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gegen Schindel- und Strohdach, nicht aber das Verhalten mancher Baupolizeibehörden, welche die Anwendung dieser Baustoffe bei Neubauten nach Möglichkeit erschweren. Nach dem Urteil vieler Kundigen brennen im Verhältnis nicht mehr Holzhäuser ab als Ziegelbauten, ja, nach dem Ausgange eines Hamburger Speicherbrandes haben sich sogar eichene Träger besser bewährt als eiserne. Als vor drei Jahren in dem lippeschen Dorf Schlangen ein verheerender Brand wütete, find ihnr fast alle Neubauten zum Opfer gefallen, während die alten sächsischen Fachwerke den Brand überdauerten, was jedenfalls kein günstiges Zeugnis für die Güte der ersteren ist. Der Versuch, eine der großen Versicherungsgesellschaften zur Herabsetzung der Taxe zu bewegen, dürfte daher nicht ganz aussichtslos sein. Hat erst eine erfolgreiche Erfahrungen gemacht, dann folgen die anderen von selbst nach; schließlich dürfte eine Revision unserer polizeilichen Bauvorschriften sich dringend empfehlen.
(Fortsetzung folgt.)
Kure Kstittdiettreiss.
Begegnung mit dem König von Siam *) (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)
Als Angestellter des Norddeutschen Llvyddainpfers „Stuttgart" fuhr ich im Jahre 1880 von Bremerhaven unter deni Kommando des Kapitäns v. Schuckmann nach Cardiff (England), von wo Kohlen nach Singapore befördert werden sollten. Wir lagen mit unserem Dampfer, welcher seinerzeit der größte war, den Cardiff gesehen hatte, acht Tage im Hasen und nahmen Kohlen ein. Es verschwand immer ein Eisenbahnzug nach dem anderen in dem großen Raum des Schiffes. Die Ladung geht nämlich von statten, indem der Inhalt der Eisenbahnwagen in große Behälter gestürzt ivird, die mittelst Krahnen über das Schiss gehoben werden. Dann öffnet sich der Boden des Behälters und der Inhalt der Waggons befindet sich im Schiff.
An einem Mittwoch vormittag gingen wir mit unseren schwarzen Diamanten in See und freuten uns, daß jetzt wieder das Schiff sauber gewaschen werden sollte. Der Bootsmann hatte auch schon seine Reinigungsutensilien an seine Matrosen verteilen lassen. Wir loaren aber kaum in dem Ozean, als wir Wasser über Bord nahmen. Wir mußten das Schiff des schlechten Wetters wegen im Bis- caya-Busen beidrehen, denn unsere schöne Schiffstreppe an Backbordseite büßten wir ein und es wurden uns auch auf derselben Seite an unseren Zimmern die Türen eingeschlagen, sodaß unsere Koffer im Zimmer herum schwammen. Endlich
*) Tie Anwesenheit des Königs Tschulalongkorii von Siam gab einem unserer Leser in Annerod, einem alten Seebären, Veranlassung zur obigen irischen Schilderung seiner einstigen Begegnung mit dem exotischen Monarchen in dessen lernen Heimatlande. Tas; der sonst so überaus generöse und splendide König unsere Blaujacke» ganz unbeachtet gelassen und ihnen feine Spende hat zuteil werden lassen, steht in seltsamem Gegensatz zu feinem jetzigen Verhalten in Homburg. Jedenialls kam ihm gar nicht der Einfall, daß er den deutschen Matrose» gar leicht eine kleine Freude hätte machen können. In Homburg kann man ihn zurzeit täglich in Begleitung des Kronprinzen in europäischer Tracht spazieren gehen sehen, meist ganz ohne Gefolge. Stur ein Kriminalschutzmann pflegt ihm vorauszugehen und die Neugierigen, die sich gern ihnr in den Weg stellen, zu bitten, Len König doch nicht allzu sehr zu genieren. Diese blöden Gaffer benehnreii sich gar oft höchst ausdringlich. Ten Köiiig aber scheint das wenig anzusechten. Wir sahen, wie em kleines, Zeitungeir austragendes ärmlich gekleidetes Mädchen ihm entqegenlief und ihm die Hand entgegenstreckte, die er, belustigt lächelnd, kräftig schüttelte, ohne freilich die wohl erwarte!^ Münze in das Kinderpätfchchen ivandern zu lassen. Eiir lebhaftes Interesse scheint d.er „König der weißen Elefanten" an unserem Kaiser zu nehmen.' Davon Zeugt nicht nur ein Sätzchen aus dem obigen Artikel. Es waren in Homburg unlängst Postkarten in den Papierläden ausgelegt, die den Kaiser als Groswater zeigten; er sitzt, in Zivil gekleidet, auf einem Sessel und blickt voll Großvater- stolz nrif seinen ihnr a>if denr Knie sitzenden Enke^, beit einstigen deutschen Kaiser. Diese Karte muß dein Könitz von Siam ganz ausnehmend gut gefallen habe». 2t(le, die er ur Hornburg austrerben konirte, hat er, z>l Hunderten, eigenhändig gekauft I Uno niemand kann jetzt die hübsche Karte dort erhalten. — In Berlin hat er, wie man sich in Homburg erzählt, im großen Werthernr scheu Warenhause eine Unmenge von Danrenloilcttegegenstanden gekcurit, wie Hüte, Fächer, Blusen re. re. Es soll ihnr dabei großen «paß gemacht habe», wenn auf teilten Wunsch die Verkäuferinnen sich
am dritten Tage würde das Wetter wieder besser und wir erreichten in 14 Tagen glücklich Port Said, wo wir sofort in den Sue z-Kanal gingen. Etwa 15 Stunden brauchten wir bis Suez. Ohne Aufenthalt gingen wir ins Rote Meer. Es war diesmal nicht so sehr heiß, da immer eine Briese ging. Bei einer früheren Fahrt aus dem Reichspostdampfer „Sachsen" hatten wir es viel heißer gehabt und einer sogar, ein Mann vom Heizpersonal, war der fürchterlichen Hitze erlegen. Unsere Reise ging gut von statten; wir fuhren an dem Dampfer „Marcobrunner" der Hansagesellschaft vorbei, welcher auf feiner allerersten Reise, mit Bier nach Kalkutta, gestrandet war. Er stand, als wolle er über Berge fahren. Sicher hatten der Steuermann und der Ausguckmann geschlafen. Das Unglück soll gegen Sonnenaufgang passiert sein. Ich hörte von einem Heizer des „Marcobrunner", daß, wie das Schiff kaum festgesessen habe, schwarze Strandräuber gekonunen seien, um zu plündern. Ein englisches Kriegsschiff kam jedoch einige Stunden nach der Strandung zu Hilfe. Auf unserer Rückreise saß der Dampfer noch und ich hörte, daß er vollständig verloren war. Uebrigens saßen im Roten Meer noch etliche Dampfer auf Land.
Wir erreichten, nachdem wir die Straße B ab el Man- d e b (Tor der Tränen) passiert hatten, glücklich Aden. Nach kurzem Aufenthalt gingen wir in das Arabische Meer und passierten die Insel Soeotra, wo zwei Jahre vorher der Reichspostdampfer „Oder" des Nordd. Lds. strandete und verloren gegangen war.
Ohne auf der Insel Ceylon anzuhalteu, gingen wir direkt nach Singapore und legten an Land fest. Es dauerte keinen halben Tag, so waren über hundert Chinesen an Bord, um die Kohleu an Land zu bringen. Dies geschah, obwohl wir in Cardiff fast eine ganze Woche lang eingeladen hatten, sage und schreibe, in zwei guten Tagen. Die Chinesen hatten lauter ganz kleine Körbe dazu. Sie warfen sich diese immer zu; so gelangten die Kohlen an Land. Unsere „Stuttgart" wurde nun gereinigt, wir bekamen neue Türen für die im Biscaya-See eingeschlagenen und gingen dann auf den Ankerplatz, um Ladung einzunehmen. Unsere Ladung bestand aus Pech, Reis, Zinn, Tabak, Rohr, Gewürzen u. a. Sogar unser zweites Kajütszimmer wurde voll Ladung gestopft. Eingeladen wurde von Malayeu. Während wir eines Vormittags die Ladung einnahmen, hieß es, der König von Siam käme am Nachmittag an Bord, um die „Stuttgart" zu besichtigen. Da wir keine siamesisch« Flagge an Bord hatten, lieben wir uns eine solche von einem holländischen Kriegsschiff, eilte rote Flagge mit einem weißen Elefanten. Am Nachmittag, während mit der Ladung fortgefahren wurde, ging eine kleine schinucke Dacht dicht bec iins vor Anker. Gleich darauf wurde ein Boot ins Wasser
damit fchmückten. Er soll gar nicht genng von dergletchen bunten Dingen Halen erstehen können. Wahrscheinlich beabstchttgt er feine vielen Fraium int Heimatiande mit diesem europäischen Putz und Tand zu erfreuen. Er ist ein kleiner, recht häßlicher Herr von kupierroter Gesichtsfarbe, der weit jünger aussteht, als er t|t. IN er doch schon seit 1838 König, sieht aber etwa wie ein angehender Dreißiger aus. Allerdings halte er jahrelang als Minderiahriger einen Regenten zur Seile. Der Kronprinz ist etwa 1< Jahre alt; er ist ein" Halbbruder des Königs, dessen einziger legitimer Sohn 1895 gestorben ist. In Homburg ist der König so populär, daß man nach ihm eine neu entdeckte Quelle „Tschuialongkorm--Brunnen aelau't hat. Die fast allgemein mit siamesischen Fahnen geschmückte Hauptstraße Homburgs, die Luiseustraße, führtz. Zt. im^Volks- mtmbe mit gutmütigem Spott den Namen „Elefantengasse , denn ein weißer Elefant ziert die siamesische Flagge. D. Red.
Einige niedliche Anekdoten über den König von Siam werden jetzt in weiteren Kreisen dadurch bekannt, daß sie in der „Aordd. Allgem. Zeitung" dementiert werden. So fall sich zum Beispiel der siamesische Herrscher bet fernem Aufenthalt m Ka sei aber zwei niedliche Dackel gefreut haben, Liebltngshi nde des Kaisers, die ihn anf feinen Reisen ständig begleiten, und der König fall dabei den Wunsch geäußert haben, auch vlare mit in seine Heimat zu nehmen. Der Kaiser soll vierzehn Prachlexemplare von Dackeln nach ^ombnx■t3 1
König Tschulalongkorii nach seinem Geschmack zwei der besten aus iucbeil könnte. Er habe aber alle vierzehn behalten, „oa er sich von keinem trennen wollte." Auch der deutsche Kronprinz soll dem König von Siam „einen großen Dienst geleistet haben c hinein Gespräche mit dem Kronprinzen erzählte drr König, daß ihm eine ungewöhnlich große Sorte von Streichhölzern ausnehmend gefallen habe. Daraus habe der Kronprinz bet einer Fabrik 309 000 Wachteln Streichhölzer „von ungeheuren Dimensionen Herstellen laßen, die nun nach der Hauptstadt Siams,, befördert werden olle». Die Geschichtche» sollen, wie das offiziöse Blatt schreibt, enimben sein.


