Ausgabe 
19.6.1907
 
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Parke der Orangerie zu Darmstadt 1904 war vollendet in der Wirkung. Die Ausstellungsbeete, Treibhäuser, Sondergärten waren so geschickt angebracht, daß das Gesamtbild des streng an­gelegten Parkes völlig gewahrt blieb.

In Mannheim ist der Friedrichsplatz am wirkungsvollsten, obgleich anzunehmen ist, daß er unter normalen Verhältnissen ohne Hauptrestaurant und Absperrzaun ruhiger und großzügiger wirken würde, da daun ja auch die Architektur der umgebenden Häuser mehr zur Geltung käme.

Gleich am Eingang sind zu beiden Seiten zwei große Rosen­beete, die nach Farben obgestimmt sein sollen; dieser Genuß steht den Besuchern zur Zeit der Rosenblüte noch bevor. Nm das große Wasserbecken und an den Rändern der Rasenplätze waren Tulpen gepflanzt, deren Blütenpracht leider dahin war, von deren Wirkung man sich aber noch annähernd ein Bild machen konnte.

Auf der Augusta-Anlage sind einzelne dekorativ angelegte Blumen- und Rosenbeete. Ans Ende der eigentlichen Ausstellung ist ieiit Reklame-Pavillon der Sunlightgesellschaft hingestellt, der seine Wirkung zwar in keiner Weise verfehlt, sympathischer wäre es aber, wenn dieser Pavillon zur Aufnahme von Blumen, nicht zur Reklame von Seife diente. Seitlich von der Anlage, etwas niedriger, liegen vertiefte Farbengärten, die zurzeit gerade uichts besonderes boten. Noch etwas tiefer zwischen zwei Alleen, im äußeren Winkel begrenzt von den Hallen für gewerbliche, Obst-, Palmen- und wissenschaftliche Ausstellungen, befinden sich die .Sondergärten.

Den richtigen Eindruck von diesen Gärten hat man noch nicht, da an vielen Stellen noch gebaut wird und viele Pflanzen durch die ungünstige Witterung in der Entwicklung gehemmt sind. Zwischen den parallel laufenden Baumreihen ist zunächst der zwanglos angelegte Garten von Goos und Könemann, die ihre schönen bekannten Staudengewächse vorführen. Daneben be­findet sich der größte dieser Gärten von bcnt bekannten Keramiker Prof. Laug er, durch niedrige Mauern und Hecken eiugeteilt rn verschiedene Abteilungen, die teils wirkungsvolle Teppichbeete, teils Laubengänge enthalten. In der größten mittleren Abteilung ist. ein offenes Sommerbad aus Marmor und ein Badehaus für den Winter. Plastik und Keraniik sind verschiedentlich angewandt. Die Idee ist ganz interessant, aber das Ganze wirkt nicht einheitlich genug, zu sehr abgebuchtet. Das Gleiche gilt von dem an­stoßenden Garten von Professor Behrens. Von der Terrasse des erhöht liegenden Gartenhäuschens überblickt man die Anlage. In der Mitte ist ein großes Blumenbeet, seitlich davon Rasen und daran grenzend stehen streng geschnittene Kulissenwände von -phuia, die je drei Gänge bilden mit kleinen Springbrunnen am .Ende. Ringsherum zieht sich ein weiß gestrichenes Holzgitter, das die Hecken überragt. An Reiz fehlt es dieser Anlage gewiß nicht, aber wer Arbeiten von Behrens kennt, wird sich eine Vor­stellung davon machen können, wie geometrisch streng sein Natur­theater gehalten ist.

Die von der Darrnstädter Ausstellung her so vorteilhaft be­kannte Firma Heinr. Henkel, Darmstadt, die in der Züchtung von Wasserpflanzen ganz hervorragendes leistet, hat den Versuch gemacht, auf ihren Platz ein japanisches Gärtchen hinzuzaubern mit Teichen, Brücken, Pavillons, vielen Blumen, namentlich am Wasserrande, um den Effekt der Spiegelung zu geben, und auf dem Wasser, mit figürlichem Schmuck, Vasen und einer graziösen Wandelhalle als seitlichen! Abschluß. Natürlich kann dieser Mi­niaturgarten nicht den Reiz eines echten japanischen Gartens haben, über viel Anregung kann der Besucher doch daraus schöpfen.

Auf der anderen Seite des Mittelweges ist noch ein von hohen Mauern umgebener Hausgarten von Professor Schultze-Naum­burg,. eine rein dekorative Blumenanlage von Professor Bil- l i n g zu beiden Seiten der Haupttreppe zur Ausstellungshalle und ein Ziergarten von Gebrüder Röthe, Bonn.

Meine Betrachtungen möchte ich kurz noch einmal dahin zusammenfassen, daß mit mehr oder weniger Geschick auf Wirkung in Fornr und Farbe hingearbeitet ist, daß die gegebenen räum­lichen Verhältnisse aber einengend ivirken, und daß die Künstler dadurch über Gebühr zu rechtwinkeligen, geschachtelten Anlagen, hingedrängt wurden.

Ganz anders verhält es sich mit der i n t e r n a t. Kunstaus -- st e l l u n g. Jeder Aussteller ist durch verständige Wahl des Platzes gewürdigt worden. Meines Wissens hängt nicht ein Bild über dem andern. Dem Leiter der Ausstellung, Professor Ludwig Dill-Karlsruhe muß unumwunden Anerkennung gezollt werden für die große Sachkenntnis und Unparteilichkeit, welche ihn ge­leitet Haben, und für den intimen Reiz, den er der Ausstellung in hohem Grade zu verleihen wußte, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe.

Die Ausstattung der Räume ist sehr mannigfaltig und wurde nach Entwürsen des Erbauers Herm. B i l l i n g, sowie verschie­dener anderer Künstler ansgesührt. Ludwig Dill hat beim Hängen der Bilder nach Möglichkeit dastir gesorgt, daß die Stimmung und namentlich die Farbengebung derselben zum Raum paßt. Unterstützt wurde sein Vorhaben dadurch, daß einzelne Künstler "tote die Bildhauer Hahn und Bermann, die Räume für ihre Werke selbst ausgestattet haben. , , '

Zu beiden Seiten des prunkvollen, mit echtem Material, meist Marmor, ausgestatteten Treppenhauses befinden sich unten und oben Ausstellutiasräume. Hinter dein Trevvenbau ist der große

Kuppelsaal, an den sich beiderseits im Erdgeschoß noch einige Räume Leihen, die provisorisch speziell für die Jubiläumsaus­stellung errichtet find.

Im Kuppelsaal sind meist große Tafelgemälde aufgehängt. Dort sind unter anderem der aus einer Abbildung in derJugend" bekannte auf Rot gestimmteHerbst" von E. R. Eichler, die in ruhigem Ton gehaltenen auf Braun gestimintenWallfahrer" von Egger-Lienz, das sehr dekorativ behandelte Kolossalgemälde Rückkehr von der Kreuzigung" von Arth. Melville, London. Außer zwei prächtig gemalten Ochsen mit Hirt von dem bekannten Tiermaler Hrch. Zügel und dem schön abgestimmten, bei uns be­kannten BildeHessische Bauer n" von Karl B a n tz e r, Dresden, möchte ich ein in diesem Saale befindliches Bild von Haus Bühler, Karlsruhe, das koloristisch und zeichnerisch große Vor­züge hat, erwähnen und etwas eingehender schildern. Zwischen rötlichen Felsen hindurch blickt man auf das blaue Meer, auf dem in weiten Bogen lichte Wellenlinien kreisen, die nach den: Hinter­gründe zu immer enger werden und die Fläche goldig erschimmern lassen. Anr Horizonte zieht sich ein schmaler Landstreifen hin und darüber wird ein Stück Himmel mit rötlich gefleckten Wolken sichtbar. Im Schatten auf dem rechten Felsen sieht eine scharf gezeichnete, nackte Jünglingsgestalt in bronzefarbenem Ton, den Blick verlangend aus das ferne Land gerichtet. In zwei schmalen Seitenfeldern sind zwei goldige Figuren schwach angedeutet.Deni unbekannten Gott" nennt der Künstler die Komposition.

Der Kopf eines Malers von Ivan Thiele, Paris, in Saal 3 ist technisch ausgezeichnet, breit behandelt, von kräftigem Kolorit. Von Karl Haider, Schliersee, hängen in diesen: Raume zwei streng gezeichnete, sehr sein ausgeführte Landschaften. Vielen Malern fehlt der Glaube an das, ums sie schaffen, man sicht ihren Werken an, daß sie Herumtasten und probieren. Ilmgekehrt ist es bei Ed. von Gebhardt, der mit drei Stndienköpfen ver­treten ist, in diesem Raum mit dem vorzüglich ausgeführten Porträt eines Mannes mit langem Haar in goldigem Ton. Von Hans Thoma sind drei Bilder ausgestellt, der aus früherer Zeit stammcn.deWasserfall", zeichnerisch sclstm, wirkt etwas sehr wie ieiit alter Meister. Koloristisch felyr schön ist das Porträt eines Mädchens im Sessel von Ernst Oppler, Berlin, Kleid altrosa, Hintergrund duukelgrau, Sessel schwarz mit grünen und braunroten Flecken, Strümpfe schwarz, Boden dunkelrot. Der Kopf ist leider schlecht durchgeführt. Dieser Künstler hat im Raum 30 nochTie Spinnerinnen" in malerischem Kostüm, ein Bild von riihioer Wirkring. Sehr schön ist im Saal 11 auchDie Porträtfitzung".

Han.' Hanner, Dresden, zeichnet sich durch eine ernste, strenge Auffassung aus; davon zeugt in Raum 4 das Bildnis seiner Schwester, der Kops auf Schwarz, mit einem Bl'ätenkranze umgeben, undJunge Menschen", Akte eines sich gegen­überstehenden jungen Paares, auf schwarzem Hintergrund, in Saal 26. Interessant ist auch von Adolf Heng-eler, München, einKind in Weiß", wuf einer Wiese sitzend. Ein anderes von ihm,Amor mit Blumenkorb", mit rosa Blumen bekränzt, im Saal 12, wirkt auch ungemein reizvoll. Ein Bach zieht sich durch die blumige Landschaft, im Hintergründe sind Schneeberge.Mrs. Cunninghams Graham" von John Lavery, London, hat eine schöne Stellung, ist breit gemalt und ruhig in der Wirkung. Von diesem vorzüglichen englischen Porträlmaler ist in Saal 10 noch eine schöne Fran". Das Bild hat wenig Farbe, ist aber vornehm in der Wirkung, auf goldiges Grau gestimmt. Sein drittes Bild in Raum 27, betitelt:Die Hängematte", ist auch wirkungsvoll komponiert. Eine junge Dame in lichtem Gewände liegt lesend in grüner Matte, ganz im Schatten des grünen Laubes; eine Lich­tung gewährt einen Durchblick in sonnige Landschaft.

Fernand Khnopff hat in einer besonderen Abteilung seine strengen Zeichnungen ausgestellt und den vorzüglichen Mar­morkopf einer Engländerin mit schwach getonten Lippen und Augenbraunen. Namentlich das Profil sehr anziehend.

Nebenan sind die Wände gelb und weiß gestreift. Von diesem Hintergründe heben sich die Werke Franz von S t u ck s mit ihren lebhaften, sprühenden Farben sehr gut ab. SeinChristus im Grabe" erinnert im Aufbau an Böcklin, läßt aber kalt. Bekannt ist sein BildLiebesschaukel", das schön in der Farbe auf Gold und Blau gestimmt ist. Seine Bilder sind koloristisch äußerst fein, ja geradezu raffiniert, laiber zu sehr auf Effekt berechnet, dagegen wirken seine Skulpturen in ihrer edlen, strengen Form direkt klassisch.

Raum 8 gehört Henri Evenepoel mit 12 Bildern.Hen­riette", ein kleines Mädchen in schwarzgrüner Kappe und gleich­farbigem Kleide auf rotbraunem Hintergründe wirkt sehr an­ziehend, und nur das Letzte fehlt, um es als alten Meister gelten zu lassen. Dasselbe gilt noch mehr von dem BildeDie Loge".

Drei schöne Landschaften in ruhigem Ton hängen in Saal 10 von Alfred East, London, Herm. E i ch f e l d, München und Hans Schrödter, Karlsruhe, sowie das gute Porträt einer Reiterin in Schwarz von Will). Nicholson, Plocmsbury. Die Lautenschlägerin" von Friede. Fehr, Karlsruhe, sitzt im Vorder­grund im Lichte mit dem Rücken dem Zuschauer zugewaudt, ist in goldigem Grün g ehalten, die Zuhörerin und alles klebrige befindet sich im Schatten, wodurch eine ruhige Stimmung erzielt ist.

Von Franz Hoch, München, hängt im Saal 13 eine Landschaft Abend", die auf Blau-Grün gestimmt ist und angenehm ruhig