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Jun Ken unter der Asche.

Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichllich verfolgt.

(Fortsetzung.)

Sieh dich vor, Magnus, daß das, was du die praktyche Lösung der sozialen Frage nennst, nicht zum sozialen Schaden wird. Sicherlich wird man dir nicht frei und offen Opposition machen, aber heimlich glimmt der Hassesfunke fort unter der Asche scheinbarer Unterwürfigkeit, bis er vielleicht dereinst mit andern zur Flamme wird, zur vernichtenden Vvllswut, die dann blindlings alle bestehenden Schranken niederzureiizen sucht! Dag- Mar schwieg.

Mit ehrlichem Erstaunen sah Beltlingen sie an.

Wie schön du bist!"

Unnrutig zog sie die Brauen zusammen. Das war alles, was er auf ihre Ausführungen zu antworten für gut fand? Ein großer Zorn stieg plötzlich in ihr auf. Waren ihre Mele, ihr Herz ihm wirklich gar nichts, liebte er nur ihren schonen Körper? .,

Ein erstickendes Schamgefühl guvll langsam trt ihr empor. Einen Zug tiefer Pein .auf dem erblassten Gesicht, erhob sie sich mit einer hastig gemurmelten Entschuldigung und eilte, tote verfolgt, in ihr Zimmer. Aengstlich verschloß sie dort alle Türm, ehe sie sich mit unterdrücktem Schluchzen auf ihr Ruhe- $Ett Ach^ sie fühlte es mit erschreckender Deutlichkeit, ihr Ber- trauen zu Beltlingen hatte einen argm Stoß erlitten! Sie weinte bitterlich. Da rüttelte der, dem ihre Tränen galten, unwirsch pn der Tür. . , ,, , ,

Oeffne, Dagmar!" Sie fuhr iah empor, beide Hande auf das angstvoll klopfende Herz pressend.Oeffne!" erklang es noch einmal befehlend.

Sie glitt leise bis zur Tür.

Laß mich doch ein Weilchen allein, Magnus, ich bitte dich, tönte es schüchtem zu ihm hin.

Es war gut, daß Dagmar nicht den Ausdruck des Zornes sah, der jetzt auf seinem Gesicht lag. Schweigend wandte er sich zum Gehen, doch als Hektor schtvanzwedelnd an ihm empor­zuspringen suchte, erhielt er einen Fußtritt, daß er laut auf­heulte. Tas schien Beltlingen iwch mehr zu empören. Pfeifend sauste die rasch ergriffene Gerte wiederholt auf den Rücken des Hundes nieder.

Was war zu viel für Dagmars erregte Nerven. Die öffnete Mit raschem Entschluß die Tür.

Nun?" erstaunt und spöttisch sah Beltlingen sie an.

Um Gotteswillen, halt ein, Magnus! Ich kann es Nicht sehen, wenn du so unblarmherzig zuschlägst!" Flehend ergriff sie seine schon wieder zttm Schlage erhobene Hand.

D>a warf er die Reitpeitsche hin. . ,

.Warum reizest du mich so wahnsinnig?

Sie verschwieg ihm klüglich ihre berechtigte Gegenfrage: K,Kühlt die Mißhaitdlrmg einer wehrlosen Kreatur wirklich deinm

Zorn?" Ihr Schweigen besäilftigte ihn schnell, doch üls er sie Mit leichtem Scherz in feilte Arme ziehen wollte, wtch fte thm aus.

Jetzt nicht," hat sie leise. .

Er sah sie verblüfft an, langsam schien der Aerger tn ihm aufzusteigen. Da zwang sie sich ihm freundlich zuzunicken, ehe re dus dem Zimmer ging.

Na, denn ein anderesmal," brummte Beltlingen vor flch.- hin, "tritt an seinen Schreibtisch tritt) zündete sich eine Zigarre an.

Aber so leicht schien die wirkliche Versöhnung doch nicht zu CUt Stoum merklich zog Dagmar sich von ihm zurück, wich sie seinen Liebkosungen aus. Aber sie hatte damit nicht das Rechte getroffen, das weckte nur noch mehr seine Leidenschaft. Es herrschte eine dumpfe Gewitterschwüle zwischen ihnen. Das blieb auch so rn den nächsten Tagen, und Dagmar fühlte mit Bangen, tote sehr die Spannung zunahm. . , ,

Mit wahrer Erleichterung begrüßte fte daher den Besuch des Pastors, der in allerlei dörflichen Angelegenheiten zu ihr kam, als der, welcher das Ohr des Herrn Barons sicher nicht der-

Sie lächelte schmerzlich. Litt sie selbst doch nicht wenig untep der Entfremdung, die seit dem unglückseligen Vtorgen zwischen iHv und Magnus herrschte. Sie konnte sich noch immer nicht des Unbehagens erwehren, daß sie stets von neuem beschlich, wenn sie seinerLösung der sozialen Frage" gedachte.

Was halfen da alle Vernunftsgründe, die ihr gar em* dringlich vorhielten, daß Magnus auch nur em Mensch und folglich menschlichen Irrungen und Empfindungen unterworfen sei? Sie fühlte es nur zu deutlich, nie würde fte totcber mit bet bedingungslosen Achtung zu ihm aufsehen können, tote bisher, und ebenso wußte sie, daß er dies empfinden und sie entgelten lassen würde. ,

Mit peinlicher Achtsamkeit bot sie ihm nach tote vor den Mund zum Kuß, streichelte auch wohl die Wange des darob an­scheinend Hochbeglückten, aber er fühlte trotzalledem, daß etwas zwischen ihnen stand. Und das, was er wünschte, war es nicht. Tas alles machte ihn ärgerlich und ungeduldig, wahrend ihn an­dererseits ihre Zurückhaltung verletzte. Und aus diesem Gefühl heraus wurde er härter und herrischer, nicht nur zu den Unterti °ebC?,3d} will sehen, ob ich meinen Mann von der notwendigen! Erfüllung Ihrer Wünsche überzeugen kann, Herr Pastor, «w haben gewiß recht mit Ihren Bitten, aber ich glaube nicht, daß ich ihm doch noch eine Gemeinbediakonisstn abbetteln kann. Und sie aus eignen Mitteln, gegen den Willen meines Mannes anzustellen, halte ich nicht für recht. Hoffentlich gelingt es mir, wenigstens den Bau des Schulhauses bewilligt zu erhalten.

D.er Pststor verabschiedete sich. Zn der ^reppenhalle h.lte Beltlingen ihn ein, sein Nichterscheinen mit wichtigen Arbeitest entschuldigend.

Müller.lächelte leise.

Ich glaube, meine Bitten haben an Fhter Frau Gemahlist einen viel geschickteren Anwalt." ..

Beltlingen sah dieses Lächeln wohl, und er begriff auch, daß