Ausgabe 
17.5.1907
 
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Areitag den 17. War

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beit Umschlag ablöste und das Buch öffnete. Da stand vorne auf bet ersten. Seite über bene Titel eine Widmung an sie.

Seiner geliebten Schwester im Geist, welche die ersten Ge- banken teilte, bie dieses Werk im Entstehen formten, welche manchen toten Stein dazu beseelte, sei das Buch gewidmet in Ehrfurcht und Dankbarkeit."

Sie neigte ihr Haupt tief über bas Blatt, bie Tränen iwltteit sich nicht hemmen lassen, sie verdunkelten ihren Blick, O ja, sie erinnerte sich. Lange ehe sie ahnte, dast er Sylvia liebte^ trug sein Geist sich schon mit dieser Arbeit. Er sprach ihr davon, und sie begeisterte sich voll dafür. Sie hatte der Entwicklung seines Planes gelauscht mit ungeteiltem Interesse, hatte das erste Werden mit erlebt gegeben hatte sie ihm nichts dazu, wie konnte er sie so ehren aber glücklich, unermeßlich glücklich war sie damals gewesen, als seine Schwester im Geist!

Sie erhob das tranenumftorte Auge zu ihm und reichte ihm die Hand. , ,,

Billatte!" es kam nichts weiter über ihre Lippen, er sah mit seltsamen, ihm selbst unklaren Gefühlen auf sie herab.

So schön war sie früher nicht gewesen sie tvar dieselbe! und doch eine andere.

Es war so peinlich still int Zimmer, nur die Uhr tickte laut, Erna w-ars den Kopf zurück, ihr war zum Ersticken Heist.

Da wurde plötzlich die Tür, welche vom Korridor in daS Wohnzimmer führte, ungestüm aufgerissen, und ein etwa vor­jähriger blonder Knabe stürmte herein. Er hielt einen Straust wundervoller Rosen in den Händen, hob ihn jubelnd empor und eilte in Ernas Arme, die sich ihm entgegen breiteten.

Erna! Erna! Der Papa ist auch brausten."

Erna fing den wilden Knaben auf und rettete bie herrlichen Rosen bei der rücksichtslosen Umarmung. Ihr Antlitz glühte purpurn, eä1 glänzte etwas Feuchtes unter ihrer Wimper, sie herzte und küßte das liebliche Kind.

Walter! Walter! Mein Wildfang! Woher kommst du denn Ijcitt?"

Billatte stand mit einem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck daneben, sein Herz schlug plötzlich so unruhig, dast er sich selber nicht begriff. - , r ,r .

Und jetzt stand da im Rahmen dec Tur em hochgetvachscner Manu in der Unijorm eines' Obersts, mit einem schönen männ­lichen Gesicht und dunklem Bollbart. Unter der wettergebräunten Stirn leuchteten ein Paar stolzer, gebietender Augen. Eine impo­nierende Erscheinung, der kein Mädchen abhold sein konnte.

Er trat auf Erna zu und begrüßte sie mit einer gewissen vertraulichen Courtoisie. , , t

Der Junge liest mir keine Ruhe," sagte er lachend,wir stören Sie natürlich heute. Dürfen wir ein Stündchen bleiben?

Erna wandte sich zu Billatte, der im Hintergrund gebltebeit tvar, um ihn vorzustellen, und jetzt erst schien der Offizier rhit zu gewahren.

Herr Professor Billatte Freiherr von Ständig, Oberst und Kommandeur des . . .-Regiments."

Die Herren verbeugten sich. Die Augen des Obersts ruhten mit freundlichem, gewinnendem Ausdruck auf dem jungen Professor^

Irrlicht nach.

Roman von Alexander R ö m e r.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Nach RoM Erna wandte sich ab, denn ihr trat eine helle Flamme ins Gesicht Roderich hatte geschrieben, dast er Sylvia in Rom getroffen habe. Wußte Billatte daS? Lockte sie ihil noch?

Unsinn ihre Gedanken verwirrten sich schier, wie sollte er es' wissen, und wenn er es wüßte sie zu sehen ging er ja nicht was ihn hinführte, lag ja offiziell am Tage. Aber eS mochte peinlith für ihn werden, ihm die reine Freude, welche er über diesen auszeichnenden Auftrag empfand, wieder verbittern, wenn er es erfuhr. Ihre Gedanken irrten sofort wieder um sein Leben, um sein Wohl, um sein Glück, sofort, nachdem sie ihn einmal wiedersah, und sie hatte sich einge­redet, er sei ihr nichts mehr.

Wenn der Vater fiti> nur nicht verredete, aber nein, er tvar klug in diesem Falle er erwähnte Sylvia nicht. Nur davon, daß er Roderich in Rom treffen würde, sprachen sie. Wie die Züge des Bakers sich belebten, als er von feinem Sohne sprach und Billatte bat, ihn ja gleich aufzusuchen.

Ernas Herz tvar schwer, zentnerschwer. Sie stand Vor einer wichtigen Entscheidung, sie hatte nun seit einem halben Jahr eine neue Zukunft vor sich aufsteigen sehen, sich an den fremden Gedanken gewöhnt, mit ihrem Verstände überlegt sie konnte keine Storung, keine Gemütsbewegungen neuer Art gebrauchen.

Der Kommerzienrat war in sein Zimmer gegangen, um not- tvendige Geschäftskorrespondenzen zu erledigen, nachdem er vorher peremptorisch angeordnet, des Professors Sachen aus dem Hotel zu holen.Sie sind selbstverständlich für ein Mar Tage erst unser Gast, ehe Sie über die Alpen gehen," hatte er erklärt;wir erwarten morgen einige tverte Freunde zu Tisch, die Sie kennen lernen müssen. Sie kamen gerade zu rechter 3e.it." Den letzten Satz hatte der alte Herr mit eigenartiger Betonung und einem gewissen Schmunzeln um den breiten Mund gesprochen; Billatte aber beobachtete es' nicht, nur Erna zuckte unter den Worten zusammen.

Billatte ivollte erst ablehnen, fürchtete daun aber wohl den alten, lieben Herrn zu verletzen und sagte zu Erna.war im Zweifel, ob gern oder ungern.

Tie Mama war auch eben abgerufen worden in Toiletten- stngelegeuheiten Erna und Billatte waren allein.

Er trat auf sie zu und zog mit einer schüchternen, ver­legenen Miene, die ihn jünger und kindlich liebenswürdig er­scheinen liest, eilt Buch in solidem, künstlerisch ausgestattetem Ein­band aus der Tasche.

Fräulein Ema! Das erste Exemplar meines WerkesVer­gleichende Geschichtsphilosophie", das eben die Presse verlassen hat. Ich möchte es Ihnen überreichen. Erinnern Sie sich noch an die Stunde, als"

Seine Stimme versagte, et mußte sich abwenden.

Sie sank in einen Stuhl, es schwamm vor ihren Augen jttttb; sie konnte es nicht wehren, daß ihre Hände zitterten, als sie