Areilag den 18. Sanuar
1807
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Msnschenleöen, die Lügen.
Roman von H. Ehrhardt, Verfasserin von „Mittellose Mädchen"
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Isa schien er wie ein tötendes Gist, Sie machte eine Bewegung nach dem Ausgange, ihr schwindelte. Ta nahm der Mann neben ihr ihren Arm fest und innig an sich — willenlos ließ sie sich zu einer niedrigen Bank führen. Er setzte sich neben sie und sog mit leise bebenden Nasenflügeln den starken, berauschenden Blütenduft in sich ein. Isa aber schüttelte mit einer Geberde des Widerwillen den dunklen Kopf.
„Wie warm und feucht die Lust hier ist und wie süßlich diese an und für sich ja wunderschönen Blumen duften!" bemerkte sie, einen herzhaften Anlauf nehmend, das Tete-a-tete mit dem jungen Offizier recht harmlos zu gestalten. „Ich glaube, mir wird noch elender hier. Gehen wir lieber in den Saal zurück."
„Nur noch einen Augenblick!" Joachim rückte der weißen Gestalt bedenklich nahe, „Ist es nicht wundervoll, daß wir beide hier so allein sind? Oder fürchten Sie sich, mit mir allein zu sein?" setzte er leise hinzu mit einem Blick, vor dem Isa erbebte.
Eine flammende Röte ergoß sich über ihr bleiches Gesicht, ihre dunklen Augen senkten sich zu Boden. Ihr war, als ob all der Duft, die Schwüle, die ferne Musik sie einhülle in eine warme, rosige Wolke, die sie geradeaus in den blendenden Glanz des offenen Himmels trüge. Sie fühlte, nun kam die Entscheidung, von der sie unbewußt geträumt.
Seine schmale, kräftige Hand legte sich auf ihre verschlungenen Finger, an ihrer Wange spürte sie den Hauch seines erregten Atems.
„Isa!" flüsterte er leidenschaftlich und neigte sich zu ihr.
Aber raubte die völlige Gewißheit ihr die Klarheit der Sinne oder war sie im Moment nur ein Spielball in der Hand des unerbittlich seinen Weg verfolgenden Schicksals — sie riß sich so heftig von dem überraschten Manne los, daß er zurücktaumelte und stürzte nach dem Ausgange. Tressenberg sprang sofort auf, um sie zurück zu holen. Im Hinauseilen knickte er achtlos Blätter und Blüten. Aber auch das kleine Nebengemach war leer — Isa war verschwunden. Bitter enttäuscht warf Joachim sich in einen niedrigen Sessel, außerstande, sofort in die Gesellschaft zurück zu kehren..
Ein Gemisch von Staunen, Trauer und Bestürzung erfüllte ihn. Was sollte dieser chastigc Rückzug Isas bedeuten? War cs eine Laune? Oder liebte sie ihn nicht? Aber launenhaft war sie nie gewesen und immer halte sich in der leichten
Befangenheit, die sie im Verkehr mit ihm zur Schau getragen, die Liebe ihres jungen, reinen Herzens verraten, welche sein oberflächliches Gefallen an ihr bis zu einem tiefen, warmen Gefühl gesteigert hatte.
Nichts von der unbändigen, glühenden Leidenschaft, die verborgen in ihm schlummerte und die er ahnend manchmal wie einen tückisch im Hinterhalt lauernden Feind empfand, war diesem Gefühl für Isa eigen, es war die Sehnsucht des Vereinsamten, Unverstandenen nach dem friedlichen Hafen einer harmonischen Ehe, nach einer warmen, teilnehmenden Frauenscele, die nicht fragte, nicht zweifelte, die ihn liebte ivie er war. Er hatte gedacht, Isa schon ganz zu besitzen, statt dessen floh sie vor der Entscheidung, Ein bitteres, hohnvolles Lächeln kräuselte seine Lippen.
„Geschieht mir schon recht," dachte er, „warum bin ich auch so ein eingebildeter Kerl, der bei Menschen Liebe für sich vorhanden glaubt?"
Niemand hatte ja doch Verständnis für den guten Kern in ihm»
In die Gedanken des Einsamen hinein klang das leise bestrickende Rauschen seidener Frauengewänder, ein leichter Schritt.
Ec richtete sich aus seiner nachlässigen Stellung empor, den Kopf nach der Tür des Nebenzimmers wendend. Dann stand er mit einem Male auf den Füßen,
Unter der weit zurück gerafften Portiere erschien Hanna Gerhardt. Das aus dem anstoßenden Raum fallende, grelle. Gaslicht gab einen wundervollen Beleuchtungseffckt für ihre weiße Gestalt, ihr rotgoldenes Haar. In Joachims Seele tauchte eine unklare Erinnerung auf, als habe er diese weiß?) leuchtende Gestalt in dieser Stellung schon einmal gesehen. —* Aber er konnte den flüchtigen Gedanken nicht fassen.
Stumm verneigte er sich.
Die junge Frau kam einen Schritt auf ihn zu, ihr Gesicht strahlte in der Art eines Kindes, das irgend eine Neckerei vorbereitet.
„Bleiben Sie nur ruhig sitzen, Herr Baron Joachim von Tressenberg!" sagte sie, seinen Namen absichtlich scharf betonend, „ibcnn Sie gestatten, leiste ich Ihnen ein wenig Gesellschaft. Ich möchte gern, daß Sie mir recht viel von Ihrer lieben Schwester erzählten."
Er war schon bei ihren ersten Worten zusammen gezuckt und wich nun unwillkürlich mit einer abwehrenden Hand- bewegung von der entzückenden Frauengestalt zurück, als sähe er eine Vision.
Die unklare Erinnerung gewann eine feste Gestalt. Seine geringschätzige Bemerkung über die „rothaarige Pensionärin", die begeisterten Lobreden des Bruders, der seltsame Traum


