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fanmten imb blieb vor Walden ffeljeit*. „Und Sie versteifen sich darauf, an bcm- Einbruch von Selkenbnch so unschuldig zu sein, wie das bewusste neugeborene Kind?" rief er zornig.
„Gewiss, Herr Rav".
„Und Sie erwarteten die Rückkehr sichres Stiefbruders auch nicht vor der Selkenbach'schen. Villa?"
„Ist mir gar nicht eingefallen, Herr Rat, denn ich Waran jenem Abend sehr müde und legte mich schon lange vor Mitternacht nieder."
„A'.s Sie natürlich nicht beweisen können?"
„Hätte ich voraussehcn können, welche Beschuldigungen man wider mich erheben wird, so würde ich selbstredend für ein Alibi besorgt gewesen sein", nreinte der Detektiv bitter. „So suchte ich mein abseits gelegenes Zimmer auf, ohne unterwegs auf der Treppe semanden zu begegnen."
„Natürlich versuchten Eie auch nicht, den Betrunkenen in die Droschke unkcrrubringen? Sie parlam-entierten darum auch nicht mit dem Kutscher, dem Sie heute früh ebenfalls so merkwürdig bekannt vorkamen?"
„Erlassen Sie mir eine Beantwortung, Herr Rat, die sich rrübrigt, ich wiederhole, dass ich vor Mitternacht die Ruhe ausgesucht habe."
„Und wie erklären Sie den Umstand, daß Schuhmacher seinen Begleiter „Angus" nannte — also Ihren Vornamen anwandte?"
„Ties entzieht sich meiner Kenntnis, Herr Rat. ES ist dies übrigens der wohl am häufigsten vorwimueude männliche Vorname."
Ter Rat wollte wieder in großer Erregung durchs Zimmer zu schreiten beginnen, besann sich iendessen, trat ganz dicht cm den Detektiv herna und faßte ihn vorn beim Rocke. „Mensch, wollen Sie sich durch Ihr unseliges Leugnen aus's Schaffst bringen?" stammelte er. „Jawohl, aufs Schaffok!" wiederholte er, als Hermine einen leisen Entsetzensschrei ausstieß und Walden ihn auch wie intgeistert anstarrte. „Daß doch die schlauesten Spitzbuben fän ger, die all deren Kniffe und Schliche kennen, hoffnungslos versagen, geraten sie selbst mal in heißes Wasser! So nehmen Sie doch nur Verstand an. Ein Alibi können Sie nicht nachweisen, dafür aber sind wir in der Lage, Ihr gesamtes Tun in der kritischen Nacht zeitlich geordnet den Geschworenen vorzuführen. Die Kardinalfrage bleibt immer noch, wem brachte das Verbrechen Nutzen . . . und das trifft cm Sie, einzig nur auf Sie zu. Das allein bricht Ihnen bei den Geschworenen den Kopf, geschweige noch die vielen Indizien . . . Seien Sie Mann und raumen Sie den immer noch wohlwollenden Vorgesetzten ein, was Ihnen vielleicht morgen schon der ehern unparteiische Untersuchungsrichter auf den KvPf zusagen wird . . und seine Ansicht werden sich die Geschworenen zu Nutze machen. Verlassen Sie sich darauf!"
Mit einem plötzlichen Rucke richtete Walden sich auf und begegnete furchtlos dem mißtrauisch geschärften Blicke seines Vorgesetzten.
„Herr Rat, ich habe Sie schon allzulange belästigt", sagte er mit bebendem Munde. „Zum allerletzten Male wiederhole ich, die Mwgünge in jener Nacht sind mir gänzlich fremd und ich habe an diesem so vielen Anteil, wie etwa Sie oder der Papst in Rom."
„Das ist Ihr letztes Wort?" fragte Hansemann, eisig bemessen.
i&'ilbeii verneigte sich stumm.
„Dann sehe ich mich genötigt, meine Amtspflicht zu erfüllen." Er winkte seiner bestürzt herzueilenden Tochter zu: „Hermine, Hut und Ueberrock, ich muß noch fortgehen." Und an Walden herantvetend, diesem die Hand auf die Schulter legend, sagte er kalt: „Im Namen des Königs, August Walden, Sie sind mein Gefangener."
Keine Muslbl zuckte in den bleichen Zügen des jungen Detektivs. Er neigte ergebungsvvll das Kinn: „Ich gehorche Ihnen, Herr Rat". Mit' gelassenem Ernst zog er eine stählerne Handschelle aus der eigenen Rocktasche. „Darf ich Ihnen anbieten, ich weiß es nichst, ob Sie solche Dinger im Hause haben und es ist Dienstvorschrift, wegen Kapitalverbrechen Verhaftete ausnahmslos geschlossen zu transportieren."
Mit einer unwilligen Bewegung wies der Rat die dar- sebotene Handfessel zurück. „Lassen Sie stecken, Walden", sagte er dumpf. „Ich will und kann die Hand nicht binden, die V) so oft freundschaftlich gedrückt habe. Ich zähle auf Ihr Anstandsgefühl. Sie werden unterwegs keinen Fluchtversuch machen, sondern mir in Güte folgen."
Wieder faßte Hermine bittend nach seiner Hand. „Tue triefen einen Schritt M.cht, der, wie Du selber sagst, den Stein
ins Rollen bringen- muß und nicht wieder ungeschehen gemacht werden kann!" slehte sie herzbeweglich unter unanshaltsam strömenden Tränen. „Laß' mich Bürge fein für Walden. Er wird sich der Verantwortung nicht entziehen. Aus seinem eigenen Munde hortest Du, daß er eine neue, vielleicht entscheidende Spur gesunden hat. Lasse sie ihn verfolgen, entziehe ihm die Möglichkeit nicht, sich wegen des von ihnv zugestandeneil geringfügigen Vergehens zu rehabilitieren. Mein Herz fagt mir, daß er Dir nichts mehr zu gestehen hat! Er müßte ja kein Mensch von Ehre sein, vermöchte er in solcher Stunde zn lügen . . . . nein, nein, dessen ist er nicht fähig!"
Ihre Stimme brach: schluchzend fiel sie ihrem Vater in ü^rsirömender Bewegung um den Hals.
Sanft suchte sich der Rat von ihr loszumachen. „Kl*», woriir verstrickstst' Dn mich. . . was mutest Du mir zu!" rief er dnmpf. Dann als cs ihm gelungen, die Wemende sacht einem- Sessel zuzuführen und sanft nicderzudrücken, wendete er sich aic den unbeweglich, wie unter dem Eindruck einer überwältigenden Offenbarung Stehenden. „Sagen Sie selbst, Walden, ist ein Ausweg für mich vorhanden — muß ich meine Pflicht nicht tun?" brachte er angestrengt hervor.
Doch der Gefragte antwortete nicht; er schien feinte Frage nicht einmal gehört zu haben, sondern starrte wie gebannt auf die in grenzenlosem Schmerze zwiefach lieblich Erscheinende. Dann sank er taumelnd auf sie zu, sank haltlos vor sie auf die Knie und tiutes einem dnmpfen Wehlaut haschte er nach ihrer schlaff niederhängcnden Hand. „Fräulein Hermine" kam es leise und tief bewegt über seine Lippen. „Sie haben mich in Ihr liebes, gutes Herz blicken lassen. Ich kann Ihnen nicht sagen, am wenigsten in dieser Stunde, was mir als heiße Sehnsucht schon seit Monaten auf den Lippen brannte. . . ach, ich habe ja nur gearbeitet und gerungen, um vor Sie hintretcn zu können, alsd ein Mann, der etwas in feinem, Berufe geleistet und in ihm sich eine gesicherte, geachtete Stellung errungen hat . . . nnd nicht zum mindesten war es der Gedanke an Sie, der mich so unbesonnen hat handeln lassen, denn ich zittere vor der Entdeckung, die mich als beit jüngsten Halbbruder jenes Tiefgesunkenen bloßstellen mußte . . . und nun lassen Sie mich enden. Tank, tausendmal Dank sür Ihr Vertrauen, für Ihren Glauben an mich!"
Wie zu einem Heiligenbild schaute er eben zu ihr aus. Ehrerbietig berührte er die ihm willenlos überlassenen Handelt mit den Lippen. Dann stand er auf und stand vor seinem Vorgesetzten.
„Sie fragten mich vorhin, was Sie tun sollten, sagte e r ernst, indem er den andern fest dabei in die Angen blickte. Ihre Pflicht sollen Sie tim, wie Sie es mir gelehrt haben. Ihre Pflicht, ohne Ansehen der Person, Herr Rat . . . und nun lassen Sie uns gehen!"
Ta hob Hansemann entschlossen den Kopf. „Wohlan denn, ich will meine Pflicht tun . . . aber zusammen mit Ihnen Walden . . . hol der Teufel diese Indizien. . . nein, ich will nicht kleingläubiger sein, als meine Hermine. Geben Sie mir Ihre Hand und schauen Sie mir in die Augen!" Und als der Ueverraschte stumm gehorchte, setzte er in mächtiger Bewegung hinzu: „Auf Ehre und Gewissen, Walden... Sie haben mir alles gesagt? Und von dem ganzen Plunder ist, soweit er Sie betrifft, kein Wort wahr?"
Da verdunkelte eine Zähre die ernsten Augen des jungen Mannes; er mußte wiederholt zum Sprechen ansetzen, ehe er zu antworten vermochte: „Auf Ehre und Gewissen, Herr Rat. . ich kann nicht mehr sagen. Ich weiß nichts von all dem Schrecklichen ... und lüge ich, so bin ich verächtlicher als der schlimmste Verbrecher!"
(Fortsetzung folgt.)
Iie Mßcsüöungen der deutschen akademischen ZUsfend.
Wir erhielten folgende Zuschrift:
Vor kurzem brachten die „Gießener Familiew- blätter" eineu sehr iuteressauteu Aufsatz des Hofrats Prof. H. Raydt, eines der eifrigsten Vorkämpfer für die Pflege der Leibesübungen, über: Das Jugendspiel in gesundheitlicher und erzieherischer Hinsicht. Es war in demselben darauf aufmerksam gemacht, daß gerade die akademische Jugend ein sehr schlechtes Beispiel in dieser Beziehung gibt. Zu gleicher Zeit veröffentlicht ein anderer tätiger Mitarbeiter auf diesem Gebiet, Dr. Kurt Blaum- Straßburg, in der Deutschen^ Turnzeitung unter obigem


