn­anstalt, Fechtlehrer und Fechtboden, Spielplatz, Ruderhäuser, Sportplätze aller Art usw. Er verwaltet die Mittel für dieselben, verteilt die Spielplätze, Turnzeiten und Fechtzeiten unter die Korporationen und setzt die Zeiten fest, in denen die Wildenschaft Gelegenheit zu Leibesübungen hat. Aufgabe dieses Ausschusses wäre es, allsommerlich ein akademisches Turn-, Spiel- und Sportfest, im Winter ein solches für Eislauf und Schneeschuhe abzuhalten. Einzelne Angelegen­heiten müßten an jüngere, körperlich noch rüstige und hier­für begeisterte Dozenten abgegeben werden, um das persön­liche Interesse der Herren an den Leibesübungen ihrer Schüler zu heben. Daneben müßte durch Wort und Schrift aufklärend auf die Bedeutung der Leibesübungen hingewirkt werden. Mancher Professor.würde dann sicherlich selbst noch auf dem Turnboden und Spielplatz erscheinen, um mit- zutuu, sich und seinen Schülern zu Nutz und Frommen.

Ein Weg ist also da, der gute Wille darf n i ch t fehle n.

In Worlesung und Kneipsaal, auf Festen und Kommersen werden die patriotischsten Reden gehalten, wird Hurra ge­rufen und Begeisterung erweckt und anerzogen, während es innerlich so kläglich aussieht; während die künftigen Führer unseres Volkes zum großen Teil in ihren Jugendjahreu aus Lässigkeit und Mangel an Selbstzucht körperlich und moralisch von Krankheiten angesteckt werden, tun ihre eigenen Lehrer fast nichts dagegen. Heute müssen wir uns fragen, ob unsere akademische Jugend eine solche Er­hebung wie vor nun bald hundert Jahren zu leisten fähig wäre. Wohl kaum. Wo soll die Wehrkraft unserer Jugend bleiben, wenn an den edelsten Bildungsstätten unserer Na­tion, wo man so genau weiß, wie schlimm es aussieht, nichts für die körperliche Ertüchtigung der Jugend ge­schieht, als große Worte und Reden? Man möchte unserer deutschen Studentenschaft und nicht zuletzt unseren Professoren die Worte Geibels zurufen:

Wir schrei'n zu viel Viktoria,

Hurra und Kling, Klang, Gloria, Wir feiern zu viel Feste.

Einst trieben anders wir das Spiel, Wir sprachen wenig, taten viel, Und die Art war die beste.

Treu der Heimat! *)

InSaarabien" begraben Bin ich nun ein ganzes Jahr. Freud und Glück mich einst umgaben. Doch hier bin ich ihrer bar.

InSaarabien", einem Lande, Wo im Schoß der Erde ruht Jener schwarze Diamante, Der uns spendet Feuersglut.

Ja noch mehr als diese Gabe

Hat ihm die Mutter Natur beschert: Fast so: schwarz als wie ein Rabe Steigt der Qualm von seinem Herd.

Langsam zieht er dann vorüber, Streuet Ruß in Flöckchen aus, Nebelgrau und trüb und trüber Legt er sich auf Flur und Haus.

. *) Ein im vorigen Jahre von Gießen nach Saarbrücken vcr- semer Eisenbahnbeamter sandte uns den vorstehenden Klage- und Sehnsuchtsruf zu. und wir bringen ihn zum Abdruck wegen der warmen Heimatliebe des Verfassers, einer der vorzüglichsten Natwnaleigenschaften des Hessen. D. Red.

Und so schwand denn mein Behagen^ Keine Freude hab ich mehr.

Doch ich will nicht weiter klagen. Ist mir auch das Herze schwer.

Heimat, dir bin ich entrissen.

NachSaarabien" verbannt. Doch ich laß dich vielmals grüßen. Liebes ' teures Hessenland.

Dir gehört, mein Ober Hessen, Meine Liebe unentwegt, Deiner kann ich nie vergessen, Nie, so lang das Herz mir schlägt.

Gießen, Stadt der Musensöhne, Stadt von edlem Bürgersinn, In dir seh' ich alles Schöne, Zu dir ziehts mich immer hin.

Rheinhessen, am grünen Strande, Ausgebreitet an dem Rhein, Perle von dem Hessenlande, Voller Lust und edlem Wein;

Starkenburg, in beincit Gauen Liegt das Herz vom Hessenland, Boller Treue und Vertrauen Ist mein Blick nach dir gewandt.

Darmstadt, Stadt der Kunst und Muse, Die gepflegt vom Großherzog, Ihm und dir erschall zum Gruße Froh mein dreimal Lebehoch.

Nur die Hoffnung läßt mich leben, Meine Heimat bleibt mir doch;

Endlich werd' ich sie erstreben Wenns auch dauert Jahre noch) G g. H a r t nt a n n.

Weihnachts-Literatur.

Cook, der Weltumsegler. Leben, Reisen und Ende des Kapitäns James Cook. Bon Johannes März. Mit 68 Textabbildungen. Elegant gebunden Mk. 4.. (Verlag von Otto Spanier in Leipzig.) Cooks Schilderung bleibt das klassische Werk, hier und da wohl berichtigt, aber in den Haupt­punkten nicht überholt. Auf dieses Werk hat Johannes März seine Darstellung gegründet, mit der er unserer Jugend ein ebenso lebendiges Bild der Erlebnisse des kühnen Entdeckers sowie seiner Persönlichkeit darbietet. Die Illustration ist reichhaltig und sehr interessant. Sie besteht aus Faksimile-Reproduktionen der im Auftrage der englischen Regierung von ersten englischen Kupfer­stechern nach den Zeichnungen der von Reiseteilnehmern herge­stellten Bilder, über denen ein merkwürdig einheitliches Kolorit liegt, man möchte sagen, ein Ausdruck der seelischen Stimmung, mit welcher die damalige Zeit, die in ihrem ganzen Charakter einen glücklichen Optimismus an den Tag legte, Land und Leute der neu entdeckten Gebiete betrachtete.

Indien. Das alte Wunderland und seine Bewohner. Geschildert von Hans Gehring. Zwei Teile. Mit über 200 Abbildungen. Preis eines jeden auch einzeln käuflichen Teiles elegant gebunden Mk. 7.50. (Verlag von Otto Spamer in Leipzig.) Hans Gehring bietet in dem vorliegenden Werke ein an­schauliches und getreues Bild Indiens, dieses einzigartigen Lan­des voller Wunder und voller Rätsel, eines Landes, dessen Name allein schon phantastische Bilder von märchenhaftem Glanz und Reichtum erweckt, über das zugleich der ganze Zauber einer unvergleichlichen landschaftlichen Schönheit, sowie einer reichge­stalteten Tier- und Pflanzenwelt nusgegosscn zu sein scheint. Der Verfasser schildert auch eingehend das Leben, die eigen­artigen Sitten und Gebräuche der zahlreichen Volksstämme, die sich trotz ihres nachbarlichen Beieinanderwohnens seit Jahr­tausenden in ihrer Eigenart scharf geschieden und unverändert erhalten haben. GehringsIndien" ist ein gediegenes, belehren­des und zugleich unterhaltendes Werk, das der Beachtung in den weitesten Kreisen sicher sein darf. .

Goldene Worte.

Ein weiser Mann verlangt alles nur von sich; ein Tor aber alles von andern. * Chinesische Weisheit.

Nicht wenn du liebenswürdig bist, wirst du geliebt; wenn man dich liebt, wirst du liebenswürdig gefunden, Börne.

Charade.

Nimm ein Gewichtlein 's ist veraltet schon Und füge dazu noch ein Fläschenmaß.

So hieß ein Kaiser, der einst au? dem Thron Des römischen Reichs vor Jahrhunderten saß.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Reines Gewissen ist die höchste geistige Freiheit.

Redaktion: P. W i t t k o. Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.