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So, bn Türke, ich bin also eine alte tj/rait uttb ba soll ich benhalben Engel" ins Haus nehmen unb ruhig zuseben, wie ber Herr Doktor Nr. 26 gegenüber vor lauter Liebenswüroig- leit nicht weiß, was er alles aufstellen soll."

Der Doktor schien ben ernst sein sollenden Blick seiner Frau nicht gar zu sehr zu fürchten. Er faßte sie um und tänzelte mit ihr durchs Zimmer, baß ihr fast ber Atem verging.Du bist ja doch die aller-schönste und allerbeste, und mit dir kann sich selbst Nr. 26 nicht vergleichen, und ich wage es ja gar nicht, ein anderes weibliches Wesen auch nur anzusehen, und lange dauert ja die Geschichte auch nicht, benn in höchstens acht Wochen ist Hochzeit, und ich bin ja fast den ganzen Tag nicht zu Haufe, und bit bedarfst ja dringend genug einer angenehmen Gesellschaft und und und du nimmst sie auf, und du magst es, bpß mein so schöner Plan gelingt und zu einem glück­lichen Ende geführt wird."

Fritz, Fritz, was schwatzest du da wieder für Unsinn. Hören Sie nicht auf ihn, liebe Frau Doktorin. Ich leide es nicht, daß Sie meinetwegen auch'nur die kleinste Unannehmlichkeit dulden. Eine ganz fremde Person ins Haus zu nehmen, ist aber eine große Unbequemlichkeit, und dazu kommt noch, daß Fräulein Faukmann ein recht selbständiges Wesen 31t sein scheint. Nein, meine liebe Freundin, das geht absolut nicht an, und ehe ich das zugebe, führe ich mein. Diogenesleben ruhig weiter. Ich befinde mich auch ja ganz gut dabei. Babette sorgt für mich aufs allerbeste. Es bleibt dabei: Morgen sende ich alles zurück."

O, Ihr Männer, was seid Ihr doch für Schmeichler, tote, lieber Freund, freilich! ganz unabsichtlich; aber der da," und dabei zeigte sie schelmisch drohend auf ihren Doktor Fritz,ist ein Bösewicht durch und durch, vor dem man sich in acht nehmen muß. Ter überrumpelt mich täglich wohl zehnmal. Nun aber. Um der Sache ein Ende zn machen, geben Sie mir die Photo­graphie und den Brief. Ich will sehen, !vas sich machen läßt. Bedingung ist, es iviib gar nicht mehr von der Angelegenheit gesprochen, heute nicht, morgen nicht, übermorgen reicht, nie­mals nicht Was und wie ich es anfange und ausführe, das ist meine Sache; eine Einrede, Vorrede oder Nachrede dulde ich nicht. Mein Mann aber soll zur Strafe für seinen Leichtsinn Morgen eine Stunde auf das Mittagessen warten."

.Hätte Fran Marie sich nicht schleunigst hinter einen Stuhl geflüchtet, der Tanzwirbel von vorhin hätte sich wiederholt. Hans aber stellte sich schützend vor sie; er ergriff ihre Hand und drückte einen so beredten Küß auf dieselbe, daß Frau Marie ganz weich wurde und in innigem Tone sagte:Wie Gott will, lieber Freund, Sie verdienerr -eine gute Frau!"

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Acht Tage später erhielt unser Held folgendes Billett: Lieber Freund !

Wollen Sie heute Abend eine Tasse Tee bei uns trinken? Wir, b. h. mein Mann und ich und meine Gesellschafterin sind ganz unter uns. Ich habe meinem Manne bei meiner höchsten Ungnade verboten, über ein Ereignis, von dem er selbst aller­dings erst 'seit vorgestern Künde hat, zu plaudern. Hoffentlich hat er die nötige Furcht gehabt und nicht wider mein Gebot gehandelt. Erscheinen Sie ohne Frack und ohne weiße Hals­binde, aber mit einem recht freundlichen Gesicht.

Herzlichen Gruß von Ihrer

Zu ihrer großen Verwunderung bemerkte Babette am Abend desselben Tages, daß ihr Herr mit wirklicher Sorgfalt Toilette Machte. Dias war eigentlich in Jahren nicht mehr dagewesen und erregte daher die Neugierde der alten treuen Seele ganz gewaltig. Auf eine vorsichtige Frage, vb der Herr in eine Gesellschaft Wolle und vielleicht spät nach Hsause komme, und ob er nicht erst ein wenig essen wolle, war^ ihr die im gleichgültigsten Anne gegebene und sie wenig befriedigende Antwort, er möge nicht essen, er wolle nur aus ein Stündchen zu Doktors gehen. Nachdem aber schämte sich Hans dieser Undankbarkeit und beim Fortgehen drückte er seiner Babette so fest 'die .Hand, daß diese ihm ganz verwundert unb kopfschüttelnd nachsah.

Eine Viertelstunde später erfolgte seitens der Frau Doktorin die Vorstellung:Unser treuer Hausfreund, Herr Hans Niemann, meine Freundin unb unsere Hausgenossin, Fräulein Hertha Fauk- Mann."

Tie Meisten unserer Leser und Leserinnen werden ja ben Entwickelungsgang einer Liebesgeschichte vom ersten Sehen bis zur Verlobung aus eigener Erfahrung Fennen. Wir haben daher nur noch wenige Worte hinzuzufügen.

. Herr Hans Niemänn besuchte Doktors fast jeden Abend. Nach unb nach, aber fast unmerklich, hatte unser Held eine gründliche Metamorphose burchgemacht: ans dem stillen, ernsten .Einsiedler war ein lebenslustiger, witzsprühender, oft sogar etwas übermütiger Gesellschafter geworden. Nur wenn der Herr Doktor M einem Krankenbesuche abgerufen würbe und die Frau Doktorin ihrer Hausfrauenpflichieu wegen die Gartenlaube oder Pas Wohn- ztrnmer verließ, und das geschah merkwürdiger Weise recht oft, wurde Herr Hans Nieiniann wiederholt stark einsilbig, so daß p-rametn Hertha FaukMann ihn oftmals ganz verwundert an- fchaute. % i rzehn Tage später wurde Fräulein Hertha schon jedes- Wa.l ppt, werut Iw un.b der Hausfreund durch die .Entfernung!

ber beiden Eheleute allein aufeiuanber angewiesen waren. Hans," sagte darauf der Doktor, als er eines Abends seinen Freund bis an die Tür geleitet hatte,Haus, wird's bald? Tie Sache beginnt langweilig zn werden, unb auf lauge Zeit kann ich so spät Abends wirklich keine Patienten mehr auf-: treiben." Ohne ,Flute Nacht!" ging Hans davon.

Genau acht Tage später stand in derZtg.":

Als Verlobte empfehlen sich: Hertha Faukmann Hans Niemann.

Jetzt sind die Beiden längst ein Paar, das ' noch immer wie die Turteltauben zusammen lebt, trotzdem bereits ber zweite Schreihals die idyllische Ruhe oft genug stört.

Wenn Fran Hertha Nienrann, geb. Faukmann, diese Zeilen liest, toirb es wohl eine kleine Empörung absetzen. Ter Doktor gönnt sie seinem Freunde Hans von ganzem Herzen, benn es sei, so sagt er, ganz gegen alles Herkommen und gegen alle Erfahrung, daß eine Frau in dreijähriger Ehe noch nicht einmal eine Gardinenpredigt gehalten habe.

Achilleion?'')

Borr Prof. Dr. Christian Eckert.

Nach Achilles, dem berühmtesten Sproß alter Heldenge- schlechter, mit dessen Zorn die Ilias so machtvoll einsetzt, wie sie mit seinem Edelmut gegen den greifen Priamos ver­söhnend ausklingt, ist der Ruhesitz geheißen, den die Kaiserin Elisabeth sich auf Korfu errichtet hat und der jetzt bekanntlich in den Besitz Kaiser Wilhelms iibergegangen ist. Es ist ein Anwesen von bezauberndem Reiz, Ivie nur eine empfind­same, schönheitsuchende Persönlichkeit, eine echte Künstler­natur es zu finden und zu gestalten weiß. Nur wenige der zahlreichen Inseln des griechischen Meeres eignen sich so zu einem Erholungsplatz wie das nördlichste der jonischen Eilande, das, überreich mit allen Gaben einer verschwende­rischen Natur ausgestattet, den Preis seiner Schönheiten vollauf verdient.

Es ist ältester Kulturboden, den die modernen Hellenen hier besiedeln. Korfu galt schon in frühgeschichtlicher Zeit als die von Alkinoos beherrschte Phüakenmsel Scheria, bei deren seetüchtigem Völkchen der Vreldulder Odysseus seiner Irrfahrten Ende gesunden. In historischer Zeit wird Kör- kyra, wie die Insel damals genannt wurde, als korinthisch« Kolonie ein Hauptzentrum der aufblühenden Küstenschiffahrt. Mer bald schon lehnten sich die Inselbewohner gegen die am benachbarten Golf gelegene Mutterstadt auf; in den sich enifpinnenben Kämpfen wird an ihrer Küste die erste aller griechischen Seeschlachten geliefert, die nach Thuky- dides 665 v. Ehr. stattgefunden hat. Nach unrühmlicher Haltung im Perferkriege wechseln die Geschicke des- Länd­chens, das eine Hauptveranlafsung zur Selbstzerfleischung der Hellenen im peloponnesischen Kriege gewesen, in Glück, und Unglück. Mit Verlust ber Selbständigkeit ist es Rom, danach Byzanz zugefallen, bis es 1205 in die Gewalt der Venezianer kam, die es nach nur kurzer Preisgabe bis 1797 behaupteten. In der venezianischen Epoche liegt das eigentliche Heldenzeitalter der Insulaner; an den Festungs- mauern ihrer Hafenstadt hat sich in zwei Belagerungen die Macht des Türkenheeres im 16. wie int 18. Jahrhundert gebrochen. Nack Auflösung der Adria-Republik wurde Korfu französisch; in den Tagen des Wiener Kongresses ward die Insel unter russischen und bann unter türkischen Schutz gestellt. Wenig später kam sie für fast ein halbes Jahr­hundert unter englische Oberhoheit und bildet seit 1863 den nördlichsten Stützpunkt des ueuMiechischen Reiches im Adriatischen Meere. Von dem so wechselvollen historischen Leben ist heute kaum mehr als die Erinnerung geblieben. Bloß die Festungswerke auf den Höhen am Hasen, di« der Insel in venezianisch-türkischer Zeit den Namen Korfu, d. h,Gipfel", gegeben, mahnen an vergangene Tage; fonst ist' nur in Haltung, Geberden und Sprachgewandtheit der Bevölkerung die Jahrhunderte währende Verbindung mit dem Mendlande noch heute erkennbar.

Dagegen bietet die gesegnete Natur dem heutigen Ge­schlecht ihre Schätze ganz wie in alten Zeiten. Die jedes Jahr wiedergeborene Pflanzenwelt entzückt das Auge jetzt wie in längst vergangenen Tagen. In den Wogen der Adria gebettet, ein Verkehrsstützpunkt mit bequemem, sicherem Hafen, zu dem direkte Tampferlinien von allen Richtungen führen, zeigt Korfu die Gestalt eines nach Norden geöffneten Füllhorns, durch die Umrisse gleichsam symbolisierend den Reichtum der Gaben, den

*). Aus betMn. Ztg,"