Ausgabe 
20.2.1907
 
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Herr von Eppen streute seine faulen Witze dazwischen urtbi wunderte sich im stillen, daß der junge Osfizier so ernste Augen behielt, trotzdem er zuweilen lächelte. War das nun hochmütige Ueberlegeuheit oder hatte er sich wirklich das unglückliche Duell so zu Herzen genommen?

Mau kramte nun die Vorkommnisse des gesellschaftlichen Lebens vor ihm aus. r , x

(Fortsetzung folgt.)

Blutstropfen herabhingen. . r, .

In einer Ecke des Zimmers hatte etite größere Gesellschaft > sich nm den dorthin geschobenen, nur noch mit Früchten und Gebäck besetzten Teppisch gruppiert, zwei junge Damen, tote Jo­achim vermutete, die Töchter des Artillerieobersten, und meh­rere Herren, teils in Zivil, teils in Offiziersuniform, von denen dem Freiherrn einige fremd erschienen. Sie unterhielten sich in gedämpfter- Lustigkeit, weil sie wohl annehmen mochten, daß die Hausfrau noch etwas singen würde. Hanna stand am Finget, so daß sie dem Eingetretenen den Rücken zuwandte. Sie war ganz weiß gekleidet und weil das grelle ungedämpfte Lrcht der Flügellampen sie überschüttete, hatte ihre Erscheinung tm Ge­gensatz zn den düsteren in rot getauchten Farben des übrigen Zimmers etwas geradezu Blendendes. .

Ans ihrem Kopf, den sie über ein Notenblatt geneigt hielt, schimmerte das rote in losen Puffen anfgesteckte Haar wie eine Krone aus purem Gold. An dem Klavierstuhl vor ihr lehnte ein schlanker, brünetter Husarenoffizier, der sie wohl zum Ge­sang begleitet haben mochte. Er hatte ein bildschönes leicht­sinniges Zigeunergesicht, indem die dunklen Augen förmlich lohten vor leidenschaftlicher, unverhohlener Bewunderung. Der frivole Zug um seine hellroten Lippen verriet, daß er fkrnppellos unter der DeviseIch kam, sah und siegte" genossen hatte, was sich ihm aus seinem Wege geboten.

Joachim wußte von ihm vorläufig nur, daß er Graf Delow hieß und wegen einer Menge toller Streiche aus einem Pots­damer Garderegiment zu den 10. Husaren versetzt worden war.

Die erste Regung, die Tressenberg bei seinem Anblick em­pfand, war merkwürdigerweise keine Eifersucht, sondern em un­geheurer Schinerz, mit dem die Erinnerung an Walter von Poseck über ihn hereiubrach. Er sah ihn dort drüben am Flügel, seinen hübschen Kops mit dem blonden krausen Haar, ferne ehr­lichen Augen, das ganze sympathische von innerer Herzenswärme und Lebensfreudigkeit durchleuchtete Männergesicht, und er horte Hanna sagen, daß sie nie mehr würde singen können, wenn Poseck sie nicht begleitete. Nun schien er bereits vergessen I

In seiner zerrütteten Stimmung wäre Joachim am liebsten wieder fortgegangen, aber da trat schon der Landrat auf ihn zu und begrüßte ihn, wenn auch nicht mit Wärme, so doch mit vollendeter Höflichkeit. Dann hielt er Hannas schmale Rechte in ber seinen, sie tauschten stumm einen Händedruck, sie waren beide keines gleichgültigeii Wortes fähig. Hanna erregte das Wiedersehen mit dem Geliebten so, daß sie nicht imstande war, weiter zu fingen, trotzdem der leichtsiiinige Graf beinahe einen Fußfall riskierte. Ohne sich um sein Bitten zu kümmern, ging sie hinüber zu Frau von Klast, neben die Tressenberg sich einen Stuhl gezogen hatte, weil er die lebhafte, vorurteilslose Frau der ihn scheu betrachtenden Jugend vorzog.

Hanna, der Graf Delow getreulich gefolgt war, achtete sehr wenig auf die heißen gewagten Worte, die dieser ihr znflüsterte bewegungslos faß sie und blickte zu dem jungen Offizier hinüber.

Ihr kamen inbezug auf die Zukunft keine schweren Gedanken. Das alte heimliche, süße Glück würde nun von neuem beginnen, verstärkt und gefestigt durch die lange Trennungszeit und die wach­samen, ehrlichen Augen Walter von Posecks würden Nicht mehr, zu steter Vorsicht mahnend, ihre Mienen und ihre Stimmung beobachten. ,v ,

Der Gedanke, daß er tot war, erleichterte ihr Herz- Em be­strickendes, zärtliches Leuchten breitete sich über ihr Gesicht, ihre grünflimmernden Augen tauchten verheißungsvoll in die des Ge­liebten. Der senkte fast erschrocken den Blick vor der Leidenschaf»., die ihm entgegen sprühte. .

In fieberhafter Lebhaftigkeit stürzte er sich m die Unter­haltung mit Frau von Klast. Die flotte, junge Frau machte es nicht wie die andern, die die letzten Monate seines Lebens völlig ignorierten und daher etwas vorsichtig Gezwungenes in rede-- Gespräch mit ihm brachten sie fragte ganz ruhig, was er au Festung getrieben, mit wem et verkehrt und ob er das schöne Ge­schlecht habe völlig entbehren müssen.

Noch oft später sah er es. vor sich mit jeder Einzelheit des in gediegener Einfachheit ausgestatteten Gemachs. Auf einem der glatten rötlichen Mahagouistühle saß rittlings Herr von Epven, die Arme auf die Lehne gekreuzt und blinzelte Mit seineil miverschämten Augen auf Frau von Klast herab, die m einem grellroten, mit schwarzen Schnüren benähten Tuchkleide in einem niedrigen Sessel mehr Tag als saß und mit viel Grazie eine Zigarette rauchte. Ihr Manu, der nach dem Manöver Mcyor geivorden war, stand mit dem Landrat und dem neuen Kommaudeur der Arttlleristen, einer Reckengestalt mit blondem Vollbart, in­mitten des Zimmers gerade unter dem kostbaren Kronleuchter, von desseii brouzeueri Aesten die tiefroten Lichtbirnen rote große

Jer OeVaLternLag,

Skizze aus dem Vogelsberg von A. K.

Es ist richtiger Vogelsberger Winter. Fußhoher Schnee be­deckt gleichmäßig die Gefilde; im Oberwald liegt er gar wett über einen Meter hoch. Die Aeste der Fichten btegen sich unter ihrer weißen Last. Der Schnee glitzert und blinkt bei solchersibirischer Kälte und knirscht unter den Füßen. Lustiges Schellengeläute ertönt tagtäglich schon vom frühen Morgen an fast ununter­brochen durch die Straßen des Dorfes. Wer Pferd und Schlitten sein eigen nennt, die dicken Bauern, nutzt einen solch seltenen Sckmeewinter tüchtig aus. Verwandte in Nah und jjern werben abgestraft" Fußgänger sieht man selten Über die schneeb^ deckten Berge pilgern. Der Bauer sitzt lieber beim warmen Oien, wenn er sich über Feld keinen Schlitten leisten kann Er ist £ weniger als ein Tourist und für die Reize emer Gebiihs- landschaft im Schnee hat er kein Verständnis. Wenn fr ein­mal das Weichbild seines Dorfes verlasfen muß, io zieht er seinen gestricktenSchornsteinfeger" über die Ohren, der nur Sinnen Nase.und Mund freilaßt, und steckt semKlvbchen zwilchen die Zähne damit es auch diesen Gesichtsteileii an der notwendigen ^wämiuna nickst fehle. Abgesehen von dem Pfarrer, der durch hoben Schnee auf oft nur von ihm betretenem Pfade zu seinen Zittalen watet sieht man fast nur die Handelsleute, die tinge- ackitet der 10 Grad Kälte unverdrossenGeschäfte machen, oder di? nielbeaebrte Hefefrau" und dasWeckkathrmchen , bte mit ta S«l G. Gl sich ,1» °»°° dmÄ nsTÄ» -u* »««ft"»»± toettertoeu, so wird das anders, wenn es für ihn gut, zum

SÄaa" oder zum sogenanntenNeumhr" über Feld m roandem Diese bechen Familienfeiern sind eine schone a w Sitte Die Landleute, die vom Einzug des Frühlings bis zum Uten Helbst in harte'r Arbeit ihr Feld bestellen, - und Mnh- und sauren Schweiß koste^ hwr oben mehr als un flachen ge^

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BSSSSSSSÄs-* knauserig her,es wird sich ems gelebt , wie 6$, iWEWLM

Neujahr" kann für die Landleute teder Sonntag «

" mitunter auch im Sommer in ruhigerer Zeit fern. Das letzte« besonders dann wenn die Berwandteii in größerer Entfernung wohnen und die Kürze der Wintertage einen wetteren Marsch nickt rentiert Vom Gevatterntag unterscheidet sich der Neu- Ktag Kentlich nur dadurch daß die ganze

L i Verwandtschaft, zusammenkommt, also der Mei-, d^ o lädenen ein weiterer ist. Wie diese Familienfeier zu diesem Namen kommt und in welchem Zusammenhang dieser Name mttdem attge meinen Neujahrstag steht,, konnten wir mchtergründen Doch auf den Namen kommt es ja nicht an, die Hauptsache ist die üomy« selbst die intime Familienfeier bet Braten, Kajfee um) iwcpen-

Seimelt uns nicht diese gemütvolle Sitte an? Der Baue^ in defleii Haufe den größten Teil des Jahres Geselligkeit cucht gedeihen kann, dessen eintönige, ost den Geist abftunWfenbe bett ihm die Zett nicht gestattet, die auswärtigen Verwüsten zu sehen, holt im Winter nach, was «sonst erttbehrenmußi«. Diese Familienfeiern gelten naturgemäß hauptsächlich dem Zw^ daß die Geschwister und wetteren Verwandten, die nicht gleichen Orten wohnen, ein alljährliches »feieto Ä-^ett" sehen feiern. Verwandten, die durch veirats-,F)elegenhett ^cm

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