wirkt. „Der rote Hut" von Harrington Mann, Glasgow, stellt ein Brustbild dar, das in gedämpften Tönen lebhaft in der Farbe und doch nicht schreiend wirkt.
Ein „Damenporträt" von Franz v. Lenbach kommt einem Rembrandt nah-, es ist auf Gold gestimmt, bräunlich mit wenig Rot. Bon demselben Meister sind noch drei Köpfe ausgestellt, besonders möchte ich auf „Ernst von Possart als Richard III" Hinweisen.
Den Einfluß Michel Angelos empfindet man bei den drei im Saal 15 befindlichen Bildern von Karl Hofer, Rom. Me drei sind monumental aufgefaßt.
Der Raum 16 ist einfach und edel ausgestattet mit warm getönter Täfelung aus Birnbaumholz. Hier hängt auch das bekannte reizvolle Bild „Schneewittchen" von Viktor Müller, München. Zwei Köpfe von ihm in Raum 13 möchte ich noch kurz erwähnen, von denen der eine rote etwas an die venetianischen Meister erinnert.
Professor Jos. Hofmann, Wien, hat den Raum 17 ganz Weitz gehalten, nur die Eingänge sind mosaikartig gestreift. Darin nehmen sich die ausgestellten Gegenstände der Wiener Werkstatt gut aus und besonders gut stehen darauf die drei in der Farbe raffinierten Entwürfe zu Mosaikbildern von Gustav Klimt, Wien. Sein vor zwei Jahren in der Berliner Sezession ausgestelltes Damenporträt war aber doch feiner als die hier ausgestellten, wenigstens für meinen Geschmack.
Der von dem Bildhauer Cipri Adolf Bermann, München, für 15 seiner Skulpturen selbst ausgestattete Raum 18 ist in Silber und Weiß gehalten. Die Arbeiten sind meist 'ans hellgrauem Marmor, darunter die Büsten von bekannten Persönlichkeiten wie Emanuel v. Seidl, Franz v. Lenbach, Engelbert Humperdinck, Ernst v. Häckel.
Raum 20 ist gleichfalls von dem Hauptanssteller, dem bekannten Bildhauer Herrn. Hahn, München, eingerichtet. In 45 verschiedenartigen Gegenständen zeigt er die Vielseitigkeit seines Könnens, er hat Reliefs, Büsten, Brunnen, Statuetten, Denkmäler und Plaketten ausgestellt.
Die Wäiide des schönen Treppenhauses sind mit gelbbraunem Und braunviolettem Marmor bekleidet, die Decke ist grünlich-weiß. In der Mitte hängt ein mächtiger Kronleuchter, der mit blauer Emaille verziert ist. Die seitlichen Galerien sind auch mit Bildern behängt, leider kann man aber bei einzelnen nicht genügend zurücktreten. Erwähnen möchte ich das in goldigem Ton gehaltene Temperagemälde von Meinhardt Jacoby, Berlin, bett, schon Abgetönten „Abendfrieden" von Karl Schmoll v. Ersen- Werth, München, sowie die wirkungsvollem Blumen „Phlox Volt Karl Moll, Wien.
In dem angrenzenden schönen, von dem Architekten Prut- scher, Wien, entworfenen Raum 23 fallen vor allem die prächtigen, harmonisch abgestimmten Landschaften in Temperamanier von Ludwig Dill, Karlsruhe, auf. Besonders möchte ich ein wundervolles, unter den Besuchern der Ausstellung allgemein bekanntes Bild erwähnen, das den Titel „Der alte Schimmel" trägt. Der alte Schimmel steht gesattelt in ruhiger Porträtstellung im Schatten vor einem lichten Hintergründe, der aus Wasser, hellen Häusern und lichtem Himmel besteht; seitlich schließen Bäume das Bild ab. Das Ganze ist in gedämpften Tönen gehalten. Schön in der Farbe und streng in der Zeichnung sind auch zwei Bilder von Karl Anton Reichel, Salzburg, namentlich ein. Mädchenbildnis auf Goldgrund.
Wand und Teppich des nächsten Raumes 24 sind blaugrün, darauf stehen die effektvollen, farbigen Gemälde von Otto Hierl- D e r o n e o, München, sehr gut.
Bon Hugo von Habermann, München, hängt im Saal25 ein weibliches Bildlnis aus dem Jahve 1875, das an die Mal- weise von Belasquez erinnert und mir sehr gut gefällt, dagegen kann ich Mich nicht mit seiner modernen Manier mit den tiefen schwarzen Schatten 'befreunden. Schön in der Wirkung ist eine Landschaft von Austen Brown, Edinburg, die ganz licht gehaften ist. In Form und zeichnerisch schön und ruhig in der Farbe ist "dias Gemälde von Maurice Greiffenhagen, Glasgow, „Tie Sohne Gottes und die Töchter der Erde".
Wilh. Trübnev, Karlsruhe und seine Frau haben in Saal 26 eine Abteilung für sich. Seine Sachen sind von früheren Ausstellungen alle bekannt, von Frau Trübner waren mir zwei Gemälde von Schloß Hemsbach neu. Bon Gust. C o u r b e t, Paris, ist ein „Bauernjunge im Wald" ausgestellt, das Bild wirkt lebhaft, aber nicht unruhig. Von Georg S au ter, London, Möchte ich das sehr reizvolle Bild „Unter dem Eingang" erwähnen und das in Saal 28 befindliche „Morgenbesuch", eins der delikatesten Bilder in der ganzen Ausstellung, auf Schwarz Md Gold gestimmt.
Gustav Schönleber, Karlsruhe, der seit Jahren schön ab- gestimmte Landschaften,-meist bei bedecktem Himmel malt, ist Mit verschiedmartigen Sachen vertreten, im Saal 27 hängen vier davon. Einen feinen Effekt erzielt auch die im Katalog nicht auf- gefuhrte Landschaft von Thanlow.
• N<nm Mädchen in Weiß" von I. M. Neil Whistler rn sa«al 28 ist schm schön gemacht, ganz licht gehalten, nur belebt
durch einige blaue und rote Reckest. Zwei Bildnisse von Robert Weise, Stuttgart, möchte ich erwähnen, die edel im Äusbdu und sehr wirkungsvoll sind. Schöne Landschaften von I. W. Morriee, Paris, möchte ich' auch nicht unerwähnt lassen.
Aus den sorgfältig zusammengetragenen Kunstschätzeu habe ich nur einzelne herausgegrifsen, die mir besonders gefielen oder sich fest der Erinnerung einprägten, was aber nicht ausschließt, daß viel Schönes, Baachtungswertes unerwähnt geblieben ist. Einige der erwähnten Namen bürgen dafür, daß bon vornherein an die Ausstellung ein hoher Maßstab gelegt werden kann. Und neben vorzüglichen Engländern, Schotten, Franzosen, die hier vertreten sind, seine besondere Stellung zu behaupten, ist eine Ehre, und die Deutschen haben diese Plwbe gut bestanden. Jeder, der Interesse an der Kunst hat und sich die Gelegenheit verschaffen kann, sollte diese Ausstellung besuchen.
PsrmSsch-es.
* Ter „dickste Bräutigam" auf Erden. Aus New- iwrk wird berichtet: Ganz Georgia ist stolz auf seinen Bürger W. T. Brinson, den es zärtlich das „Mastadvn von Waheroß" nennt, und der mit seinen 570 Pfund auch einiges Anrecht auf diesen Kvsennamen hat; und es hat mit liebevoller Teilnahme den Roman dieses „größten Herzens in der Welt" versiolgt, der jetzt mit einer glücklichen Hochzeit geendet hat. Gott Amor scheint, wie er den Unterschied der Jahre so oft mißachtet, auch in der Verschiedenheit des Gewichts kein Hindernis 'für wahre Liebe zu erblicken; denn dieser „dickste Bräutigam! auf Erden" hat eine Braut heimgeführt, die nur wenig über 100 Pfund wiegt. Die Werbung war aber mit einigen Schwierigkeiten verknüpft; Miß Lneia Allen wohnte etliKi 100 englische Meilen von ihrem Bewerber entfernt in Seperton, und so glühend die Sehnsucht auch war, es ist dem Bräutigam doch nur einmal gelungen, die verhältnismäßig kurze Reise zu machen. Die Eisenbahnen von Georgia sind nicht für Sechszentnermänner gebaut, und mit einem Taillenumfang von acht Fuß und einem Kniemaß von zwei Fuß acht Zoll konnte Mr. Brinson kaum auf einem gewöhnlichen Sitz in einem Eisenbahnwagen Platz finden. Er nahm zwar vier Sitze, je zwei, die einander gegenüberlagen; aber auch so konnte er sich kaum bewegen/ und als er nach der ersten Fahrt glücklich wieder nach Hause gelangt war, stand feilt Entschluß fest: „Das machen wir nicht wieder!" Sv mußte sich der feurige Liebhaber mit dem Bries- schreiben begnügen; Tag für Tag sandte er seine Botschaften, und allmählich kam er seinem Ziele näher. Bor zwei Jahren hatte er seine Werbung begonnen, und vor drei Monaten stellte er seinen formellen Antrag und erhielt das beglückende „Pes". Ten Verlobungsring mußte er freilich eingeschrieben mit der Post schicken, und die Braut steckte ihn sich selbst an den schlanken Finger. Bor kurzem waren nim alle Vorbereitungen erledigt, und die Braut trat allein die Reise zu ihrer Hochzeit an. In Waycwß empfing sie der Bräutigam, der einer der größten Ter- pentinhändler im Lande ist, auf der Station und führte sie in dem riesigen, extrafesten Wägen, den er für sich hat bauen lassen, znm Reverend und nach erfolgter Trauung in fein hübsches Haus, dessen Ausstattung und Möbel gleichfalls den besonderen Bedürfnissen seines Besitzers angepasst sind und daher etwas zyklopische Formen auftveisen.
* Was man aus altem Zeitungspapier machen kann. Bei uns ist man froh, wenn sich für das alte Zeitungspapier irgend ein Käufer findet, der ost kaum einen Bruchteik des Wertes dafür zahlt. In England ist man neuerdings viel praktischer — man schmückt fein Heim mit Arbeiten aus Makulatur. Man schneidet das Papier in kleine Stücke und weicht diese, bis sie zu einer weichen Masse geworden sind, denk Papiermacho. Dieser Brei wird nun durch eine kleine Mahlmaschine, wie man sie in jeder Küche hat, noch seiner zerrieben und ist nun fertig zur Arbeit, die auf einem Holzbrettchen vorgenommen wird. Die Masse wird mit dem Modellierholz zu Rgürchen geformt, die dann als Fries eines K'inderzimmers Verwendung finden. Der Künstfertig^it wie der Erfindungsgabe ist bei den Arbeiten aus altem Zeitungspapier der weiteste Spielraum gegeben. _______
Versteck-Rätsel.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer."
Schmorbraten — Magenbitter — Stnndisten — Edelwild — Schatzgräber — Goldfischchen — Schwimmlehrer — Munterkeit — Oldenburg.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs aus voriger Nummer: Hast einer Welt Besitz du dir gewonnen, Sei nicht erfreut darüber, — es ist nichts i Und ist dir einer Welt Besitz zerronnen, Sei nicht im Leid darüber, — es ist nichts!
Vorüber gehn die Schmerzen wie die Wonnen: Geh an der Welt vorüber, — es ist nichts! Amvari Soheili.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Vetlag der Brühl'schen Universttäts-Buch» und Steindruckerei, R. Langem Dießen.


