Montag deu 17. Juni
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I
M
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Mr. 26.
Eine Heiratsgeschichte, der Wirklichkeit nacherzählt von Harro K'ö hucke, Hamburg.
Nachdruck verboten.
(Schluß.)
„Warum?
„Die so beginnen, sind Alltagsmenschen; sie stehen unter dem Niveau der Mittelmäßigkeit, haben weder Geist noch Verstand, und können im täglichen Umgänge einem Menschen das Leben zur Oual machen."
„Hans, ich bestimme Respekt vor deiner Beredsamkeit." „Mich wundert, daß du mich nicht für närrisch hältst." „Streiten wir uns nicht, alter Junge. Setzen wir lieber unsere Gerichtsverhandlungen fort. Eigentlich dauern mich die armen Mädels, denen hier die Gelegenheit, einen so prächtigen Mann zu bestimmen, so recht au der Nase vorübergeht."
„Tanke!"
Nach längerem Disputieren wurden ebenfalls drei Briefe aus- gewählt.
„So, Hans, jetzt kommt ein hochwichtiger Augenblick. Vergleichen wir die Nummern der Briefe mit denen der Photographien. Wie wird dir, Hans? Laß mich erst rasch deinen Puls fühlen. Na, np, nicht ganz normal, etwas zu rasch, doch nicht gefahrdrohend. Gehen wir an's Werk. Hier die Briefe:
19 — 17 — 26.
Schnell die Photographien:
16 — 13 — 26.
Hans, Hans, was sagst du nun? Das Schicksal meint es gut mit dir. Sieh doch dies liebe, süße Gesicht und diesen prächtigen Brief. Das ist ja ein Prachtmädel. Nr. 26 soll leben und ihr Hans daneben! — Babette, Babette!" — Der Herr Doktor war bereits auf dem Korridor. „Liebe, gute Babette, wollen Sie wohl die große Güte haben, zwei Naschen vom besten Rotwein zu holen? Vom besten, liebe Babette. Sagen Sie nur 'für Herrn Tr. Fritz Herling. Hier ist Geld, liebes Bettcheu."
„Was machst du für Dummheiten, Fritz."
„Dummheiten? Dummheiten nennst 'du das? Grundgütiger Himmel! Weun du nicht nicht bester Freund wärest, ich könnte dir böse werden, Hans. Dummheiten? Ist das Gesicht eine Dummheit? Steht in diesem Briefe eine Dummheit? Sprich, Barbar, sind das Dummheiten?"
„Nein, Fritz, das nicht; aber du machst Dummheiten. Was henkt Babette von uns? Und — Fritz — was nun?"
„Hans, lies den Brief noch einmal vor."
„Ta hast du ihn."
Ter Doktor las:
Unterzeichnete bewirbt sich um die angezeigte Stelle. Hier einige Personalien. Ich bin 24 Fahre alt, einziges Kind des verstorbenen Kaufmanns Faukmann. Seit zwei Jahren stehe ich ganz allein in der Welt; augenblicklich lebe ich bei meiner Tante, der verwitweten Rätin v. Roßmann. Nur der Wunsch, mir eine zusagende Beschäftigung zu verschaffen, bestimmte mich zu dieser Offerte. Ich kann wjaschen und plätten, kochen und backen, spreche plattdeutsch, hochdeutsch und englisch, radebreche französisch. Ich verstehe die Kültur der Zimmerpflanzen und die Pflege des Kanarienvogels und des Goldfisches. Musikalisch bin ich leider nicht. Ich bin nicht sehr lebhaft und lasse «mir meine Ruhe und Zufriedenheit nicht ganz leicht stören. Ob wir uns gegen
seitig gefallen werden, käme ja auf einen Versuch au. Wünschen Sie mich zu sprechen, so stehe ich jederzeit zu Diensten; e§ bedarf nur einiger Worte an
Ihre ergebene
Hertha Faukmann, N.-Str. 40.
„Hans, Hans, das muß ein Prachtmädel sein."
„Ja — und sie ist — Gott fei Tank! — nicht musikalisch."
„Gut, daß das meine Frau nicht gehört hat, du Hinterwäldler."
„Ach was, bei deiner Frau übersieht man gern und leicht ihre Schwärmerei für Musik. Mit der hast du ganz ohne Verdienst und Würdigkeit das große Los gewonnen."
„Tanke, Hans; ich will das Kompliment bestellen. Aber laß uns wieder zurückkommen zu Fräulein Faukmann. Was nun, Hans?"
„Ei, ei, Fritzi Wer war vorgestern so stegesgewiß, daß er sich über solche Kleinigkeiten einfach mit den Worten „Das andere findet sich später" hinwegsetzte. Nun tsb dem Herrn Doktor wohl das Latein ausgegangcn, he?"
„Noch lange nicht. Ich habe eine Idee: Fetzt trinken wir erst in aller Gemütlichkeit die beiden Flaschen Wein und dann gehen wir zu Frau Dr. Marie Herling, meiner vielgepriesenen Gemahlin, und —"
„Sagen: „Samiel hilf!" O, du großer Held! Wenn du doch deine Frau nicht hättest, 'wie ost säßest du in der Patsche. Uebrigens hast du recht, trink aus und laß uns gehen."
Eine halbe Stunde später saßen die beiden Freunde in dem Teezimmer der Frau Doktorin. Der Herr Gemahl hatte die Beichte übernommen, die er damit schloß, daß er seiner Frau die drei Photographien und Briefe vorlegte. Nur mit großer Mühe bewahrte Frau Marie einen feierlichen Ernst; als aber ihr Herr Doktor mit der kläglichsten Miene von der Welt die Frage „Was nun, Marie?" hervorstotterte, da hielt der Ernst nicht stand, da tönte ihr silberhelles Lachen durch das Zimmer, und damit verschwand denn auch die ettvas gedrückte Stimmung der beiden Freunde.
„Ja," meinte sie, „da habt Ihr Euch eine schöne Suppe eingebrockt, nun eßt sie auch nur allein aus. Jetzt mag mein kluger Herr Gemahl, der ja jeden Tag die halbe Stadt durchstreift, sich das „alte, gebildete, sehr gemütliche Ehepaar" suchen, und dann mögt Ihr nur Sorge wagen, daß die junge Dame Nr. 26 von dieser ganzen Jntrigue nichts erfährt, wenigstens nicht vor der Hochzeit. Nach dem Briefe und dem Silbe, zu urteilen, würde sie den Herren Ränkeschmieden ihre Manipulationen gewaltig Übelnehmen. Ich tät's wenigstens."
„Ja, liebe Frau Doktorin, Sie haben ganz recht., Ich habe mich durch Fritz zu einem recht dummen Streich verleben lassen. Ich will ihn, so weit möglich, rasch wieder gut machen, mdem ich jeder einzelnen Dame morgen das Ihrige wieder zustelle. Jede wird dann glauben, die Stelle, sei bereits besetzt, und groß ist der augerichtete Schaden dann ja nicht."
„Rein, Hans, das wäre doch gar zu schade. Wenn du nur ehrlich sein willst, so mußt du gestehen, daß selbst dein steinernes Herz bei dem Anblick dieses hotden Engels rascher pulsiert. Ich sehe es dir ja an, daß du nicht ohne Bedauern meinen so schön eingcfädclten Plan fallen lässest. Es kommt nur darauf an, das „alte Ehepaar" zu finden, und das wird allerdings nicht! leicht sein. Wie wäre es, liebe, süße Marie, weim — wir —- Nr. 26 — zu uns ins Haus brächten?"


