Ausgabe 
20.9.1907
 
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Hansemann nickte befriedigt, ging an den Fernsprecher und lies; sich mit der Pvlizeizentrale verbinden- Kurz und sachlich erteilte er Auftrag, schleunigst durch Umfrage festzustellen, welche Nachtdroschken im Dienst gewesen seien; außerdem sollte auf sämt­lichen Revieren ungesäumt.nachgefragt werden, ob einer der Nacht­schutzleute irgend eine auffällige Wahrnehmung gemacht habe- Meldung hierüber direkt au mich!"

Er trat zu deut Käeisphysikns-Ich halte eine sofortige Autopsie für wichtig. Sie verständigen mich wohl über das Resul­tat? - . . Jawohl," meinte er zu dem Revierleutnant auf dessen Frage-Lassen Sie den Toten sofort nach den; Leichenschauhause überführen - . . Tie Aussagen der beiden Zeugen dort sind zu Protokoll genommen?" Er durchlas die Schriftstücke und nickte befriedigt-Alles in Ordnung. Tie Leute sind einstweilen ent­lassen, haben sich aber bei Bedarf sofort wieder einzufinden- . j . nein, mein Lieber," unterbrach er lachend die Ausführungen des Milchkutschers,Zeugengebühren gibt's heute noch nicht; das machen wir später in Moabit, haben wir das Edelwild erst zur Strecke gebracht-"

So, das wäre vorläufig alles," schloß der Rat, als sich die Tür hinter den Murrenden geschlossen hatte-Na, Freund Walden, haben wir uns inzwischen wieder erholt?" Er war an den jugendlichen Detektiv hcrangctreten und hatte ihm sreund- schastlich die Hand auf die Schulter gelegt-Sie sehen noch bläst genug aus- Kein Wunder übrigens, dieser widerwärtige Chloro­formgeruch macht auch meinen Schädel brummen - . . ein Gang durch die frische Luft wird uns beiden wohltun - . . hier, der Herr Revierleutnant mag uns auch begleiten- Wir wollen uns den Entdeckungsort nochmals gemeinschaftlich beim Tageslicht beschauen, obwohl es dort wohl kaum mehr als leere Mauern zu betrachten gibt-"

Wie er die Ausgangstür öffnen wollte, wurde diese gerade aufgestosten und ein kleines dürres Kerlchen, an dem alles Eile zu sein schien, wirbelte ins Zimmer-Reporter Buchholz," stellte er sich dem Rat vor-Darf ich fragen, Herr Rat, was Wahres an dem Morde ist?"

Hansemaml 'lachte-Achtung, da kommt die sechste Großmacht. Woher kennen Sie mich beim, mein Lieber?"

Wir Prestbanditen müssen alles kennen, Herr Rat," schmun­zelte der Dürre, der mit neugierigen Spatzenaugen sich inzwischen längst orientierend im Raum umgeschaut hatte,geschweige den Leiter unsererGeheimen" .... Darf ich vielleicht um Notiz bitten? Ter Mann dahinten sieht interessant genug aus" er wippte mit dem Kinn nach dem Toten hinvielleicht 'ne kleine Kodakaufnahme gestattet? Würde sich in der Abendnummer vortrefflich ausnehmen."

Hansemann nickte dem Kleinen wohlwollend zu.Lassen Sie sich vom Wachtmeister dort berichten, was wir selbst wissen, cs ist Nicht übermäßig viel- Ich will auch gegen eine Kodakaufnahme nichts einzuwenden haben, da die baldige Feststellung' der Persön­lichkeit des Toten für uns wichtig ist. Vergessen Sie in Ihrem! Artikel nicht zu erwähnen, daß wir diesbezügliche Meldungen im Präsidium gern eutgegennehmeu."

Werde nicht verfehlen, Herr Rat," dienerte der Schmunzelnde, der im Geist schon das reiche Zeilenhonorar überschlagen mochte. Es soll'» Artikel geben, der sich gewaschen hat!"

Machen Sie Ihre Sache gut- Aber hübsch bei der Wahrheit bleiben, keine sensationelle Ausschmückung . . . sonst kriegt den nächsten Raubmordn Konkurrent von Ihnen!" Rat Hansemann lachte und verließ mit seinen Begleitern hastig den dumpfen Saunt-

(Fortsetzung folgt.)

Aie Kryaliung d s Aorfts.

Vortrag, gehalten auf der 2. Jahresversammlung des Bundes Heimatschutz von Robert Mielke.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Das Wohnhaus wird zuerst geopfert, weil man auch in städtischen Stuben und Küchen wohnen will; die Wirtschaftsgebäude und der Garten folgen. Da aber auch die Neubauten Geld verschlingen nicht am wenigsten durch die häufigen Reparaturen, so wird die alte tüch­tige Solidität, die für Jahrhunderte bwute, aufgegeben zu gunsten minderwertiger Ersaßstoffe, die die geringe Halt­barkeit unter dem möglichsten bunten Zierrat zu verbergen suchen. Auch die Kirche, die Schule*) vor allem das Gasthaus, das so häufig den Reigen des Niederganges

' *) Unsere hessischen Dorf-Schulbaumeister bilden, wie ge- {agt, eine rühmliche.AusiiMm.e, D. Red,.

einleitet, verfallen dieser Bauindustrie, deren Vordringen Oede, Nüchternheit und Unwohnlichkeit und in nicht seltenen Fällen Liederlichkeit folgen.

Das Bauerngehöft zu erhalten, muß daher der erste Schritt zur Erhaltung des Dorfes selbst sein. Da ist es schon ein Gewinn, wenn durch behördliche Anweisungen auf den Wert der alten Bauweise hingewiesen wird, wie wir es in Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Weimar u. a. Staaten mit Freude begrüßen konnten. Auch die Veröffent­lichungen von Abbildungen guter alter und neuer Bauernhöfe, die u. a. von den Regierungen der Rhein­provinz, des Fürstentums Schautnburg-Lippe, des Regie­rungsbezirks Minden, des Königreichs Sachsen unternom­men, von anderen beabsichtigt ist, verheißt guten Erfolg. Eines ist indessen noch daneben zu erstreben. Es müssen Stellen geschaffen werden, wo den baulustigen Bauern und den kleinen ländlichen Maurermeistern unentgeltlich sach­verständiger Rat über Baustoffe und unter Umständen Bau­pläne gegeben werden können. Im Königreich Württem­berg ist eine solche Organisation in derBeratungsstelle für das Baugewerbe" geschaffen, die indessen nur den Bäusachleuten, nicht den Bauherren zur Verfügung stehen -soll. In ähnlicher Weise sind dieVereine für niederdeutsches Volkstum" itt Bremen,Volkskunst litt bi Volkskunde" in München, in bedingter Weise auch die Baustelle des landwirtschaftlichen Vereins in Hannover, durch Darbietung einzelner Pläne auch der Bund Heimat­schutz vorgegangeu. Es muß eine Zukunftsaufgabe bleiben, auf solche Stellen hinzustreben, die für Gebiete mit ein­heitlicher Bauweise eingerichtet sind und sicher nicht am wenigsten von den kleinen Maurermeistern begrüßt werden, die weniger über guten Willen als über eine unzulängliche Ausbildung verfügen.

Verkehrt und in seinen Folgen sehr zu bedauern würde es aber sein, wenn wir in all diesen Bestrebungen starr an der überlieferten Form und an geschichtlich gewordenen Aeußerlichkeiten hängen blieben und die technischen Fort­schritte, die gesundheitlichen Erfahrungen vom Lande fern halten wollten. Ein gesmtder Fortschritt ist noch nie der Feind des guten Alten gewesen und wenn wie oben ausgeführt wurde, die Verhältnisse in dem alten Dorf eine Aenderung so gut toie ausgeschlossen hallen, dann erheischen gerade die durchaus veräuderteu wirlschaft- licheu und künstlerischen Verhältnisse heute umgekehrt eine Berücksichtigung. Verhüten müssen wir nur unter allen Umständen, daß darüber falsche Vorstellungen Platz greifen, besonders die weil verbreitete Ansicht, die alten guten Baustoffe durchaus durch neue, dem Feuer und anderen Gefahren angeblich besseren Schutz gewährende ersetzen zu müssen, die vott der Industrie zuvorkommend angeboten und von den Versicheriiugsgesellschaften unnötig bevorzugt werden. Unsere Stroh- und Schindeldächer sind die nächsten Opfer dieser allzu ängstlichen Vorsicht. Nicht das Ziegeldach schützt vor dem Feuer, sondern die Sorg­falt der Bewohner. Die Gefahr eines Brandes erzieht die Hausbewohner mehr zur Vorsicht, als die angebliche Sicher­heit von Eisen und Stein einen Brand verhüten. Es wird zwar geltend gemacht, daß nach dem Fortfall des das ganze Haus durchziehenden Rauches sich nunmehr das Un­geziefer in dem Strohdach einniste; dem stehl aber die Tatsache gegenüber, daß der Schornstein stellenweise seit zwei Jahrhunderten eingeführt ist, ohne daß man über Ungeziefer im Strohdach geklagt hätte. Aehnlich steht es mit dem Holz, das sowohl als Fachwerk wie als Wand- und Dachbekleidung verfolgt und das in gefährlicher Weise durch die Feuerversicherung von seinen charakteristischen Stellen der Dorfarchitektur langsam verdrängt wird, obwohl es sich durch Wohlfeilheit und Vorzüge gesundheitlicher Art empfiehlt. Wenn man weiß, daß selbst in staatlichen Brandkassen die Besitzer aller Fachwerkhäuser mit dem doppelten Beitrag, in Privatkassen selbst mit drei­fachen Taxen belastet sind, dann versteht man wohl die wachsende Abneigung gegen Block- und Fachwerkbauten,