Ausgabe 
20.7.1907
 
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)

Lobes

Tas Allerbeste?" Unter den gesenkten Wimpern huschte ihr Blick blitzschnell zu ihm hin.

Glauben Sie mir nicht, Gräsin? Ohne daß er sich dessen bewußt ward, ward sein Ton immer wärmer geworden.

Nur nicht schwören, bester Veltlingen," spottete sie kiihl aber ihre Augen sahen ihn herausfordernd an . . .

Ta wurde die Tafel aufgehoben. , .

Ten Kaffee nahm man in der Bibliothek ein. Ihre Hoheit sand den Raum reizend.Gradewegs himmlisch sitzt es sich in diesen urbequemen Stühlen!" Sie lehnte sich behaglich zu­rück und ließ sich von Veltlingen eine zweite Tasse Kaffee reichen. .,

Sie haben wirklich ein unglaubliches Talent, die Frauen zu verwöhnen!" scherzte sie.

Hoheit rechnen meine bescheidenen Dienste zu hoch an. Möchte es mir vergönnt sein. Größeres für Eure Hoheit zu 1 elften."

Als Kammerherr?" warf die Gräfin Lindstrom neckend ein. Sie konnte sich das gestatten. Hatte sie doch die unselb­ständige und gutmütige Herzogin, seit Tagmars Einfluß nicht mehr vorhanden war, völlig in der Tasche. Aber diefesmal schien der Hoheit das Treinreden nicht zu passen. Ziemlich un­wirsch entgegnete sie halblaut:

Wer sagt denn, daß er das ewig bleibt?"

Anscheinend zerknirscht schwieg die Gräfin. Verstohlen glitt ihr Blick zu Veltlingen hin. Ter lächelte selbstgefällig. Seinen scharfen Ohren war das Heine Intermezzo nicht entgangen.

(Fortsetzung solgt.)

Dem Einen hatte es sein Vater verboten, das Ehrenwort ab- zugeben, der Andere hatte es versprochen, es nicht abzugeben, dieser hielt es für unmoralisch, jener für ungesetzlich, das Ehrenwort von den Delinquenten zu fordern, kurz, es war em ergötzliches Tuu. Was kounte es auch schaden? Schlimmsten Falls waren vierzehn Tage Karzer fällig, vielleicht ein paar Tage Zusatz wegen kecken Leugnens. ~

Schließlich flam es auch vor, daß Krämer mit feiner Dennnn- tiation abfuhr, oder daß wenigstens ein armer Fuchs für ein chon belastetes älteres Haus untergeschoben, oder eine Säbelmensur zu einer einfachen Schlägermensur herabgemmdert wur^e.^s ,.± ^ut£ Iäng£ vorher. Seit das Reichsgericht eine gewöhnliche Schlägermensur für einen Zweikampf mit Eichen Waffen erllärt hat, werden unsere Epigonen bei lyren Mensur­vergnügungen kaum noch gestört. , . c ,

Es ist ja nicht zu leugnen, daß manchmal auch infolge^ge­wöhnlicher Schlägermensuren der eine Paukant zu Tode kam. In meinem ersten Semester bei einer Mensur auf der Badenburg zwischen Teutonen und einem Heidelberger Schwaben, Vogel, sprang dem Teutonen die Klinge. Das abgeiprungene Ende drang dem Gegner so unglücklich in die Brust, daß die Aorta durchschnitten wurde und Vogel sofort starb. Dieser Vorfall gab zu der Vorschrift Veranlassung, daß die Schlagerllingen, die bis dahin wie Kommersschläger zugeschlisfen waren, an der Spitze abgestumpft werden mußteil. . Ein Herr v Diemar starb infolge einer Schädelverletzung. Allein das waren docy nur seltene Vorkommnisse, die sauf einen unglücklichen Zufall, oder hm- zugetommeue, nicht in direktem Zusammenhang stehende Ueoel- stände Äüausliefen. . < - .

Täs sahen aber die Behörden selbst em, daß drei Monate Festung als Strafe für eine gewöhnliche, vielleicyt unblutig verlaufene Mensur doch eine unverhältnismäßig hohe Strafe feien. Daher die stillschweigende Zulassung ungesetzlicher Hand­lungen seitens der Polizeibehörde. Unser Freund Fr., ber feine Pflicht tun zu müssen glaubte und einige A^eniuren durch feine Leute abfassen ließ, bekam von oben l)er beinahe eine Nase und die Weisung, die jungen Leute gewähren zu tollen,^motgs davon haben sich aber auch nicht nitr die gewchMichen Paukereien, sondern die wirklich gefährlichen «abel- duelle in bedenllicher Weise vermehrt.

Jedenfalls ist aber das Spiel vor demBierrichter seit dreißig Jahren vorüber, und an dessen Stelle die tointe Ver­handlung vor dem Untersuchungsrichter und oer«traf-

Kus der Sludentenzeik. Er nnernngen eines alten Gießeners. (Fortsetzung.)

Ich kann nicht umhin, hier einige Worte des Vergleichs der Mensuren von damals und heute emzufugen. Zunächst umwehte die Mensuren jener Zeit ein gewisser ro­mantischer, Reiz, der heute verloren gegangen ist. Damals hatten die Paukanten, falls die Mensur abgefaßt wurde, eine Karzerstrafe von vierzehn Tagen zu erwarten, die von dem Universitätsgerichte zudiktiert wurde

Tie Pedelle, damals Krämer und Fleischer, hatten die Aufgabe des Abfassens. Sie unterzogen sich dieser ad libitum. Krämer war der gefährlichere, der meist schon vorher wußte, daß und wann die Mensur stottfinden sollte. Wenn es ihm ecw- fiel, oder er besonders Weisung hatte, begab er sich an das Ewschaft. Man mußte immer aus den guten Willen Krämers gefaßt fern und suchte durch die Wahl des Ortes, der erst Abends vor der Mensur bekannt gegeben wurde und durch Ausstellen von Wachen die Gefahr zu verringern. Für die erste Mensur zwilchen Germanen und Markomannen hatte ich als der Lvkalmndigste zum Beispiel ein sehr geeignetes Plätzchen ausgesucht, m dem Wäldchen, welches hinter Kleinlinden an der Chaussee nach Dudenhofen gelegen ist. Dort zog eme Schneise, die sich von der Chaussee zuerst etwas erhob, dann aber auf der Rückseite wieder etwas senkte. Die Stelle war kaum 100 Schritte von der Chausse entfernt, man konnte von dieser ans nicht sehen, was dort geschah, dagegen hatte man vom Waldesrand einen Weitblick nach dem Heßler und nach Kleinliiiden, sodaß sich von jener Seite her niemand ungesehen nahen tonnte. T« Mensur ging denn auch unbehelligt vor sich, erlitt aber ein zähes Ende dadurch, daß dem Martomannen die rechte Hand durchgehauen wurde, weil die Bandage nicht in Ordnung war.

Tie zweite Mensur fand am Abhang des damals memem Water gehörigen Hardtabhangs rechts vom Gleiberger Mg statt. Tie Wachtposten konnten hier den Weg bis an die Gießener Gärten und ebenso den Weg nach der Hetzerischen Hardt über­schauen. Auch diese Mensur blieb unbehelligt. Leider bezog laber dort mein lieber Freund Rahe seitens des Markomannen Jost eine schlimme Abfuhr. '

Dagegen erschien bei einer späteren Mensur aus dem alten Windhos Krämer. Tja er aber durch die Wachen bereits zehn Minuten früher angemeldet war, zeugte nur das vergossene Blut wider uns. Er fand eine anscheinend vergnügte Tafelrunde vor, wurde freundlich zu einem Glase Bier eingeladen, und dann nach allen Richtungen hinverhöhnübelt", wie der stu­dentische Ausdruck lautete. Das war allein schon ein paar Tage Karzer wert. Krämer ertrug die Stichelreden mit stoischem Gleich­mut, und zeigte die Mensur an. Dann kam das Spiel vor dem Universitätsgericht. Das Eonglommerat von Dichtung und Wahrheit, von Ironie und Spott, das perBierrichter" zu hören bekam, und protokollieren lassen mußte, um schließlich zum Ziele zu gelangen! Manchmal foenigstens soll er den Kürzeren gezogen haben, und es würde dies noch öfter der Fall gewesen fein, wenn er schließlich nicht mit dem groben G e s ch u tz des Ehrenworts 'eingegriffen Mtte. Auch dagegen wurde noch mit der Wtzrffe des Witzes und dcsi Uebermuts gekämpft.

Was für uns Wen kaum verständlich ist, das ist die gänz­lich verschiedene Art des Fechtens zwischen damals und jetzt. Zu unserer Zeit gab es eine wir kl i ch e Fe ch«.tun st. Es gewährte auch uns in der Mensurpraxis Unoewanderten einen wahren Genuß, zwei gute Fechter am Werte zu sehen. Ich habe in meinem fünften Semester tu der Vmch- achsx zu Heidelberg eine Meirsur zwischen einem der besten Fechter Gießens, Fr ank (ber jüngere), Starkenburger, und dem Senwr bcr~ Bandaien, Ben- uecke, einem berühmten Heidelberger Fechter, beig-ewohnt. Es lmndelte sich um eine sogenannte Gastrolle des mir gut be­kannten Frank, die mich als Gießener doppelt mteirefiierte ^n Mönchen Gängen standen sich die Gegner längere Zeit Mit blitzen­den Augen gegenüber, ohne daß ein Schlag fiel. Dann aber blitzten die Schläger so rasch durch die Luft, daß man kaum folgen tonnte. Dabei blieben die Paukanten Nicht etwa an einem Platz stehen, vielmehr hatten sie innerhalb des bezeichneten Raums volle Bewegungsfreiheit. Sie veränderten in der Hitze des Kampfes die Stellung und bogen den Körper vor und zurück,, je nachdem es dem Zwecke des Angriffs ober der Abwehr ent,prach Es kam bei der Mensur nicht viel heraus, allein für mich war sie wun­derschön und so viel mpn hören tonnte, waren alle

E'Ganz Achnliches sah ich als Pennal bei einer Mensur, die hinter dem Eulentopf in der Walbecke am «tolzenmorgen zw-ichen Hessen und Teutonen (Umpfenbach unb «etzd) geichlagen wuroe. Diese Mensuren würden heute beiderseits für ungenügend erfkrt werden, wegen Lauerns, Nichtstehens und Zurückzteheu des KoMs- Damals hieß es, es war eine feine Mensur, Aute ist das höchste Lob: er hat gut gestanden undforsch geschlagen. Es gibt auch heute bessere und weniger gute i^chter^abei mei.ies unmaßgeblichen Ermessens muß bei der dermaligen ^Pstostenhe t der eigentliche Zweck des Fechtens leiden, ^ch finde mich mit 3* Ä» M -- m-'«- »»ELK- art mit Säbeln etwas anders war. Bei beit gewöhnlichen «abeto inenfuren waren die Paukanten bandagiert tote bei ^.Äager- fnenfuren und man focht mit verhängter Auslage. ^ie schärfere Forderung war auf Säbel Glace. Bei dieser hatten die Paukanten wenigstens eine Binde um den Leib.

rwrberungen der letzteren ?lrt waren damals rechts selten. Ich erinnere mich aus meiner Studentenzeit nur einer einzigen, Ste mein Freund Rflhe mit gutem Glück im «aale des Promenaden- hauses ausfocht. , , ,.

(Fortsetzung folgt.)