als die des Gehirnmarks, too das Zentrum für die Atmung und den Herzschlag sitzt. Tie verschiedenen Ordnungen der Fische verhalten sich auch verschieden mit Bezug auf die Lebensfähigkeit der einzelnen Gehirnteile. Wenn die in den Fischkopf eingeführte Flüssigkeit mit Kohlensäure angefüllt war, so stellt sich ziemlich schnell Atemnot ein, woraus hervorgeht, daß das Atmungszentrum dadurch un­mittelbar betroffen tvird.

* Eine traurige Nachricht für Raucher! Unter dieser Apihmarke wird ans Newhork berichtet: Im Februar d. I. traten ungefähr 20 000 Arbeiter der Zigarrenfabriken in Havanna in den Ausstand. Der Ausstand war bis vor kurzem in vollen: Gange, aber auch jetzt sind die Differenzen zwischen Arbeitern lind Fabrikanten noch nicht endgültig beigelegt. Infolge des langen Ausstandes lnachte sich nun ein Mangel an Havanna-Zi­garren bemerkbar. Nur wenige der Fabriken haben ihren Betrieb während des Ausstandes ausiecht erhalten können. Dazu kommt, daß die neueste Ernte von Vuelta Abajo-Tabak, aus welchem die reinen Havanna-Zigarren bestehen, eine sehr geringe ist. Ein erheblicher Preisauffchlag fürechte Havannas" scheint nun unver­meidlich zu sein. Auch in Newhork macht sich der Mangel <titHavannas" schon bemerkbar oder vielmehr diejenigen, welche etwas vonechten Havannas" verstehen, nehmen ihn wahr.Sogenannte Havanna-Zigarren" gibt es natürlich noch in Hülle und Fülle. Wie einschneidend der Ausstand auf das Geschäft der Zigarrenfabriken in Havanna gewirkt hat, geht aus dein Umstande hervor, bcijj in den ersten fünf Monaten dieses Jahres nur 63 897 190 Zigarren von Cuba exportiert worden sind, gegen 105 111686 in der korrespondierenden vorjährigen Periode. Und im Mai waren es nur noch 4 521376 Stück gegen 19 825 247 im Januar.

* Die Behandlung abgeschnittener Blumen. Blumen sollten nie bei Sonnenschein abgeschnitten und auch im Zimmer nicht den Strahlen der Sonne unmittelbar ausgesetzt werden. Ebenso nachteilig ist es freilich, wenn sie gänzlich des Lichtes beraubt sind. Den einzelnen Blumen ist es ferner durchaus schädlich, wenn man sie in große Sträuße und sehr fest zu­sammenbindet: auch darf man nie mehr in ein Gefäß zusammen­stellen, als dieses beqeum zu fassen vermag, und zur Aufnahme frischer Blumen sollte man nur solche Gefäße als geeinet betrachten, die weit und tief genug sind, nm den größten Teil der Stiehle vom Wasser bedecken zu lassen. Bei der täglichen Erneuerung des Wassers darf man nicht versäumen, die Spitzen der Stiele glatt zu beschneiden, ein Verfahren, das man auch zu beachten habe, ehe man die frisch geschnittenen Blumen ins Wasser setzt. Die Röhren der Stiele werden dadurch geöffnet, was das Einsaugen des Wassers erleichtert; jedoch ist diese Operation nur wirksam, wenn man sie mit Hilfe eines scharfen Messers ausführt; be­dient Man sich dazu einer Scheere, so bewirkt man gerade das Gegenteil, indem dann die Röhren der Stiele gedrückt und be­schädigt werden, was den freieren Zufluß des Wassers verhindert. Tie Wiederbelebung schon verwelkter Blumen kann man in den meisten Fällen durch lauwarmes Wasser erzielen, in das man pinige Tropfen in Weingeist aufgelösten Kampfers tut; man rechnet auf ein Liter Wasser fünf bis'sechs Tropfen dieser Flüssigkeit.

* Was ist ein Uebergenuß? Dem k. k. Hauptsteuer- ämt Bregenz ist vom Rechnungs-Departement des k. k. Ober­landesgerichts Innsbruck folgendes Schreiben zugegangen:Dem k. k. (folgt Titel und Name eines Beamten) ist an Gehalt pro 1906 ein Heller zuviel ausbezahlt worden. Dieser Uebergenuß ist hereinzubringen und im Justizetat-Journal in Empfang zu stellen. Rechnungs-Departement des k. k. Oberlandesgerichts Innsbruck. 25. Juni 1907." Hoffentlich ist der Beamte, dem die Glücks­göttin den sehr erfreulichenUebergenuß" in den Schoß warf, nicht auf Abwege geraten.

* Kerniges Schw eizerdeutsch. In Grindelwald steht Ungeschlagen:

An die Talleute von Grindelwald!

Auch hier oben haben die Schokoladefabriken und andere Geschäfte ihre grellfarbigen Reklametafeln an allen Ecker: nnb Enden in aufdringlicher Weise anschlagen lassen, so daß die herrlichen Naturschönheiten unseres Tales sowohl den Besuchern als uns Einheimischen verekelt werden.

Weg . mit dieserBlechpest" von den Häusern, Scheuern und .Alphütten, von den Felsen, Bäumen und Stangen! Weg mit den häßlichen Tafeln,, lieber heute als morgen! Weg mit ihnen, sobald die Berträge abgelaufen sind! Und bieten euch die Affichen- pgenten aufs neue. Geld- schlagt es aus! Erklärt ihnen deutlich und fest: Einmal und nie wieder! Weg, wir tun es unserem schönen Heimattale nie mehr zuleid. Geht mit eurem Geld und puren Affichen!

Laut Beschluß der Gemeindeversammlung vom 6. Mai 1907. Der Gemeinderat."

Bravo, das heißt man sein Land verteidigen!

Literarisches.

Die kleine Stad t. Tragödie eines Mannes von Geschmack. Roman von Liesbet Dill. Geheftet M. 4.. (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt.) Die Schattenseiten des Kleinstadtlebens: das enge Zusammenhocken, gegenseitiges Sich- belauern, Klatschsucht, Kastengeist, Splitterrichterei geben den Schilderungen, die die Verfasserin aus dem Alltagstreiben, und den festlichen Veranstaltungen ihrer Kleinstädter entwirft, die Stimmung. DerMann von Geschmack", der Rechtsanwalt Älbius, aus kleinen Verhältnissen stammend, aber reich begabt und innerlich fein angelegt, aber oft unklug in seinen Entschlüssen und ohne vernünftiges Verständnis für die Begrenzung des Horizontes seiner Umgebung man geht nicht ungestraft mit einem Gäns­chen, das noch nie eine Oper hörte, zuTristan und Isolde" hat ein wohlhabendes Mädchen geheiratet, ein kleinliches, dürf­tiges Wesen, das ihm, der sie bei seiner Weiterentwicklung gern mit sich führen möchte, weder folgen kann noch will. Immerhin gelingt es seinen endlosen Beinühungen, in seinen! Mitbürgern wenigstens ein Gefühl für höhere, weitere Interessen zu wecken, sie zur Anerkennung seines selbstlosen Strebens fortzureißen. Es ist vieles in dem Romangrau in grau" gehalten und so wirkt er denn eintönig, fesselt aber durch die seelischen und Milieu­schilderungen, durch das Sympathische im Charakter der Haupt­figuren und nicht zuletzt durch den Humor, der, zuweilen auf Ironie gestimmt, an manchen Stellen durchbricht.

Kunst.

1 Das neueste Heft des Kunstwart, dieser von Ferd.> Aden ar ins, dem Ehrendoktor der Gießener philosophischen Fakultät, herausgpgebenenRundschau über Dichtung, Theater, Musik, bildende und angewandte Künste", deren Bildungswert gar nicht genug gewürdigt werden kann, eröffnet ein Aufsatz von Oskar SchwindrazheimWie einer die Schönheit der Kleinstadt fand". Es will uns scheinen, daß sich,der Unterschied zwischen dem stilvollen Repräsentationsbau mit seinen verderblichen Folgen für unser deutsches Empfinden und der erst so spät entdeckten heimischen Schöne mit ihrer eigenen Formen­sprache und ihren besonderen Proportionen kaum mit zutreffen­deren Worten geben läßt, als es hier geschieht. Joseph Heß äußert sich überNeukatholische Belletristik und konfessionelle Kunst" und dann folgt eine Abhandlung Albert Schweitzers über Bachs Symbolismus". DieLosen Blätter" bringen einen Auf­satz von Max Ettlinger über Heinrich Hansjakobs Schriften und ausgewählte Stücke aus diesen. Die Rundschau enthält Artikel überWilhelm Raabe und wer ihn versteht"; in der Theater- Rubrik plaudert Adolf Winds' überSchauspielerische Indivi­dualität", die Abteilung Musik enthält Auffätze über das Jahrbuch der Musikbibliothek Peters für 1906 und diekünstlerische Aus­lese in der Musik" von Georg Göhler. Berichte überdas neue Wiesbadener Kurhaus" unddas deutsche Kunstgewcrbe 1906 Wien die Spalten, welche der bildenden und angewandteU Kunst gewidmet sind. Die diesmal beigefügten Bilder sind: Mondnacht in den Dünen" von Hubert Ritzcnhofen, eist farbiges Küstenbild" von Oskar Frenzel. Felix Krause zeigt uns em Stück der Meeresküste an der Ostsee.Wie man anbaut leider läßt uns ein Bildzur ästhetischen Kultur" sehen. Dre Notenbeilage ist ein Klavierstück in freier kanonischer Welse von Julius Otto Grimin. BL r t «n ti

Eine internationale Nummer ist das Heft 5 derMeister der Farbe" (Verlag von E. A. Seemann, Leipzig, xahrlich 12 Hefte zu je 2 Mk.), jener bekannten Sammlung farbiger Reproduktionen nach Originalen erster zeitgenössischer ^ Künstler. Dennoch liegt die Ruhe behaglicher Beschaulichkeit uoer beit sechs in wnndervollem Dreifarbendruck ausgesührten Blattern. Der Italiener Ciardi zeigt uns in Venedigs ehrwürdiger Lagune eine Barke, die im Gewässer still zu stehen scheint. Der Spanier Gallegos führt uns in einen vor Pracht strotzenden Blumen­garten, wie er nur in Spanien möglich ist. Meissonrers Pferde­studie, die nun folgt, ist von einer unübertrefflichen Natur- treue. Die Schöpfer der drei letzten Bilder sind amerikanischer Herkunft, aber von europäischer Schulung. James I. Shannon gibt ein Bildnis einer Dame, deren Anmut durch allerlei kolorsit. Zutaten [eminent reizvoll gestaltet ist. Walter Gay ist Meister in der Wiedergabe seltsam stilisierter Jnnenräume und fuhrt uns hier Delfter Porzellan vor, dessen feine Verzierungen zu leben scheinen. Auch F. C. Frieseke mit seinemMorgenfrühstuck geht auf malerische Wirkung aus. Zu dem künstlerischen Genüße/ den diese Bilder bieten, gesellt sich noch die köstliche Unterhaltung, die die literarische Beilage des Heftes gewährt. Siebringt interessante Künsllerbriefe (Spitzweg an Pecht usw.), sowie eine Reihe von Kunstnotizen, die für das kunstffeundliche Publikum von hohem Interesse sind. Das 6. Heft derMeister der Farbe , den Worps Webern gewidmet Overbeck, Am Ende, Modersohn, Vogeler, Mackensen sind mit ihren eigenartigen Billdern Zertreten/ deren Betrachtung immer eine geheime Freude an diesen chre Bodenständigkeit so kräftig betonenden Künstlern hinterläßt.