Ausgabe 
20.11.1907
 
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1907

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Kvf der eigenen Spur.

Kriminalroman von Otto Hoecker-

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.!

Bon den nächtlichem Eskapaden Ihres Stiefbruders hatten Sie keine Ahnung?" erkundigte der Rat sich weiter und als Wal­den nur stumm mit dem Kopf schüttelte, fuhr er eindringlich fort:Alles, was recht ist. Sie sind ein viel zu kluger und einsichtsvoller Kopf, als daß sie es nicht einsehen mühten, wie es für Sie jetzt gar kein auf halbem Wege Stehenbleiben mehr geben kann. Warrim erzählen Sie mir das alles? Doch ver­mutlich nur in dem klare» Bewußtsein, daß wider Sie schwerer Verdacht aufgetaucht ist, dem zu begegnen ein kühner Schachzug wie der eben von Ihnen gewagte, sich zweckdienlich erweisen möchte."

Walden erbleichte bis unter die Haarwurzeln: er trat einen Schritt zurück.Herr Rat", stammelte er empört, um in­dessen sofort in eine andere Tonart hinzuzufügen:Das' von Ihnen hören zu müssen, ist Strafe genug. Nun erst erkenne ich die ganze Tragschwere meiner Handlung!" Und er schlug stöhnend die Hände vor das Gesicht.

Nach kurzer Pause faßte Hansentann Walden beim Arm und begann dann gedämpft:Walden, die Sache ist viel zu ernst. Sie sind zu lange beim Bau und zu geschickt im Fach, ton die Schwere der wider Sie zeugenden Indizien zu unter­schätzen. Der Umstand, daß Ihr Stiefbruder den Einbruch bei Selkenbach verübt und die verhängnisvollen Akten just in dem Moment auftauchten, wo es die Krönung Ihrer momentanen Bemühungen galt, bricht Ihnen vor jeden Geschworenen den Hals. Es wird Ihnen keiner glauben, auch ich nicht, daß Sie nicht der Urheber dieses meisterhaft ausgeführten Einbruchs sind."

Walden schlug, wie in fassungslosem Entsetzen, die Hände zusammen.Herr Rat, Sie können annnehmen und glauben, daß ich ich" bebte er.

Still! Nur still!" unterbrach ihn Hansemann beschwichtigend. Das ist nicht die geringste Anklage wider Sie. Denken Sic an die Rokohlsche Rekognoszierung; die Geschworenen werden ihm glauben und Sie für den zweiten Begleiter, der zu Schuhmacher in die Droschke stieg, mit Bestimmtheit erklären."

Das ist zuviel!" schrie Walden auf, der erst wie vom Donner gerührt, dagestanden war.Sie beschuldigen mich gar des an meinem Stiefbruder begangenen Mordes . . . o Himmel, bin ich denn wirklich in diesen wenigen Tagen so hoffnungs­los gesunken, daß selbst der Mann, dessen Wohlwollen und Vertrauen mich so glücklich, so stolz machten, mich verdammen kann!" Mit flehend gefalteten Händen trat er auf den Rat zu und als dieser sich mit frostigem Achselzucken von ihm ab­wendete, schwankte Walden, wie im Uebermaß der Verzweiflung auf die still vor sich hin weinende Hermine zu.Können auch Sie mich verdammen, Fräulein Hansemann?" fragte er dumpf.So sagen Sie mir, ob auch Sie mich für einen Mörder halten! . . . Es ist zum Wahnsinnigwerden.....

ich fasse es nicht. . . Selbst meine Freunde klagen mich ast . . . . und so wahr ein Himnrel sich über uns wölbt, ich bin unschuldig . . . doch warum das erst beteuern!" stieß er, in maßlose Entrüstung geratend, heftig hervor.Wie darf man wagen, mich so schamlos zu beschuldigen . . . Liegt mein Lebest nicht makkellos da . . . Habe ich nicht immer meine Schuldige feit getan! Ist der eine Schritt vom Wege so verwerflich, daß man darum über mich den Stab bricht, ohne mich auch nur anzuhören. . . nur Schandtaten in die Schuhe schiebt, von denen mein Herz nichts weiß?"

Tas Mädchen hatte ihn sich ruhig austoben lassen; nust begegnete sie feiltem verstörten Blicke klar und fest.Nein", sagte sie warm,ich glaube nicht an Ihre Schuld. So schlecht kann kein Mensch sein, um sich derartig verstellen zu könnest . . . . und Sie sind nicht schlecht!"

Ehe sie es verhindern konnte, hatte er in stürmischem Drange ihre beiden Hände ergriffen und sich zum Kusse über sie gebeugt.Ihr Vertrauen tut mir wohl das ist wie Himmelslicht in dunkler Pacht!" stöhnte er.

Doch darum müssen Sie schrankenlos offen1 fein, _ Herr Walden" fuhr sie fort, ihm errötend die Hände entziehend. Vater meint es doch gut mit Ihnen, sagen Sie ihm alles, was Sie wissen, ohne Rückhalt .... nur dann wird er Jhnest in Ihrer Bedrängnis mit Rat und Tat beistehen fönneit."'

Aber was soll ich denn sagen?" stammelte Walden ist einem neuen Verzweiflungsanfall.Ich kann doch nicht mehr als die volle, ganze Wahrheit künden. . . was die Beschul digung anbelangt, ich Hütte meinen Stiefbruder zum Raub der Dokumente aus dem Selkenbach'schen Kassenschranke veranlaßt, so" Er unterbrach sich mitten in dem entrüstet ihm vom Munde quellenden Worten und stand plötzlich nachdenklich. . . das heißt", es mochte doch fein, daß ich Gustav beeinflußt! habe... in diesem Falle aber völlig unwissentlich und ohne daß mir der Gedanke an eine verbrecherische Gewalttat gekommen wäre." Er wandte sich an den erwartungsvoll ihn anblickcnden Rat.Ich erinnere mich, auf dem Wege nach dem Stellen^ agenten mit Gustav über meine Gemütsstimmung, die er mir vom Gesicht ablas, gesprochen zu haben . . . wohl möglich, ich sprach auch von den Dokumenten und ihren Verwahrungs­ort, drückte die heiße Begierde aus, nur eine Stunde laug Heinzelmännchen spielen und Einsicht in die Dokumente nehmen zu können .... doch das ist alles. Bei allem, wns mir heilig ist, Herr Rat, das plötzliche Eintreffen des mit Dvkumentest beschwerten, umfangreichen Briefes mutete mich einfach märchen­haft an. . . doch ich kam gsir nicht auf den Gedanken, daß Gustav, vielleicht nm mir feine Erkenntlichkeit zu zeigen, oder um auf seine Weies mit mir quitt zu werden, die Dokumente ent­wendet und heimlich eingeschickt haben sollte er könnte cs freilich gewesen sein", setzte der Detektiv nachdenklich hinzu, denn er wußte, daß ich für den Rat Kueist tätig war und er kannte auch die diesem unterstehende Abteilung nach Diensträumen und Bezeichnung.

Hanscmann hatte begonnen, einen ziemlich erregten Spazier­gang durchs 'ZimMer zu machen; nun. schlug er die Hände zu-