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stützt und seinen Dienern befiehlt, sic vom Leben zum Tode zu bringen, lieber die geheimnisvolle Ursache des jähen Umschwunges seiner Gefühle klärt er seine Freunde auf: so lange Mimosa die Spröde gespielt, so lange er um sie gelitten, hatte er gewähnt, sic zu lieben. Als sie vom Rang einer Götttn, den er ihr gegeben, herabgestiegen war, um sich in eine ganz gewöhnliche Frau zu verwandeln, die sich ihm anbot, erwachte er aus seinem Rausch, seine „übernatürliche" Liebe war verflogeit. Ernüchtert sieht er1 jtn Mimosa nur noch eine Verworfene, die um ihrer Schandtaten willen beit zehnfachen Tod verdient. In der Komödie des Lebens, erklärt der Mandarin seinen Freunden, ist der Liebe nicht nur die größte, sondern auch die schändlichste Rolle zugeteilt. Ihr Pesthauch hat seine Tage vergiftet, darum nimmt er sich vor, freiwillig von der Bühne zu verschwinden und zu sterben. Auf einer Höhe, die ihm td.en vollen Blick auf seinen reichen Besitz und auf die ungeheure Stadt gewährt, verschluckt er die goldenen Blätter, die seine Univerfitätsdiplome umrahmt hatten, und erleidet einen qualvollen Tod.
In dieser echt chinesischen Liebesgeschichte erweist sich der Verfasser, Herr Charles Pettit, als ein geistreicher und gewandter Erzähler, der mit genauester Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse ausgerüstet, meines Wissens hier zum ersten Male die vornehme chinesische Gesellschaft schildert. Ganz besonders ist ihm die Charakteristik des Helden Li Ta Tschu gelungen, aber auch die Gestalten der Favorttin Pfirsichblüte, der Tänzerin Mimosa und ihres Vaters, des Maniküren Tschen Ki Ping, treten wirksam hervor. Das Buch zeichnet sich ditrch seine gewählte Sprache aus und erfüllt einen doppelten Zweck: es unter» hält und belehrt zugleich. ’ A. B.
Richard Strauß über Keine „Salome".
Der Kampf, der in Newhork gegen Richard Strauß's „Salome" wogt, veranlaßte den Berliner Korrespondenten der „World", den Komponisten um eine Unterredung zu bitten. ^Wahrscheinlich", sagte Strauß mit Gelassenheit, „gibt es zwei Wenschenllassen in Newhork, die entdeckt haben, daß die Salome unmoralisch ist; erstens solche, deren Sinn immer auf kitzliche Sachen gerichtet ist, die in ihrem Denken immer auf moralisch unreinliche Dinge stoßen; zwettens aber diejenigen, welche jede dramattsche Behandlung eines biblischen Motivs oder einer Legende ein- für allemal alblehnen. Diese Partei ist in England und in den Vereinigten Staaten sehr verbreitet; ihnen gilt auch Saint-Saöns' „Samson und Dalila" als unmoralisch und ebenso alle Mysterien und Passionsspiele. Mit diesen zwei Menschenklassen zu rechnen, ist für mich überflüssig; ihre Welt ist nicht die meine, ihre Anschauungsweise nicht die meine. Trotzdem wundere ich mich über den Lärm, den die angebliche Unmoralität ber Salome in Newhork hervorgerufen. Ich ärgere mich nicht darüber, denn ich kenne nicht die Argumente, mit denen die Gegner der Oper sie bekämpfen. Sie betrachten mein Werk eben von einem Gesichtspunkte aus, an den ich nie gedacht habe. . . . Ich möchte wissen, was eigentlich Immoralität ist. Die Gesetze und Normen der Moral sind von verschiedenen Menschen zu verschiedenen Zeiten immer verschieden formuliert worden. Nehmen Sie einen Durchschnittsmertfchen, der, sagen wir, die Salome gehört hat und sie ablehnt — wie kann er den „Don Juan", „Figaro", „Carmen" und tausend andere Opertr billigen, die er folgerichtig auch unmoralisch nennen müßte? Wer saubere Hände hat, ein reines Herz und ein fleckenloses Gewissen, kann alle Kunstwerke und auch die „Salome" ohne Vorurteil und ohne Entrüstung betrachten. Nur für solche Menschen aber arbeiten alle wahren Künstler; nicht für verderbte und heuchlerische Naturen". Strauß macht eine kleine Pause. Dan» fuhr er fort: „In der Kunst handelt es sich nicht um Moral oder Unmoral; solche Gedanken sind unvereinbar mit dem Wesen der Kunst und müssen ihr immer ein Fremdes bleiben. In der Kunst gibt cs nur gut und schlecht. Ist das Werk eines Künstlers gute Kunst? Das sind die einzig berechtigten Fragen, die der Künstler zu beantworten hat. Aber er mutz die Frage ablehnen, ob seine Kunst „moralisch' sei. In Berlin, in Dresden und in anderen Städten ist Salome über die Bühnen königlicher Theater gegangen. Das Werk hat den Beifall von Kennern gesunden, deren Moralität außer Frage steht. Was für diese berühmten Bühnen gut genug ist, wird auch für Newhork aut genug sein. Es ist für mich völlig einerlei, ob Newhork die, Salome ablehnt oder nicht. Ich stehe dieser Affäre ganz gleichgültig gegenüber."
Die Brandgefahr der elektrischen Belenchtnng.
Nachdruck verboten.
Ueber die Brandgefahr der elektrischen Beleuchtung herrschen jm Publikum noch vielfach durchaus unzutreffende Ansichten.
Dce so ost Ausgestellte Behauptung von der Häufig kett solcher
Feuersbrünste, die durch Kurzschluß herbeigeführt sircd, kann vor dem unbestechlichen Forum der Statistik keineswegs bestehen. Recht deutlich zeigt dies wieder einmal eine in der „Zcttschrist Er Elektrotechnik und Maschinenbau" kürzlich erschienene Zu- mmenstellung für das Stadtgebiet New Pork.
Dort sind in den Jahren 1902—1905 im ganzen 14 489 Brände vorgekvmmen, wovon nur 361 durch elektrisches Licht verursacht waren, d. h. noch nicht 2,5 Proz. Daß dies wirklich sehr wenig ist, läßt sich leicht rnt einem Beispiel zeigen. Wenn man jemand vvm Rauchen von Zigarren, Zigarretten, Pfeifen abhaltert wollle, weil es zu feuergefährlich sei, — man würde sicherlich gehörig ausgelacht werden. Und doch sind durch dieses „Laster" nicht weniger als 1690 Brände in der genannten Zeit verursach worden, d. h. 11,7 Proz.
Daß elektrisches Licht weniger gefährlich als' andere Beleuchtungsarten ist, sieht man bei einem Vergleich mit Petroleumlampen, die 826 Brände, gleich 5,7 Proz., und Gaslampen, die bei rmmittelbarer Entzündung 894 Brände (6,1 Proz.) hervorriefen. Dazu kommen noch die Fälle, wo Gasexplosionen Schaden an- richteten, nämlich 687 Mal — 4,7 Proz. und ferner noch 1248 Feuerbrände (8,5 Proz.), die von Kerzen herrührten. Jm ganzen stehen also den 361 Fällen, in betten elektrisches Licht Schuld war, 3655 gegenüber, die von den andern Beleuchtungsarten ftanmten, so daß unsere Lichtquellen in 27,5 Proz. aller Fälle, die Schadenstifter waren.
Die „gebräuchlichste" sonstigen Entstehungsarten von Bränden waren Oefen, Herde, Herdfeuer, Gasheizapparate in 2383 Fällen (16,2 Proz.), ferner „Funkenfall" vor: Maschinen, Eisenbahnen, Kämmen, Schornsteinen und sstosten in 2350 Fällen (16,1 Proz.). Wie bei uns, war auch in New Port' die Unachtsamkeit beim Gebrauch von Zündhölzern, vor allem bei Kindern, der weitaus größte Brandstifter; nicht weniger tote 4050 Brände, d h. 27,7 Proz. wurden dadurch verursacht.
Unseres Erachtens sieht man hieraus deutlich genug, daß Furcht vor Feuersgefahr wirklich niemanden abzuhalten, braucht, elektrisches Licht zu benutze«.
Lachende Wahrheiten.
Ehe und Wehe,
„Es ist doch sehr schön, wenn Mann und Frau stets derselbe" Meinung finb/
„Gewiß. Nur macht es einen sehr großen Unterschied — wessen Meinung es ist!"
Schlechte Ehemänner gleichen den schlechten Zigarren — sie gehen zu häufig aus.
Adam und Eva war das erste Ehepaar. Und der erste Hausfreund war — der Teufel.
Unsere Dame n.
In welchem Punkte Mann und Frau Sich unterscheiden stets aus Erde»«? — Der Mann will angesehen sein, Die gtatt, sie will es lieber roerbeit. , «
Man verwünscht die Unbeständigkeit der Frauen, wenn man ihr Opier tst; man findet sie entzückend, roeitn man ihre Ursache ist.
Eine gebildete Frau bemerkt e? nicht, tuen« sie bemerkt, daß sie bemerkt wurde.
Lust an der Sattberkeit ist eine Tugend, Lust am Putzen eilte Leidenschaft. *
Eine Frau, die verleidigi roerben muß, ist dadurch schon verurteilt:
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Die Weiber sind schuld, wenn man nicht zu einem Weib kommt
Eine Frau, die ihren Mann schlecht behandelt, macht zehn alt« Jungfern.
Wenn Herren auseinandergehn. So sagen sie: „Auf Wiedersehn 1* Wenn Damen auseinandergehn. So bleiben sie noch lange stehn.
Die Geliebte hört auf, schön zu sein, wenn die Schöne aufhört, geliebt zu sein. *
Die Frauen sehen bei talentvollen Männern häufig nut ihr» Fehler und bei Dummköpfen nur ihre etwaigen Vorzüge.
Eines Weibes Zortt kostet dem Mcmn selten so viel wie ihr« Verzeihung.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen UnwersirütS-Buch- und Steindruckerei. R, Lange. Dieben


