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Er hatte ihr nie „Sen .Hof gemächt", wie man so sagt, aber wo sie war, dsi war er auch. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit verstand er auf fast allen gesellschaftlichen Veranstaltungen mit ihr zusammen zu treffen. Sein strahlender Blick grüßte sie zuerst, wenn sie ins Zimmer trat.
Ob die andern diese heimliche Zwiesprache merkten? Dag-- mar wußte es nicht. Es Ware ihr auch gleichgültig gewesen, denn daß sie jeder um den Geliebten beneidete, hätte sie in ihrem seligen Stolz nur natürlich gefunden. Was fragte ihr Herz danach, daß er einer der Reichsten unter den Kameraden war?
Und dann kam das Regimentsfest — ein großer Kostüm- ball, zu welchem zahllose Einladungen ergangen waren. Erdrückend voll wars in den großen Räumen. Da trat Dagmar, schön wie ein Märchen, in den Saal, mit leuchtenden Augen, die Wangen von rosigem Schimmer überhaucht. Ein glitzernder blaßblauer Stoff umfloß in Weichen Falten ihren schlanken Körper. Ihre langen, goldblonden Haare, deren aufgelöste Pracht fast bis auf den Saunr des Kleides reichte, waren von Perlenschnüren durchflochten. Sie aber hörte nicht das erstaunte Flüstern, Vernahm nichts von dem beifälligen Gemurmel — sie sah nur ihn. Und was seine Augen ihr sagten? Liebe — Liebe — Liebe. —
Da stieg dem kühlen Nixlein ein feines Rot in die Wangen nnd das Rot iviard zur L>he — und die Augen gaben seinen Augen Antwort :--- hold und wunderselig . . .
Sacht wandte sie sich nach einiger Zeit und schlich vorsichtig in den Palmensaal. Der lag weitab vom Lärm des Festes, hinter dem Wintergarten. — Und der eine, der es merkte, tat ebenso. . .
Kein Wort sprachen die beiden anfangs. Dann beugte er, der ihre hohe, schlanke Gesisalt um ein Beträchtliches überragte, sich langsam nieder und küßte sie, so ehrfurchtsvoll wie inan ein Heiligtum berührt, und doch so heiß und leidenschaftlich wie es nur glühende, voll begehrende Liebe kann . . .
„Laß uns wieder %it den andern gehen," bat sie endlich leise, „man könnte sonst unsere Abwesenheit bemerken."
Er lachte froh.
„Was schadet das, mein Schatz? Lange dauert-es ja doch 'nicht mehr, dann erfährt es die staunende Welt, daß die stolze Baroneß Rolfsen, eine einfache Frau von Uchdorf werden will."
Sie blickte ihn strahlend an.
, „Wart, du Böser, zur Strafe sollst du noch drei Tage dein Glück geheim halten. O das wird ein Hauptspaß, wenn dann die Leute kommen und mir zum Geburtstag gratulieren wollen und wir sagen dann ganz ehrbar: „Ach, Sie meinen wohl zur Verlobung?" Sie lachte silberhell. „Aber fomm, jetzt müssen wir wirklich gehen."
Er zog sie nur fester an sich.
, /»Nein, mein Herz, noch nicht, denn" — er lauschte — „jetzt wrro grade die Quadrille gespielt. Nachher, wenn der Walzer klmgt. Lachend summte er die Melodie ihres Lieblingstanzes: -„Liebchen, &min mit in das duftige Grün."
,, blieb sie. Ach wie gern! „Liebchen, komm mit in das duftige Grün," war Ms seine fröhliche Antwort auf ihr Mahnen — bis der Walzer klingt.
- Walzer erklang. Ob es grade der erste war nach jener Quadrille? Wer von ihnen hätte mit dem andern darum gestritten? Und als er dann ertönte, gingen sie in den Saal Md tanzten zusammen. O himmlisches Gleiten und Wiegen!
Langsam! kehrte DagMar in die Wirklichkeit zurück und n^uute. Wie konnte msin nur in so kurzer Zeit so unendliches Glück durchkosten, wie sie es eben empfunden hatte? Im Voll- gefuhl ihres Glückes hätte sie jubelnd die Arme ausbreiten Nijögen. Wie schön, wie wunderschön war doch das Leben'
Tie Geigen lockten imd sangen zum Tanz. Rascher rollte den beiden Glücklichen das Blut durch die Adern. Feuriger ward sein Blick, zärtlicher ihr Lächeln. Glückselige Gegenwart — voll ausgekostet!
„Auf die noch glücklichere Zukunft."
Mit siegesfrohem Lächeln hob er Bei Tisch die Sektschale M ihr hin. Leise klirrte das feine Kristlall zusammen — Dagmars Glas ging in Scherben. —
„Auf morgen," suchte er i)ie plötzlich Erblaßte zu trösten. Da kachelte sie gläiibig zu ihm auf. (
ft u, das schöne „Morgen" kam. Ter Oberst gab Uchdorf bewegt die Härlde seines einzigen Kindes. Wenn er auch im Grunde fernes Herzens froh war, die Zukunft TagMarÄ durch diese in lebet Hinsicht glänzende Partie gesichert zu sehen, so
b.ettl ..sartlicheii Vater, doch schwer, schon so bald m die Hochzeit, sie sollte in acht Wochen sein, zu willigen.
-,Eiu ' stück, daß ich euch noch die zwei Tage bis zu DagMars
Geburtstag für mich habe," hätte er halb wehmütig gemeinf „Nachher ist doch so viel Trubel, daß man kaum zur Besinnung kommt."
Zwei volle Tage in Glück und Frohsinn hatte das heiM- liche Braiitpaar genossen. Tann kant Uchdorf am Morgeii ton Dagmars Geburtstag schreckensbleich angestürzt. Er war bettelarm! —
Sein Vater, welcher zusammen mit seinenl Vetter, denk Majoratsbesitzer von Uchdorf, die Verwaltung des großen Fannlien- stiftes leitete, mußte mit diesem für die Unterschleife ein- treten, welche der Rentmeister feit Jahren in überaus geschickter Weise begangen hatte. Er verlor dabei fast fein ganzes Ver-- mögen. —
Tas war die Hiobspost, die Uchdorf brachte. Es waren schreckliche Stunden, die nun folgten, denn mit eiserner Energie bestand Tagmars Vater darauf, daß die Verlobung aufgehoben wurde. Lange faßen die beiden Männer in tiefernstem Gespräch zusammen. Und als sie aufstanden, liefen dem Oberst die hellen Tränen in den Bart.
»Es ist das einzig Richtige, Uchdorf. Ich weiß, was es Sie kostet, diesen Schritt zu tun, und ich achte Sie darum nur noch höher. Glauben Sie mir, ohne Geld ist eine Offiziersehe nur ein glänzendes Elend — und außerdem müßten Sie min- destens zwölf Jahre bis zum Rittnieister erster Klasse lvarten. Ich ioerde Tagmar das auseinander zu setzen suchen. Schreiben Sie ihr."
• Mit festem Händedruck schieden die beiden Männer voneinander — auf Nimmerwiedersehen — denn noch während seines sofort angetretenen Urlaubes erhielt Uchdorf feine Versetzung nach Ost- Afrika und bei seinem Abschiedsesseil fehlte der Oberst. Eine anscheinend. leichte Erkältung zwang ihn aufs Krankenlager, von welchem er sich nicht mehr erheben sollte. Vierzehn Tage später, als Uchdorf längst lauf dem großen Wasser schwamm, gaben die trauemben Husaren ihrem hochverehrten Kommandeur das letzte Geleit . . .
Völlig betäubt durch die Wucht der Schicksalsschläge staud Tagucar da. Sie fror bis ans Herz ... so miitterfeefatnllein! —
Auf Einladung ihres Vormundes, des Grafen Heringen, blieb sie während der ersten Hälfte des Trauerjahres in dessen Hause. Teil Bemühungen seiner liebenswürdigen Gattin hatte sie auch ihre jetzige Stellung als Hofdame zu danken, die es ihr ermöglichte, in standesgemäßer Weise ihren Unterhalt zii erwerben. Da die Herzogin ein verblüffend hohes Gehalt zahlte,^ war sie int Verein mit dem geringen väterlichen Erbteil doch, bei einfachen Ansprüchen wenigstens, vor Sorgen geschützt. Dagmar seufzte. Vor Sorgen ja. Tas war aber auch alles. O wie dies ewige Einerlei sie manchmal ermüdete! Vorlefen — Besuche machen — oder empfangen — mit der Herzogin spazieren! fahren — wieder vorlefen —■ Theater — ober wie heute Hofball — und da mußte man erscheinen!
Gedankenvoll nahm Dagmar jetzt die Perlenschnüre aus der Truhe. Dann drückte sie den Deckel nieder. Mit einem eigentümlich hellen scharfen Knack schnappte das Schloß zu. Langsam ging Dagmar zum Kamin, wo sie sich in den bequemen Polsters- stuhl sinken ließ.
(Fortsetzung folgt.)
AieIuöUäums-ZusstkCungeKmWannheim1W7.
(Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl.").
Das eigentliche Ausstellungsgebiet für die diesjährige große Mannheimer Gartenbau-Ausstellung, deren Gesamtleistung dem Professor Länger- Karlsruhe übertragen wurde, ist, abgesehen vom Friedrichsplatz, die Augusta-Anlage und das seitlich davon tiefer gelegene Baugelände. Wie fast in ganz Mannheim, so sind auch die für die Ausstellung bestimmten, verhältnismäßig kleinen Flächen rechtwinkelig, und in diese Rechtecke sind wieder kleinere als Soudergärten hineinkonstruiert, eine Schachtelei ohne Ende.
Gewiß muß man mit beit gegebenen Verhältnissen rechnen, aber wenn der große Vergnügungspark mit für die Gartenbau-Ausstellung benutzt worden wäre, fo hätten die einzelnen Abteilimgen mehr auseinander gezogen und dadurch hätte eine ruhigere, größere Wirkung erzielt werden können. In dem Katalog steht, es lasse sich darüber streiten, ob die Attraktionen in eine Ausstellung gehören oder nicht; ich meine jedoch, man sollte sich darüber klar fein, daß ein Juxplatz nicht in die Ausstellung gehört, wenn letztere ihren eigentlichen Charakter bewahren soll und besoitders, wemt der Raum so beschränkt ist wie hier.
Die Hamburger Ausstellung von 1897 war großzügig. In das wellige Gelände mit See, großen Rasensiächen und schönen! Baumgruppen, fügten sich die Blumenbeete, die Obst- und Nutzbaumpflanzungen zwanglos ein, und die mächttge Blumenhalle war zeitweise sehr wirkungsvoll und harmonisch mit blühenden Pflanzen .ausgeschmückt. Auch die Ausstellung in dem schönen


