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Hause. Beim Nachhausegehen werden tue am Orte wohnenden Gaste für den Nachmittag wieder eingeladen, der m allen Ge­botenen die Fortsetzung des ersten Tages bildet. Bm größeren Hochzeiten tvird sogar noch am dritten Tage gefeiert. Em Test der Hochzeitsgäste fährt mit dem jungen Paare mit ms neue Henn, um auch hier zu feiern. Zu einer solchen Hochzeit, die m diesen Tagen im Kreise Ortelsbiirg gefeiert wurde, warennur" folgende! kleine Vorbereitungen getroffen worden: ein Schwein von 3 Ztr. geschlachtet, 107 Kuchen gebacken, die in zwei Reihen durch eme Stube hindurch ausgestellt waren, eine Tonne Fische, .8 Achtel Bayrisch, 2 Viertel Braunbier, ein Fäßchen Rrmi, 60 Liter Spi­ritus, ein Fäßchen Likör und eine Anzahl Flaschen Wem usw. beschafft. __________

Bon der Wiege bis zum Gdübe.

Sitten und Gebräuche im Vogelsbergs. (Original-Artikel derGieß. Fam.-Bl.").

Obwohl schon vieles liber obige Tinge in der heimat­lichen Presse zur Veröffentlichung gekommen ist, so ist dem Leser jedoch noch manches unbekannt, namentlich sind es Gebräuche bei Familienfesten, an denen der Gebirgsbewohner zäh hängt und die er trotz unserer fortgeschrittenen Zeit nicht entbehren ino» In nachfolgendem sei hierüber einiges mitgeteilt: Erblickt ein Kind das Licht der Welt, so wird die glückliche Mutter bald von allen Frauen und Jungfrauen ; des Dorfes besucht. Bei diesem Besuche halten sämtliche Personen um die Patenschaft an, indem der Spruch:Ich wünsch' auch Glück zu dem Kleinen, dir zur Gesundheit und mir zur Got" von allen gesprochen wird. Jede der Besucherinnen überreicht als Gabe 2 bis 3 Vogelsberger Zwiebäcke. Hieraus wählen die Eltern aus dieserMenge" die Gevatterschaft aus, etwa 5 bis 10 Paten. In der Woche vor der Taufe geht der Vater des Neugeborenen zu den auserwählten Paten und sagt die Gevatterschaft zu, tvobei er mit Wurst, Brot, Schnaps und Kaffee tüchtig bewirtet wird. Nun kommen die Vorbereitungen zur Taufe. Zwei Tage vor ihr erscheinen die Patinnen, backen Küchen, säubern das Haus, breunen Kaffee und dergl. mehr. Am Tauf­tage bringt jeder Pate oder jede Patin eine Flasche guten Branntwein, 1 Pfund Kaffee und Zucker, sowie für die Mutter 4 Mark in bar. Sämtliche Frauen, die die Wöch­nerin besucht haben, werden zur Feier geladen. Sind schon ältere Kinder im Hause, so werden auch die Paten dieser Kinder geladen und dieisevatterleute" des vorletztgebo- renen Kindes müssen ebenfalls eine FlascheSchnaps" und eine Mark stiften. Eine jede geladene Frau schenkt 50 Pfg. Tie Jungfrauen tragen am Tauftage als Patinnen einen Myrtenkranz. Beim Taufakte müssen alle Gäste zugegen sein. Fällt die Taufe in das Winterhalbjahr, so folgt tn derselben Woche einStrickkranz". Am darauffolgenden Sonntage findet im engeren Kreise eine Nachfeier, sogen. Nachkindbett" statt, wozu die Paten und dieKaffee­köchinnen" der Hauptfeier geladen werden. An dem Sonn­tage nach der Taufe findet gewöhnlich der erste Kirchgang der Wöchnerin statt, wobei sie von den Patinnen begleitet wird. Ta der Kirchgang morgens vorgenommen wird, so reiht sich ein Mittagessen (Sauerkraut und Schweinefleisch) an. Jeder Pate hat das Recht, am Täge der heil. Taufe noch nahestehende Personen wie Geschwister, gute Freunde zu laden. Bon Weihnachten bis Neujahr sinden die be­wußtenGevattertage" statt, die mit einem Mittag- oder Abendessen (Sauerkraut, Schweinefleisch, Krapfen) emge- leitet werden. Ist das Kind 4 bis 5 Jahre alt, so wird es von den Patinnen gekleidet. Es bekommt sämtliche Kleidungsstücke. Bei ihrer Neberreichung findet eine Ferer statt Beim Eintritt in die Schule erhält das Kind von heu Goten (Paten) Schiefertafel, Griffelkasten und Lese­buch. Gelegentlich der Konfirmation schenkt jeder Pate 10 Mark und beteiligt sich an den Feiern in der Kirche und im Elternhause. Tritt derPetter" oder dreGote" in den Ehestand, so gibt es 10 Mark zum Hochzertsgeschenk, womit die Verpflichtungen ihr Ende erreichen. Ber Krank­heiten wird der Kranke von allen Dorfbewohnern besucht. Sfirbt er, so wird in der letzten Nacht (in einigen Dörfern noch Sitte) im Totenhause gewacht, ivobei es mitunter recht lebhaft zugeht, da auch hier der Schnaps nicht fehlen darf. An der Beerdigung nehmen fast sämtliche Bewohner teu. Schon vor ihrem Beginn versammeln sich die Leidtragenden im Sterbehause, wobei Schnaps herumgereicht wird.

LiLerat«r.

Im Märzheft der Neuen Rundschau (S. Fischer, Verlag Berlin) spricht Hugo von Hofmannsthal, der Dichter vonDer Tor und der Tod", über denDichter und diese Seit"; er legt die Bedingungen des dichterischen Schaffens dar und analysiert jdne Wünsche des modrenen Lesers. Alfvü» Kerr be­richtet über eine Reihe moderner Lustspiele, wobei besonders Bernard Shaw eine ausführliche Würdigung erfährt. Felix Pvppenberg läßt sich über eine Reihe neu erschienener Romane und Novellen aus. Albrecht Wirth erörtert Pie Lage unserer Kolonien, Karl Jentsch den Ausfall der Wahlen, Friedrich Glaser die Frage der Geldnot. Die belletristischen Beiträge des Heftes! bestehen in dem Roman der Helene BöhlauDüs Haus zur Flamm'", einer humoristischen Reiseerzählung von Joh. B. Jensen, einer Novelle aus dem Automobilsport von Otto Rung und Ge-, dichten von Max Dauthendey. Eine Reihe von Briesen des eng­lischen Dichters Krats, die über das, künstlerische Schaffen wundes bare Aufschlüsse geben, werden hier zum ersten Mab deutsch veröffentlicht.

Episode.

i .Von eure alde Frankfvrder. Wie ich mit määne Hernr Kollege Dem scheene Franksort fuhr entgege, .bat rmnerwegs, wie fich's gebihrt, E Mann die Fahrschei' revidiert. Da siug von määne Kameüade ; De Name dhu ich net verrate) Mich Aeäirer, ob dann Frankfort net Wie München e Perwnsperv hätt? Ei fieilich!" haww ich druff erwiddert, ,Sbor is ihr Wert jetzt sehr erschittert. Denn bei uns fährt der Zug wie fei! Direkt in Wartesaal enei!"

Berstett-Nätsel.

(Nachdruck verboten.)

Man suche ein Sprichivort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer".

Andernach Rapskuchen Berggipfel gefällt Vergiß­meinnicht Weitsichtigkeit Vom bürg Stammhalter Damenkrieg.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherz-Arithmogriphs in voriger Numnter: Anna Lena Alaunalle" Ella Null;

das Schlüsselwort heißt:Ulanen."

Auflösung der Preisrätsel in Nr. 196 der Fumilienblütter:

I.

Äöurgszng-RebuS.

Run ist sie da, die Weihnachtszeit, SDiit ihrer Pracht und Herrlichkeit.

Eiagegangeu sind 24 richtige Lösungen. D,e ausgesetzten Preis» erhatteim $e(ene Ulthokf in Gießen : Constanze v. Franken, Lexikon des guten Tones und der feinen © i11e.

2 Walter Leun in Großen-Lmden: Zwei technische Werke Aus Natur-und Geisteswelt".

3, Ernst Schäfer m Kinzenbach: Paul Kaiser, Pam $ C Kati Leib in Mainzlar: Paul Kaiser, Paul Gerhardt.

II.

Rösselsprung.

Im Hellen Glanz der Kerzen Erglänzt der WeihnachlSbaum l Was wir im tiefsten Herzen Zu wünscheu wagten kaun>, Was uns recht lieb und nützlich ist Hat heut' beschert der heit'ge Christ.

Eingegangen sind 42 richtige Lösungen. Die ausgesetzten vier ^tCl. Frau Lim Lindner in Grüiiberg:DieSpielschachteh ein lustiges Bilderbuch für kleine Leute. . .... hpr

2. Fritz Ritzel in Gießen: C. Falken horst,Aus der Zeit der Entdeckinrg Amerikas." , . gitl

8. Heinrich Piper m Gießen: S p o r t u n d S p r e l. b,

Bilderbuch.^er Q n $ in Steinbach: Zwei religionswissensch. Werke, Aus Natur und Geisteswelt".

Die Preise können in der G es ch ästs st e l le Gießener Anzeigers" in Empsang genommen werden. ~

Redakuonr Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scben Universitäts-Buch- und Sreindruckeret, «Lange. ®te8**