Ausgabe 
18.5.1907
 
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Aus einem dieser Briefe erfahren tvit, daß Scheffels ,erste Siebe" Julia v. Schlichtegroll war, die Tochter des Historikers und Platcn-Biographen Professor v. Schlichtegroll in München, bet dem Scheffel 1844 als Student verkehrte. Als vor dem Examen stehender Rechtskandidat schrieb er im Oktober 1847 aus Karlsruhe an Eggers:

Du wirst Dich erinnern, das; mir in der letzten Zeit in München die schöne kleine Julie Schlichtegrolt merklich gefallen hat, und das kleine Engelsköpschen hat mich in der Erinnerung durch alle» Saus und Braus des Studentenlebens begleitet und mehr- fach in meinen Herzkammern herumgespukt. In der Brachzeit des Kandidatenlebens, wo man oft Veranlassung hat, über Kompendien und Heilen noch an dies und das zu denken, ist mirs auch oit m den Sinn gekommen ich habe auch meinen Eltern schon davon gesprochen.' Wie ich nun am 2. September (NB. In meinem Notiz­buch steht nutet diesem Datum:Heut hab ich Giuiietta wieder- gesehen Herz krach und brich nicht!") gerade über inemem Land- recht sitze, erhalte ich ein paar Zeilen, Herr v. Schl, mit seinen zwei Töchtern sei hier. Ich gehe gleich hin, ivar freundlich em­pfangen und die kleine Julia war unterdes gar stattlich auigebluht, ohne daß sich aber das Zarte, Mignonartige in ihreni Wesen ver­wischt hatte. Ich zog mit ihnen in der KunsthnNe herum führte sie alsbald im elterlichen Hause ein und veranlaßte sie, einen ^.ag länger hier zu bleiben, während welcher Zeit ich natürlich Ang und Herz nur air einen Fleck gerichtet hatte. Dann gingen sie nach Baden und voll da nach Heidelberg. Ich bat um Erlaubnis, sie nach Heidelberg begleiten gn dürfen, um in meiner alten Musen- stadt als Mentor zu dienen. Dies lvard angenommen und ich verlebte vier Tage mit ihilen irr Heidelberg, die ich nie vergessen werde I Es war wahrhaftig viel Poesie darin, an Jrliiens Seite an all den prachtvollen Orten auf dem Schloß und in den Bergen, wie an den Neckarusern herumzustreifen und Zeuge ihrer naiv anmriligeir Frelide über all das Schöne, das ihr, die noch nie aus München weggekommell war, doppelt schön schien, zu sein. Ich schmeichelte mir, als Staffage in der Heidelberger Landschaft in ihrer Erinnerrmg auch nicht ganz vergessen zu werden."

Wie dieser Liebestraum dann ein jähes Ende erfuhr durch eine ihm bald darauf gar herb überraschende unvorherseh- bare poesielos nüchterne Nachricht, das sagt der zweite Teil dieses Briefes, den jeder Verehrer Scheffels, des Lieblings­dichters nicht nlir der deutschen akademischen Jugend, sondern jedes sich jugendfrisch fühlenden und erhaltenden Delltschen beiderlei Geschlechts, selber nachlesen möge. Der Brief endet:

Ich war wie vom Donner gerührt; es soll itzt das Engels- köpicben für mich nichts weiter als ein Traum teilt ich kann itzt erst mit Grund sagen:Herz krach und brich nicht I I"

lieber diese bittere Herzenserfahrung, die sich in Scheffel mit dem Bewußtsein seines Berufes zum humoristischen Dichter im Geiste des Hafis kreuzte, half ihm sein Jugendfrohsinn aber bald hinweg.Uebrigens als ein ä la Heine Zerrissener wandle ich darum nicht umher", sagte er von sich selber, und bald entstand zum Gaudium seiner Freunde im Karls­ruher Falstaff-Klub und bei den Heidelberger Frankonen, die von seiner Liebe nichts wußten, die Katerfrühstücks-Parodie auf Heines wehmutsvolles LiedEin Jüngling liebt' ein Mädchen", die von der unglücklichen Liebe eines Herings zu einer Auster handelt. Aber wenn er fünf Jahre später von Alt-Heidelberg sang:Auch mir stehst du geschrieben ins Herz gleich einer Braut", so gab ihm die Erinnerung an Julia v. Schlichtegroll den schönen Vergleich ein.

Wie schützt die Natur ihre GeschÄpse vor feindlichen Einflüssen?"

lieber dieses Thema sprach in der Hauptversammlung de§ Tierschutzvereins zu L a u t e r b a ch Oberlehrer Weide- Lauter­bach. Er führte zahlreiche Beispiele dafür an, wie die Natur ihren Geschöpfen Schutz gewährt gegen Kälte, Hitze, Nahrungsmangel, gegen mancherlei Feinde, wie sich das Haarkleid ändert, wie die Färbung sich der Umgebung anpaßt, sich mitunter sogar ändert. Bekannt ist ja die hellere Färbung des Wildes und anderer Tiere und Vögel im Winter, und die Gewohnheit der Tiere, die im Winter keine Nahrung finden, einen Winterschlaf zu hallen. Die Zugvögel verlassen uns, denn es fehlt den Jnsektenjägern an der gewohnten Nahrung. Hamster, Eichhörnchen und andere sammeln sich Vorräte für den Winter. Raben, Stare und Meisen bilden Eriverbsgenossenschaften und durchziehen das Land; bekannt sind Wanderzüge der Heuschrecken, die oit ganze Ernten vernichten. Manche Tiere haben die Fähigkeit, ein Uebermaß von Nahrung aufzuuehmen und können dann tage-, ja wochenlang hungern, z. B.

Schlangen, Blutegel, Kondor. Besonders sorgt die Natur für Wärmeschutzmittel. Im Norden sind die Tiere dichter behaart, im Süden fast nackt, z. B. Hunde, Pferde, Mamut, Elefant. Tiere der Eisregion besitzen weiße Felle, z. B. Eisbär, Polarfuchs, andere, wie der Seehund, der Wal, haben eine dicke Fettschicht um den Körper. Ein Wärmeregulator ist die Schweißausdunstung. Am Aequalor verfallen viele Tiere in einen Sommerschlaf.

Schutzmittel gegen äußere Verletzungen sind harte, dicke, ja brellarlige Haut, die noch mit borstenartigen Haaren besetzt ist, z. B. Wildschwein, Tapior, Elefant, sie sind dadurch gegen Ver­letzungen im Dickicht geschützt. Insekten, Schnecken, Schildkröten besitzen einen harten Panzers ES gibt sogar Tiere, die sich zum Schutz oder zur Nahrung Gehilien halten, z. B. die Ameisen und Blattläuse. Die Farbe gleich der Umgebung, so beim Laubfrosch, Hasen, im Wasser lebende Tiere sind auf dem Rücken dunkel, Polartiere sind weiß, die Bewohner des Urwalds bunt, Wüstentiere fahlgelb und gestreift, wie Zebra, Giraffe, Tiger. Nachlialter sind durch ein unscheinbares Graubraun vor Auffindung geschützt. Blanche Tiere können ihre Farbe sogar mit der Umgebung wechseln, so das Chamäleon, auch vom Laubfrosch wird dies behauptet. Ein sehr verbreitetes und wirksames Schutzmittel in der Natur ist ja bekanntlich das Wlimikry (Nachäfferei). Viele Tiere nehmen durch natürliche Zuchtwahl die Farbe und Zeichnung ihrer Umgebung (Blätter, Rinden re.) oder gewisser sehr geschützter Zierformen an. Das Rebhuhn läßt den Flügel schleifen und stellt sich verletzt, um so den Feind von Nest und Kindern abzulocken, die Sctier stellen sich tot, der Tintenfisch verunreinigt das Waffen, die Zikade bildet um sich einen Schaum. Waffen zur Verteidigung sind: Gebiß, Krallen, Hufe, Stacheln (Igel), Brennhaare (Raupen), Giitzähne, elektrische Schläge, Giftstachel (Biene). Igel, Tauseudsußarten und Asseln rollen sich zusammen, Pferde und Büffel bilden zum Schutz gegen wilde Tiere einen Kreis. Lebhafter Beifall folgte dem Vortrag. ___

Literarisches.

; Der erste Schritt. Es gibt eine große Anzahl Bücher, sogar dicke Bände über Pflege der Gesundheit, Voroen- gung gegen Krankheit re. Im allgemeinen werben Sie damit jedoch nicht viel anfangen können. Empfehlenswerter gerade für Sie ist das Halten einer gediegenen Zeitschrift, die sich mit der systematischen Kultur des Körpers befaßt. Uns ist eine MonatsschriftKörperkultur" aus eigener Anschauung be­kannt, die allgemein ^verständlich Vorzügliches von bewährten Autoren bietet. Trotz seiner Vielseitig^ und seiner schönen, zahlreichen Illustrationen kostet das Blatt bei freier Zustellung nur 3 Mk. jährlich. Der neue Jahrgang brachte in seinem ersten Heft der Januarnummer Aufsätze über Anmut der Bewe­gung, Turnen und Tanzen, Hautpflege in der Ballsaison, Kultur- barbaren im Salon, Tafeldekvrativnen nsw. Das zweite Heft beschäftigt sich ausschließlich mit dem Kinde: seiner Gemüts- bildung, Körperkultur, Zahnpflege, Ernährung nsw. iifiu. Das Märzheft bringt allgemeine Tagesfragen vom Gebiete der Körper­kultur, Psychologie des Weibes, Aesthetik in der Körperkultur rc.

Dem großen Aufschwung, den der prote­stantische Kirchenbau der Neuzeit genommen hat, und der in der Hauptsache dem energischen Zusammengehen von Architekten und Theologen moderner Richtung zu danken ist, widmet der bekannte Dresdener Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt eine fesselnd geschriebene, durch zahlreiche «lbbildungen noch instruktiver gehaltene Studie in der LeipzigerIllustrierten Zeitung" (Verlag von I. I. Weber, Leipzig). In großem Zügen werden hier die wesentlichsten Bedingungen nach historischen Ge­sichtspunkten festgelegt, aus denen die evangelische Auflassung der den Architekten von heute gestellten protestantiscyen Bau­aufgaben resultiert, die ein erneutes Vertiefen in die letzten, höchsten Ziele des kirchlichen Bauschaffens voranssetzen. Der Artikel ist nach Art und Inhalt ganz dazu angetan, tn Kuustler- wie Theolvgenkreisen Aufsehen hervorzurufen. , ,

Eine Gymnasiast en tragödie in toter Aufzugen Von Robert Saudek. Concordia Deutsche Verlagsanstalt Her­mann Ehbock in Berlin W. 50. Preis geh. Mk. 2.. Eine Dichtung, die Sein und Werden junger Menschen schildert, ist der Beachtung sicher. DieGymnasiastentragödie" i st von inniger Liebe für das seelische Geschick des werdenden Menschen er- Wlt. Ernst ''erfaßt Saudek das Problem des Jünglingslebens und weist auf seelische Abgründe.

Versteck-Rätsel.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer".

Regensburg Strengnäs Jagen Fischerin Erdbeeren Reisekleid Gießhübel Narrenpossen Nichtswürdtgkert Langmut Spiegelberg.

.Auflösung in nächster Nummer.f

Auflösung des Rätsels in voriger Nummert pur, Purpur.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.