Ausgabe 
18.2.1907
 
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Dcnm lesen wir im viel aSgegriffenen Kalender des Dauern einigem Hausbuch nebst dem Gebetbuche, und endlich naht der Abend dieSitzweile", der die Familie wieder um den großen S'tfrß '?unt Nachtessen vereinigt.

Wieder spricht der Bauer das Tischgebet, dann schüttet che Bäuerin einen großen Topf voll gekochter Kartoffeln aufs Wisch­tuch und jeder schalt sich einen Haufen oder ern Häuflern je nach Bedarf und streut Salz darüber. Kartoffeln sind das Hauptnahrungsmittel der genügsamen Waldler, aus ihnen weiß die Hausfrau gar mancherlei schmackhafte Gerichte zuzubereiten. In ärmeren Familien ersetzen sie das Brot, das hier eben so selten ist, wie das Fleisch in den größeren Bauernhaufern.

Sind die Kartoffeln gesckMt, so gibt die Bänerm die Suppe auf, d. h. sie schüttet die im Böhmerwalde allenthalben geschätzte saure Suppe" in die große Schüssel, und nun löffeln alle cum dieser einen Schüssel und essen die Erdäpfel dazu. Drer- bis viermal gibt die Bäuerin auf, und wenn dre letzte Schusfel da­ran kommt, daun brockt der Bauer Brot in die Suppe, nach dem Von den einzelnen Essern eine förmliche Jagd mit den Löffeln

Ech^Tstche geht es abermals an die Stallftitterung und an die Aufräumung in der Wohnstube. Sind diese Dinge in Ord­nung gebracht,'so versammelt der Bauer seine ganze Sippe zum gemeinschaftlichen Nachtgebet. Alle müssen an den Wandbanken fnien und nachbeten, was er vorbetet, oft dauert diese. Andachts- Übung lange, und so mancher schlummert dabei ein. Aber reinem fällt es ein, sich hinwegzustehlcn, denn tn diesem Punkte ist der Hausvater streng und kritisch.

Und nun beginnt die Poesie des Winterabends ut der Wald- bauerufamilie. Die Weiber spinnen, die Männer stoßenZünd- hölz'l", die Dorfmädchen kommenin die Rokkenreise , bald stellen sich auch die Burschen ein, sie kommenin d Hansa . Wer aber folgen dem Bauer in die Schenke, wo wir die Gelegenheit haben, den gesunden Menschenverstand und Mutterwitz der Wald­ler kennen zu lernen, und noch im Traume wir nachten in der Extrastnbe unseres Gastgebers zieht das trauliche Frieden»bild der Waldbailernfamilie an unserer Seele vorüber.

* lieber die Ehescheidungsfrage in Italien schreibt dieKöln. Volksztg.": In der Thronrede zur Er- öfsnung der letzten Legislaturperiode 1901 wurde ein Gesetzent­wurf über die Ehescheidung angekündigt. Man weiß auch, daß infolge von Schritten, die die Königin-Mutter unternahm, die Re­gierung aus ihr Versprechen nicht wieder zurückkam. Die Be­fürworter der Ehescheidung haben aber nie aufgehört, darüber zu reden; sie erinnern jeden Augenblick in der Presse an die Worte, die König Viktor Emanuel HI. in seiner Thronrede dazu gesagt hatte. Eine große Rolle in diesem Feldzuge spielt auch em kürz­lich erschienener Roman, der den Titel führtUna ---onna (Eine Fran") und seit Wochen hier das Hauptgesprächsthema bildet. Die Urheberschaft die Verfasserin verbirgt sich hinter einem Pseudonym schreibt man verschiedenen ho-chstehenden Persönlichkeiten zu. Vor kurzenr hatte sich eine zahlreiche Zuhörer- schott im Collegio Romano eingejunben, wo der Professor Scipio Sighela (mit G. Ferrero, Verfasser des WerkesDie Psychologie des Irrsinnigen") überDie Ungerechtigkeiten der italienischen Gesetzgebung gegenüber der Frau" sprach. Der Redner ist einer der bedeutendsten und bekanntesten Verteidiger des Gesetzes über die Ehescheidung, nnd man erwartete, daß sein Vortrag haupt­sächlich dieser Frage gewidmet sein würde. Die Königin-Mutter Margherita machte indessen einen Strich durch diese Rechnung. Sie "erschien beim Beginn des Vortrages unerwartet im Saal des Collegio Romano, zu dessen Protektoren sie gehört. Die Gegenwart der hohen Dame veranlaßte Scipio Sighela, in feinem Vorträge von dem vorgefaßten Gedankengange soweit abzulenken, daß er nicht einmal das WortEhescheidung" zu erwähnen brauchtewagte" wäre wohl richtiger.

Die illustrierteFrauen-Ruudschau", die in ihren 8. Jahrgang eingetreten ist, hat sich immer mehr zu em em der vornehmsten, der Frauenbildung nnd den gesamten weiblichen Interessen gewidmeten Blatt entwickelt und dürfte wohl heute unter den 'modernen Zeitschriften dieser Art an erster stelle marschieren. DieFrauen-Rnndschau" ist ihrer tont ersten Aag an gestellten Aufgabe treu gebtieben und hat Heft für Heft un- ermüdlich Beiträge gebracht nnd Material zusammengettagen, um die Kultur der Frau zu heben und insbesondere allen tm Er­werbsleben stehenden und auf Erwerb angewiesenen Frauen Hülfe zu leisten. Jii den neuesten uns zugegangenen Heften halt sich Belehrendes iind Unterhaltendes, dauernd Wertvolles und für den Tag Wichtiges in vorzüglicher Form die Wage. Man steht, daß es das ernste Bestreben der Redaktion ist, auf allen Ge­bieten, die eine gebildete oder nach Bildung suchende Frau mter- ef fieren können, von guten Autoren Bestes zu geben. Ein Seit»

Redaktion: Ernst Hetz. Rotationsdruck und Verlag der Br

artikel von Dr. Ella Mensch' leitet den neuen Jahrgang ein, Else Rema gibt einen aktuellen Beitrag zur Frage der Krauken- 'chwestern, Walter Turszinsky berichtet von guten und schlechten Gagen und Marie von Helldorff schildert die Erwerbs­verhältnisse der Fran in der bildenden Kunst und im Kunst­gewerbe. In besonderer Rubrik wird das Neueste auf dem Ge­biete des gesellschaftlichen Lebens und des Sportes, ebenso auch der Mode behandelt, ein überaus spannender RoMan aus dem Berliner Leben mit dem TitelBerlins Ende" wird in Fort- 'etznngen abgedruckt. Die Juristin Dr. Raschke berichtet über die Rechtsstellung der Fran nach dem neuen ehelichen Güter­recht Im künstlerischen Teil findet sich ein hübscher Aussatz über den berühmten sranzüs. Maler Mittet, begleitet von zahlreichen vortrefflich wiedergegebenen Illustrationen, außerdem findet sich noch eine Anzahl trefflich ansgeführter Abbildungen, wie überhaupt das Aeußere der Zeitschrift einen sehr schicken und reizvollen Eindruck macht. Alle Frauen, die sich für das Neueste auf dem Gebiete der Mode und Franenkleidung interessieren, feien noch int speziellen hin gewiesen auf das Preisausschreiben über das ThemaDie Zukunft der deutschen Mode", worüber näheres von der Redaktion der Frauen-Ruudschau in Berlin NW. 87 zu erfahren ist. Wir können die reichhaltige Zeitschrift unseren; Lesern empfehlen.

Sfrracheüe.

Kollege.

GehörtKollege" zu den u n übersetzbaren Fremdwörter^, Ivie mancher behauptet? Durchaus nicht! Der Mutterspracye wird keine Gewalt ungetan, wenn wir dies Wort hier und da zu verdeutschen suchen. Zwar Amtsbruder eignet sich nicht immer, da es nun einmal eine Anrede ist und bleibt, die den Geistlichen gebührt und auch stets einen etwas geistlichen An­strich hat, kurz, etwas zubrüderlich" klingt. Aber wir dürfen unsereKollegen" doch kühnlichAmtsgenosseu" nennen, reden wir doch auch anstandslos von Altersgenossen, Leidensgenossen, Eid­genossen, Hausgenossen, Zeitgenossen und können dieGeiwsseu da wirklich nicht gut entbehren; ganz nahe verwandt sind dem Amts­genossen aber der Fachgenosse und der Berufsgenosfe, btc wett verbreitet sind. Gewiß mag man ab und zu den Kollegen und sogar die häßlicheKol-le-gi-a-li-tät" nicht umgehen können, aber sehr oft wird man mit Bedacht ton den folgenden deutschen Wörtern dasjenige anwenden können, das gerade am passendsten ist; für Kollege: Amtsgenosse, Amtsbrnder, Amts- gefährte, Berufsgenosfe, Fachgenosse, Kunstgenosse, Berufsfreund; für Kollegialität: Amtsgenossenschaft, Amtsbrüderlichkeit (wöbet dasGeistliche" gar nicht so sehr hervorttitt wie bei Amtsbrnder), Fachfreundschaft, Berufsfrenndschaft, Eintracht, Berufseintracht, Einmütigkeit, Zusammengehörigkeit, Zusammeirhalt, Zusarnmew. wirken, Gemeinsinn. Für das Eigenschaftswortkollegial" endlich ist gleichfallsamtsbrüderlich" durchaus nicht zu geistlich, denn es klingt gar nicht überschwänglich, wenn in Festreden z. B. von amtsbrüderlichem Gemeinsinn oder bei einem Unfall von amtsbrüderlicher Hülfeleistung die Rede ist. Sonst aber könnte je nachdem eins der folgenden Wörter angebracht und m der Regel deutlicher als kollegial fein, wenn es nur mit Geschick ausgewählt wird: einmütig, einträchtig, fach genos senschaftlich, ge­nossenschaftlich, freundschastlich, fachfrenndlich, beriifsireundlich, gemeinsiiinig, gemeinnützig. So vermeide man denn diese -Fremd­wörter überall da, wo durch eine derxtzahlreichen Verdeutschungen ihr Sinn gut ansgedrückt werden kann!

Bilderrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Auflösung in nächster Nummer.

Trient Ii,

Verona (

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Auswendig lernen sei, mein Sohn, dir eine Pflicht; Berchume nur dabei Jnwendiglernen nicht.

Auswendig ist gelernt, was dir vom Munde meßt, Inwendig, was int Sinn lebendig sich erschließt.

Rückert.

ü bllcben Universitäts-Buch- und etetnbruderei, R. Lange, Wietze«.