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der Geistliche damit' einen Zweifel an den Vorgeschichte:: Arbeiten ausdrücken wollte, aber er begleitete ihn trotzdem, der Leute wegen, biS an den Wagen. Um der Leute willen ließ er ihn auch stets durch den Schloßkutscher den kurzen Weg nach Hause fahren.
Mit scharfem Blick betrachtete Beltlingen sein Gespann. Wie ungeduldig das Handpferd hin und her scharrte! Der Kammerherr liebte cs, sich dann und wann für einen Pferdeverständigen auszugeben. Rasch trat er jetzt auf das unruhige Pferd zu.
„Oh, oh, so — so ist schön!" Er klopfte ihm schmeichelnd den Hals. Tann fuhr seine hagere Rechte streichelnd den Rücken entlang. Aber da hatte er die Rechnung ohne die kitzliche Stute gemacht. Ehe der Kutscher noch ein warnendes Wort sagen konnte, schlug sie quietschend hinten aus, daß der Kies nur so umherstob. Mit leisen: Wehllaut griff sich der Kammerherr an den Arni . . .
„Um Gotteswillen, Magnus!" rief Tagmar ängstlich, als Beltlingen leichenblaß in sein Zimmer trat. Matt sank er auf sein Ruhebett. Ihren und des Dieners vereinten Bemühungen gelang es endlich, dem Baron den Rock abznstreifcn. Als sie das Hemd cmporhob, sah sie sosort, das; der Arm eine starke Quetschung hatte.
Das bestätigte auch der eiligst aus Greifswald hcrbcitele- phonierte Professor. Er empfahl Ruhe und Schonung. „Die Pflege sei ja in den besten Hände:,."
Ach Dagmar glaubte in den nächsten Wochen oft verzagen zn müssen, denn Beltlingens Laune war, obgleich er wenig Schmerzen hatte, die denkbar schlechteste. Nichts war ihm recht zu machen! Rücksichtslos schalt er mit seiner Frau herum, von den verblüffenden Deutlichkeiten gegen Franz ganz zu schweigen. 1!nd grade die machten Dagmar das Herz so schwer. Denn mehr und uiehr fühlte sie deswegen ihre Achtung und damit auch ihre Neigung zu ihm schwinden.
Er merkte diese Entfremdung wohl und cs erbitterte ihn, daß sie statt der früheren Zärtlichkeit nur kühle Freundlichkeit für ihn hatte. Und aus diesem Zorn heraus war es ihm eine Freude, ihr die schüchtern vorgetragenen Wünsche des Pastors abzuschlagen. Aber als sie das ohne Gegenrede hinnahm, war es ihm auch nicht recht.
Mitten in diese Verstimmung kam die Hofansage. Sie wurden zu der am 20. März anläßlich des Geburtstages Ihrer Hoheit der Herzogin-Mutter statt finden den Galatafel befohlen.
Am liebsten hätte Tagmar es gesehen, wenn sie abgesagt hatten. Aber davon wollte Beltlingen natürlich nichts wissen. Hoffte er doch bei dieser Gelegenheit sondieren zu können, ob er Aussicht lauf die Nachfolgeschaft des Grasen Klichm habe. Auch sonnte seine Eitelkeit sich im vohaus an dem Aufsehen, welches er mit Tagmar zu machen gedachte.
Es verdroß ihn daher nicht wenig, daß sie sich inbetreff der Toilettenfragen so gleichgültig verhielt und durchaus ein schon einmal getragenes Kleid anziehen wollte. Eigenhändig teilte er deshalb Lupowsky seine Wünsch: mit.
.Acht Tage vor ihrer Abreise traf die Sendung ein. Der Schneider hatte sich selbst übertroffen. Dagmar war überrascht und gerührt durch diese Fürsorge ihres Mannes. Sie dankte ihm mit Herzlichkeit. Würmer als sonst leuchteten ihre Augen. Beltlingen sah entzückt zu ihr hin.
„Wenn der Herzog dich so sehen könnte," meinte er nachdenklich. Sie blickte ihn verständnislos an. „Dann würde er jedenfalls ebenso entzückt sein wie ich."
„Ach," machte Tagmar gleichgültig, „auf ein bißchen mehr oder weniger fürstliche Huld konimt cs doch wirklich nicht an."
„Doch!" betonte der Kammerherr ernst.
Sie lachte sorglos.
„Nun, durch meine Künst wirst du sicher nicht Exzellenz."
„Allein dadurch nicht. Helfen kannst du aber auch dazu. Du weißt ganz gut, wie sehr der hohe Herr für Frauenschönheit empfänglich ist. Und eine Bitte aus deinem Munde ist er vielleicht eher geneigt zu erfüllen. Ich überlasse das natürlich ganz deinem Takt!"
Er schwieg und tupfte sich erregt die Stirn. Sie war ihm feucht geworden. Dagmar hatte aber auch wirklich eine ganz sonderbare Art, ihn anzusehen. Durch und durch ging einem der Blick. Wenn sie doch wenigstens antworten wollte! Diese lange Pause machte ihn förmlich nervös.
"Ich hoffe, du hast:nich verstanden, mein Herz?"
„Völlig," erwiderte sie kält. ' , '
„Uitb du wirst dich nach meinen Wünschen richten?" ä^ch weiß, was ich zu tun habe," entgegnete sie hart. Beltlingen crhib sich.
„Ich danke dir, Tagmar."
Eh wollte einen Küß lauf ihre Stirü drücken, aber Dagmäp
bog sich zur Seite. Es wäre ihr unmöglich gewesen, jetzt eine; Liebkosung von ihm zu ertragen.
Tie Röte des Zornes stieg ihm ins Gesicht.
„Keine Szenen, wenn ich bitten darf!" sprach er mit vor Aufregung heiserer Stimme. „Ich hoffe, du merkst dir ein für allemal, daß ich die Form unter allen Umständen gewahrt haben "will!"
„Tie du selber so oft außer acht läßt," hätte sie ihm am liebsten entgegen gehalten. Aber sie schwieg. Wozu diese nutzlosen Gegenreden? Um einen Schein blasser erhob sie sich und schritt aus der Tür. . .
Doch kaum war sic hinaus, so bemächtigte sich ihrer wieder das gräßliche Schwindelgefühl, was sie in der letzten Zeit so oft plagte. Grüngelbe Funken tanzten plötzlich vor ihren Augen., Mit Mühe die Chaiselongue erreichend, sank sie schweratmend dort nieder.
Wie lauge sie da gesessen, sie wußte es nicht. Jedenfalls! hatte der Anfall dicsesmal länger gewährt als sonst. Sie fühltej sich überhaupt seit einiger Zeit recht elend, was sie ans die heftigen Erregungen der letzten Woche schob. Aber wozu Magnus! davon sagen? Nervöse Frauen konnte er nicht leiden. Ta schwieg sie lieber.
Oh, sie hatte es allmählich gelernt, das Schweigen und Bcr-t schweigen! Und sie wußte, grade zu dem letzteren würde sie in der Residenz noch mehic Veranlassung haben. Denn sie wollte es nicht, nein, um keinen Preis wollte sie es den andern eingestehen, daß zwischen ihr und Magnus nicht alles so war, wie es sein sollte!
Ein trauriges Lächeln zuckte über ihr Gesicht, Dagmar Nolfsest als — Schauspielerin . J .
(Fortsetzung folgt.)
Ans der Studentenzeit. Er'nnermrge» eines alten Gießeners. (Fortsetzung.)
Mas Ne inneren Einrichtungen der Universität an- langt, so ist inan da sehr konservativ! geblieben.
Mein Baier erzählte mir, daß zu seiner Zeit das De kau at> welches jährlich wechselte, dem jüngsten Professor der Fakultät das erstemal zwar angeboten wurde, daß er es aber dankend ab lehnen mußte. Zu meiner Zeit galt dies, wenn ich recht bo- richtet, bin, noch gerade so. Wie es heute ist, weiß ich nichts
Tie Doktorpromotionen waren zu meiner Zeit nach den Faküle täten sehr verschieden. Für die Klandidaten der Jurisprudenz,; welche die Fakultätsprüfung mit der Mindestnote g u t bestanden hatten, bot _ die Erlangung der Doktorwürde keine Schwierig- keit. Tie Dissertation wurde erlassen und die Note der Prüfung als diejenige der Doktorprüfung entsprechend in das Diplorst laufgenommen. Wenigstens. wurde dies so mit den beiden Kandidaten, die mit mir mündlich geprüft wurden, nach deren Mit-, teilung gehalten. Auch von anderer Seite wurde mir dies be-- stätigt. In Heidelberg w,ar allerdings die Erlangung der Doktor-- würde noch leichter. Ein Bekannter von mir, Dr. C., war int Gießener Jiakultätsexamen gründlich durchgefallen. Er reiste so-, fort nach Heidelberg und kanr nach wenigen Wochen von dort alss wohlbestallter Doctor juris utriusque zurück.
Weggefallen ist das ehrwürdige I n st i tut des Nniversi-! täts giert ch ts. Zu meiner Zeit blühte es'noch, obwohl seine! Kompetenz durch die Gesetzgebung von 1849 bereits arg beschnitten war. Nach Erlaß der Reichsstrafgesctzgebung fristete es nur noch ein kümmerliches Dasein, bis es mit der Einführung der Straf- und Zivilprozeßordnung solvie des Gerichtsverfassnngsk gesetzes aufgehoben wurde.
In den fünfziger Fahren stand ihm der Universitätsx- r i ch t e r Negierungsrat H. vor, der sich wegen seines UeberflusseI Ian Haarinangel trotz dessen künstlicher Verdeckung (seine Perücke ergraute mit den Jahren) seitens der Studentenschaft einen ziemlich despektierlichen Spitznamen gefallen lassen mußte. Ter Ulniv erst tüt ssekretälr war akademisch gebildet, aber es wurden an seine Weisheit keine großen Ansprüche gestellt. Wenigstens war der damalige Inhaber des Amtes, Herr Prinz,; sehr beschränkt, und wurde deshalb nicht selten von den Studierenden zum Besten gehalten. Ich erinnere mich, daß ihm eines Tages in seiner Stammkneipe, der Brauerei König (später Röhrle), eilt Rätsel ausgegeben wurde. „Herr Prinz was ist das: Es ist schwarz, von Eisen, steht auf deM Herde und es wird dariuf gekocht?" Er sann hin und her und bat sich dann Bedenkzeit! aus. Andern Tages erschien er freudestrahlend und erklärter „Meine Herrn ich haü's, das ist ein Moppen"! „Ach Herr Prinz,; das haben Sie nicht allein geraten!" „Auf mein Ehrenwort, ich habe es ganz allein geraten!" Er konnte nicht begreifen^ warum diese feierliche Erklärung eine so stürmische Heiterkeit erregte. Seine Hauptaufgabe war, die jeweiligen Studentenver^ zeichnisse zusammenzustellen, und er betrachtete es als eine Ehrenpflicht, dafür zu sorgen, daß die Zahl bet Studenten nicht unter


