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die jüngere an den Pfarrei Karl Rall in Trusest im Kreise Schmalkalden verheiratet: die ältere aber, Baronin Konstanze Falkener wurde 1869 die Gattin des Prinzen Erich von Waldeck und Pyrmont. Diese Ehe wurde gegen den Willen des Fürsten Georg Viktor zu Waldeck geschlossen und ist unebenbürtig. Der Herzog von Sachsen-Meiningen war es, der Kvnstanze von Falkener und ihren Kindern 1885 den Grasenstand unter dem Namen „von Grebenstein" verlieh. Ihr einziger Sohn ist der Graf Volquin von Grebenstein, der seine Erziehung im preußischen Kadettenkorps erhalten hat und mit seiner Mutter und seinen Schwestern in Vacha an der Werra lebt. Er behauptet, die Ehe seiner Eltern sei standcsgleich gewesen und er sei ein ebenbürtiges Mitglied der fürstlichen Familie Waldeck. Diese Ausfassung ist irrig, da ihr hi-' Bestimmungen des Waldeckischen Hausgesetzes entgegenstehen. L ent der Graf Grebenstein sich nun seit einiger Zeit bald , f von Grebenstein-Waldeck" oder „Prinz von Waldeck und 1 'tont" nennt, scheint er eine gerichtliche Entscheidung über seine i etlichen Ansprüche herbeiführen zu wollen. Das einzige hierzu wäre ivohl eine Feststellungsklage. Auch dem Furnen Van Waldeck, als dem Haupte seines Hauses, muß begreiflicherweise an einer solcheit Entscheidung liegen, umsomehr, als sie ohne jeden Zweifel zu Ungunsten seines jungen Verwandten ausfallen würde. Dagegen möchten wir bezweifeln, ob es sehr geschickt war, auf dem Wege gegen den Grasen Grebenstein vorzugehcn, der jetzt vor dem Schöffengericht in Salzungen eingeschlagen worden ist, und zu einer Art von Sieg dieses neuesten deutschen Prätendenten geführt hat. Denn daß der Graf Grebenstein sein gutes Recht zu verteidigen glaubt, müßte seinen Gegnern hoch bekannt sein.
Die junge Amerikanerin,
bereu vater, oder sogar Vater vielleicht noch L ine Laufbahn als Kohieigchtpper, als Laufbursche oder Zeitungsjunge begann, um als „vielfacher Millionär-' zu enden, setzt ihren Siegeszug durch die alte Welt ununterbrochen fort. Die festeste Bucg, die ihr bis jetzt widersteht, ist der „Gotha", d. h. der, wo die ganz exklusiven regierenden oder entthronten Faintlicn auf einsamer Höhe verzeichnet stehen, und ferner jener zweite, nicht umfangreichere Teil, der den sog. mediatisierten Hausern eingerä'umt ist, die zur Belohnung für- gewisse, heutzutage recht rininterressante Rechte aus den Zeiten des heiligen römischen Reiches deutscher Station, das Privileg der Ebenhurt mit den Herrscherdynasticil genießen. Bisher ist es einer einzigen Amerikanerin gelungen, "einen Platz in der allerobcrsten Kategorie des „Gotha" zu erobern, das war Alice Heine, eine amerikanisierte, in New Orleans geborene Großnichte des Dichters des „Buches der Lieder" und, aus erster Ehe, verivitivete Herzogin von Richclicu. Sie ist zugleich die erste Frau israelitischer Abstammung r- b amerikanischer Nationalität gewesen, die aus einem richtigen one Europas, freilich den: kleinsten, gesessen hat. Nicht lange; im Herbst 1889 heiratete Fürst Albert von Monaco ste, im Frühjahr 1902 ließ er sich von ihr scheiden. Unter den Mediatisierten begegnen mir nur zwei Prinzessinnen, deren Wiege im Dollarland stand: der Prinzessin Franz AuerSperg, die mit Mädchennamen Florence Elizabeth Hazard hieß njld in New Port zur Welt kam, ivo sie noch jetzt mit ihrem (hallen lebt; und der Prinzessin Karl I s e n b u r g - B i r st c i n , früher Wl>ß B e r t a L e w i s, aus New Orleans, die mit ihrem Gemahl das Leben vornehmer Globetrotter führt, bald tu London, bald in Paris, bald an der Riviera. Sehr lang ist dagegen die Reihe der Herzoginnen, Fürstinnen und Prinzeisinnen in der dritten, btinlgcmischlen unb internationalen Abteilung des Gotha, in der Familien des verschiedensten Ursprungs beieinander stehen.
Deutschland nimmt in der Statistik den tinlersten Platz ein; da sind nur die verivilivele Fürstin Lynar, eine geborene M i ß Par so ns ouS der Stadt Columbus im Staate Ohio, und die P r i n z e s s i ir Franz H a tz f e l d t geb. Miß Clara H u n - lington ans Detroit im Staate Michigan, zu nennen, und er« vähnen könnte man vielleicht noch die Witwe des im größten Elend verstorbenen jungen Grafen Ferdinand Blücher, Sohnes des immens reichen Fürsten Blücher von Walstait, die vor ihrer Heirat Miß A l m a Lo eb hieß, aus New-Pork stammt und in New-Vork lebt. Freilich, in die Kategorie der reichen Erbinnen gehört sie nicht. In England, in Italien und in Frankreich werden die Namen vieler der ältesten Geschlechter, die mit der Geschichte ihres Landes eng verbunden sind, jetzt von früheren amerikanischen Mißes getragen. Man findet in Italien die Fürstinnen Brancaccio (Miß Elizabeth Hickson-Field aus New-Vork), Camporcale, Gattin des Bruders der Fürstin Bülow (Miß Florence Binney-KingSland aus Boston), Stigliauo '.Miß Evelun Bryant aus Downieville), Rospigliost (verwitwele Airs. Parkhurst, geb. Reid), deren Ehe irerlich angeiochtcn worden ist, die Prinzessin Giambattisla Rospi- zlie'i (Miß Ethel Brousou ans New-Bork) und schließlich die g' i.in Vieovaro, Palastdame der Königin-Witive Marghuerita Map Eleanor Spencer aus New-Vork). Englische Herzoginnen tud geworden Miß Helen Zimmermaun, jetzt Herzogin voll Manchester, Miß Cousuelo Vanderbilt, Herzogin Atarlborough, unö Miß
Mary Goelet, Herzogin von Roxburghe. Einen der stolzesten Titel Frankreichs, den einer Herzogin Rochefoucauld, führt gegenwärtig die ehemalige Miß Mattie Atitchell aus Portland; die Fürstin von Chalais hieß vormals Miß Beatrice Tinnns und ist aus Baltimore, während die Herzogin von Bassano als Miß Claire Symes im benachbarten Canada das Licht der Welt erblickte. Die Fürstin von Chimay, höchst unerfreulichen Andenkens, behauptet übrigens ebenfalls immer noch ihren Platz im „Gotha", zwar mit dem Vermerke „geschieden", aber doch als die Mutter der fünfzehnjährigen Gräfin Marie Rignet de Chimay und des zwölfjährigen Prinzen Josef, der seinem Baier einst als Fürst folgen und hoffentlich nichts von den exzentrischen Anlagen seiner Mutter geerbt haben wird, die als Miß Clara Ward in Detroit im Staate Michigan 1873 geboren wurde.
Kunst.
— Zwei bet größten Maler aller Zeiten, Tizian und Dürer, sind mit einer bedeutenden Anzahl ihrer schönsten Werte in den Lieferungen 53 bis 60 des kunst- geschichtlichen Unternehmens „Klassiker der Kunst in Gesamtausgaben" (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt) vertreten. Zunächst ist darin die in den voransgegangeneu Lieferungen eröffnete Reihe der Gemälde Tizians zu Ende geführt und der letzte Abschnitt der sie begleitenden höchst instruktiven Erläuterungen beigegeben, sodaß jetzt in der Lieferungsausgabe nach den Bänden Raffael, Rembrandt und Rubens auch der köstliche Tizimi-Band vollständig vorliegt; hierauf ivird uns ein ansehnlicher Teil von Dürers wundervollem Lebeuswerk dargeboten, der seine sämtliche Gemälde, die aus den Jahren 1495 bis 1524 stammenden Kupferstiche, einige als Anhang beigegebene zweifelhafte und Schulbilder und den Anfang der von Dr. Valentin Scherer verfaßten biographisch-ästhetischen Einleitnng über den Meister umfaßt. Der Dürer-Baud, dessen Vervollständigung mit den nächsten Lieferungen zu erwarten ist, ist unter den fünf Testen dieser ersten Serie „Klassiker der Kunst in Gesamtausgaben"" nicht nur einer der reichhaltigsten, sondern auch insofern der schönste und wertvollste, als die Schwarz-Weiß-Schöpfungen des Meisters? die in seinem Lebenswerk den größten Raum einnehmen, naturgemäß mit besonderer Treue wiedergegeben werden konnten und daher diese Gesamtausgabe uns in noch vollendeterer Weise als die anderen die künstlerische Handschrift eines unserer herrlichsten yjleifipt fenneit teliTt
— Die Kunst. Monatshefte für freie unb angewandte Kunst. (Preis vierteljährlich 6 Mk.; Verlag Bruckmann, München). Das Januarheft dieser gediegenen vornehmen Kunstzeitschrift erfreut wieder durch vielseitige Reichhaltigkeit und ein auserlesen schön gedrucktes Jllustrationsmaterial. Der erste größere Aussatz stammt von Walther Geitsel und behandelt „Die klassische Bilduis- kuust in England", die Kunst von Joshua Reynolds, Thomas Gainsborough und Henry Raeburn. Trotz Betonung des vielen Gemeinsameik wird jeder der drei großen Porträtisten als feftgefügte, scharsumrissene Persönlichkeit gezeigt. Söhne eines Landes, daS damals eine geschlossene Kultur besaß, schielten sie nicht nach an bereit Ländern, wie die deutschen Künstlet taten, sondern hatten den Mut. englisch zu sein und konnten nur so „klassisch" werden. Julins Meier-Graefe widmet hierauf der Kunst Max Liebermanns einen Essay. Bekanntes und Unbekanntes zieht im Bild an uns vorüber (darunter die „Seilerbahn" in famosem Vierfarbendruck und Meier-Graefes schätzendes, anerkennendes Urteil läßt uns die klaren Reproduktionen aiismettsamer und liebevoller betrachtem. — Wen zweiten Teil des Heftes bildet eine Studie über Petest Behrens und die Raumästhetik feiner Kunst, wie sie sich aus der vorjährigen Dresdener Ausstellung zeigte. Den dort ausgestellten vier Räumen, einem kostbaren Musiksaal, einem keramischen Hof, einet mächtigen Marmordiele und einem Empfangszimmer mit gediegenem Mobiliar aus wertvollen Werkstoffen sind auch die beigefügten Abbildungen entnommen, die erkennen lassen, wie Behrens aus monumentale Wirkung hinzielt. Als Anhang sind Reproduktionen von Ausstellungsarbeiten der von Behrens geleiteten Düsseldorfer Kunstgewerbeschule beigegeben, aus denen es sich auf eiste, tüchtige Schulung der Zöglinge dieser Anstalt schließen läßt.
Bersleck-Riitsel.
Nachdruck verboten,.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderet".
Augenarzt — Erdbeeren — Hänschen — Redefreiheit — Gabel — Sumpsblume — pudelnaß — Tifchendorf — Rundgefang — P'erdefchwänzc — Harzgerode.
Auflösung in nächster Nummer
Auflösung.des Logogriphs in voriger Nummer:
Herz, Erz.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unwersttäts-Buch» und Steindruckerei, 8t, Lange, Gießen»


