Ausgabe 
19.7.1907
 
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1907

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Kun Ken unter der Asche-

Roman von M. Pro 8 nitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.

(Fortsetzung.)

9. Kapitel.

Die Cvnr toter vorüber. Die Herrschaften hielten Cercle und die Gäste, welche weiter zurückstanden, tuschelten so leise, daß Bettlingen, wie sehr er auch seine Ohren anstrengte, die Worte nicht hören konnte. Wer die Lugen der Sprechenden ver­rieten es ihm, daß von Dagmar die Rede war. ,

Sein stolzer, zufriedener Mick flog zu ihr hin. Me meinte er sie schöner, anziehender gesehen zu haben als heute.

Ah, der Sonnenstrahl," hatte der Herzog in heller Be­geisterung gerufen, und Beltlingen dachte stolz, daß er mit dieser Mzeichnung das Rechte getroffen.

Das rvtgelbe Unterkleid des kostbaren Gewandes war von einem Ueberzug großmaschiger, echter Gvldgaze bedeckt, während das Oberkleid aus hauchzartem, weißem Chiffon bestand. Tiefe drei übereiuauderliegenden verschiedenartigen Stoffe ergaben nun bei jeder Bewegung ihrer Trägerin ein Farbenspiel, das wirk­lich tott leuchtende Sonnenstrahlen erinnerte. Ein schmaler Goldgürtel und um den Hals die kostbare Brillantriviere bildete,: den einzigen Schmuck dieser msiiniert einfachen Toilette.

Prüfend sah der Kammerherr sich um. Ah, seine Dagmar war ohne Zweifel die Schönste! Tas schien der Herzog auch zu finden, denn immer wieder wandte er sich der hohen, stolzen Fvauengestalt zu, deren lächelnde Lippen dem Frauenkenner gleichzeing von heimlichen Seufzern zu erzählen wußten, eine Vermutung, die ihm der seltsam ernste Ausdruck in Dagmars Angen zu bestätigen schien.

Ein leiser, kann: merklicher Hauch von Schwermut war über ihrem ganzen Wesen ausgebreitet. Freilich gab ihr das nur noch mehr einen gewissen Reiz, aber eben diese sanfte Trauer, diese stille Ergebung entging den Späherblicken der andern auch nicht. Laut und leise erzählte man eS sich andern Tages:Tie schöne Dagmar hat in der Ehelotterie eine Niete gezogen."

Wenn Dagmar das geahnt hätte!

Gradezu entzückt von dieser Wahrnehinung war Fredine. Sofort kokettierte sie unverhohlener denn je mit dem Kammer- Herrn. Ta schlug sie ja zwei Fliegen mit einer Klappe. Sich bereitete sic das Vergnügen eines ausgiebigen Flirts und Dagmar hoffentlich Aerger! Denn mit wahrem Hochgenuß sah sie die erstaunten Augen der Baronin, die verwundert den lebhaft reden­den Gatten streiften.

Noch um einen Schein wärmer setzte bte Gräfin die Unter­haltung ' fort, obgleich sie sehr wohl merkte, daß Beltlingen mit seinen geflissentlichen Höflichkeiten einen bestimmten Zweck ver­folgte. Und als der Name des Grafen Wehn: genannt wurde, wußte sie Bescheid. Ein genialer Plan durchzuckte ihr Hirn. Ah, sie würde es erproben, das berühinteeine Hand waicht die sandere". Wenn Beltlingen bereit Ivar sie wollte schon ihren Einfluß auf die Herzogin Mutter aufbieten!

Ihre Augen blitzten ihn herausfordernd an. Oh, über daS Extravergnügen nebenher noch die gehaßte Dagmar ärgern zu können! Denn daß der die lauge und lebhafte Unterhaltung, ; welche Beltlingen jetzt führte, nicht recht tour, sah Fredine wohl.

Nur deutete sie das Achselzucken der jungen Frau falsch, als diese sich langfam ins andere Zimmer wandte. Das war ledig­lich ein Eingestehen ihrer Ohnmacht über ihren Gatten, und noch nicht das, tvas Fredines schlechtes Gewissen daraus zu entnehmen glaubte. .

Als Dagmar in den Musiksaal trat, sah sie sich plötzlich Sprenger gegenüber, der sie mit ehrlicher Freiide begrüßte. Sie wußte nicht, wie es kam, aber sie fühlte sich auf einmal nicht mehr so einsam und verlassen.

Kvmmen Sie, Bsaronin, suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen zum Plaudern," schlug er behaglich vor. Bald saßei: sie itt einer großen, von Palmen gebildeten Nische. Sprenger schwatzte munter daraus los.

Von ihm erfuhr sie auch die bevorstehende Versetzung Borg­wardts, als befielt Nachfolger Uchdorf in Aussicht genommen sei.

Hoffentlich begleitet Bvrgwardt den Herzog noch zur Pürsche," sagte Dagmar gepreßt, und als sie beit erstaunt fragenden Blick des Rittmeisters sah, setzte sie erklärend hinzu:Ich habe mich so auf den" Besuch Kathis gefreut. Sie wollte dann aitch mit den Kindern kommen." , m r ,,

Na, vor dem ersten Juli ist Bvrgwardts Versetzung wohl nicht zu erwarten," meinte Sprenger.

Hoffentlich!" Das kam so recht aus Herzensgrund, daß es dem Rittmeister zu denken gab. Aber als er in ihr ruhiges Gesicht sah, glaubte er sich getäuscht zu haben. ,

In dem Augenblick ging Ihre Hoheit vorbei. Als 1^ Dag­mar gewahrte, redete sie sie an, sich huldvollst nach dem Schloß erkundigend. t.

Lächelnd sprach Dagmar die Bitte aus, die Hohe Fran in Veltlingen begrüßen zu dürfen. ,

Im Grunde ihres Her-ens war die gutmütige Herzogin von einer unglaublichen Neugier, darum versprach sie, sich den hübschen Vorschlag zu überlegen.

Und wird die Entscheidung günstig für uns auvsallen, Hoheit?" bat Dagmar schelmisch.

Tie Herzogin nickte gewährend. .

Lassen Sie niich nur noch mit der Gräfin Lindstrom ve-

Tagmar verbeugte sich dankend. Aber als sie sich aufrichtcte, trug sie den Kopf noch höher. Der Rittmeister sah sie^erstaunt au. Hatte sie sich schon so sehr ui die eitlen ^dan -i des Kammerherrn emgelebt? Ta merkte er, wie ihr Blick zu: Vel lingen hinslog. Noch immer schwatzte bie lachende Fredine mit

. tf>Ul In' dieser Nacht lag Dagmar lange schlaflos auf ihrem Lager. Tie Gedanken ließen sie nicht zur Ruhe kommen, die ihr unbarmherzig- die Summe ihrer Ehe zogen. Bnt peinlicher Deutlichkeit zeigten sie ihr das, was sie sich bisher nicht entgeh fteben wollte den elenden Egoismus Veltlingens.

Sie rang in bitterer Oual die Hände. Ten Glauben an