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densten Wesen etwas näher, so sehen wir, daß die Anpassungen auch das innere Gefüge des Körpers verändern. Die Linse ist merkwürdig dick angeschwollen dies rührt von zahlreichen, großen Luftblasen her, die ihr Inneres erfüllen. DiesesLuft­gewebe" sichert ihr Leichtigkeit zu und gewährleistet ihr zeit­lebens das Schwimmen, so wie den Plaukiouwesen ihr Oel- gchalt oder ihreAusleger". Die Schwimmblätter bewährten sich so trefflich in der Praxis, daß die Natur wiederholt auf sie zurückkam. In manchen Teichen mit wärmerem Wasser findet sich häufig ein zierliches Lebermoos, goldgrün, wie ein winziges Hirschgeweih geformt, stets zu vielen Hunderten frei auf dem Wasser schwimmend. Man nennt es Riccia. Auch bei ihm ist die Ersinderidee der Luftblasen angewcndet. Große Lufträume ent­halten auch die schwimmenden Blätter der Wasserrosen, des Froschbisses und anderer Wasserpflanzen, wobei die Anpassung meist so weit geht, die Blätter flach und scheibenförmig zu ge­stalten, wodurch auch sichere Balance ermöglicht wird. Durch diese Lufträume wird jedoch zugleich der notnoendige Gaswechsel gesichert; dieselbe Anpassung wirkt nach zwei Fronten. Hat die Pflanze nicht genug Luft im Wasser, so nimmt sie einfach in ihrem Körper einen Vorrat davon mit in die Tiefe hinab, manchmal so viel, daß 70 Prozent ihres Volumens Luft sind.

Sowie wir aber die Wasserlinsenzone verlassen haben, tritt uns in neuen Pflanzenformen eine nicht minder wunderbare Anpassung entgegen. Da blühen Wasserranunkeln, reizende Ge- schöpfchen, die zwei Lebensformen in einem Körper vereinigen. Sie sind kräftig genug, die Spitzen ihrer Triebe über den Wasserspiegel zu erheben, was eine ganz ansehnliche Wachstums­leistung ist. Diese in der Lust lebenden Teile sind nun vollständig verschieden von den untergetauchten. Die über dem Wasser stehen­den Blätter sind dem Schwimmen angepaßt (sie haben daher breite Flächen), die unter Wafler befindlichen aber der Nahrungs­aufnahme und dem «.m Wasser so erschwerten Gasaustausch. Sie strebten also danach, ihre Oberfläche außerordentlich zu ver- größern, und erreichten dies durch weitgehende Zerschlitzung und Verzweigung. Nebenbei wurde dabei noch der Nutzen erzielt, daß vorbeischlüpfende Tiere oder Wasserströmungen und Wellen die Blätter nicht so leicht zerreißen können, als wenn sie sich Mit einer breiten Fläche dem Hindernis entgegenstellen würden. Diese Zerschlitzung der Wasserblätter, die den Kiemen der Fische entspricht, tritt uns bei weiterer Untersuchung der Teichvegetation immer wieder entgegen. Die unterseeischen Wiesen des Tausend­blattes sind das duftigste und zarteste Spitzengewebe, das undinen­gleich der leisesten Strömung wogend folgt. . Das Blätterwerk ist hier in einen Doppelkamm feinster Fasern aufgelöst; bei dem etwas selteneren Hornblatt unserer stehenden Gewässer sind sie immer wieder gespalten, dadurch ist das ganze Pflänzchen in einen starrenden Busch eleganter Nadeln verwandelt. Der noch seltenere Tannwedel, der zuweilen mehrere Meter lang dahin­flutet, nimmt gar die Wuchsform eines Schachtelhalmes an, mit dem ihn der Unkundige fast immer verwechselt, und stellt um seinen Stengel dichte Ringelreihen von kleinen, grünen, faden­förmigen Blättchen. Und will die Zerschlitzung nicht gehen, so erfolgt die Durchbrechung der geschlossenen Mattscheibe, wie bei der außerordentlich merkwürdigen, daher auch in den botanischen Gärten zu findenden, ursprünglich madagassischen Gitterpflanze, bei der die Zwischenräume der Blattrippen leer bleiben; oder das Blatt paßt sich dem Fluten und Wallen an und löst fich in ein endlos flatterndes Band auf. Anc geringsten noch bei den Nixkräutern der Seen Ost- und Westpreußens, schon ausge­sprochener bei manchen Arten der vielgestaltigen Laichkräuter, aber in geradezu klassischer Vollendung bei der herrschenden Blütenpflanze im seichten Wasser aller Seegestade, dem See­gras. Man kann fich gar keinen Begriff machen, wenn man es nicht selbst gesehen hat, in welchen Massen das Seegras die Watten im Nörchen und die Lagunen im Süden besiedelt, da­durch beweisend, daß seine zu langen Bändern ausgezogenen, ungemein schmiegsamen und elastischen Blätter eine vortrefflich sich bewährende Anpassung an die aus Ebbe und Flut sich er­gebenden steten Strömungen und die windgepeitschten Wellen sind. Wären die Blätter nach Art der Landpflanzen breit und massig geformt, wie bald wären sie zerfetzt und die Pflanze aus dem Boden gerissen! Es bleibt ja auch das Seegras nicht von diesem Schicksal verschont jeder heftige Sturm entwurzelt Tausende davon (die Kanäle Venedigs sind stets erfüllt von diesen Massen). Aber wie wunderbar: die Natur machte hier aus der Not eine Tugend und verstand es, die Lebensgefahr zu einem neuen Daseinsvorteil zu wenden. Sie gestaltete die meisten Wasserpflanzen brüchig und schwach wurzelnd und gab ihnen dadurch die Gewähr massenhafter Verbreitung, die den einzelnen Unglücksfall rasch wieder wettmacht. Die vom Sturm losge­rissenen Wurzelstöcke treiben mit der Strömung und verpflanzen das Gewächs bis in die entlegensten Gebiete, sogar mit Vor­liebe gerade in die geschützten und da sie dort zur Ruhe kommen auch vorteilhaftesten Winkel des Geländes. So machen auch die Laichkräuter, der Wasserfenchel, die Schwertlilien, der Kalmus; durch solche Brüchigkeit segeln mit der Strömung das Hornblatt, die Wasserpest, die Bruchweide oder die reizenden

Armleuchtergewächse. Sie machen es dadurch wieder wett, daß für die meisten von ihnen das Wasser gerade kein geeigneter Ort zur Vermehrung durch Blüte und Frucht ist. Fast alle echten Wasserpflanzen find kleinblütig. Das ist bei den zeitlebens Unter­getauchten, fo beisden Seegräsern, bei Horn- und Tausendblatt, die unter Wasser blühen und fruchten, wohlverständlich, ebenso daß sie ihre Blüten nur auf die unumgänglich notwendigen Geschlechtsorgane beschränken. Sehr verwunderlich ist jedoch, was denn gewisse untergetaucht lebende Wasserpflanzen dazu an­treibt, ihre Blütenköpfchen um jeden Preis aus bem Wasser herauszustecken, wie es das Froschkraut tut. Sie bringen fich dadurch in sehr schwierige Lebensverhältnisse; die ungemein emp­findlichen Blüten sind tausend neuen Gefahren ausgesetzt durch, Stechen des Wassers, Wellenschlag und Wind; dabei sind die Aussichten auf Jnsektenbesuch vermindert, denn die Wasserfläche ist denn doch ein gefährlicher Tanzboden für die leichtbeschwing­ten Blumenliebhaber. Es dürfte dies ein Punkt sein, wo man tief hineinsieht ;in die Maschinerie des Naturgeschehens. Das Herkommen", die Gestaltungsregel ist in diesem Falle stärker als die Anpassungskraft, und dies spricht dafür, daß die Lebens­kräfte durchaus nicht so ganz autonom, so selbstschöpferisch seien, wie es nach mancher wunderbaren Anpassung den Anschein hatte, sondern doch nur ein bestimmter Schematismus von Möglich­keiten, der zwar einige Kombinationen zuläßt, im großen und ganzen aber nur eng beschränkt ist.

Es ist dies zugleich wieder ein Memento, daß sich die lebendige Erscheinung doch nicht völlig in Anpassungen auflösen läßt, sondern einen gewissen unzerlösbaren Kern besitzt, der als das Ewige hinter allem vergänglichen Schein thront, wenn er auch stets mit neuen Masken zugedeckt ist. Und an solchen ist bei den Wasserpflanzen wahrlich kein Mangel. Manchmal hat es ja den Anschein, als ob sie vollständig zurAnpassung" geworden wären. Je einfacher das Gewächs, desto mehr An­passungsfähigkeit scheint es zu haben. So sehen wir die Faden­algen, die Wasserfäden noch mehr dem losen Spiel der Wellen angepasst als die Seegräser. Sie kitten sich an einem Ende fest an einen Stein oder Balken und wachsen von da aus meterlang, eine Zelle an die andere gereiht, wie eine Perlenschnur, im besten Fall als verzweigtes, aber unendlich schmiegsames Sträuchlein. In rasch fließenden Bergbächen ist das sogar die einzige Daseins­form, die sich die Pflanze dort gestatten kann. Wenn sich ein Wasserstern hineinwagt, fo zieht er sich maßlos in die Länge und dehnt seine Blättlein aus. An der rasch fließenden Quelle bilden die Fontinalis-Quellmoose lang wallende Bärte; auch die Diatomeen bilden Fäden, da sie sich zu Tausenden in lange Schleimfäden einlagern; im eiskalten Tobel tauchen unerwartet Meeresalgen auf, die im Süßwasser nur an dieser Stelle einen Zufluchtsort finden. Schwarzgrüne, rotbraune, blaugrüne Tange, ganz reizende Geschöpfe, die die Mühe lohnen, sie aus so einem Gebirgsbächlein herauszufischen, auf einem Blatt Papier aus­breiten und trocknen zu lassen. Sie geben dann die wunder­vollsten Tapetenmuster und Ornamente, auf die unsere Phantasie gewiß nicht verfallen wäre. Sie alle find wallende Mähnen en miniature, ein Büschel feinster Haare, dahinflutend, als ob sie die Flechten von Melusinens holder Jungfrauenschar wären.

Damit haben wir die hauptsächlichsten aller einhelmpchen Wasserpflanzeir an uns vorbeiziehen lassen imd vielleicht auch einigermaßen Verständnis dafür erlangt, warum sie gerade jo sein müssen, wie sie sind.

Kreuzrätsel.

JndieFelderuebeustebeuder Figur sind die Buchstaben a a aabbbddeeeeeeee eeggg-hhllllmnno opprrrrr rrrtt derart einzutragen, daß die wagrechteir und senkrechten Reihen gleich­lautend Folgendes ergeben:

1. Insel in der Nordsee.

2. Naturwissenschaftliches Beobachtungswerkzeug.

3. Stadt in Brandenburg.

| J r Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Gesuch, Besuch.

Redaktion: Ernst Heß. Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätZ-Buch- und Steindruckerei, St Lange, Gießen.