Ausgabe 
20.9.1907
 
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gelassen und siamesische Matrosen orderten denKönig aller Könige" mit zwei Adjutanten zu uns herüber. Am Fallrepp wurde er vom Kapitän empfangen und begrüßt. Er besah das Schiff, ohne daß uns der Befehl gegeben wurde,, uns zurückzuziehen. Man merkte gar nicht, daß man einen König an Bord hatte. Der König trug einen schwarzen Lüsteranzug mit Korkhelm und Säbel. Ich befand mich gerade im Zimmer des Kapitäns, als der König mit Kapitän v. Schuckmann und den Adjutanten eintrat. Das Zimmer gefiel ihm sehr gut (es lag direkt unter der Kom­mando-Brücke), am meisten das Bild unseres Kaisers in Admirals-Uniform, ein Stahlstich ungefähr ein Meter groß. Er stand einige Zeit davor und unterhielt sich dann mit seinen Adjutanten. Dann entfernte sich einer von diesen Und bald darauf erschienen 6 pder 8 junge zierliche D äm- chen. Diese durften sich nun das Schiff ansehen und unseren Kaiser betrachten. Wer die Dämchen waren, ist mir unbekannt geblieben. Sie sahen reizend aus in ihrer überaus malerischen Tracht, eingehüllt nicht etwa in Kleider der Kulturwelt, sondern in phantastische Tücher.

Unsere Erwartung, der König werde etwas für uns durstige Seelen übrig haben, trog. Er ging, nachdem er die Einladung zum Tee abgelehnt hatte,ganz trocken" von Bord, wie er gekommen war. Er hatte nichts von seinem Reichtum für uns übrig, und wie hätte uns ein Faß Mün­chener doch^ so gut geschmeckt in dieser Hitze; hatten wir doch fast jeden Tag 36 Krad Reaumur im Schatten, so daß wir uns das Wasser nur so aus den Hemdsärmeln und Hosenbeinen auswinden konnten.

Bor unserer Abreise bekamen wir noch 13 kleine schwarze Hengste an Bord. Es hieß, es wäre ein Geschenk vom König Von Siam. Mr luden sie in Amsterdam gesnnd und wohl­behalten aus. Wem dies Geschenk galt, konnte ich nicht erfahren.

Auch einen Königstiger hatten wir an Bord und einige Affen, welche sich der Zahlmeister kaufte, um ein Geschäft damit zu machen. Er hatte aber in Hamburg seine Last, daß sie Hagenbeck abkaufte. Ich glaube, er hat nichts daran verdient. Jeden Tag bekam der Tiger ein Huhn und Fleisch, anfangs von mir serviert. Plötzlich aber konnte er Mich nicht mehr leiden und sprang immer gegen das Gitter und fletschte die Zähne. Später gab ihm sein Futter der dritte Offizier, welcher gegenwärtig als Kapitän beim Lloyd fährt. Die Affen hatte ich in Gewahrsam und viel Spaß Mit ihüen. Hauptsächlich freute sich ein großer Hunds- Uffe, wenn ich ihm eine große Zwiebel gab und ein Glas Bier. Dann betrank er sich vollständig und Tränen liefen ihm die Backen herunter.

Nach fünf Tagen gelangten wir nach Colombo ans Ceylon. An einem Nachmittag kamen wir an, und bekamen große schwere Fässer mit Palmöl als Ladung Auch kamen einige erfte Kajütspassagiere an Bord. Wir gingen nachts wieder^ in See. Am anderen Vormittag passierten wir die kleinen Inseln Lakkadiven. Im indischen Ozean hätten wir ziemlich stürmisches Wetter und grobe See. Abends, wenn ich das eleÄrische Licht einschaltete und es hell an Deck war, flogen immer fliegende Fische an Deck nach dem Licht und wrr hätten fast jeden Abend gebackene Fische zu essen. Am siebenten Tage erreichten wir wieder Aden. Dort sah ich zum ersten Mal Haifische. Sie schwammen langsam neben unserem Dampfer her, als wir einfuhren, Und lauerten auf Beute; dessen ungeachtet holten doch Mwarze Jungen ihnen zugeworfenes Geld aus dem Wasser.

Von hier ging, es, nachdem wir Kohlen und Trinkwaster genommen hatten, wieder ins Rote Meer und nach fünf Tagen trafen wir in Suez ein und gingen sofort in den Kanal nach Port Said. Von da fuhren wir 14 Tage lang, bis wir nach Amsterdam kamen. Dort löschten wir die meiste Ladung, den Rest in Hamburg.

An einem Donnerstag waren wir endlich in Bremer­haven, lagen aber kaum vor Anker, als die Meldung kam: dieStuttgart" geht am Sonntag mit 300 Passagieren Mr Uebergabe von Helgoland an Deutschland nach Helgo- !and. Es dauerte nicht lange, so kamen auch die Arberts- leute vom Land und es ivurde Tag und Nacht gearbeitet, hieStuttgart" wieder sauber zu machen. Der Sonntag kam und mit ihm die Passagiere und es ging nach Helgo- land. Mer die Passagiere konnten dort nicht an Land des schlechten Wetters wegen. Wir fuhren um Helgoland herum

und legten uns hinter Kriegsschiffe; am Nachmittag, als der Kaiser absuhr, feuerten alle Schiffe Salut. Wir legten dicht beim Artillerie-SchulschiffMars" an, lichteten unsere Anker, grüßten den Kaiser, als er an uns vorbeifuhr, mit der Flagge und fuhren hinter derHohenzollern" nach Bre­merhaven zn. Am Eingang der Weser ging dieHohen­zollern" in die Jade nach Wilhelmshaven itrtb wir kamen gegen 8 Uhr in Bremerhaven an.

Das war das Ende meiner Ost-Fndienreise.

Annerod. A. H.

Moderne Pharrtafietascheu.

Aus London wird berichtet: Seltsame Blüten treibt die Mode; die Phantasietaschen der vornehmen Damen, die aus zartem leder- oder blumengeschmückten Brokat kunstvoll gefertigten Behälter, in denen die Schönen ihre Börse, ihr zartes Batisttüchlein, ihre kleinen Geheimnisse, ihr Puder- kästcheu, Taschenspiegel nnd andere diskrete Hilfsmittel ihrer Schönheit mit sich führen, verlieren ihre anmutigen Formen, streifen ihre Harmlosigkeit ab und wandeln sich zu furchtbaren Kr o k o d i l k ö p f e n. Unter gläsernen Raub­tieraugen gewahrt man die scharfen Zähne eines Tigers oder die grinsende Miene .eines Affen. An kunstvoll ge­arbeiteten Gold- nnd Silberketten hängen diese Ungetüme am Gürtel der schlanken Engländerin; eine kleine Seiden­quaste, die aus dem fürchterlichen Gebiß der Bestien hervor- lngt, wird gezogen, der Nachen öffnet sich und zart behand­schuhte Tamenfinger tauchen furchtlos hiuab in den Schlund der Ungeheuer, um ein Spitzentüchlein, einen Portemonnaie- kalender oder ein juchtengebundenes Notizbüchlein empor­zuholen. Tie Londoner Geschäftsleute sind von der neuen Mode wenig erbaut, aber sie fügen sich seufzend den ka­priziösen Einfällen ihrer schönen Kundinnen, die nun ein­mal für die schlimmen Raubtiere eine besondere Vorliebe zu haben scheinen.Die Krokodilkopftasche ist besonders häßlich", äußert sich ein bekannter Modehändler der Bond­street,die geöffneten Kiefer zeigen die spitzen Zähne. Die Tigertasche ist größer und enthält noch Parfümfläschchen und selbst ein paar kleiner Brennscheren. Nun sind sogar Rattentaschen modern geworden, und gerade diese scheinen eine besondere Anziehungskraft auf die Damen aus­zuüben; immer wieder verlangen die Kundinnen nach diesen Tieren, die sie doch im Leben so verabscheuen. Diese Rattentaschen sind natürlich kleiner und bieten höchstens für ein Taschentuch und ein Paar Handschuhe Platz. Allem Anschein nach werden sich auch die Pelzhändler dieser selt­samen Laune der Damenwelt anpassen, und der kommende Winter wird voraussichtlich die Raubtierköpfe auf den Muffs wiederholen."

Körngsprorrrertade.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben mir in der Weise miteinander verbinden, das; man wie der König aus dem Schach­brett stets von einem Feld ans auf ein benachbartes übergeht.

Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Rätsels in voriger Nummer. Flamme, Lamm.

Redaktion: P.-Ä4 t t l^ch^^Motqtionsdrnck und Bdrlag.her B b loschen Unkverstläts.-Buckt- und Steindruckerei. LULange. Wicbein