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dreihundert sank. Tas tvar manchmal gar nicht so leicht., In dieser Beziehung wenigstens erwies et sich als" sehr, findig. Er ist als betagter Junggeselle gestorben, deshalb wird die Nennung seines Namens 'Niemanden verletzen.
Alle U n i v e r s i t ä t s b e a m t e n tat g en die vorgeschriebene Tienstunisorm. Dunkelblauer Wafsenrock mit goldenen Knöpfen und statt dessen im gewöhnlichen Dienst —nach Belieben— hechtgrauer Paletot. Dazu hechtgraue Beinkleider und Degen. Als Kopfbedeckung diente der Dreimaster, im gewöhnlichen Dienst statt dessen dunkelblaue Mütze. An hohen Festtagen, insbesondere Großherzogs Geburtstag und Namenstag, traten an die Stelle der hechtgrauen Beinkleider weiße. Daher der Name „Weißer Hosentag".
Tie Fsarbe des Kragens und eines Bundes um die Dienstmütze zeigten d,as Ressort des betreffenden Ministeriums an, dem die Beamten unterstanden. Das war für die Universität hellblau. Tie Stufenleiter der Beamtenhierarchie ergab sich nach österreichischem Muster aus dem Rockkragen und wurde durch kleine goldene Rosetten zu beiden Seiten des Ktagens angezeigt. Mit dem Ratsrang erschien eine breite goldene Borte, am Kragen.
Tie höchsten Stufen begannen mit einer noch breiteren Goldborte, sodaß nur ein ganz schmaler Streifen Tuch oben sichtbar blieb, an deut man .gerade noch das Ressort erkennen konnte. Tie Zwischenstufen wurden für diese höheren und höchsten Stellungen durch silberne Rosetten angedeutet.
Tie Universitätsprofessoren blieben von dem Uniformszwang verschont. Nur der Kanzler, damals Professor Bimbmim, trug Lei repräsentativen Gelegenheiten als Bertreter bet Regierung die Uniform mit der breitesten Goldborte.
Alle aber unterlagen dem von Ludwig III. erlassenen sogenannten edictum barbarnm, d. hi nur der Großherzog und die Offiziere durften Schnurrbärte" tragen, den Beamten war cs untersagt. „ , . , .•
In der späteren Regierungszeit Ludwigs III. emanzipierte man sich allmählich von diesem merkwürdigen Verbote. Tie Dienst- uniformen blieben aber bis zum Regierungsantritt Ludwigs IV. (1877)
Tie Uniform der niederen Bediensteten ist heute noch dieselbe wie früher. Sie unterschied sich von denjenigen! der Beamten dadurch, daß es feine Borten an den Stagen gab und daß Knöpfe und Rosetten von weißem Metall waten. , Nut daran und am Degen konnte man beispielsweise den Uuiversitäts- sekretar von dem Pedellen nnterscheiden. Von den fr e tenj Künsten war die Frau Musika zu meinet Zeit am Uebelsten beraten. Der gute Musikdirektor H. war alt und kränklich. Er dirigierte den Akademischen Gesangverein und hatte es in seiner langjährigen Tätigkeit nut bis zur mehrmaligen Ausführung der Glocke von Romberg und des Vaterunsers öon Spo hr gebracht. Ter Verein zahlte etwa 100 Mitglieder unb bestimmte seine Geschicke selbständig. Er wählte feinen Präsidenten aus den Reihen der Professoren und die Vorstandsmitglieder aus den vier Stimmen, sodaß der Vorstand aus zwer Damen und zwei Herren gebildet wurde. Die Zugehörigkeit des Vereins zur Universität war von Alters her begründet. Tie letztere stellte die Räume für die wöchentlichen Proben, die Vereiusfahne zeigte deren Farben und ihr Wappen. Ter Musikdirektor wurde aus den der Universität für musikalische Zwecke bewilligten Mitteln, allerdings sehr kärglich, besoldet und führte den Titel eines Unr- versitätsmusikdirektots. Zn meiner Zeit erhielt guch der zum eisernen Bestand des Vereins gehörige Vorstand des! Soprans, Fräulein Hiepe einen Zuschuß von 100 Gulden aus diesen Mitteln. ,
Ter Verein hat von jeher bei der alljährlichen Feier des Universitätsfestes mitgewirkt und Hat vor einigen Jahren daS Fest feines hundertjährigen Bestehens als äkade- mischet Gesangverein gefeiert. Seit den letzten fünfzig Jähren hat et sehr tüchtige Dirigenten gehübt und es in dieser Zeit zur tadellosen Wiedergabe der bedeutendsten Tonwerke gebracht.
Zu meiner Zeit bestsand noch der Universitäts-Marshall, unmittelbar neben dem alten Universitätsgebände auf dem Bränd, er konnte bequem etwa 30 Pferde ausnehmen, und enthielt damals deren noch eine stattliche Anzahl. Dazu gehörte die Dienstwohnung des Universitätsställ- Meisters, dias Quergebäude am oberen Ende des Brandes, das erst bei Herstellung der Landgrafeustraße abgebrochen worden ist. Noch jetzt besteht die offene sowie die dahinter liegende gedeckte U n i v e r t i t ä t s - R e i t b a h n am' Brand. Tic letztere wurde früher auch lnanchmal zu öffentlichen Schaustellungen her'gegeben. Bor Erbauung des Leibscheri Saales fanden beispielsweise dort öfters die T h e a t e r v o r st e l lu n g e n> statt, und ich kann mich erinnern, dort auch einer Vorstellung von „Englischen Reitern" beigewohnt zu haben.
Früher spielte auf der Universität das Reiten eine größere Rolle, wie heutzutage. Bei der Beschränktheit der Verkehrsmittel gehörte es zum guten Ton, diaß der Student reiten, konnte, und es spielte dies auch bei dem Renommieren eine größere Rolle tote heutzutage. Zu meiner Zeit begann schon das Renommieren mit Chaiseufährten.
Ter Unterricht int Fechten und Tanzen lag bis kurz bot meinet Studentenzeit seht im Argen. Ta war ein kutzer, dicket alter Mann mit Hängebackeii, namens Batt ho l em a i, bet den Titel eines Univerfitäts-Fecht- und Ttanz-i
Polizeistrafe
ab
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sucht ungeschaut.
(Fortsetzung folgt.)
hat cs, wie mir scheint. Ich muß die Schilderung ____. ____ dieses Instituts einem Erfahreneren überlassem Ich habe nur immer die vergitterten Dachfenster auf dem alten Schloß mit einet Art Sehn-,
lehr er 8 führte, der wjahre Hohn auf einen solchen. Mik seinem Tode änderte sich dies in erfreulicher Weise. An seines Stelle tvat R ö se, der Vater. Et war"ein stattlicher Mann und erteilte einen vorzüglichen Fechtunterricht, sodaß inan gern die Hiebe mit in den Kauf nahm, die er anszuteilen pflegte, wenn et glaubte, daß der Schüler Nicht genügend auf seinen Lehret achtete. Tie Eleganz seines Auftretens im Klubsaale bei Leitung der Quadrillen ist unerreicht geblieben.
Ich denke, daß ich im Bisherigen das Gießen der damaligen Zeit als die kleine Stadt, in welcher die Universität mit ihrest Professoren und etwa dreihundert Studenten iioch die Hauptrolle spielten, mit seinen Besonderheiten zur Genüge geschildert habe. Wenn ich dabei manchmal vielleicht des Guten zu viel getan, so bitte ich, dies der Redseligkeit des Alters zugut zu halten und der Absicht, ein Bild von den Zuständen zu geben, die meist recht verschieden tioit den heutigen sind.
lieber das Carzer konnte ich nichts berichten. Ich habe es leider nicht kennen gelernt. Ich wollte um diesem Fehler abzuhelfen, wenigstens einmal ft ~r" -
sitzen, allein mein Vater ohne Grund, mdjt gelitten.
der Leiden und Frendeir
Aus d§n Tiefen der Ktwässrr II.
Von R. H. F r a n e 6.
Wir haben kürzlich bei einer Empfehlung des Franesschen Prachtwerkes über das Pflanzenleben*) am Schluß unseres Artikels davon gesprochen, wie schwierig die Atmung für Wasserpflanzen ist. Der Verfasser fährt dann fort:
Auch die Ernährung ist im Wasser anders; teils leichter, teils schwieriger als auf ibtem Festlande. Dazu kommt noch bei einem Teil der Wasserpflanzen der allerdings variable Salzgehalt, der das Leben sicherlich nicht erleichtert.
Mit allen diesen Verhältnissen müssen bieientgen Landpflanzen rechnen, die sich dem Wasser anvertrauen ivollen. Die Formulierung dieses Satzes scheint zwar in einem gewissen Widerspruch zu stehen mit der Angabe, daß alles Pflanzenleben emst dem Wasser entstieg. Der Widerspruch ist aber nur scheinbar. Denn wir müssen annehmen, daß schon die niedersten Pflanzen, daß das Gewächs schon auf der Organisationshöhe der Pilze dem Wasser Valet sagte und den Kampf mit der Trockenheit anfnahm. Erst als die Lebensform der Blütepflanzen erreicht war, gab es wohl wieder Flüchtlinge, die in das Urelement zn- rückbegehrten und mit großer Mühe und hundertfachen Organl- sationsäiiderungen sich ihm zum zweitenmal ailpaßten. .
Diese nachträglichen Anpassungen lassen sich unfern heutigen Wasserpflanzen, den Wasserrosen, Laichkräutern, Wasserlinsen, Tausendblättern, Seegräsern und wie sie alle heißen, leicht vom Leibe absehen. Ja, man versteht ihre eigenartige Gestaltung sogar mir bann, wenn man sie von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet. Ein Viertelstündchen Kahnfahrt über einen stillen, pslanzenreicheii Teich wird dadurch zum fesselndsten Anschauungsunterricht. Da sehen wir vor allem, daß es eine wohlgezogene Grenze zwischen Wasserpflanzen und Sumpfgewächsen gibt. Das Röhricht am Teichrand, die Schwertlilien und Riedgräser unterscheiden sich noch durch gar nichts von den Bewohnern der Wiese; sie wurzeln auch fest im Schlamm und streben mit Üppigem Wachstum auch stets über den Wasserspiegel hinaus. Die ersten richtigen Wasserpflanzen sind die Wasserlinsen, die zu Tausenden den Strand nmsäunien. Die sind aber auch gleich gehörig angepaßt. Sie verzichteten sogar auf die Blätter. Die kleine hellgrüne Linse, die sich ans dem Wasserspiegel ausbreitet, ist nämlich ein (Stamm, der die Funktionen eines Blattes über- nommen hat; daher entsprießen ihm auch die Wurzeln, die aber nicht danach streben, den Grund zu erreichen, sondern zufrieden sind, alle Nahrung aus dem Wasser zu saugen. Da haben wir die erste typische Schwimmanpassung. Dieses Pflänzchen opfert fast seine ganze Eigenart den Anpassungen zuliebe. Auch bte Wurzel ist ihm ziemlich nebensächlich. Darum wirft es fxe bcreit- willigst ab, wenn dazu Gelegenheit ist. Die Nahrung Wirb nut dem ganzen, ins Wasser ragenbeit Körper aufgenommen; sowie daher das Pflänzchen ganz ins Wasser versinkt, wird es wurzellos. Die winzige Wolffia arrhiza, die mit etwa 1 I.j Ti mimet er Länge die kleinste aller deutschen Blütenpflanzen A, entbehrt der Wurzeln vollständig. Sie entwickelt auch nur höchst selten Blüten und ist überhaupt kir markanteste aller bekannten Wafsir- anpüssungcn. Alle normalen Pflanz norgane, Blatter, Wurzeln, Blüt'n, sind bei ihr mit Rücksicht auf bte Lebensweise verschwunden, übrig bleibt nur ein verzerrter Stamm,, eine kleinwinzige Linse mit der Fähigkeit, sich durch ungemein rasch wach ende Seitensprosse zu vervielfältigen. Untersuchen Wir diese beschei-
*) R H Francs, Das Leben der Pflanze. I. Abteilung: Das Pflanzenleben Deutschlands und der Nachbarländer (umfaßt 26 Lieferungen ä 1 Mk. mit insgesamt 3c>0 Abbild, sowie 50 tafeln). (Stuttgart, Verlag des „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde",


