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eine gütige Natur ihm bescherte. Das Land ist groß genug, nm die Bewegungsfreiheit seiner Bewohner nicht allzu­sehr zu hemmen, und doch wieder nicht so gedehnt, daß es die Jnselnatnr verlöre, sich kontinentalen Formen allzusehr näherte. Das Klima ist im Frühjahr und Herbst vorzüglich, durch gleichmäßige Milde der Witterung aus­gezeichnet. Zwei Gebirgsgruppen überragen das frucht­bare, in jüngerer geologischer Periode gewordene Hügelland, das feinem Quellenreichtum üppigste Fruchtbarkeit verdankt. Nicht große Waldungen sind für Korfus Landschaft charakte­ristisch, sondern halbhohe Gehölze und dichtes Gestrüpp, das mit primitiv angebauten Strecken Ackerlandes und weit­gedehnten Oliveupflauzungeu wechselt, der Insel so ihr eigentliches Gepräge gebend. Es ist ein köstlich Fleckchen Erde mit jener tiefkräftigen Pflanzenwelt von südlicher Ueppig- keit, wie sie Max Klinger in seiner bekannten Paradiesland­schaft des Evazyklus mit der Radiernadel festzuhalten trachtete.

Bei seiner reichen Küstengliederung, dem Wechsel von Höhen und Tiefen bietet Korfu eine Mille einzig schöner Aus­sichtspunkte, wie kaum eine andere der Nachbarinseln. Der bekannteste Blick läßt sich von der Zitadelle aus gewinnen, die das einfahrende Schiff schon aus der Ferne begrüßt. Selbst flüchtige Besucher eilen den bequemen Weg über die mit seltenen Baumarten bestandene Esplanade der Hafenstadt, durch dräuende Bastionen, die, heute bedeutungslos ge­worden, in vergangenen Jahrhunderten ein unüberwind­liches Bollwerk gewesen sind, hinan zum Gipfel. Bon der Höhe des Leuchtturms läßt sich die Insel und der Meeres­arm bis nach Epirus, bis zu den Bergen Albaniens über­schauen. Ein anderer, viel bewunderter Ausblick öffnet sich von der HöheCauone" auf den uralten, jetzt ver­sandeten Hafen von Kalikiopulo und das Inselchen Ponti- konisi, einen harten Felsen mit kleinem, iveißblinkeudem Kloster, das durch hohe Zypressen- und Orangenbäume halb versteckt wird. Es ist dieToteninsel" Arnold Böck- lins, nach alten Sagen freilich dasschön gezimmerte Schiff der Phäaken", das vom Geleit des Odysseus heimkehrend, imdunkelwogenden" Meere durch Poseidons, des erzürnten Gottes, Hand versteinert wurde.'

Aber noch schöner fast dünkt mich die Ausschau vom weiter südlich gelegenen Hochsitz der verstorbenen Kaiserin; zu ihm führt von der Hafenstadt der Weg längs der sichel­förmig gebogenen Bucht Kalikiopulo und dann in Serpen­tinen in 12 Kilometern nach Gasturi, dessen Menschenschlag die Formen ältester Vorfahren noch am reinsten bewahrt haben soll. Man sieht auf dem Wege zum Achilleion tu den Feldern gutgewachsene Gestalten mit teilweise klassischen Gesichtszügen, auch bei den Frauen, deren eigentümliche, an den Seiten ausgebogene Haartracht unwillkürlich an Hauben des Mittelalters erinnert. Wenig hinter Gasturi leuchtet aus dem grünen Laube der Palastbau, den Elisa­beth von Oesterreich vor einem halben Menschenalter sich errichtet. Er ist durch Raphael Carito in jener eigen­artigen Stilmischung von Renaissance-Elementen und helle­nischen Anklängen konstruiert, der wir in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre au so vielen Architekturwerken be­gegnen. Der eigentliche Bauwürfel wirkt in seiner ge­schlossenen Masse durchaus machtvoll, leuchtet in der weißen Tönung weit in die Ferne. Das Innere ist namentlich in den Räumen des Untergeschosses nicht einheitlich ge­halten, sondern in damals beliebtem Eklektizismus zu­sammengestimmt, der ans der Freude an der Neubele- Lung historischer Stilarten entstanden war. Ein Herren­zimmer mit altrömischer Wandbekleidung, pompejanischen Hausmotiven entlehnt, liegt in der Nähe eines Speisesaals mit tzochrenaissanceschmuck, reich mit Barockenputten an den Wänden verziert, und in dessen Nachbarschaft wieder findet sich die byzantinische Hauskapelle mit der ganzen feierlichen Gehaltenheit, wie sie diesem Stile eigen. Ru­higer ist die Gesamtwirkung in den oberen Räumen. Auf schöner Marmortreppe gelaugt der Besucher zu einem von zwölf jonischen Säulen getragenen, mit Marmorstatuen ge­schmückten, reich ausgemalten Hallenumgange, der zum (©arten überleitet. Von den beiden vorliegenden Ter­rassen öffnet sich ein weiter Rundblick auf Insel und Meer zur albanischen Küste, zum Piudusgebirge und den akro- keraunischen Bergen. Stets neue Anregung findet das Auge bei dem nie endenden Spiel von Linie und Licht des weiträumigen bunten, und doch in einheitlicher Farben- 1 Wirkung zusammengehaltenen Bildes, sind wenn der Blick 1

daun doch müde vom unabläßlichen Wechsel der Töne, daun findet er beruhigenden Ausgleich im Grün des einzig schönen Parks, der von der Höhe die Berglehne entlang sich nach dem Meere hinzteht. In der geschützten Sage des weit gestreckten Gartens gedeihen bei dem subtropischen Klima nicht nur die charakteristischen Vertreter der Mittelmeer­flora: die schattengebenden Oliven, die hochragenden Zy­pressen, Oraiigen und Simonen mit leuchtenden Früchten in Prachtexemplaren, sondern auch Palmen, Magnolien, Bananeii und Agaven, Eukalyptus und Papyrusstauden sind hier eng beieinander zu finden.

Auf der unteren Terrasse liegt Herters sterbender Achilles, ein Lieblingswerk der Kaiserin, die auch Heinrich Heine in ihrem Garten ein Denkmal setzen ließ. Es zeugt von sicherstem Kunstempfinden, wie Elisabeth der schmäch­tigen Mgur des angekränkelten Liedersängers "ein Plätzchen am Gartenrand jamgewiesen, wo er in geschütztem kleinem Tempelchen zu sinnen und zu dichten scheint, während die wundervollen Glieder der heroischen Müunergestalt auf freier Höhe im Sonnenlicht sich allen Blicken bieten. Und fast will es heute dünken, als habe eine unbewußte Vor­ahnung kommenden Leides die Kaiserin bewogen, den Helden nicht im Moment zorniger Erregung, nicht in stolzer Maunestraft, nicht als Sieger im Kampfe, sondern in schmerzlichem Todeszucken zur Darstellung bringen zu lassen, wie er dem grämlichen Meuchelmörder erliegt. Durfte doch das Leben der Schöpferin des Achilleion selbst nicht sein ruhiges Ausmaß finden, sondern wurde jäh ab­gebrochen durch eines Wahnwitzigen Frevelhand.

Heute scheinen Haus und Garten des Achilleion in ver­zauberter Stille zu schlummern und zn harren auf neue Erweckung. Als jüngst deutsche Studenten, akademische Bürger der Kölner Handels-Hochschule, die Räume des Hauses, die Wege des Parkes durchschritten, da dachte wohl mancher, ob die Kaiserin von Oesterreich einen geistver­wandten Nachfolger finden werde, der gewillt wäre, die Erinnerung an die schönheitsfrohe Frau pietätvoll zu pflegen, und fähig, das verschlafene Schloß, den verlassenen Park wieder zuur Leben §u wecken. Nicht der Lärm eines großen Hotelgetriebes oder gar eine Spielbank durfte diesen Boden entweihen, er mußte ein vornehmer Ruhesitz bleiben für solche, die müde vom Tageslärm und Welttreiben Er­frischung im Süden suchen. Gewiß wird jeden, der den Boden Korfus und das Achilleion betritt, ein Gefühl stolzer Freude erfüllen, daß gerade unser Kaiser, der Verstorbenen er­gebener Freund, Franz Josephs treuer Verbündeter, sich und den Seinen das Achilleion als Erholungsstätte er­koren hat. ____________

Die Sicherheitsfahrt.

(Nachdruck verboten) Auto, höchster Stolz der Zeit,

Sei gepriesen weit und breit 1 Mit Verachtung weilt mein Blick Aus dem Gaul, der nicht mehr schick; Equipagen und Karossen

Dünken alt mich und verflossen;

Tramway ist und Eisenbahn Antiquiert und abgetan. Mit dem Velo sich befassen, Ist ein Sport für {(einte Kassen; Wem ergieb'ger sie verstehn, Der reift nur noch mit Benzin! Drum erbost es mich mit Recht, Wenn ein Witzling sich erstecht llnd des Autos hehre Pracht Zum Gespött der Menge macht. Unbegreiflich finde ich,' Und stets gibt's mir einen Stich, Hör' ich, wie so mancher Mann Dich gefahrvoll finden kann.

Alls, ihr Autler, eilt herbei, Zeigt, daß unsre Fahrerei lieber Spott erhaben sei!

Und sie fuhren los, o Gluck!

161 Stück Alltomobs voll alleil Arten Sind es, die mit Grazie starten. Und bereits der erste Tag Brachte Siege Schlag auf Schlag; Unvergeßlich wird er sein Lange Zeit bei Groß und Klein. Ganz besonders jenem Mann, Der mit Stolz sich rühmen kann.